Anatomie, Nerven und Aufbau der Finger: Ein detaillierter Überblick

Die menschliche Hand ist ein bemerkenswertes Wunderwerk der Natur, ein hochkomplexes Zusammenspiel aus Knochen, Sehnen, Muskeln und Nerven, das uns zu unserem wichtigsten Werkzeug macht. Sie ist sowohl feingliedrig als auch komplex aufgebaut. Ihre Muskeln und Gelenke können sich vielfältig und mit großer Präzision bewegen. Auch die Kraftverteilung ist optimal. Die Hände können fest zupacken und mit schweren Gewichten hantieren, aber auch Nähgarn durch ein Nadelöhr fädeln. Gleichzeitig ist die Hand verletzlich, denn die relativ dünnen Knochen, die Sehnen, Nerven und Blutgefäße liegen direkt unter der Haut und sind von wenig schützendem Muskel- und Fettgewebe bedeckt. Nur die Handfläche ist durch eine robuste Sehnenplatte (Aponeurose) geschützt, die einen kraftvollen Griff erlaubt. Die Hände werden täglich stark beansprucht und befinden sich oft in der Nähe gefährlicher Werkzeuge. Handverletzungen und verschleißbedingte Beschwerden an den Händen sind daher sehr häufig.

Knochenstruktur der Hand

Die menschliche Hand besteht aus insgesamt 27 Einzelknochen: 8 Handwurzelknochen, 5 Mittelhandknochen und 14 Fingerknochen sind durch Gelenke und Bänder miteinander verbunden. In den Händen befinden sich damit etwa ein Viertel aller Knochen des menschlichen Körpers.

Handwurzelknochen (Carpus)

Die Handwurzel besteht aus acht Handwurzelknochen (Kahnbein, Mondbein, Dreieckbein, Erbsenbein, großes Vieleckbein, kleines Vieleckbein, Kopfbein, Hakenbein), die gelenkig miteinander verbunden sind. Diese Knochen liegen in zwei Reihen angeordnet und bilden mit Speiche und Elle das Handgelenk. Das Handgelenk besteht aus zwei Teilgelenken, die eine funktionelle Einheit bilden. Im Handgelenk kann die Hand gebeugt oder gestreckt werden. Die 8 Handwurzelknochen sind durch Bänder fest miteinander verbunden und kaum gegeneinander beweglich. Sie sind in 2 Reihen aus je 4 Handwurzelknochen angeordnet. Dazu gehören das Kahnbein und das Mondbein, die gemeinsam mit der Speiche das unterarmnahe Handgelenk bilden, welches für die Handbewegung sehr wichtig ist. Die Elle ist von den Handwurzelknochen durch eine Knorpelscheibe getrennt.

Mittelhandknochen (Metacarpus)

An die zweite Reihe der Handwurzelknochen schließt sich die Mittelhand an. Sie besteht aus fünf langgestreckten Mittelhandknochen, die sich auf dem Handrücken gut ertasten lassen.

Fingerknochen (Phalangen)

Die 5 Finger bilden den frei beweglichen Teil der Hand. Sie bestehen jeweils aus 3 Einzelknochen (Fingergliedern) - mit Ausnahme des Daumens, der nur 2 Glieder hat. In jedem Finger befinden sich 3 Gelenke, das Grund-, Mittel- und Endgelenk. Sie sind nur in einer Bewegungsrichtung (Streckung und Beugung) beweglich. Die Finger einer Hand werden im Laufe eines Lebens etwa 25 Millionen Mal gebeugt und gestreckt.

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Muskeln der Hand: Intrinsische und Extrinsische

Auch die Muskulatur der Hand ist sehr komplex und besteht aus über 30 Muskeln. Dabei werden die Handbewegungen zum Großteil von Muskeln im Unterarm ausgelöst. Nur die schlanken Sehnen dieser Muskeln befinden sich direkt in der Hand. Die kurzen Handmuskeln liegen zwischen den Mittelhandknochen. Durch sie lassen sich die Finger spreizen (Abduktion) und wieder zusammenführen (Adduktion). Zwei Gruppen von kräftigeren Muskeln der Mittelhand bilden den Daumenballen (Thenar) und den Kleinfingerballen (Hypothenar). Die Daumenballenmuskeln ermöglichen unter anderem, dass sich der Daumen und die Spitzen der anderen vier Finger berühren können (Gegenüberstellung). Durch einen separaten Muskel zum Heranziehen (Adduktor) lässt sich der Daumen auch in Richtung Handfläche bewegen.

Die Muskulatur der Hand ist sehr komplex, wobei sie nur einen Teil der Bewegung in der Hand ermöglicht. Die meisten der 33 an der Handbewegung beteiligten Muskeln liegen im Unterarm. Diese entsenden ihre Sehnen zur Kraftübertragung in die Hand. Eine Gruppe von kräftigen Muskeln in der Handfläche bildet den Daumenballen (Thenar) und ellenseitig den Kleinfingerballen (Hypothenar).

Man unterscheidet intrinsische und extrinsische Muskeln:

  • Intrinsische Muskeln: Das sind die „lokalen Experten“. Sie haben ihren Ursprung und ihren Ansatz direkt innerhalb der Hand. Ihre Hauptaufgabe ist die Feinmotorik - denk ans Schreiben, das Zuknöpfen eines Hemdes oder das Einfädeln eines Fadens.
  • Extrinsische Muskeln: Das sind die „Kraftwerke“. Sie entspringen im Unterarm und schicken ihre langen Sehnen bis in die Finger. Diese funktionale Trennung ist der eigentliche Geniestreich hinter der unglaublichen Vielseitigkeit unserer Hände.

Thenarmuskulatur (Daumenballen)

Die Thenargruppe besteht aus drei perfekt aufeinander abgestimmten Muskeln. Um zu verstehen, wie der Daumen seine beeindruckende Bewegungsfreiheit bekommt, müssen wir uns die einzelnen Spieler mal genauer anschauen.

  • Musculus abductor pollicis brevis (Kurzer Daumenabspreizer): Er liegt am oberflächlichsten und ist, wie der Name schon sagt, für das Abspreizen (Abduktion) des Daumens zuständig. Innerviert wird er vom N. medianus.
  • Musculus flexor pollicis brevis (Kurzer Daumenbeuger): Direkt nebenan kümmert sich dieser Muskel um die Beugung im Daumengrundgelenk. Er wird vom N. medianus innerviert (Caput superficiale) und vom N. ulnaris (Caput profundum).
  • Musculus opponens pollicis (Daumengegensteller): Das ist der wahre Held der Truppe. Er liegt etwas tiefer und ermöglicht die namensgebende Oppositionsbewegung. Er zieht den Daumen nicht nur zur Handfläche, sondern dreht ihn gleichzeitig nach innen. Die Innervation erfolgt durch den N. medianus.
  • Funktionell wird manchmal auch der Musculus adductor pollicis (Daumenanzieher) dazugezählt. Er wird vom N. ulnaris innerviert (Caput transversum und Caput obliquum).

Die einzelnen Funktionen sind das eine, aber die Magie passiert erst im Zusammenspiel. Zuerst spreizt der M. abductor pollicis brevis den Daumen ab und schafft Platz. Danach bringen der M. flexor pollicis brevis und der M. opponens pollicis den Daumen in die perfekte Gegenposition zum Zeigefinger. Das Zusammenspiel der Thenarmuskulatur ist ein Paradebeispiel für neuromuskuläre Effizienz.

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So genial dieses System auch ist, es hat eine Schwachstelle. Alle drei Hauptmuskeln der Thenargruppe werden vom Nervus medianus innerviert. Dieser Nerv muss durch eine ziemlich enge Stelle im Handgelenk, den Karpaltunnel. Am Anfang spürt man nur ein Kribbeln oder Taubheitsgefühle, besonders in Daumen, Zeige- und Mittelfinger. Bleibt der Druck auf den Nerv aber bestehen, kommt das Signal bei den Thenarmuskeln nicht mehr richtig an. Ein weiteres dramatisches Zeichen für eine schwere Schädigung des Nervus medianus ist die „Schwurhand“. Dabei können Daumen, Zeige- und Mittelfinger nicht mehr zur Faust geballt werden und die Hand sieht aus, als würde sie einen Schwur ablegen. Klar ist: Die Gesundheit der Thenarmuskulatur und des Nervus medianus ist fundamental für fast alles, was wir mit unseren Händen tun.

Hypothenarmuskulatur (Kleinfingerballen)

Der Daumenballen stiehlt ihm oft die Show, doch sein Gegenüber, der Kleinfingerballen, ist für unsere Handfunktion mindestens genauso wichtig. Diese Muskelgruppe, die wir als Hypothenarmuskulatur bezeichnen, ist weit mehr als nur ein weiches Polster. Die pure Kraft, mit der Ihre Finger zupacken, stammt größtenteils aus den Unterarmmuskeln. Aber die Stabilität, die verhindert, dass die Hantel aus Ihrer Hand kippt? Die feine Anpassung, um den Griff perfekt zu formen? Genau dafür ist die Hypothenarmuskulatur zuständig. Ähnlich wie beim Daumen besteht auch die Hypothenar-Gruppe aus drei Muskeln.

  • Musculus abductor digiti minimi (Kleinfingerabspreizer): Dieser Muskel zieht sich an der äußeren Handkante entlang und ist, wie der Name schon sagt, dafür verantwortlich, den kleinen Finger von den anderen abzuspreizen. Er wird vom tiefen Ast des N. ulnaris innerviert.
  • Musculus flexor digiti minimi brevis (Kurzer Kleinfingerbeuger): Er liegt direkt neben dem Abspreizer. Seine Hauptaufgabe ist es, das Grundgelenk des kleinen Fingers zu beugen. Die Innervation erfolgt durch den tiefen Ast des N. ulnaris.
  • Musculus opponens digiti minimi (Kleinfingergegensteller): Dieser Muskel liegt am tiefsten und ist für eine subtile, aber extrem wichtige Bewegung verantwortlich. Er zieht den fünften Mittelhandknochen nach vorne und dreht ihn dabei leicht. Auch er wird vom tiefen Ast des N. ulnaris innerviert.
  • Zusätzlich gibt es noch den M. palmaris brevis, der die Haut des Kleinfingerballens runzelt und ebenfalls vom N. ulnaris innerviert wird.

Auf den ersten Blick wirkt die Hypothenarmuskulatur fast wie ein Spiegelbild der Thenarmuskulatur am Daumen. Beide Gruppen besitzen einen Abspreizer, einen kurzen Beuger und einen Gegensteller (Opponens). Doch trotz der strukturellen Ähnlichkeit sind ihre Hauptaufgaben grundverschieden. Man kann sich die Hypothenarmuskulatur wie einen Anker vorstellen. Alle drei Muskeln des Kleinfingerballens werden ausnahmslos vom Nervus ulnaris versorgt. Dieser Nerv verläuft am Ellenbogen recht ungeschützt durch den sogenannten „Musikantenknochen“ und kann auch am Handgelenk leicht unter Druck geraten.

Kommt es zu einer Lähmung des Nervus ulnaris, entwickelt sich eine Hypothenaratrophie: Der Kleinfingerballen schwindet und verflacht sichtbar. Die wohl bekannteste Folge einer Ulnaris-Schädigung ist jedoch die Ausbildung einer „Krallenhand“. Durch den Ausfall der vom Nervus ulnaris versorgten intrinsischen Handmuskeln kommt es zu einer Überstreckung in den Grundgelenken und einer Beugung in den Mittel- und Endgelenken der Finger. Besonders stark ist dies am Ring- und Kleinfinger ausgeprägt. Die Hand nimmt eine klauenartige Haltung an, was die Greiffunktion massiv einschränkt.

Mittelhandmuskeln (Musculi interossei und Lumbricales)

Bisher haben wir uns die großen, gut sichtbaren Muskelgruppen am Daumen- und Kleinfingerballen angesehen. Aber tief verborgen zwischen den Mittelhandknochen liegt die wahre Magie unserer Hand: die Mittelhandmuskeln. Man könnte sie sich als das filigrane Uhrwerk der Hand vorstellen. Während die größeren Muskeln die grobe Kraft für das Zupacken liefern, sind die Musculi lumbricales und Musculi interossei für die feine Justierung zuständig. Ihre Spezialität ist eine ganz besondere, kombinierte Bewegung: Sie beugen die Fingergrundgelenke und strecken gleichzeitig die Mittel- und Endgelenke.

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Die vier Musculi lumbricales, auch als „wurmförmige Muskeln“ bekannt, haben eine anatomische Besonderheit, die sie einzigartig macht. Im Gegensatz zu fast allen anderen Muskeln entspringen sie nicht an einem Knochen. Diese clevere Konstruktion macht sie zu einem direkten Bindeglied zwischen dem Beuge- und Strecksystem der Finger. Sie ziehen an der sogenannten Streckaponeurose, einem komplexen Sehnengeflecht auf dem Handrücken. Die radialen Seiten der Sehnen des M. flexor digitorum profundus werden vom N. medianus innerviert (Mm. lumbricales I und II), die medialen 2 Sehnen des M. flexor digitorum profundus werden vom N. ulnaris innerviert (Mm. lumbricales III und IV).

Noch tiefer, direkt eingeklemmt zwischen den Mittelhandknochen, finden wir die Musculi interossei, die „Zwischenknochenmuskeln“.

  • Musculi interossei dorsales (4 Muskeln): Diese liegen auf dem Handrücken und sind für das Abspreizen (Abduktion) der Finger zuständig. Sie flexieren die Finger im MCP und abduzieren den 2. und 4. Finger. Die Innervation erfolgt durch den N. ulnaris.
  • Musculi interossei palmares (3-4 Muskeln): Ihre Kollegen auf der Handflächenseite machen genau das Gegenteil - sie sorgen für das Zusammenführen (Adduktion) der Finger. Sie adduzieren den 2., 4. und 5. Finger. Auch diese werden vom N. ulnaris innerviert.

Zusammen verleihen diese beiden Gruppen unseren Fingern eine unglaubliche seitliche Beweglichkeit und Stabilität. Die Mittelhandmuskeln sind das perfekte Beispiel dafür, wie in der Anatomie oft die kleinsten und unscheinbarsten Strukturen die komplexesten und wichtigsten Aufgaben übernehmen. Die Innervation erfolgt durch den N. ulnaris.

Die Anatomie der Handmuskeln im Mittelhandbereich ist auch aus neurologischer Sicht extrem aufschlussreich. Fast alle dieser kleinen Muskeln werden vom Nervus ulnaris versorgt. Die große Ausnahme bilden die ersten beiden Mm. lumbricales (für Zeige- und Mittelfinger), die ihre Befehle vom Nervus medianus erhalten. Ein Arzt kann durch gezielte Tests der Fingerbewegungen - Spreizen, Schließen, Beugen in den Grundgelenken - sehr genau feststellen, welcher Nerv betroffen ist und wo die Schädigung liegen könnte.

Diese feine Aufteilung der Nervenversorgung macht die Mittelhandmuskeln zu einem wichtigen Indikator für die neurologische Gesundheit der Hand. Ein Ausfall dieser Muskeln führt nicht nur zum Verlust der Feinmotorik, sondern auch zu sichtbaren Fehlstellungen wie der gefürchteten „Krallenhand“, bei der das empfindliche Gleichgewicht zwischen Beugern und Streckern gestört ist.

Extrinsische Flexoren und Extensoren

Die langen Beuge- und Streckmuskelsehnen der Unterarmmuskeln sind teilweise von schützenden Hüllen umgeben, den Sehnenscheiden. Sie enthalten Flüssigkeit, die als Gelenkschmiere dient und dafür sorgt, dass sich die Sehnen reibungsarm bewegen können.

  • Extrinsische Flexoren der Hand: Sie sorgen für Kraft und Griffigkeit. Innerviert werden sie vom N. medianus (mit Ausnahme des Adductor pollicis, der vom N. ulnaris innerviert wird).
  • Extrinsische Extensoren der Hand: Sie ermöglichen die Streckung der Hand und der Finger.

Nervenversorgung der Hand

Drei Nerven versorgen die Hand: der Ellennerv (Nervus ulnaris), der Mittelarmnerv (Nervus medianus) und der Speichennerv (Nervus radialis). Die Steuerung unserer Hand ist eine logistische Meisterleistung des Nervensystems, die sich auf diese drei Hauptakteure verteilt.

  • Nervus medianus: Man könnte ihn den „Daumen-Nerv“ nennen. Er versorgt die super wichtige Daumenballenmuskulatur (Thenar) und die ersten beiden Lumbricales.
  • Nervus ulnaris: Der „Kleinfinger-Nerv“. Er kümmert sich um fast alle anderen kleinen Muskeln in der Hand, also den Hypothenar und die Interossei.
  • Nervus radialis: Der „Strecker-Nerv“. Seine Hauptaufgabe ist, wie der Name schon sagt, die Streckung im Handgelenk und in den Fingern.

Nervus Ulnaris (Ellennerv)

Der Ellennerv bewegt die Muskeln des Kleinfingerballens, die Zwischenknochenmuskeln der Mittelhand, den Muskel, der den Daumen heranführt (Adduktor) und zwei der Zwischenfingermuskeln. Außerdem leitet der Nerv die Hautempfindungen aus dem Bereich über dem kleinen Finger und der angrenzenden Seite des Ringfingers. Er versorgt den palmaren und dorsalen Teil des 5. Fingers und die ulnare Seite des 4. Fingers.

Nervus Medianus (Mittelarmnerv)

Der Mittelnerv ist für die Bewegung der Daumenballenmuskeln und der restlichen Zwischenfingermuskeln zuständig. Er ist zudem verantwortlich für die Wahrnehmung von Hautreizen an der Handinnenfläche, an Daumen, Zeige- und Mittelfinger sowie an der Haut des Ringfingers, die an den Mittelfinger grenzt. Er versorgt den palmaren Teil des Daumens, des 2.-3. Fingers und die radiale Seite des 4. Fingers.

Der Nervus medianus ist ein bedeutender peripherer Nerv des Armnervensystems, der eine zentrale Rolle bei der motorischen und sensorischen Funktion der Hand spielt. Als Teil des Plexus brachialis innerviert der Nervus medianus eine Vielzahl von Muskeln im Arm und der Hand sowie sensiblen Hautbereiche.

Nervus Radialis (Speichennerv)

Der Speichennerv aktiviert die Fingerstrecker und die Muskeln, die die Hand im Handgelenk strecken. Er versorgt die Dorsalseite des Daumens, des 2.-3. Fingers und die radiale Seite des 4. Fingers.

Blutversorgung der Hand

An der Handinnenfläche auf Höhe des Handgelenks verlaufen Muskelsehnen, Nerven und Gefäße vom Unterarm zur Hand durch den „Karpaltunnel“. Dieser Durchlass besteht aus festen Bindegewebsbändern und Handwurzelknochen. Die Hand wird durch zwei Hauptschlagadern jeweils an der Daumen- und Kleinfingerseite mit Blut versorgt. Diese beiden Arterien bilden je einen Bogen auf Höhe der Handfläche. Die Hand wird also über eine doppelte Schleife mit sauerstoffreichem Blut versorgt. Aus diesen Bögen entspringen die Gefäßäste für die einzelnen Finger.

Greiffunktionen der Hand

Um Gegenstände greifen und bewegen zu können, kann die Hand Kraft- oder Präzisionsgriffe ausführen. Welche der beiden Greiftechniken eingesetzt wird, richtet sich nach Größe, Gewicht, Form und Handlichkeit des Gegenstands.

  • Kraftgriff: Der Kraftgriff wird beispielsweise zum Tragen schwerer Taschen oder zum Festhalten an einem Griff gebraucht. Beim Kraftgriff wird der Gegenstand in die Handfläche genommen, die langen Beugesehnen führen dabei Finger und Daumen so, dass sie den Gegenstand eng umschließen können. Wichtig für die Greiffunktion ist neben der Beugung der Finger vor allem die Fähigkeit des Daumens, sich den anderen Fingern gegenüberzustellen. In dieser Position lassen sich auch größere Gegenstände wie etwa ein Stein oder eine schwere Flasche halten und kontrolliert bewegen.
  • Präzisionsgriff: Der Präzisionsgriff ist für das Bewegen feiner, leichter Gegenstände wichtig, zum Beispiel beim Schreiben, Nähen oder Malen.

Klinische Relevanz: Erkrankungen und Verletzungen der Hand

Nachdem wir uns jetzt so tief in die Anatomie der Hand eingegraben haben, bleiben oft noch ein paar ganz konkrete Fragen übrig. Das ist völlig normal, denn die Komplexität unserer Hände wirft im Alltag immer wieder Neugier auf. Dieses unglaublich komplexe Zusammenspiel aus Muskeln, Sehnen und Nerven ist leider auch anfällig für Störungen. Meistens entstehen die Probleme an Engstellen, wo Nerven oder Sehnen regelrecht in die Klemme geraten.

Karpaltunnelsyndrom

Das wohl bekannteste Leiden ist das Karpaltunnelsyndrom. Hier dreht sich alles um den Nervus medianus, der, wie wir wissen, die entscheidende Daumenballenmuskulatur (Thenarmuskulatur) steuert. Schwillt es in diesem Tunnel an, zum Beispiel durch eine Entzündung der Sehnenscheiden, wird es für den Nerven eng. Richtig eng. In Deutschland sind schätzungsweise 2 bis 3 Prozent der Bevölkerung davon betroffen, was das Karpaltunnelsyndrom zu einem der häufigsten Nerven-Engpass-Syndrome überhaupt macht. Wenn der Druck auf den Nerven anhält und nichts unternommen wird, geht spürbar Kraft verloren. Bei der Behandlung geht es immer darum, dem Nervus medianus wieder Platz zu verschaffen.

Dieses fiese Kribbeln, das sich meistens im Daumen, Zeige- und Mittelfinger breitmacht, ist ein klassisches Warnsignal. Durch die oft stundenlang abgeknickte Haltung des Handgelenks beim Tippen oder bei der Mausbedienung wird der Nervus medianus im engen Karpaltunnel regelrecht eingequetscht. Ignoriert man diese Signale zu lange, kann der Nerv dauerhaft Schaden nehmen. Das Resultat ist dann oft ein spürbarer Kraftverlust in der Daumenmuskulatur.

Kubitaltunnelsyndrom

Ein ganz ähnliches Problem kann den Nervus ulnaris treffen. Das ist der Nerv, der den Kleinfingerballen und die meisten kleinen Muskeln in der Mittelhand versorgt.

Sehnenscheidenentzündung

Wer ständig die gleichen Bewegungen macht - langes Tippen, handwerkliche Arbeiten - überlastet schnell seine Sehnen. Die Folge kann eine Entzündung der Sehnenscheiden sein. Das sind die Hüllen, die unsere Beuge- und Strecksehnen umgeben. Sie schwellen an und jede Bewegung schmerzt. Oft ist die Stelle druckempfindlich und manchmal spürt man sogar ein Reiben oder Knirschen. Ruhigstellen, kühlen und entzündungshemmende Mittel sind hier meist der erste Schritt.

Morbus Dupuytren

Bei dieser Erkrankung wuchert das Bindegewebe in der Handinnenfläche (Palmaraponeurose) gutartig. Es bilden sich harte Knoten und Stränge, die mit der Zeit schrumpfen und die Finger - meist Ring- und Kleinfinger - in eine Beugestellung ziehen. Die Betroffenen können ihre Finger dann einfach nicht mehr gerade ausstrecken. Die Ursache liegt in den Genen.

Rhizarthrose

Eine häufige Ursache für Handschmerzen ist die Rhizarthrose, der Gelenkverschleiß im Daumensattelgelenk.

Knochenbrüche

Überblick über Knochenbrüche des distalen Teils des 5. Mittelhandknochens. Normalerweise aufgrund eines direkten Schlags der geballten Faust gegen eine harte Fläche, z.B. Wand oder Gesicht. Symptome sind Schmerzen, sowie ein Hämatom und Schwellung.

Rheumatoide Arthritis

Die meisten rheumatoiden Erkrankungen betreffen die Hand- und Fingergelenke. Die synoviale Proliferation führt zu Skeletterosion, Zerstörung der kapsulären Bandstrukturen und Veränderungen der Sehnenstruktur und -funktion.

Schwanenhalsdeformität

Gekennzeichnet durch Flexion des DIP-Gelenks und Hyperextension des PIP-Gelenks.

Knopflochdeformität

Gekennzeichnet durch Extension im DIP-Gelenk und Flexion im PIP-Gelenk. Sekundär nach Schädigung des Tractus intermedius der Finger-Streckaponeurose im Bereich des proximalen Interphalangealgelenkes.

Arthrose

Arthrose ist die häufigste Gelenkerkrankung und die häufigste Ursache für Behinderungen bei älteren Menschen.

  • Heberden-Knoten (DIP): Normalerweise sekundär zu einer primären Osteoarthritis der DIP-Gelenke. Assoziiert mit Zysten des DIP-Gelenks und Nageldeformitäten.
  • Bouchard-Knoten (PIP): harte, knöcherne Auswüchse oder Zysten an den PIP-Gelenken. Seltener können Bouchard-Knoten bei rheumatoider Arthritis auftreten.

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