Alzheimer ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, die nicht nur das Gedächtnis und die kognitiven Fähigkeiten beeinträchtigt, sondern auch andere Aspekte der Gesundheit beeinflussen kann. Verstopfung und Inkontinenz sind häufige Begleiterscheinungen, die die Lebensqualität von Betroffenen erheblich mindern können. Dieser Artikel beleuchtet die Zusammenhänge zwischen Alzheimer, Verstopfung und Harninkontinenz, um Betroffenen und ihren Angehörigen ein besseres Verständnis und Hilfestellungen zu bieten.
Sehprobleme als Frühindikator für Demenz
Die Sehkraft lässt mit zunehmendem Alter nach, doch bestimmte Sehprobleme können Vorboten einer Demenz sein. Wissenschaftler der Universität Loughborough in Großbritannien fanden in einer Studie im Jahr 2024 heraus, dass Sehprobleme schon über ein Jahrzehnt vor der Diagnose auftreten können. In der Studie wurden 8623 gesunde Menschen über Jahre hinweg beobachtet. Am Ende der Beobachtungszeit erkrankten 537 Menschen an Demenz. Diejenigen, die später an Demenz erkrankten, konnten ein sich auf einem Bildschirm bildendes Dreieck erst viel später erkennen als die anderen Probanden.
Die Forscher vermuten, dass die mit Alzheimer verbundenen Amyloid-Plaques zuerst Bereiche des Gehirns beeinträchtigen, die mit dem Sehvermögen verbunden sind. Erst bei fortschreitender Krankheit sind die Bereiche, die mit dem Gedächtnis verbunden sind, betroffen. Sehtests könnten daher Defizite erkennen, bevor Gedächtnistests dies tun. Alzheimer betrifft auch die Fähigkeit, Umrisse zu erkennen und zwischen Farben zu unterscheiden, insbesondere im Blau-Grün-Spektrum. Auch die Kontrolle der Augenbewegungen kann beeinträchtigt sein, was im Straßenverkehr zu Unfällen führen kann. Alzheimer-Betroffene scheinen auch Defizite beim Erkennen von Gesichtern zu haben.
Alzheimer: Nicht nur Vergesslichkeit
Alzheimer ist nicht nur durch Vergesslichkeit gekennzeichnet. Fast jeder zweite Alzheimer-Patient fällt im Frühstadium nicht durch Erinnerungslücken, sondern durch andere Symptome auf. Betroffene können sich im Gespräch nicht mehr richtig ausdrücken, füllen die Lücken mit anderen, weniger passenden Wörtern und Satzteilen. Auch auffällige Verhaltensänderungen wie Streitlust, Feindseligkeit und Misstrauen treten auf. Viele Alzheimer-Patienten verlieren zudem allmählich ihr Interesse an Hobbys und Aktivitäten. Eine spanische Studie hat gezeigt, dass fast jeder zweite Alzheimer-Patient anfangs keine Gedächtnisprobleme hat, sondern anders aufgefallen ist: Wegen Sprach- oder Sehstörungen oder weil er nicht mehr in der Lage war, Aufgaben zu übernehmen und zu Ende zu bringen.
Verstopfung bei Alzheimer: Ursachen und Auswirkungen
Verstopfung ist ein häufiges Problem bei älteren Menschen und tritt bei Menschen mit Demenz besonders häufig auf. Es kann die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen und zu Unruhe, Appetitlosigkeit und sogar zu Verhaltensauffälligkeiten führen.
Lesen Sie auch: Was tun bei Verstopfung, Krämpfen und Unterleibsschmerzen?
Ursachen von Verstopfung bei Alzheimer
Mehrere Faktoren können zu Verstopfung bei Menschen mit Alzheimer beitragen:
- Mangelnde Bewegung: Menschen mit Demenz sind oft in ihrer Bewegung eingeschränkt, was die Darmtätigkeit verlangsamen kann.
- Fehlende ballaststoffreiche Ernährung: Viele Menschen mit Demenz ernähren sich nicht richtig, was zu einem Mangel an Ballaststoffen führt, die für die Verdauung wichtig sind.
- Geringe Flüssigkeitszufuhr: Das Durstempfinden lässt nach, was zu einer unzureichenden Flüssigkeitsaufnahme führt, die für eine gute Verdauung notwendig ist.
- Medikamente: Bestimmte Medikamente wie Opiate, Anticholinergika, Psychopharmaka oder Eisenpräparate können Verstopfung verursachen.
- Fehlende Intimsphäre: Gerade in teil- oder stationären Einrichtungen ist häufig die Intimsphäre nicht gewährleistet, was den Stuhlgang beeinträchtigen kann.
- Verbindung von Darm und Hirn: Wenn Menschen regelmäßig Abführmittel nehmen, dann könnte dies ihr Risiko für eine Demenz um bis zu 50 Prozent erhöhen, wie eine Kohortenstudie nahelegt. Vor allem die Wirkstoffe, die osmotisch wirken und den Stuhl weicher machen sollen, erhöhten das Demenzrisiko, möglicherweise weil sie die Darmflora verändern und die Darmbarriere durchlässiger machen.
Maßnahmen zur Linderung von Verstopfung
Es gibt verschiedene Maßnahmen, die helfen können, Verstopfung bei Menschen mit Alzheimer zu lindern:
- Bewegung: Mobilisation des Pflegekunden durch Bewegungsübungen, leichte Gymnastik usw. Eine morgendliche Bauchmassage vor dem Aufstehen unterstützt den Weitertransport des Speisebreis im Darm.
- Ernährungsumstellung: Anregung einer ballaststoffreichen Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten. Weichen Sie abends einige getrocknete Feigen oder Pflaumen in einer Tasse Wasser ein und lassen Sie das Ganze abgedeckt bei Zimmertemperatur über Nacht stehen. Am nächsten Morgen kann Ihr Pflegekunde die eingeweichten Früchte essen und das Einweichwasser dazu trinken.
- Ausreichende Flüssigkeitszufuhr: Stellen Sie eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme sicher. Zur Anregung des Darms sollte Ihr Pflegekunde morgens nüchtern als Erstes ein Glas stilles Wasser trinken. Es sollte Zimmertemperatur haben.
- Medikamentenüberprüfung: Mit dem Arzt absprechen, ob ggf. Medikamente, die Verstopfung verursachen, reduziert oder ersetzt werden können.
- Intimsphäre gewährleisten: Sorgen Sie für eine angenehme und ungestörte Umgebung während des Toilettengangs.
- Abführmittel: In manchen Fällen kann der Einsatz von Abführmitteln (Laxanzien) notwendig werden. In der Pflege von Menschen mit Demenz haben sich Abführmittel der osmotisch wirksamen Substanzgruppe Macrogol mit oder ohne Elektrolytzusatz durchgesetzt. Doch beachten Sie, dass diese osmotisch wirksamen Abführmittel Wasser im Darm binden, wodurch der Stuhl feucht und gleitfähig bleibt.
Harninkontinenz bei Alzheimer: Ursachen und Management
Harninkontinenz ist ein weiteres häufiges Problem bei Menschen mit Demenz. Die Ursachen sind vielfältig und reichen von direkten Auswirkungen der Demenz auf die Blasenfunktion bis hin zu altersbedingten Veränderungen und anderen Begleiterkrankungen.
Ursachen von Harninkontinenz bei Alzheimer
- Zerebrale Läsionen: Demenzbedingte Schädigungen im Gehirn können die Steuerungsmechanismen der Blasenentleerung beeinträchtigen.
- Kognitive Beeinträchtigungen: Demenz-Kranke können plötzlich orientierungslos werden und vergessen, wo sie sich befinden und warum sie an diesem Ort sind. Sie können Schwierigkeiten haben, die Toilette zu finden, sie rechtzeitig zu erreichen oder sich daran erinnern, vor dem Hinsetzen die Kleider herunterzuziehen.
- Begleiterkrankungen: Alter, Diabetes, Herzerkrankungen und andere Erkrankungen können Risikofaktoren für Inkontinenz sein.
- Verhaltensauffälligkeiten (BPSD): Es gibt viele Dinge, die BPSD auslösen können, wie z. B. Schmerzen, Verstopfung, Juckreiz, Schlafmangel, Mangel an Privatsphäre und eine stressreiche Umgebung.
Personenzentrierte Pflege bei Inkontinenz
Die Person-zentrierte Pflege bedeutet, Bewohner als gleichberechtigte Partner zu betrachten und ihnen zu helfen, sich selbst zu helfen, damit sie ihre Unabhängigkeit, die Lebensqualität und ihr Wohlbefinden steigern können. Bei der Pflege von Demenzkranken ist es sehr wichtig, sie mit Respekt und Würde zu behandeln, ihnen mit Mitgefühl zu begegnen und sie bei der Entwicklung ihrer Stärken und Fähigkeiten zu unterstützen, damit sie ein möglichst unabhängiges Leben führen und ihre Identität so lange wie möglich bewahren können.
Maßnahmen zur Verbesserung der Inkontinenzversorgung
- Individuelle Inkontinenzversorgung: Ermitteln Sie die Bedürfnisse der Bewohner und legen Sie individuelle Zeiten für den Toilettengang fest. Achten Sie auf Anzeichen eines bevorstehenden Toilettengangs und helfen Sie, wenn nötig.
- Förderung der Unabhängigkeit: Helfen Sie Bewohnern, unabhängig zu bleiben, indem Sie dafür sorgen, dass sich Kleidung und Inkontinenzprodukte leicht an- und ausziehen lassen.
- Umgebungsanpassung: Stellen Sie sicher, dass Bewohner den Weg zur Toilette kennen. Markieren Sie die Toilette, Lichtschalter und den Toilettensitz deutlich. Lassen Sie die Toilettentür offen und das Licht nachts an, damit die Toilette leicht zu finden ist.
- Kontinenzprodukte: TENA bietet ein großes Sortiment an Produkten und Hilfen für die Inkontinenz-Behandlung. Von TENA Pants, die Unabhängigkeit und selbstständige Toilettengänge fördern, bis zu Produkten mit Nässeindikator, die dafür sorgen, dass ein Wechsel nur dann erfolgt, wenn er auch tatsächlich notwendig ist.
- Vorbeugung: Die Toilettentür so gestalten, wie sie der Betroffenen von früher in Erinnerung hat. Den WC-Sitz in einer Farbe wählen, die sofort ins Auge fällt. Kleidung tragen, die sie selbst einfach ausziehen können. Gut sind zum Beispiel Klettverschlüsse anstelle von Reißverschlüssen oder Knöpfen.
Weitere Risikofaktoren für Demenz
Neben dem Alter gibt es weitere Risikofaktoren, die eine Demenz begünstigen können:
Lesen Sie auch: Behandlungsmöglichkeiten bei Verstopfung
- Bewegungsmangel
- Kopfverletzungen
- Alkohol
- Feinstaubbelastung
- geringe Bildung
- Übergewicht
- Bluthochdruck
- eingeschränkte Hörfähigkeit
- Rauchen
- Diabetes
- Depressionen
- Mangel an sozialen Kontakten
Medikamentöse Behandlung von Alzheimer
Alzheimer kann bisher nicht geheilt werden. Die Therapie beschränkt sich daher darauf, das Fortschreiten der Krankheit zu verlangsamen und die Symptome zu lindern. Die heute verfügbaren Medikamente können helfen, den Krankheitsverlauf zu verzögern. Ziel ist es, den Betroffenen möglichst lange ihre Lebensqualität und Selbstbestimmtheit zu erhalten.
Acetylcholinesterase-Hemmer
Acetylcholinesterase-Hemmer werden bei leichter bis mittelschwerer Alzheimer-Demenz eingesetzt. Sie verhindern, dass das Enzym Acetylcholinesterase Acetylcholin abbaut. Inzwischen stehen einige Acetylcholinesterase-Hemmer zur Verfügung, beispielsweise die Wirkstoffe Donepezil, Galantamin oder Rivastigmin.
Memantin
Memantin eignet sich zur Behandlung einer mittelschweren bis schweren Alzheimer-Demenz. Memantin verbessert die kognitiven alltäglichen Fähigkeiten, zum Beispiel können sich Betroffene dadurch selbständiger anziehen sowie essen und trinken.
Ginkgo biloba
Ginkgo-biloba-Präparate werden häufig verwendet, um leichte kognitive Störungen und Demenz im Frühstadium zu behandeln. Studien haben gezeigt, dass der Wirkstoff in höheren Dosen (240 Milligramm pro Tag) womöglich die Gedächtnisleistung verbessern und sogar psychische Symptome wie Depressionen lindern kann.
Lesen Sie auch: Ursachen von Verstopfung bei Parkinson
tags: #verstopfung #urin #alzheimer