Ein Taubheitsgefühl, medizinisch als Hypästhesie bezeichnet, ist eine verminderte Sensibilität der Haut. Es entsteht, wenn Informationen über äußere Reize wie Wärme, Kälte, Berührung, Druck, Schmerzen und Vibrationen nicht oder nur eingeschränkt an das Gehirn weitergeleitet werden. Ein vollständiger Ausfall des Gefühlssinns wird als Anästhesie bezeichnet. Taubheitsgefühle treten häufig in den Extremitäten auf, wie Fingern, Zehen, Armen und Beinen, seltener im Gesicht oder Rumpf. Oft werden sie von einem unangenehmen Kribbeln begleitet.
Wie entsteht ein Taubheitsgefühl (Hypästhesie)?
Ein Taubheitsgefühl entsteht durch eine verringerte Sensibilität der Haut. Liegt ein solches Taubheitsgefühl vor, ist der Gefühlssinn gestört, und es können auf diesem Weg keine oder nur noch eingeschränkt Informationen über äußere Reize an das Gehirn weitergeleitet werden. Dazu gehören Informationen über Wärme und Kälte, Berührung und Druck, Schmerzen sowie Vibrationen. Ein vollständiger Ausfall des Gefühlssinns wird als Anästhesie bezeichnet. Die Störung des Gefühlssinns tritt vor allem in den Extremitäten auf. So kommt ein Taubheitsgefühl in den Fingern, den Zehen, den Armen und den Beinen besonders häufig vor. Im Gesicht oder am Rumpf entsteht es dagegen eher selten. Das taube Gefühl kann sowohl einseitig als auch beidseitig auftreten. Häufig wird das Taubheitsgefühl von einem unangenehmen Kribbeln ("Ameisenlaufen") begleitet.
Ursachen für Taubheitsgefühle
Hinter einem Taubheitsgefühl können verschiedenste Ursachen stecken. In einigen Fällen sind diese harmlos, ein immer wiederkehrendes Taubheitsgefühl kann aber auch auf eine ernsthafte Erkrankung hindeuten. Tritt das Symptom häufiger auf, sollte deswegen unbedingt ärztlicher Rat gesucht werden.
Zu den möglichen Ursachen des Taubheitsgefühls gehören unter anderem:
- Durchblutungsstörungen
- Abgeklemmte Nerven
- Karpaltunnelsyndrom
- Polyneuropathie
- Bandscheibenvorfall
- Schlaganfall
- Infektionen
- Mangelerscheinungen
- Tumore
Je nach Ursache des Taubheitsgefühls können gleichzeitig auch weitere Symptome auftreten, wie beispielsweise Schmerzen oder motorische Einschränkungen.
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Durchblutungsstörungen
Bei niedrigen Temperaturen im Winter kann es passieren, dass unsere Hände und Füße zu kalt werden und wir kein Gefühl mehr in ihnen haben. Durch die Kälte ziehen sich die Gefäße zusammen und die Extremitäten werden schlechter durchblutet. Erst bei wärmeren Temperaturen verschwindet das Taubheitsgefühl und die Empfindung kehrt zurück - dieser Prozess wird häufig von einem unangenehmen Kribbeln in den Fingern und Zehen begleitet.
Auch das Einklemmen von Blutgefäßen (beispielsweise durch Sitzen mit übereinandergeschlagenen Beinen oder das Liegen auf einer Hand) kann dazu führen, dass Beine, Hände oder Arme "einschlafen" und im Zuge dessen Gefühlsstörungen auftreten.
Während kältebedingte, kurzfristige Durchblutungsstörungen in der Regel harmlos sind, sollten Sie bei einer Durchblutungsstörung ohne erkenntliche Ursache zeitnah ärztlichen Rat suchen. Dann können Erkrankungen wie Arteriosklerose oder die Raynaud-Krankheit, bei der in erster Linie die Arterien in den Fingern und Zehen betroffen sind, hinter dem Taubheitsgefühl stecken. Auch Durchblutungsstörungen im Gehirn sowie in den Beinen können ein taubes Gefühl auslösen. Durchblutungsstörungen am Herzen machen sich dagegen eher durch Enge im Brustkorb bemerkbar.
Eingeklemmte Nerven
Taubheitsgefühle in Armen, Beinen, Händen und Füßen, die durch einen eingeklemmten Nerv verursacht werden, hat wahrscheinlich jeder Mensch schon einmal erlebt: Ähnlich wie beim Einklemmen von Blutgefäßen wird dann durch eine falsche Körperhaltung - beispielsweise beim Sitzen oder Liegen - ein Nerv abgeklemmt und die Reizweiterleitung dadurch gestört. Auch bei einem dadurch ausgelösten Gefühlsverlust spricht man von eingeschlafenen Gliedmaßen.
In der Folge fühlt sich die Hand oder der Arm taub an und kann meist nicht mehr willentlich bewegt werden. Häufig geht ein eingeschlafener Arm oder ein eingeschlafenes Bein mit einem unangenehmen Kribbeln auf der Haut einher. Sobald wir das eingeschlafene Körperteil ein wenig bewegen, verschwindet das taube Gefühl aber in der Regel von selbst wieder. Ist dies nicht der Fall oder tritt die Beschwerde häufiger auf, steckt vermutlich eine andere Ursache dahinter, die ärztlich abgeklärt werden sollte.
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Daneben kann ein Taubheitsgefühl in den Fingern und Händen aber auch entstehen, wenn andere Nerven, beispielsweise der Ellennerv, eingeklemmt werden (Ulnartunnel-Syndrom). Dieses Syndrom wird auch als Radfahrerlähmung bezeichnet, da es meist durch das feste Umgreifen des Lenkers verursacht wird.
Zu Verengungen der Nervenkanäle kann es jedoch nicht nur an den Armen, sondern auch an den Beinen kommen. Besonders oft tritt ein eingeklemmter Nerv und das damit verbundene Taubheitsgefühl am Oberschenkel auf. Dies wird als Inguinaltunnel-Syndrom (Leistentunnelsyndrom) beziehungsweise als Jeanskrankheit bezeichnet. Dabei wird durch Übergewicht, aber auch durch zu enge Kleidung, der Oberschenkelhautnerv geschädigt. Je nach Stadium des Syndroms kommen eine medikamentöse, eine physikalische oder eine operative Therapie infrage.
Karpaltunnelsyndrom
Kommt es in den Fingern zu einem ständig wiederkehrenden Taubheitsgefühl und einem unangenehmen Kribbeln, steckt oft ein Karpaltunnelsyndrom hinter den Beschwerden. Dabei wird der Mittelhandnerv beim Durchtritt durch den Handwurzelkanal eingeengt. Die Ursachen eines Karpaltunnelsyndroms können vielfältig sein, beispielsweise zählen knöcherne Fehlstellungen nach Frakturen oder Sehnenscheidenentzündungen dazu. Oft lässt sich aber auch keine direkte Ursache ermitteln. Durch das Tragen einer speziellen Schiene kann das Taubheitsgefühl in den Fingern meist behoben werden. Tritt keine Besserung ein, erfolgt eine operative Behandlung.
Polyneuropathie
Unter einer Polyneuropathie ist eine Erkrankung des peripheren Nervensystems zu verstehen, die mit Missempfindungen und Taubheitsgefühlen - häufig in den Händen und Füßen - einhergeht. Diese werden durch gereizte, entzündete oder geschädigte Nervenbahnen ausgelöst. Je nach Ursache der Erkrankung kann es zu weiteren Symptomen kommen, häufig tritt beispielsweise auch eine Muskelschwäche auf. Typische Symptome der Nervenkrankheit Polyneuropathie sind Kribbeln, Brennen und Taubheit, die anfangs an beiden Füßen und Beinen auftreten. Ihren Ursprung haben die Gefühlsstörungen in den langen Nerven, die Muskeln, Haut und Organe mit dem Gehirn verbinden. Schäden an den Nerven führen dazu, dass die Weiterleitung von Informationen zwischen Gehirn, Rückenmark und dem Rest des Körpers gestört ist. Je nachdem, welche Nerven betroffen sind, können bei der Polyneuropathie unterschiedliche Beschwerden im Vordergrund stehen. Die Polyneuropathie gehört zu den häufigsten neurologischen Krankheiten. Trotz aller diagnostischen Fortschritte bleibt die Ursache in vielen Fällen unklar ("idiopathische Neuropathie"). Ärzte können dann nur die Symptome behandeln.
Eine Sonderform ist die diabetische Polyneuropathie, die unterschiedliche Nervenbereiche betreffen kann. Neben Diabetes kann eine Polyneuropathie unter anderem auch durch chronischen Alkoholmissbrauch, Vergiftungen oder Infektionen entstehen.
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Eine weitere Sonderform ist das sogenannte Guillain-Barré-Syndrom. Dabei kommt es in kurzer Zeit zu Symptomen wie Schmerzen und Lähmungserscheinungen. So kann es passieren, dass Betroffene plötzlich kein Gefühl mehr in den Beinen haben. Hinter diesem Symptom kann allerdings auch ein Bandscheibenvorfall stecken.
Ist eine Polyneuropathie die Ursache der Gefühlsstörungen, richtet sich die Behandlung nach der jeweiligen Form der Erkrankung.
Bandscheibenvorfall
Bei einem Bandscheibenvorfall können durch Druck auf die Nervenwurzel starke Schmerzen im jeweiligen Versorgungsgebiet des Nervs entstehen. Häufig werden diese von Kribbeln oder einem Taubheitsgefühl im Lendenbereich oder den Beinen begleitet. Es kann darüber hinaus zu Lähmungen in den Beinen, Füßen oder im Extremfall von Blase und Darm kommen. Treten solche Symptome auf, sollte immer eine ArztÄrztin aufgesucht werden. Dann wird untersucht, ob es sich tatsächlich um einen Bandscheibenvorfall handelt und entschieden, ob dieser konservativ oder durch eine Operation behandelt werden sollte. Letztere ist jedoch meist nur in schweren Fällen nötig.
Neben einem Bandscheibenvorfall können auch andere Probleme im Bereich der Wirbelsäule, besonders im Bereich der Halswirbelsäule, für ein Taubheitsgefühl sorgen. Meist tritt die Beschwerde dann gemeinsam mit einem unangenehmen Kribbeln in den betroffenen Gliedmaßen auf. Deswegen sollten Sie bei anhaltenden Gefühlsstörungen unbedingt daran denken, sich orthopädisch untersuchen zu lassen.
Schlaganfall
Bei einem Schlaganfall wird das Gehirn nicht mehr mit ausreichend Blut und somit auch nicht mehr mit genügend Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Da der betroffene Bereich seiner Funktion nicht mehr nachkommen kann, treten verschiedene Störungen auf. Zu diesen können auch nervale Ausfälle gehören.
Durch solche Ausfälle kann es passieren, dass sich Arme oder Beine taub anfühlen und nicht mehr bewegt werden können. Typischerweise treten die Taubheitsgefühle einseitig auf, betreffen also nur eine Hälfte des Gesichts oder den rechten oder linken Arm. Weitere Symptome, die auf einen Schlaganfall hindeuten können, sind Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Seh- und Sprachstörungen sowie halbseitige Lähmungserscheinungen. Liegt der Verdacht nahe, dass ein Schlaganfall vorliegt, sollten Sie umgehend den Notruf verständigen.
Infektionen
Verschiedenste Infektionen mit Bakterien oder Viren können ein taubes Gefühl im Körper auslösen. Zu solchen Infektionen gehören beispielsweise Gürtelrose oder Borreliose. Je nach Art und Schweregrad der Infektion werden entsprechende Medikamente verordnet. Bakterielle Infektionen werden in der Regel mit Antibiotika behandelt.
Mangelerscheinungen
Schließlich kann auch ein Vitamin-B12-Mangel ein Taubheitsgefühl, das häufig auf der Zunge auftritt, auslösen. Daneben kann es in diesem Fall auch an den Händen und Füßen zu Empfindungsstörungen kommen. Denn Vitamin B12 ist für unser Nervensystem von entscheidender Bedeutung und ein Mangel kann zu Störungen im zentralen Nervensystem führen. Neben dem Taubheitsgefühl können sich bei einem solchen Mangel auch Symptome wie Blässe, Müdigkeit und Konzentrationsprobleme bemerkbar machen.
Auch Magnesium trägt zu einer gesunden Funktion des Nervensystems bei. Ein ausgeprägter Magnesiummangel kann sich deshalb ebenfalls in Form eines Taubheitsgefühls oder eines Kribbelns in Armen und Beinen bemerkbar machen.
Medikamente
In seltenen Fällen können auch bestimmte Medikamente Missempfindungen wie ein taubes Gesicht oder taube Hände sowie ein Kribbeln auslösen. Dazu gehören unter anderem Statine, ACE-Hemmer oder Calcium-Antagonisten. Wurden Medikamente eingenommen und kommt es daraufhin zu Taubheitsgefühlen oder Kribbeln, sollte der Beipackzettel kontrolliert und gegebenenfalls ärztlicher oder pharmazeutischer Rat eingeholt werden.
Psychische Faktoren
Gefühlsstörungen können auch Ausdruck psychischer Belastungen sein. Besonders bei Angstzuständen, Panikattacken oder chronischem Stress kann das vegetative Nervensystem überreagieren und körperliche Symptome hervorrufen.
Seltene Ursachen
Weitere Ursachen für Taubheitsgefühle können sein:
- Multiple Sklerose (MS)
- Tumore im Gehirn oder Rückenmark
- Chronische Subduralblutung
- Kollagenosen
- Vergiftungen mit Schwermetallen
Häufige Lokalisationen von Taubheitsgefühlen
Taubheitsgefühle im Gesicht
Ein Kribbeln und/oder Taubheitsgefühl im Kopf oder im Gesicht ist oft Vorbote eines Migräneanfalls. Daneben kann ein solches komisches Gefühl im Gesicht aber auch auf Durchblutungsstörungen und Tumore im Gehirn sowie auf Angst- oder Panikattacken hindeuten. Im Gesicht kann ein Taubheitsgefühl zudem durch Verbrennungen oder Erfrierungen hervorgerufen werden. Auch Multiple Sklerose (MS) kann unter Umständen zu einem tauben Gefühl im Gesicht, aber auch in den Armen oder Beinen führen.
Generell können Störungen der Gesichtsnerven Taubheitsgefühle auslösen. Diese treten dann oftmals einseitig auf, da meist nicht alle Gesichtsnerven betroffen sind. Ein weiterer möglicher Grund für einseitige Taubheitsgefühle im Gesicht ist die Gesichtslähmung (Fazialisparese). Empfindungsstörungen wie eine taube Wange können dann erste Warnsignale sein. Ursächlich für eine Gesichtslähmung sind Schädigungen des siebten Gesichtsnervs. Weitere Symptome sind ein gestörter Lidschluss, hängende Mundwinkel sowie Störungen des Speichel- und Tränenflusses.
Taubheitsgefühle in Armen und Beinen
Taubheitsgefühle in Armen und Beinen können vielfältige Ursachen haben, wie bereits oben beschrieben. Häufig sind eingeklemmte Nerven, Durchblutungsstörungen oder ein Bandscheibenvorfall die Ursache. Aber auch systemische Erkrankungen wie Diabetes oder Multiple Sklerose können sich durch Taubheitsgefühle in den Extremitäten äußern.
Diagnose von Taubheitsgefühlen
Bei der Diagnose ist zunächst entscheidend, wo, seit wann und in welchen Situationen das Taubheitsgefühl auftritt, ob es einseitig oder beidseitig vorkommt und ob es seit dem ersten Auftreten anhält oder von selbst wieder verschwindet. Um mögliche Nervenschädigungen festzustellen, prüft derdie ArztÄrztin die Reflexe sowie verschieden Sinnesleistungen - beispielsweise das Gehör und das Sehen. Besteht ein erster Verdacht, können weitere Untersuchungen nötig werden.
Die Diagnose basiert auf einer umfangreichen Anamnese. Der Arzt befragt den Patienten, wann das Taubheitsgefühl zuletzt auftrat, ob das Taubheitsgefühl in oder nach einer bestimmten Situation bemerkt wurde, beispielsweise nach einem Unfall oder bei einer bestimmten Haltung, ob das Taubheitsgefühl einseitig oder beidseitig ist, ob es anhaltend ist, vergeht oder wiederkehrt und ob andere Erkrankungen bekannt sind, durch die das Taubheitsgefühl ausgelöst werden könnte, beispielsweise Diabetes. Der Arzt prüft das Gleichgewichtsgefühl, die Eigenreflexe, das Sehen, das Gehör und das Bewusstsein des Patienten.
Zur Messung der Nervenleitgeschwindigkeit wird Strom durch die Nervenbahnen geschickt. Mit einer Stimmgabel prüft der Neurologe das Vibrationsempfinden. Bei der standardisierten Quantitativen Sensorischen Testung werden durch sieben verschiedene Gefühlstests an der Haut 13 Werte ermittelt. Sie helfen zu erkennen, welche Nervenfasern genau geschädigt sind und wie stark die Schädigung fortgeschritten ist. Um das Temperaturempfinden exakt zu messen, kommen bei der sogenannten Thermode computergesteuerte Temperaturreize zum Einsatz. Die Untersuchung einer Gewebeprobe kann helfen, die Ursache einer Polyneuropathie zu finden. Dazu wird eine sogenannte Nerv-Muskel-Biopsie aus dem Schienbein entnommen und feingeweblich untersucht. Hierbei wird festgestellt, ob der Schaden an der Hüllsubstanz des Nerven (Myelin) oder am Nerven selbst entstanden ist. Bei bestimmten Ursachen finden sich zum Beispiel Entzündungszellen oder Amyloid-Ablagerungen. Bei einer Untergruppe der Neuropathien sind insbesondere die dünnen, kleinen Nervenfasern der Haut betroffen. Sie werden unter dem Namen Small-Fiber-Neuropathien zusammengefasst. Die Nervenleitgeschwindigkeit, die die Funktion von dickeren Nerven misst, ist dann oft unauffällig. Für die richtige Diagnose ist die Quantitative Sensorische Testung mit Messung des Temperaturempfindens entscheidend. Darüber hinaus kann eine Gewebeprobe aus der Haut (Hautbiopsie) unter dem Mikroskop untersucht werden.
Therapie von Taubheitsgefühlen
Generell ist die Therapie von Taubheitsgefühlen sehr stark von der Ursache abhängig. Wie bereits erwähnt, kann bei einem Karpaltunnelsyndrom das Tragen einer Schiene helfen, bei einem Bandscheibenvorfall eine physiotherapeutische Behandlung. Es ist also sehr wichtig, den Auslöser der Beschwerden zu identifizieren. Kommt es nur gelegentlich zu Beschwerden und hängen diese sicher mit Faktoren wie Kälte oder einer falschen Sitzhaltung zusammen, muss in der Regel kein ärztlicher Rat gesucht werden.
Die Behandlung der Hypästhesie erfolgt abhängig von der Ursache. Eingeklemmte Nerven können mit muskelentspannenden Medikamenten und mit Schmerzmittel behandelt werden. Bei einer Polyneuropathie kann eine Infusion verabreicht werden. Zusätzlich werden oft Schmerzmittel verordnet. Liegt ein Karpaltunnelsyndrom vor, wird zuerst eine konservative Behandlung durch Orthopäden, Physiotherapie und Chiropraktiker angestrebt. Ein Vitamin-B12-Mangel wird durch die Gabe von Vitamin B12, zumeist durch Injektionen, behandelt.
Hat ein Diabetes schleichend über viele Jahre die Nerven angegriffen, muss der Patient seine Blutzuckerwerte in den Griff bekommen, um die Nervenschädigung zu stoppen. Allerdings führt eine zu rasche Senkung der Blutzuckerwerte zu weiteren Nervenschäden. Als optimal gilt eine sanfte Senkung des HbA1c-Wertes um weniger als zwei Prozentpunkte über einen Zeitraum von drei Monaten. Bei Altersdiabetes empfehlen Ärzte eine Umstellung des Lebensstils mit Gewichtsreduktion und viel Bewegung. Ziel ist, dass sich die Nerven wieder erholen. Besteht die Schädigung allerdings schon lange, ist die Polyneuropathie in der Regel nicht heilbar. Sind Alkohol oder Medikamente die Ursache, hilft Abstinenz beziehungsweise ein Wechsel der Präparate. Zur Schmerzbekämpfung haben sich Antidepressiva und Medikamente gegen Krampfanfälle (Epilepsie), sogenannte Antikonvulsiva, bewährt. Capsaicin ist für die Schärfe der Chilischoten verantwortlich und hat sich in Form von Capsaicin-Pflastern auf der Haut in Studien als erfolgversprechendes Mittel gegen Polyneuropathie erwiesen. Es betäubt nicht nur den schmerzenden Bereich und steigert die Durchblutung, sondern scheint sogar die Neubildung kleiner Nervenfasern anzuregen. Bei der Elektrotherapie werden die Nerven durch Impulse aus einem speziellen Gerät so stimuliert, dass Erkrankte statt Schmerzen ein leichtes Kribbeln spüren. Von außen lässt sich dieses durch ein TENS-Gerät erreichen. Die Therapien müssen dauerhaft durchgeführt werden. Eine Pause beeinträchtigt schnell den Behandlungserfolg. Gegen die fortschreitende Gangunsicherheit wirkt Gleichgewichtstraining in der Physiotherapie. Wie die gezielten Reize der Akupunktur die Nerven beleben, ist noch ungeklärt.
Was man selbst tun kann
Wie beschrieben entsteht das Taubheitsgefühl in den häufigsten Fällen aufgrund von kurzzeitigen Durchblutungsstörungen oder eines eingeklemmten Nervs - sofern kein anderes medizinisches Problem zugrunde liegt.
Folgende Tipps können im Akutfall angewendet werden und dienen der Vorbeugung:
- Ausschütteln der Arme: Um die Durchblutung wieder anzukurbeln, sollten die Arme ausgeschüttelt werden.
- Sitz- oder Liegeposition anpassen
- Greifbewegungen: Sie können dabei helfen, Blut in die Fingerspitzen zu pumpen, indem man die Finger spreizt und sie dann zur Faust ballt.
- Kühlen: Kaltes Wasser regt die Durchblutung an.
- Bewegung im Alltag: Vorbeugend kann regelmäßige Bewegung dabei helfen, Fehlhaltungen und dadurch entstandene Durchblutungsstörungen zu behandeln.
- Lösen der Verspannungen
- Wärme entspannt die Muskeln
Zusätzlich können folgende Maßnahmen helfen, die Durchblutung zu fördern und die Nervenfunktion zu unterstützen:
- Sitzposition überprüfen: Besonders viele Beschwerden macht das Sitzen mit gekreuzten Beinen, weil dies die Blutversorgung stört oder gar Nerven gequetscht werden. Wechseln Sie also immer wieder die Sitzposition und stehen Sie beim ersten Kribbeln sofort auf, damit das Blut wieder ungehindert fließen kann. Auch zu enge Schuhe schnüren die Blutzufuhr ab. Ein einfacher Test ist das Wackeln mit den Zehen.
- Durchblutung ankurbeln: Steckt eine schlechte Durchblutung hinter den Empfindungsstörungen, hilft alles, was den Kreislauf in Schwung bringt und den Blutfluss anregt. Sorgen Sie für ausreichend Bewegung, etwa durch flotte Spaziergänge oder Radfahren. Kräftigungs-, aber auch Dehnübungen steigern die Durchblutung noch zusätzlich. Stehen Sie auch bei sitzenden Tätigkeiten immer wieder zwischendurch auf und gehen Sie herum, damit das Blut nicht in den Beinen "versackt".
- Gefäße gesund halten: Gesunde Blutgefäße sind die Voraussetzung für eine gute Durchblutung. Einige Risikofaktoren, wie etwa eine genetische Veranlagung, lassen sich nicht beeinflussen. Viele Abnutzungsprozesse entstehen aber durch einen falschen Lebensstil - z. B. durch Rauchen, Übergewicht oder Bewegungsarmut.
- Körperbewusstsein trainieren: Entstehen Taubheitsgefühle im Rahmen von Panikattacken oder als Ausdruck einer psychischen Störung, helfen eventuell Übungen zur Verbesserung des Körperbewusstseins. Mit Techniken wie Yoga oder dem Body Scan trainieren Sie, Ihre Aufmerksamkeit auch über einen längeren Zeitraum auf Ihren Körper zu richten und sich intensiver zu spüren.
- Vitaminmangel ausgleichen: Ein Mangel an Vitamin B12 kann die Symptome von Empfindungsstörungen auslösen. Es kommt in großen Mengen in tierischen Produkten wie Weichkäse und Fisch vor und ist an der Bildung der Schutzhülle unserer Nerven beteiligt. Taubheitsgefühle und Kribbeln können die Folge sein, wenn ein Mangel des Vitamins vorliegt.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
In den meisten Fällen ist ein Taubheitsgefühl harmlos und verschwindet nach kurzer Zeit von selbst. Ist das nicht der Fall, sollte man den Missempfindungen auf den Grund gehen.
Taube Füße sind kein Symptom, das man ignorieren sollte. Kraftlosigkeit in Armen oder Beinen, Gefühlsstörungen oder einseitige Lähmungen sind typische Anzeichen.
Tauchen die Taubheitsgefühle plötzlich auf und bestehen zusätzlich Beschwerden wie einseitige Lähmungen oder Probleme beim Sprechen, könnte es sich um einen Schlaganfall handeln. In diesem Fall ist umgehend der Notruf unter 112 zu wählen.
Ein immer wiederkehrendes Taubheitsgefühl kann aber auch auf eine ernsthafte Erkrankung hindeuten. Tritt das Symptom häufiger auf, sollte deswegen unbedingt ärztlicher Rat gesucht werden.
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