Die vaskuläre Demenz ist eine Form der Demenz, die durch Durchblutungsstörungen im Gehirn verursacht wird. Diese Störungen sind oft die Folge von Erkrankungen der Blutgefäße. Die Behandlung der vaskulären Demenz zielt darauf ab, die Ursachen der Demenz zu behandeln, die Beschwerden zu lindern und die geistigen Fähigkeiten der Betroffenen zu erhalten und ihr Wohlbefinden zu verbessern.
Grundlagen der vaskulären Demenz
Demenzen sind neurologische Krankheitsbilder, die mit einer Abnahme der kognitiven Leistungsfähigkeit einhergehen. Dazu gehören Störungen des Gedächtnisses, des Auffassungsvermögens, Beeinträchtigungen des Sozialverhaltens und in späteren Stadien Persönlichkeitsverlust. Die Inzidenz dieser Erkrankungen steigt mit zunehmendem Alter. Vaskuläre Demenz wird durch Durchblutungsstörungen im Gehirn verursacht, die Folge von Gefäßerkrankungen sind.
Behandlungsansätze bei vaskulärer Demenz
Die Behandlung der vaskulären Demenz basiert auf zwei Säulen:
- Behandlung der Ursache: Hierbei werden die Grunderkrankungen der Blutgefäße behandelt, um weitere Schäden im Gehirn zu verhindern.
- Linderung der Demenz-Beschwerden: Diese zielt darauf ab, die geistigen Fähigkeiten zu erhalten und das Wohlbefinden der Betroffenen zu verbessern.
Medikamentöse Behandlung
Fast alle Erkrankungen der Blutgefäße werden medikamentös behandelt. Je nach vorliegender Erkrankung kommen verschiedene Medikamente in Frage. Medikamente, die die Blutgerinnung hemmen, können weitere Durchblutungsstörungen und Schäden im Gehirn verhindern und so das Fortschreiten der vaskulären Demenz verlangsamen.
Memantin: Medikamente mit dem Wirkstoff Memantin sind in Deutschland unter den Bezeichnungen Memantin, Axura und Ebixa zugelassen. Sie sind für Menschen mit einer mittelschweren bis schweren Alzheimer-Demenz indiziert und werden in Einzelfällen auch bei vaskulärer Demenz eingesetzt, insbesondere bei Mischformen mit Alzheimer-Demenz. Memantin soll verhindern, dass ein Überschuss des Stoffes Glutamat das Gehirn schädigt. Glutamat ist ein Stoff, der Nervensignale überträgt. Tierexperimente legen nahe, dass im Gehirn von Alzheimer-Erkrankten zu viel Glutamat vorhanden sein könnte.
Lesen Sie auch: Memantin Nebenwirkungen
Weitere Medikamente: Bei Menschen mit einer Mischform aus vaskulärer Demenz und Alzheimer-Demenz können Medikamente gegen Alzheimer-Demenz zum Einsatz kommen, etwa Cholinesterase-Hemmer. Unter bestimmten Umständen können auch Medikamente mit Ginkgo biloba bei vaskulärer Demenz eingesetzt werden. Es wird vermutet, dass Ginkgo biloba die Durchblutung im Gehirn fördert und damit die geistigen Fähigkeiten verbessert. Allerdings kann Ginkgo biloba die Wirkung von bestimmten, die Blutgerinnung hemmenden Medikamenten beeinflussen, die für viele Menschen mit vaskulärer Demenz wichtig sind.
Nicht-medikamentöse Behandlungen
Viele Behandlungsmöglichkeiten für Demenz kommen ohne Medikamente aus. Sie dienen in der Regel dazu, das Wohlbefinden und die Lebensqualität der Erkrankten zu erhalten oder zu steigern, psychische Beschwerden zu verringern und den Alltag besser zu gestalten.
Angebote: Es gibt viele verschiedene Behandlungsangebote für Menschen mit Demenz, wie Erinnerungsarbeit, Gespräche, Ergotherapie, Physiotherapie, Sport und Bewegung sowie Therapien mit Massagen, Düften, Malen und Musik. Die Auswahl sollte sich nach der Demenz-Form, der Persönlichkeit, der Lebenssituation, dem Stadium der Demenz und den jeweiligen Beschwerden richten.
Alltagsgestaltung: Menschen mit Demenz können die Behandlung zusätzlich unterstützen, indem sie auf eine gesunde Lebensweise achten. Verschiedene Faktoren wie Rauchen oder Diabetes erhöhen das Risiko, an Demenz zu erkranken.
Umgang mit psychischen Beschwerden
Veränderungen im Gehirn können bei Menschen mit Demenz psychische Probleme verursachen, wie Niedergeschlagenheit, Reizbarkeit oder Aufgewühltheit. Oft gibt es bestimmte Auslöser für diese Beschwerden, z. B. Veränderungen in der Wohnumgebung, Lärm, Schmerzen oder unangenehme Begegnungen mit anderen Menschen.
Lesen Sie auch: Ursachen, Symptome und Behandlung von vaskulärer Demenz
Maßnahmen: Zunächst sollte man versuchen, die Auslöser zu vermeiden oder zu reduzieren. Angehörige können in Schulungen lernen, richtig mit den Betroffenen umzugehen. Reichen diese Maßnahmen nicht aus, können auch Medikamente zum Einsatz kommen, wie Antidepressiva zur Stimmungsverbesserung oder Neuroleptika zur Minderung von Streitlust und Aggressionen. In manchen Fällen können auch beruhigende Medikamente eingesetzt werden, die jedoch auch Nebenwirkungen haben können.
Memantin im Detail
Memantin ist ein nicht-kompetitiver Antagonist an glutamatergen NMDA-Rezeptoren. Es hemmt die (pathologische) Aktivität dieser Rezeptoren, indem es die Bindungsstelle nur im aktivierten Zustand blockiert, wenn der Kanal durch den Co-Agonisten Glycin geöffnet ist. Dadurch werden nur (pathologisch) aktive NDMA-Rezeptoren gehemmt, ohne die normale glutamaterge Neurotransmission zu beeinträchtigen. Memantin diffundiert rasch von der Bindungsstelle ab, sodass ein langanhaltender Funktionsausfall der Kanäle vermieden wird.
Pharmakokinetik
Memantin wird vollständig resorbiert, wobei die Bioverfügbarkeit nahezu 100% beträgt. Die Resorption wird nicht durch Nahrung beeinflusst. Das Verteilungsvolumen beträgt etwa 10 l/kg, und etwa 45% des Wirkstoffs sind an Plasmaproteine gebunden. Nur etwa 20% des Memantins werden metabolisiert, und Memantin sowie seine Metaboliten werden zu etwa 99% renal eliminiert. Die Halbwertszeit liegt zwischen 60 und 100 Stunden, und die Gesamtclearance beträgt bei Gesunden 170 ml/min/1,73 m². Bei alkalischem pH-Wert des Urins kann die renale Eliminationsrate von Memantin reduziert sein.
Dosierung und Anwendung
Die übliche Dosierung für Erwachsene beträgt zu Beginn 5 mg Memantin täglich, gefolgt von einer wöchentlichen Steigerung um 5 mg auf eine Erhaltungsdosis von 20 bis 30 mg pro Tag innerhalb von drei bis vier Wochen. Bei Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Niereninsuffizienz ist eine Dosisreduktion erforderlich. Zur Anwendung von Memantin in der Schwangerschaft sind bisher keine ausreichenden klinischen Daten vorhanden, und es ist nicht bekannt, ob Memantin in die Muttermilch übergeht.
Studienlage zu Memantin
Mehrere systematische Übersichten haben untersucht, ob Menschen mit Alzheimer-Demenz von Memantin profitieren. Untersucht wurde, ob die Medikamente die geistige Leistungsfähigkeit verbessern, psychische Beschwerden mildern oder die Bewältigung des Alltags erleichtern. Zudem wurde untersucht, ob sich die Medikamente auf die Pflegebedürftigkeit auswirken. In den Studien wurde Memantin entweder mit einem Scheinmedikament (Placebo), mit anderen Medikamenten oder mit nicht medikamentösen Maßnahmen verglichen.
Lesen Sie auch: Vaskuläre Demenz verstehen: Ein tiefer Einblick
Die Studien zeigen, dass Memantin geistige Fähigkeiten etwas länger erhalten kann und den Abbau der geistigen Leistungsfähigkeit über einen Zeitraum von sechs Monaten bei ungefähr 1 von 10 Menschen hinauszögern kann. Zudem deuten Studien an, dass sich starke Unruhe verringern und die Stimmung verbessern kann. Es gibt jedoch keine Angaben dazu, ob Memantin beeinflusst, wie lange Menschen mit Demenz noch zu Hause gepflegt werden können, und keine Hinweise darauf, dass die Therapie Angehörige entlastet.
Memantin scheint gut verträglich zu sein, da in Studien nicht häufiger Nebenwirkungen als bei Placebo auftraten. Es ist jedoch nicht ausgeschlossen, dass es zu Nebenwirkungen wie Müdigkeit oder Schwindel kommen kann. Da keine der bisher durchgeführten Studien länger als zwölf Monate dauerte, bleiben die Folgen einer langfristigen Behandlung mit Memantin weiterhin unklar.
Anwendungsbeobachtung zu Memantin bei Alzheimer-Demenz
Eine Anwendungsbeobachtung untersuchte die Wirksamkeit und Verträglichkeit von Memantin (Ebixa®) bei Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Alzheimer-Demenz (AD) über einen Zeitraum von sechs Monaten. Dabei wurden der Mini-Mental-Status-Test (MMST), die Nurses’ Observation Scale for Geriatric Patients (NOSGER) und das Explorationsmodul Demenz (EMD) eingesetzt. Die Ergebnisse zeigten eine Verbesserung der Symptome in den Bereichen Kognition, Alltagsfunktion und Gesamteindruck bei gleichzeitig guter Verträglichkeit.
In dieser Beobachtungsstudie wurden insgesamt 1845 Patienten aufgenommen, wobei die Daten von 1580 Patienten für die Wirksamkeitsanalyse ausgewertet werden konnten. Die Ergebnisse zeigten, dass Memantin auf allen untersuchten Ebenen (Kognition, Aktivitäten des täglichen Lebens und ärztliches Globalurteil) zu einer Besserung der Symptomatik führte. Der MMST-Wert verbesserte sich nach sechsmonatiger Therapie um 2,5±4,5 Punkte (p<0,0001). In der Responder-Analyse konnte gezeigt werden, dass bei 68,2% der Patienten der MMST-Wert um mindestens einen Punkt zunahm.
Aktuelle Diskussion zur Wirksamkeit von Memantin
Eine aktuelle Untersuchung des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) stellt die Wirksamkeit von Memantin bei Alzheimer-Demenz infrage. Es gebe keine wissenschaftlichen Belege, dass Memantin Patienten nutze. Das IQWiG resümiert, es gebe nach wie vor keine Therapie, die Alzheimer entscheidend beeinflussen könne. Der Verband der forschenden Pharmaunternehmen (vfa) distanzierte sich von der Studie und kritisierte die methodischen Ansätze des IQWiG.