Flankenschmerzen, Schmerzen im seitlichen Bauchbereich, können bis in den Unterbauch ausstrahlen und sowohl akut als auch dauerhaft oder kolikartig auftreten. Die Unterscheidung zwischen Rücken- und Flankenschmerzen ist oft schwierig, wobei Rückenschmerzen meist bewegungsabhängig sind und die Bewegungsfreiheit einschränken, während Flankenschmerzen bewegungsunabhängig sein können. Dr. Anka Baldauf-Twelker, Chefärztin der Urologie und Kinderurologie am Helios Klinikum Pirna, betont die Notwendigkeit einer urologischen Diagnostik bei Flankenschmerzen, da auch nach dem Abklingen der Schmerzen ein Harnstau vorliegen kann.
Ursachen von Flankenschmerzen
Flankenschmerzen können vielfältige Ursachen haben. Hier eine Übersicht:
- Harnsteine: Nierensteine und Harnleitersteine können eine Harnstauungsniere verursachen. Kleine Nierensteine können zwar über den Harnleiter ausgeschieden werden, aber ein eingeklemmter Stein kann eine Harnstauung auslösen und bei längerer Dauer zu einer lebensgefährlichen Infektion und bleibenden Nierenschäden führen.
- Harnwegsentzündungen: Aufsteigende Harnwegsentzündungen können zu einer Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis) führen.
- Verengungen des Harnleiterabgangs: Eine Ureterabgangsstenose kann ebenfalls Flankenschmerzen verursachen.
- Wirbelsäulenerkrankungen: Erkrankungen der Wirbelsäule können ebenfalls Ursache für Flankenschmerzen sein.
- Muskelverspannungen: Muskelverspannungen im unteren Rückenbereich können beidseitige Flankenschmerzen verursachen.
- Weitere Ursachen: Seltener können auch Erkrankungen der Leber, Gallenblase, Bauchspeicheldrüse, Milz oder des Darms Flankenschmerzen verursachen.
Die Lokalisation der Schmerzen kann erste Hinweise auf die Ursache geben:
- Flankenschmerzen links: Können auf Erkrankungen der linken Niere, Nebenniere, Milz oder Teile des Darms hindeuten.
- Flankenschmerzen rechts: Können auf Erkrankungen der rechten Niere, der Harnwege, Leber, Gallenblase oder Bauchspeicheldrüse hindeuten.
- Flankenschmerzen beidseitig: Können auf Erkrankungen beider Nieren oder auf Muskelverspannungen im unteren Rückenbereich hindeuten.
Arten und Symptome von Flankenschmerzen
Je nach Ursache können sich Flankenschmerzen unterschiedlich äußern. Begleitende Symptome können sein:
- Übelkeit und/oder Erbrechen
- Ausstrahlung in den Unterbauch
- Fieber und/oder Schüttelfrost
- Verstärkter Bewegungsdrang bei Nierenkolik
- Bewegungseinschränkungen bei Erkrankungen der Wirbelsäule oder Rückenmuskulatur
- Allgemeines Krankheitsgefühl und eventuell Fieber bei einer Nierenbeckenentzündung
- Brennen beim Wasserlassen und ein Druckschmerz über der Blase, da sich die Nierenbeckenentzündung meist aus einer aufsteigenden Blasenentzündung entwickelt
- Rückenschmerzen sowie tastbare Verhärtungen neben der Wirbelsäule bei Verspannungen
- Ein roter Hautausschlag mit kleinen Bläschen im betroffenen Areal bei einer Gürtelrose
- Blutergüsse und Schwellungen nach Traumata im Flankenbereich
Flankenschmerzen in Kombination mit Übelkeit können auf Nieren- oder Harnleitersteine hinweisen, insbesondere wenn sie krampfartig und plötzlich auftreten. Brennen beim Wasserlassen in Kombination mit Flankenschmerzen deutet auf eine Infektion im Bereich der Harnwege hin. Schmerzen im Flankenbereich beim Einatmen können durch Verspannungen oder irritierte Nerven (Zwischenrippenneuralgie) verursacht werden.
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Diagnostik von Flankenschmerzen
Zur Diagnose von Flankenschmerzen führt der Arzt zunächst ein Gespräch mit dem Patienten, um die Krankengeschichte zu erfassen. Anschließend erfolgt eine körperliche Untersuchung, bei der unter anderem die Nierenlager abgeklopft werden. Zusätzlich werden Urin- und Blutuntersuchungen durchgeführt. Mittels Ultraschalluntersuchung des Bauches und Computertomographie lassen sich die Größe und die Lage von Harnsteinen diagnostizieren. Bei Verdacht auf eine Rücken- oder Wirbelsäulenerkrankung ist eine orthopädische Untersuchung des Bewegungsapparates sinnvoll.
Behandlung von Flankenschmerzen
Die Behandlung von Flankenschmerzen richtet sich nach der Ursache. Bei einer Nierenbeckenentzündung werden Antibiotika verschrieben. Eine hohe Trinkmenge und körperliche Schonung sind empfehlenswert. Harnsteine können je nach Größe und Lage spontan ausgeschieden werden. Sind die Steine zu groß, werden sie mit der passenden OP-Methode zerkleinert und entfernt. Bei Rücken- und Wirbelsäulenbeschwerden werden häufig Physiotherapie und Schmerztherapie verordnet.
Der Zusammenhang mit einem eingeklemmten Nerv
Ein eingeklemmter Nerv kann eine Ursache für Flankenschmerzen sein, insbesondere wenn die Schmerzen im Bereich des unteren Rückens auftreten und bis in die Flanken ausstrahlen. Dies kann beispielsweise im Rahmen eines Bandscheibenvorfalls geschehen, bei dem die Bandscheibe auf Nerven drückt. Auch Verspannungen im Rückenbereich können zu einer Reizung oder Einklemmung von Nerven führen.
Ischiasnerv
Der Ischiasnerv ist der dickste und längste Nerv im menschlichen Körper. Er verlässt den Wirbelkanal im Bereich der Lendenwirbelsäule und des Kreuzbeins und verläuft über das Gesäß und die Hinterseite des Oberschenkels bis in die Kniekehle, wo er sich verzweigt. Eine Einklemmung, Verletzung oder Reizung des Ischiasnervs oder seiner Wurzeln kann zu Schmerzen im unteren Rücken führen, die bis in die Beine und Füße ausstrahlen (Ischialgie). Mögliche Ursachen sind ein Bandscheibenvorfall, Verletzungen eines Wirbelkörpers oder Entzündungen.
Zwischenrippenneuralgie
Zwischen den Rippen verlaufen Zwischenrippennerven. Bei Verspannungen oder ausgerenkten Wirbeln kann es zu einer Reizung dieser Nerven kommen, die stechende Schmerzen verursachen, die sich insbesondere bei Bewegungen des Brustkorbs verstärken.
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Diagnose und Behandlung bei Verdacht auf einen eingeklemmten Nerv
Bei Verdacht auf einen eingeklemmten Nerv wird der Arzt eine neurologische Untersuchung durchführen, um die Funktion der Nerven zu überprüfen. Bildgebende Verfahren wie MRT oder CT können eingesetzt werden, um die Ursache der Nervenreizung zu identifizieren. Die Behandlung richtet sich nach der Ursache und kann Schmerzmittel, entzündungshemmende Medikamente, Physiotherapie oder in schweren Fällen eine Operation umfassen.
Flankenschmerzen in den Wechseljahren
In den Wechseljahren können hormonelle Veränderungen zu Muskelverspannungen und Haltungsfehlern führen, die wiederum Nervenreizungen und Flankenschmerzen begünstigen können. Auch organische Erkrankungen können sich in den Wechseljahren durch Flankenschmerzen äußern. Daher ist eine ärztliche Abklärung wichtig.
Spezifische Ursachen und begleitende Symptome
- Eileiterschwangerschaft: Einseitige Unterleibsschmerzen, die bis in die Flanken ausstrahlen, können ein Anzeichen für eine Eileiterschwangerschaft sein.
- Eileiter- und/oder Eierstockentzündung: Fieber, starke Schmerzen im Unterbauch und Rücken sowie veränderter Ausfluss können auf eine Entzündung der Eileiter und/oder Eierstöcke hindeuten.
- Menstruationsbeschwerden: Regelschmerzen können vom Unterleib bis in die Flanken ziehen.
- Eierstockzysten: Wenn Eierstockzysten sehr groß werden, ihre Lage verändern oder platzen, können Flankenschmerzen entstehen.
Was Sie selbst tun können
- Wärme: Bei Verspannungen können Wärmflaschen oder warme Bäder helfen, die Muskulatur zu lockern.
- Bewegung: Regelmäßige Bewegung kann helfen, die Muskulatur zu stärken und Verspannungen vorzubeugen.
- Ergonomie: Achten Sie auf eine ergonomische Arbeitsplatzgestaltung, um Fehlhaltungen zu vermeiden.
- Schonung: Bei akuten Schmerzen kann Schonung und Entlastung helfen.
- Dehnübungen: Gezielte Dehnübungen können helfen, Verkürzungen im Gewebe zu lösen.
- Rückenlage beim Schlafen: In Seitenlage mit angewinkelten Beinen können sich die Spannungen im Gewebe nicht immer gut erholen.
- Faszienrolle: Eine Faszienrolle kann helfen, Verspannungen im unteren Rücken zu lösen.
Wann zum Arzt?
Akute und wiederkehrende Flankenschmerzen sollten vom Arzt abgeklärt werden, insbesondere wenn sie von weiteren Beschwerden wie Fieber, blutigem Urin oder Empfindungsstörungen in Arm oder Bein begleitet werden. Auch bei Verdacht auf einen eingeklemmten Nerv oder einen Bandscheibenvorfall ist eine ärztliche Untersuchung ratsam.
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