Harnfunktion verstehen: Fakten über Blase, Nieren und Gehirn

Wenn Sie mit einer neurogenen Blasenstörung konfrontiert sind oder einfach nur Ihr Verständnis des menschlichen Körpers vertiefen möchten, ist es wichtig, die komplexe Funktionsweise des Harntrakts zu kennen. Dieser Artikel bietet Ihnen einen umfassenden Überblick über die Harnwege, die Rolle des Gehirns und verschiedene Erkrankungen, die die Harnfunktion beeinträchtigen können.

Der Harntrakt: Ein Überblick

Der Harntrakt ist ein komplexes System, das für die Filterung von Abfallprodukten aus dem Blut und die Ausscheidung von Urin verantwortlich ist. Er besteht aus folgenden Organen:

  • Nieren: Die Nieren sind paarige Organe, die überschüssiges Wasser und Abfallprodukte aus dem Blut filtern, um Urin zu bilden. Sie regulieren auch den Blutdruck. In der Regel produzieren die Nieren 30 bis 90 ml Urin pro Stunde.
  • Harnleiter: Die Harnleiter sind dünne Schläuche, die den Urin von den Nieren zur Blase transportieren. Sie sind etwa 28 bis 35 cm lang und verfügen über ein spezielles Zusammenspiel, um zu verhindern, dass Urin in die Nieren zurückfließt. Der Urin wird durch wellenförmige Muskelanspannung und Entspannung in den Harnleitern transportiert.
  • Blase: Die Blase ist ein muskulöses Hohlorgan, das den Urin speichert, bis er ausgeschieden wird. Im entspannten Zustand kann die Blase eines Erwachsenen etwa 500 ml Urin aufnehmen, bevor Harndrang verspürt wird.
  • Harnröhre: Die Harnröhre ist ein Schlauch, der den Urin von der Blase nach außen leitet.
  • Schließmuskeln: Die Schließmuskeln sind ringförmige Muskeln, die den Blasenhals (innerer Schließmuskel) und die Harnröhre (äußerer Schließmuskel) umschließen. Der äußere Schließmuskel kann bewusst angespannt oder entspannt werden, um den Harnstrahl zu kontrollieren, während der innere Schließmuskel unbewusst von Gehirn und Rückenmark gesteuert wird.
  • Beckenbodenmuskulatur: Der Beckenboden besteht aus mehreren kleinen Muskelgruppen, die Harnröhre, Vagina (bei Frauen) und Rektum umgeben und eine tragende Rolle beim Wasserlassen spielen.

Der Prozess des Wasserlassens

Das Wasserlassen erfordert eine komplexe Koordination zwischen Blase, Schließmuskeln und dem Nervensystem. Wenn die Blase gefüllt ist, senden Nervenzellen in der Blasenwand Signale an das Rückenmark und das Gehirn. Das Gehirn verarbeitet diese Informationen und sendet eine Rückmeldung. Zum Entleeren der Blase entspannen sich die Schließmuskeln und die Harnröhre dehnt sich aus, sodass der Urin abfließen kann.

Unterschiede zwischen Männern und Frauen

Der Harntrakt ist bei Männern und Frauen im Wesentlichen ähnlich, wobei der Hauptunterschied die Harnröhre betrifft. Bei Frauen ist die Harnröhre kürzer, was sie anfälliger für Harnwegsinfektionen macht. Weitere geschlechtsspezifische Unterschiede können durch Schwangerschaften, Vaginalgeburten (führt zu Urinverlust) und Prostatavergrößerung (führt zu häufigem Wasserlassen, unvollständiger Entleerung) entstehen.

Häufige Erkrankungen des Harntrakts

Verschiedene Erkrankungen können die normale Funktion des Harntrakts beeinträchtigen. Einige der häufigsten sind:

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  • Harninkontinenz: Harninkontinenz ist der Verlust der Fähigkeit, Urin in der Blase zu halten und kontrolliert abzugeben. Es gibt verschiedene Formen der Inkontinenz, darunter Belastungsinkontinenz (verursacht durch einen schwachen Beckenboden), Dranginkontinenz (verursacht durch eine überaktive Blase), Mischinkontinenz (eine Kombination aus Belastungs- und Dranginkontinenz) und Überlaufinkontinenz (verursacht durch eine ständig übervolle Blase).
  • Überaktive Blase (ÜAB): Bei einer ÜAB zieht sich die Blasenmuskulatur unentwegt zusammen, obwohl sich erst wenig Harn gesammelt hat. Dies führt zu häufigem Harndrang und ungewolltem Harnverlust.
  • Neurogene Blase: Eine neurogene Blase ist eine Blasenfunktionsstörung, die durch eine Schädigung des Nervensystems verursacht wird. Dies kann durch verschiedene Erkrankungen wie Rückenmarksverletzungen, Multiple Sklerose oder Schlaganfall verursacht werden.
  • Harnwegsinfektionen (HWI): Harnwegsinfektionen sind Infektionen der Harnwege, die durch Bakterien verursacht werden. Sie können zu schmerzhaftem Wasserlassen, häufigem Harndrang und Fieber führen.
  • Nierensteine: Nierensteine sind harte Ablagerungen, die sich in den Nieren bilden können. Sie können Schmerzen, Übelkeit und Erbrechen verursachen.
  • Polyurie und Polydipsie: Patienten mit Polydipsie und Polyurie trinken viel und scheiden viel Flüssigkeit aus. Bis zu 20 Liter Flüssigkeit setzen sie am Tag um - und das beeinträchtigt sie akut im alltäglichen Leben.

Die Rolle des Gehirns bei der Harnfunktion

Das Gehirn spielt eine entscheidende Rolle bei der Kontrolle der Harnfunktion. Es empfängt Signale von der Blase, verarbeitet diese Informationen und sendet Signale an die Blase zurück, um die Entleerung zu steuern. Bei einer neurogenen Blase ist die Kommunikation zwischen Gehirn und Blase gestört, was zu verschiedenen Blasenfunktionsstörungen führen kann.

Neurogene Blasenfunktionsstörung

Bei einer neurogenen Blasenfunktionsstörung ist die Kontrolle der Blase durch eine Schädigung des Nervensystems gestört. Dies kann zu einer spastischen Blase (unkontrollierte Kontraktionen), einer schlaffen Blase (keine Kontraktionen) oder einer inkompletten Lähmung der Blase führen. Die Behandlung der neurogenen Blase hängt von der Art und Schwere der Funktionsstörung ab und kann Medikamente, Katheterisierung oder Operation umfassen.

Diagnose und Behandlung von Harnfunktionsstörungen

Die Diagnose von Harnfunktionsstörungen umfasst in der Regel eine ausführliche Anamnese, körperliche Untersuchung und verschiedene Tests wie Urinanalyse, Urodynamik und bildgebende Verfahren. Die Behandlung hängt von der Art und Ursache der Funktionsstörung ab und kann Medikamente, Verhaltenstherapie, Katheterisierung oder Operation umfassen.

Neue Forschungsergebnisse

Forschende des Max-Planck-Instituts für Stoffwechselforschung in Köln haben an Mäusen gezeigt, dass das Gehirn bei der Autophagie (zelluläres Recycling) eine entscheidende Rolle spielt. Schon nach einer kurzen Fastenzeit löst das Gehirn die Ausschüttung des Hormons Corticosteron aus und leitet damit die Autophagie in der Leber ein.

Wissenschaftler der Leipziger Universitätsmedizin haben zusammen mit Kollegen der Universitäten Basel und Würzburg ein neues Diagnoseverfahren entwickelt, das erstmals zuverlässig auch die Ursache der Erkrankung Polydipsie und Polyurie bestimmt. So kann die Therapie optimal auf den Patienten abgestimmt werden.

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