Einführung
Die Frage, ob und inwieweit Fleischkonsum die Entwicklung des menschlichen Gehirns, insbesondere bei Kindern, beeinflusst, ist ein viel diskutiertes Thema. Die Meinungen gehen auseinander, von der These, dass Fleischkonsum essentiell für die Entwicklung des menschlichen Gehirns war, bis hin zu Warnungen vor den Gefahren einer veganen Ernährung bei Kindern. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte dieser Debatte und bietet eine umfassende Betrachtung des Themas.
Die evolutionäre Bedeutung des Fleischkonsums
Die "Meat Made Us Human"-Theorie
Eine bekannte Theorie besagt, dass der Fleischkonsum den Menschen zum Menschen gemacht hat ("Meat made us human"). Bereits Mitte der 1950er Jahre prägte der Paläoanthropologe Raymond Dart die Vorstellung, dass unsere frühen Vorfahren Tiere jagten, um in der kargen afrikanischen Savanne zu überleben. In den 1990er Jahren stellten Leslie Aiello und Peter Wheeler die Hypothese des teuren Gewebes ("expensive tissue") auf, laut der sich im Zuge der Entwicklung des menschlichen Gehirns anderes Gewebe zurückbilden musste. Sie wollten damit die Frage beantworten, woher die frühen Homininen die Energie für ihr immer größer werdendes Denkorgan nahmen.
Die Rolle von Proteinen und Fettsäuren
Josef Reichholf, Naturhistoriker, Ökologe und Evolutionsbiologe, argumentiert, dass ein sehr großes Gehirn den Fleischverzehr erfordert. Unser Gehirn ist auf unsere Körpermasse bezogen etwa dreimal so groß wie das der Schimpansen oder Gorillas. Die Vergrößerung des Gehirns ist etwas, was ja den Menschen zum Menschen gemacht hat, und dazu bedarf es Stoffe, die dem Körper die Möglichkeit geben, dieses übergroße Gehirn aufzubauen und zu betreiben. Beim Aufbau ist es notwendig, die entsprechenden Proteine und die flüchtigen Fettsäuren zu haben, die die Gehirnmasse bilden. Und zwar ziemlich schnell, weil nachgeburtlich unser Gehirn ja gleich sehr stark wächst und keine nennenswerte Anzahl von Gehirnzellen mehr dazukommen. Dieses rasche Wachstum des Gehirns ist notwendig, dass es sich so differenzieren kann, dass wir eben als Menschen denken und fühlen und lernen können und uns dadurch eben auch von unseren nächsten Verwandten unterscheiden. Der Betrieb des Gehirns nimmt ungefähr ein Fünftel unseres gesamten Energiehaushalts in Anspruch, und das Gehirn ist aber nur ungefähr in der Größenordnung von zwei Prozent der Körpermasse. Also es ist ein sehr, sehr teures Organ.
Kritik an der "Meat Made Us Human"-Theorie
Zahlreiche paläoanthropologische Studien zweifeln die "Meat made us human"-Theorie inzwischen an oder widerlegen sie. So fand ein Team um Ana Navarrete von der Universität Zürich in umfangreichen Analysen keine weiteren Belege im Tierreich für die Hypothese des teuren Gewebes. In einer Untersuchung aus dem Jahr 2022 betrachtete eine Forschungsgruppe um Andrew Barr von der George Washington University und Briana Pobiner vom Smithsonian National Museum of Natural History die angeblichen archäologischen Belege für die "Meat made us human"-Theorie noch einmal systematisch. Die Wissenschaftler trugen Daten von 59 Fundorten aus neun großen Forschungsgebieten in Ostafrika zusammen, die zwischen 2,6 und 1,2 Millionen Jahre alt sind - und relativierten anschließend alle bisherigen Knochenfunde. Archäologische Beweise für den Fleischkonsum nähmen mit dem Aufkommen der Spezies Homo erectus zwar stark zu, berichteten die Forscherinnen und Forscher in der Fachzeitschrift "PNAS". Jedoch sei dies vor allem darauf zurückzuführen, dass auf diesem Zeitraum der Stammesgeschichte ein besonderer wissenschaftlicher Fokus liege. In der Folge werde das Bild verzerrt und der Zusammenhang zwischen dem Essen von Fleisch und der Entwicklung der Gattung Homo fälschlich unterstrichen.
Der Fleischkonsum des modernen Menschen
Die Notwendigkeit von Fleisch im 21. Jahrhundert
Josef Reichholf argumentiert, dass der moderne Mensch Fleisch braucht, wenn wir die Menschheit als Ganzes betrachten, also nicht nur die westversorgten hoch zivilisierten Regionen wie unsere, dann ist es klar, dass der Mensch Fleisch braucht. Wir könnten uns theoretisch leisten, ausschließlich auf der Basis von pflanzlichen Proteinen unseren Proteinbedarf zu decken, aber es ist eine gefährliche Angelegenheit, weil die pflanzlichen Proteine der Menge nach in der Nahrung geringer vorhanden sind und in der Zusammensetzung auch nicht so automatisch das Ideal dessen liefern, was der Körper benötigt. Deswegen kann es sein - und bei ausgeprägten Veganerinnen ist das ja auch immer wieder passiert -, dass sie dann nicht in der Lage sind Kinder zu bekommen. Der Körper kann dann nicht die nötigen Überschüsse an Proteinen ansammeln, die er braucht, um ein Baby zur Entwicklung zu bringen. Also wir sind bei wirklich gut ausgestatteter vegetarischer Nahrung an der Grenze des Möglichen und es muss sehr gut kontrolliert werden. Wenn man aber mit etwas zusätzlichem Fleischkonsum tierischer Herkunft, vor allen Dingen mit Fischfleisch sich ernährt, dann ist man auf der sicheren Seite. Was aber bedeutet, dass wir vom gegenwärtigen Fleischkonsum, von mehr als 80 Kilogramm pro Kopf im Jahr bei uns in Deutschland natürlich locker um zwei Drittel herunterkommen könnten und immer noch ein sehr gutes Leben führen würden.
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Gesundheitliche Aspekte des Fleischkonsums
Fleisch liefert nicht nur viel Energie in Form von Kalorien. „Es versorgt den Körper mit wichtigen Nährstoffen, die in Pflanzen nicht in dieser Qualität vorkommen“, weiß Professor Hans Hauner, Direktor des Instituts für Ernährungsmedizin der TU München. „Hier ist der hohe Gehalt an sehr gut verwertbarem Eiweiß, Eisen und Vitamin B12 hervorzuheben - wobei Eisen und Vitamin B12 vor allem in rotem Fleisch stecken.“„Fleisch hat einige Vorteile gegenüber pflanzlicher Nahrung.“Professor Hans HaunerDirektor des Instituts für Ernährungsmedizin der TU München„Weil der Körper die Nährstoffe aus tierischen Lebensmitteln so gut für die Versorgung sowie den Bau seiner Zellen nutzen kann, ist Fleisch insbesondere für Heranwachsende durchaus günstig“, sagt der Experte. Unbedingt nötig ist der Verzehr von Fleisch während der Kindheit und Pubertät allerdings nicht. „Eine ausgewogene vegetarische Ernährung, die Milchprodukte und Eier beinhaltet, gewährleistet in der Regel eine ausreichende Versorgung mit allen wichtigen Nährstoffen.“ Das gilt nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene.„Heute ist unser Nahrungsangebot so groß, vielfältig und nährstoffreich, dass wir nicht mehr auf den Verzehr üppiger Fleischmahlzeiten angewiesen sind“, so Professor Hauner.
Risiken eines übermäßigen Fleischkonsums
Statistiken zeigen, dass jeder Bundesbürger dennoch im Durchschnitt rund ein Kilogramm Fleisch pro Woche verspeist. „Das ist eine Menge, die der Körper nicht braucht und die ihm auch nicht guttut. Abgesehen von seinen positiven Eigenschaften, kann Fleisch nämlich auch einige gesundheitliche Risiken mit sich bringen“, sagt der Experte.„Verschiedene Untersuchungen haben gezeigt, dass ein hoher Verzehr von Fleisch und Fleischprodukten das Risiko für Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und für bestimmte Krebsarten, vor allem Darmkrebs, erhöht“, sagt Professor Hauner. Dazu zählt Fleisch, das zum Beispiel durch Salzen, Räuchern oder Pökeln haltbar gemacht wurde - wie Wurst, Schinken, Hackfleischprodukte und Fleischkonserven. Pures rotes Fleisch, etwa von Rind, Schwein, Lamm oder Wild, wird auf Basis der Studienlage von der Weltgesundheitsorganisation als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft.
Empfehlungen für den Fleischkonsum
Für Kinder und Jugendliche lautet die Empfehlung: zwei bis drei Portionen Fleisch pro Woche, am besten aus fettarmen Muskelfleisch. Als Portionsmaß gilt hier die Größe des Handtellers des Heranwachsenden, also die Handinnenfläche vom Handgelenk bis zum Ansatz der Finger. Erwachsenen rät die Deutsche Gesellschaft für Ernährung zu einem maximalen Verzehr von 600 Gramm Fleisch pro Woche, inklusive Wurstwaren.
Alternativen zum Fleischkonsum
Viele Menschen fürchten, ohne Steak oder Hackbraten nicht satt zu werden. Tatsächlich ist vor allem das Eiweiß im Fleisch ein sehr guter Sattmacher. Doch das gilt generell für Eiweiß, das auch reichlich in Eiern und Milchprodukten wie Sahne oder Käse steckt. „Aber auch zahlreiche Pflanzen liefern viel Eiweiß - allen voran Hülsenfrüchte, Getreide sowie Nüsse und Samen. Kombiniert man verschiedene dieser pflanzlichen Nahrungsmittel miteinander, macht das nicht nur satt - der Körper kann das enthaltene Eiweiß genauso gut verwerten wie das aus tierischen Produkten“, weiß Professor Hauner. Getreide, Hülsenfrüchte und grünes Blattgemüse können den Körper auch mit ausreichend Eisen versorgen.„Am besten ergänzt man vegetarische Mahlzeiten durch Vitamin C, zum Beispiel in Form von frisch gepresstem Orangensaft. Dann kann der Körper das Eisen besser aufnehmen“, verrät der Experte. „Für den Körper gut verwertbares Vitamin B12 steckt allerdings hauptsächlich in tierischen Lebensmitteln.“„Wer weniger Fleisch und dafür mehr pflanzliche Lebensmittel isst, profitiert außerdem gesundheitlich, weil er mehr Ballaststoffe, Vitamine, Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe zu sich nimmt“, sagt Professor Hauner.
Vegetarische und vegane Ernährung bei Kindern
Die Bedeutung einer ausgewogenen Ernährung
Immer mehr Menschen ernähren sich vegetarisch, verzichten auf Fleisch und Fisch. Inwiefern eine fleischlose Ernährung gut oder schlecht für Kinder ist, hänge von deren Nährstoffzufuhr ab, erklärt Berthold Koletzko, Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit: "Man kann nicht pauschal sagen, dass vegetarische Ernährung immer gut ist, sondern es kommt auf die Zusammensetzung an." Evident sei, dass eine an pflanzlichen Produkten reiche Ernährung empfehlenswert sei. "Das heißt aber nicht, dass sie zwingend frei sein muss von Fleisch und Fisch", sagt Koletzko. Gerade an neuralgischen Punkten in der Kindesentwicklung, wie etwa bei Wachstumsschüben im Säuglingsalter, im frühen Kindesalter und in der Pubertät könnten Mangelerscheinungen auftreten, wenn die Nährstoffzufuhr unzureichend sei. Eisen, Zink, Jod, Vitamin B12 und Omega-3-Fettsäuren zählen zu den wichtigen Bausteinen, die durch tierische Produkte abgedeckt werden können.
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Empfehlungen für vegetarische Ernährung
Die Ernährungswissenschaftlerin Ute Alexy von der Universität Bonn sieht vegetarische Ernährung bei Kindern als unbedenklich, unter der Prämisse: "Fleisch nicht einfach weglassen, sondern gezielt ersetzen durch Vollkornprodukte oder Hülsenfrüchte wie Linsen, Bohnen, Erbsen." Vegetarische und vegane Ersatzprodukte, die es gehäuft zu kaufen gibt, seien oftmals keine gute Alternative, da sie teilweise zu wenig Nährstoffe enthalten.
Warnung vor veganer Ernährung bei Kindern
Von veganer Ernährung, also dem Verzicht auf alle tierischen Produkte, rät die Stiftung Kindergesundheit im Übrigen ab. Besonders Milch liefere das wichtige Kalzium, sowie Jod, erklärt Alexy. Zwei Studien, an der die Bonner Wissenschaftlerin beteiligt war, die unter 400 Kindern im Alter von ein bis drei Jahren beziehungsweise von sechs bis 18 Jahren durchgeführt wurden, wurden keine Mängel bei den getesteten, vegatarisch ernährten Kindern festgestellt. Die beiden Untersuchungen seien zwar nicht repräsentativ, gäben allerdings wichtige Hinweise. Generell sei die Datenlage noch deutlich ausbaufähig.
Die Meinung von Kinderärzten
Kinderärztinnen und Kinderärzte empfehlen eine vegane Ernährung, insbesondere für die Kleinsten, nach derzeitigem Forschungsstand nicht. "Die Studienlage zu veganer Ernährung in kritischen Wachstumsphasen ist noch immer nicht ausreichend, sodass wir Kinder- und Jugendärztinnen von einer veganen Ernährung vor allem im Säuglings- und Kleinkindalter abraten", heißt es dazu in einer Pressemitteilung des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärztinnen (BVKJ) aus Anlass des Weltvegantages am 1. Ohne genug Eiweiß leidet die Gehirnentwicklung Für die Entwicklung des Gehirns, das Wachstum der Organe und eine gute Grundversorgung mit allen wichtigen Nährstoffen sei eine "optimierte Mischkost" der Standard. Zu keinem Zeitpunkt reagiere der kindliche Organismus empfindlicher auf Nährstoffmangel als im Kleinkind- und Säuglingsalter, schreiben die Fachleute. Kritisch sei bei veganer Ernährung die Versorgung mit Eiweiß und bestimmten Fettsäuren, Vitaminen und Spurenelementen. Vegane Kinder benötigen Vitamintabletten Ältere Kinder und Jugendliche könnten dagegen gut auch auf Fisch, Fleisch und andere tierische Lebensmittel verzichten, berichten die Medizinerinnen und Mediziner. Für sie sei es allerdings sehr wichtig, das bei einer rein pflanzlichen Kost nicht ausreichende Vitamin B12 durch Nahrungsergänzung auszugleichen.
Die Warnung des Bundesernährungsministers
Bundesernährungsminister Christian Schmidt (CSU) warnt davor, Kinder vegan zu ernähren. Erhebliche Schäden im Gehirn und im Nervensystem drohten. Reine Panikmache, urteilt die Vegane Gesellschaft Deutschland. Viele Eltern ernähren ihre Kinder rein pflanzlich. Bundesernährungsminister Christian Schmidt (CSU) warnt davor, Kinder vegan zu ernähren. "Veganes Essen kann zu gefährlicher Mangelernährung führen. Für Kinder und Jugendliche ist vegetarische oder vegane Ernährung auf keinen Fall geeignet", sagte der Minister zur "Bild-Zeitung".
Die Notwendigkeit von Nahrungsergänzungsmitteln
Bernhard Koletzko ist Abteilungsleiter am Haunerschen Kinderspital München. Er stellt klar: "Ein Kind kann man nicht gesund vegan ernähren, sofern man nicht Mikronährstoffe zusätzlich gibt." Bei veganen oder vegetarischen Ernährungsformen rät er Eltern dringend dazu, sich vom Kinderarzt beraten zu lassen. Nahrungsergänzungsmittel, wie sie viele erwachsene Veganer nehmen, hält er für absolut unverzichtbar - auch wenn es besser sei, kritische Nährstoffe über natürliche Lebensmittel zuzuführen: "Der Körper verarbeitet Eisen aus Fleisch anders als Eisen-Tropfen.
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Ethische und ökologische Aspekte des Fleischkonsums
Massentierhaltung und Tierwohl
Josef Reichholf betont, dass die Massentierhaltung das eigentliche Problem ist, und nicht der Fleischkonsum als solcher. Würde - um das plakativ auszudrücken - das Rindfleisch, das wir essen wollen, auf der Pampa heranwachsen, dann ist das weit weniger problematisch als bei einer Erzeugung in der Massenviehhaltung bei uns in Ställen, wenn die Futtermittel dazu aus Südamerika importiert werden müssen. Das ist die Übersteigerung, um die es geht, und nicht um das Grundsätzliche, ob wir jetzt Fleisch essen sollen oder nicht. Das hat sehr viel mit Aspekten des Tierschutzes, der Verantwortung anderen Lebewesen gegenüber, auch mit artgerechter Haltung … Das sind eigene Bereiche, die absolut ihre Berechtigung haben, aber die grundsätzliche Frage, ob Fleisch essen oder nicht, halte ich für den Menschen von seiner Herkunft her gelöst: Er hat Bedürfnis nach Fleisch, er braucht Fleisch und er sollte das in Maßen zur Verfügung haben.
Der ökologische Fußabdruck des Fleischkonsums
Wissenschaftler haben errechnet, dass die Produktion von einem Kilo Rindfleisch 36 Kilogramm Kohlendioxyd verursacht und damit das Klima so stark belastet wie 250 Kilometer Autofahrt. Irgendwo habe ich auch den Satz gelesen: Wenn alle Menschen auf der Welt so lebten wie wir Deutschen, dann bräuchten wir bald zwei Planeten. In diese Richtung mal weitergedacht jetzt auch als Evolutionsbiologe: Stirbt der Mensch irgendwann vielleicht wegen seines übersteigerten Fleischkonsums dann auch aus? Reichholf antwortet darauf, dass der Mensch nicht aussterben wird, sondern er wird einfach durch die Ansprüche der Nachrückenden und ja bereits existierenden Massen von Menschen, die nicht diesen hohen Konsum von Fleisch und anderen Luxusgütern sich leisten können, gezwungen werden zum Maßhalten, auf ein vernünftiges Maß herunterzukommen. Wir sind ja gegenwärtig so, dass wir sagen können, ungefähr eine Milliarde Menschen - ist eine große Menge ja - hat Zugang zu ausreichenden oder im Überfluss genossenen Mengen von Fleisch; aber fünf Milliarden haben es nicht. Und wenn die das eben auch möchten - und die Wunschvorstellungen, die sie haben, sind ja legitim, weil wir es ihnen ja vormachen -, dann bedeutet das wirklich, dass wir eine zweite Erde brauchen würden oder eben, dass dort, wo der Konsum übermäßig hoch ist, dieser zurückgefahren wird.
Die ethische Verantwortung des Konsumenten
Der Fleischkonsum des Menschen führt zum Desaster. Ein tiefgefrorenes Hähnchen ist heute billiger als ein Glas Bier in der Kneipe. Der Mensch muss sein Essverhalten verändern. Kann Vegetarismus die Welt retten? Um die enttäuschende Antwort gleich zu geben: Massenvegetarismus könnte die Welt zwar erheblich verbessern. Doch reine Gemüseesser werden auch weiterhin eine kleine Minderheit bleiben. Das hat einen einfachen Grund: Der Appetit auf Fleisch ist mehr als eine kulturell überlieferte Gewohnheit. Menschen haben das typische Verdauungssystem von Allesfressern. Fleischhunger ist uns angeboren. Über 20 Milliarden Rinder, Schafe, Ziegen, Schweine, Hühner, Enten und Truthühner sind eine der größten - wenn nicht sogar die größte - ökologischen Herausforderungen unserer Zeit. Ihre Fäkalien, ihr Bedarf an Wasser, Getreide und Landfläche verändern und verschmutzen die Umwelt weitaus stärker als die Industrie oder der Autoverkehr. Und die globale Herde wächst rasant. Denn das Erste, was Menschen tun, sobald sie der schlimmsten Armut entronnen sind, ist überall das Gleiche: Sie essen mehr Fleisch. In Schwellenländern wie Indien, China und Brasilien wächst die Nachfrage nach tierischen Nahrungsmitteln unentwegt.
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