Finger gequetscht: Ursachen, Symptome, Behandlung und Prävention

Einleitung:Wer kennt es nicht, dieses unangenehme Gefühl, wenn man sich die Finger einklemmt und ein Taubheitsgefühl entsteht? Eine Fingerquetschung kann schmerzhaft sein und im schlimmsten Fall sogar zu dauerhaften Schäden führen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome, Behandlungsmöglichkeiten und Präventionsmaßnahmen im Zusammenhang mit Fingerquetschungen und dem Ulnarisrinnensyndrom.

Was ist eine Fingerquetschung?

Eine Quetschung ist eine Verletzung des Gewebes unter der Haut, bei der Blutgefäße beschädigt werden und Blut ins umliegende Gewebe austritt. Sie entsteht durch das Zusammenpressen von Körperteilen unter starkem Druck, was zu Gewebe- und Gefäßverletzungen führt. In manchen Fällen kann die Haut aufplatzen, und auch Muskeln, Sehnen, Nerven, Knochen und innere Organe können in Mitleidenschaft gezogen werden. Quetschungen an den Fingern entstehen häufig durch Einklemmen in Schubladen oder Türen.

Ursachen für Fingerquetschungen

Ein gequetschter Finger kann verschiedene Ursachen haben, die meist durch direkte oder indirekte Krafteinwirkung auf den Finger hervorgerufen werden:

  • Einklemmen: Das Einklemmen des Fingers in Türen (besonders Autotüren), Fenstern oder schweren Gegenständen ist eine häufige Ursache für eine Quetschung.
  • Sportverletzungen: Bei Sportarten wie Basketball, Volleyball oder Handball, bei denen Bälle gefangen oder geschlagen werden, kann es leicht zu Quetschungen kommen.
  • Arbeitsunfälle: In Berufen, die den Umgang mit schweren Maschinen oder Werkzeugen erfordern, ist die Gefahr von Fingerquetschungen erhöht.

Symptome einer Fingerquetschung

Die Symptome einer Fingerquetschung können vielfältig sein und hängen von der Schwere der Verletzung ab. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

  • Schmerzen: Der Schmerz bei einer Quetschung wird meist als dumpf und pochend beschrieben.
  • Schwellung: Durch die Gewalteinwirkung auf die Blutgefäße tritt Blut aus und verteilt sich im Gewebe, was zu einer Schwellung führt.
  • Bluterguss (Hämatom): Das ausgetretene Blut erscheint nach außen hin bläulich, dunkelrot oder lilafarben.
  • Taubheitsgefühl und Kribbeln: Durch die Krafteinwirkung können auch Nervenbahnen in Mitleidenschaft gezogen werden, was zu Taubheits- und Kribbelgefühlen führt.
  • Bewegungseinschränkungen: Je nach Schwere der Quetschung kann die Beweglichkeit des Fingers eingeschränkt sein.
  • Nagelablösung: Bei einer Quetschung der Finger kann sich unter dem Nagel ein Bluterguss bilden, der zu starken Schmerzen führen und im schlimmsten Fall zur Nagelablösung führen kann.

Diagnose einer Fingerquetschung

Die Diagnose einer Quetschung sollte durch einen Arzt erfolgen. Dieser wird zunächst Fragen zum Unfallhergang und zur medizinischen Vorgeschichte stellen (Anamnese), sowie zur Schmerzqualität. Danach erfolgen eine körperliche Inspektion (Betrachtung) und Untersuchung. Die Untersuchung des Fingers in Form von Abtasten und Austesten der Bewegungsgrade ist manchmal schmerzbedingt nur teilweise möglich. Beim Verdacht auf eine Quetschung gilt es weiterhin, wichtige Alternativdiagnosen (Differentialdiagnosen) auszuschließen, wie etwa einen Bruch, einen Bänder- oder Kapselriss.

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Zur weiteren Abklärung können folgende bildgebende Verfahren eingesetzt werden:

  • Ultraschall (Sonographie): Eine kostengünstige, schmerzlose und risikoarme Methode, um sich einen ersten Eindruck über das Innenleben eines gequetschten Fingers zu machen.
  • Röntgenbild: Eignet sich, um knöcherne Strukturen darzustellen und einen Bruch des Fingers auszuschließen.
  • Magnetresonanztomographie (MRT): Geeignet, um Flüssigkeiten und Weichteile darzustellen und Begleitverletzungen wie Risse von Muskeln, Bändern und Sehnen zu erkennen.

Behandlung einer Fingerquetschung

Die Behandlung einer Fingerquetschung richtet sich nach der Schwere der Verletzung.

Sofortmaßnahmen (PECH-Regel)

  • Pause: Sofortige Unterbrechung der Tätigkeit und Ruhigstellung des Fingers.
  • Eis: Kühlung des Fingers mit Eisbeuteln oder Kaltkompressen, um Schwellungen zu reduzieren.
  • Compression: Anlegen eines leichten Druckverbandes, um die Schwellung zu minimieren.
  • Hochlagern: Hochlagern des Fingers, um den Blutfluss zu verringern und die Schwellung zu reduzieren.

Weitere Behandlungsmöglichkeiten

  • Schmerzlindernde Salben und Tabletten: Anwendung von schmerzlindernden und entzündungshemmenden Salben (z.B. Voltarensalbe) oder Einnahme von Schmerztabletten.
  • Hausmittel:
    • Ingwer: Kann als Tee getrunken oder als Umschlag angewendet werden.
    • Kurkuma: Kurkuma-Paste aus Kurkumapulver und Wasser herstellen und auf die betroffene Stelle auftragen.
    • Zwiebel: Zwiebel-Salz-Wickel sollen die Schwellungsreaktion reduzieren.
    • Schwarzwurz-Salben: Wirken entzündungshemmend und wundheilungsfördernd bei Verletzungen mit Beteiligung der Haut.
  • Ärztliche Maßnahmen:
    • Druckentlastung bei Bluterguss unter dem Nagel: Der Arzt kann ein kleines Loch in den Nagel bohren, um das Blut abfließen zu lassen und den Druck zu lindern.
    • Behandlung von Komplikationen: Bei offenen Quetschwunden besteht die Gefahr einer Infektion, die ärztlich behandelt werden muss.

Das Ulnarisrinnensyndrom

Das Ulnarisrinnensyndrom, auch bekannt als Kubitaltunnelsyndrom, ist eine Erkrankung, bei der der Ulnarisnerv am Ellenbogen eingeklemmt oder komprimiert wird. Dies kann zu ähnlichen Symptomen wie bei einer Fingerquetschung führen, insbesondere zu Taubheitsgefühl und Kribbeln in den Fingern, vor allem im kleinen Finger und Ringfinger.

Ursachen des Ulnarisrinnensyndroms

  • Druck auf den Ulnarisnerv: Wiederholte Bewegungen oder Positionen, die den Nerv über einen längeren Zeitraum komprimieren.
  • Verletzungen oder Traumata: Stöße oder Schläge gegen den Ellbogenbereich.
  • Anatomische Faktoren: Die Anatomie des Ellenbogens oder Handgelenks kann dazu führen, dass der Ulnarisnerv stärker beansprucht oder gereizt wird.

Symptome des Ulnarisrinnensyndroms

  • Taubheitsgefühl und Kribbeln: Vor allem im kleinen Finger und Ringfinger.
  • Schmerzen: Im Ellenbogenbereich und entlang des Unterarms.
  • Schwäche: In der Hand und den Fingern, insbesondere beim Greifen.
  • Koordinationsschwierigkeiten: Bei feinmotorischen Aufgaben.

Diagnose des Ulnarisrinnensyndroms

Die Diagnose des Ulnarisrinnensyndroms beruht auf einer gründlichen klinischen Untersuchung und gegebenenfalls weiteren Tests, wie z.B. einer Nervenleitgeschwindigkeitsmessung (Elektroneurographie).

Behandlung des Ulnarisrinnensyndroms

  • Konservative Behandlung:
    • Ruhigstellung: Vermeidung von Aktivitäten, die den Nerv belasten.
    • Schienen: Tragen einer Schiene, um den Ellenbogen in einer neutralen Position zu halten.
    • Physiotherapie: Übungen zur Stärkung der Muskeln und Verbesserung der Beweglichkeit.
    • Medikamente: Schmerzmittel und entzündungshemmende Medikamente.
  • Chirurgische Behandlung: In schweren Fällen kann eine Operation erforderlich sein, um den Nerv zu entlasten.

Das Karpaltunnelsyndrom

Das Karpaltunnelsyndrom ist eine weitere Erkrankung, die zu Taubheitsgefühl und Schmerzen in den Fingern führen kann. Es entsteht durch die Einengung des Nervus medianus im Karpaltunnel, einer knöchernen Rinne an der Innenseite des Handgelenks.

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Ursachen des Karpaltunnelsyndroms

  • Überlastung: Wiederholte Bewegungen oder monotone Tätigkeiten, die das Handgelenk belasten.
  • Entzündungen: Entzündungen der Sehnenscheiden im Karpaltunnel.
  • Anatomische Faktoren: Eine enge Karpaltunnelanlage.
  • Hormonelle Veränderungen: Schwangerschaft oder Wechseljahre.
  • Erkrankungen: Diabetes mellitus, Rheuma oder Schilddrüsenerkrankungen.

Symptome des Karpaltunnelsyndroms

  • Taubheitsgefühl und Kribbeln: Vor allem im Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger.
  • Schmerzen: Im Handgelenk und den Fingern, oft nachts.
  • Schwäche: In der Hand und den Fingern, insbesondere beim Greifen.
  • Kraftverlust: Im Daumenballen.

Diagnose des Karpaltunnelsyndroms

Die Diagnose des Karpaltunnelsyndroms erfolgt durch eine klinische Untersuchung und eine Messung der Nervenleitgeschwindigkeit (Elektroneurographie).

Behandlung des Karpaltunnelsyndroms

  • Konservative Behandlung:
    • Ruhigstellung: Tragen einer Handgelenksschiene, vor allem nachts.
    • Medikamente: Schmerzmittel und entzündungshemmende Medikamente.
    • Injektionen: Kortisoninjektionen in den Karpaltunnel.
    • Physiotherapie: Übungen zur Stärkung der Muskeln und Verbesserung der Beweglichkeit.
    • Ergonomische Anpassungen: Am Arbeitsplatz, um die Belastung des Handgelenks zu reduzieren.
  • Chirurgische Behandlung: Bei schweren Fällen kann eine Operation erforderlich sein, um den Karpaltunnel zu erweitern und den Nerv zu entlasten.

Prävention von Fingerquetschungen und Nervenkompressionssyndromen

  • Ergonomische Anpassungen: Am Arbeitsplatz und in der täglichen Routine, um das Risiko von Überlastungen und Verletzungen zu verringern.
  • Pausen: Regelmäßige Pausen bei Tätigkeiten, die die Hände stark belasten.
  • Dehnübungen: Regelmäßige Dehnübungen für Handgelenke und Finger.
  • Schutzkleidung: Tragen von Handschuhen bei Arbeiten mit schweren Maschinen oder Werkzeugen.
  • Aufmerksamkeit: Achten Sie auf Ihre Umgebung und vermeiden Sie Situationen, in denen Sie sich die Finger einklemmen könnten.

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

In folgenden Fällen sollte man nach einer Fingerquetschung oder bei Verdacht auf ein Nervenkompressionssyndrom einen Arzt aufsuchen:

  • Starke Schmerzen: Die Schmerzen sind unerträglich oder werden trotz Behandlung nicht besser.
  • Taubheitsgefühl und Kribbeln: Das Taubheitsgefühl und Kribbeln hält an oder verschlimmert sich.
  • Bewegungseinschränkungen: Der Finger kann nicht mehr richtig bewegt werden.
  • Offene Wunden: Die Haut ist aufgeplatzt und es besteht die Gefahr einer Infektion.
  • Verdacht auf Bruch: Bei starken Schmerzen und Bewegungseinschränkungen sollte ein Bruch ausgeschlossen werden.
  • Lähmungserscheinungen: Bei Lähmungserscheinungen im Finger oder der Hand sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden.

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