Flor Essence und Alzheimer: Eine kritische Betrachtung von Studien und alternativen Ansätzen

Die Suche nach wirksamen Strategien zur Vorbeugung und Behandlung von Alzheimer und anderen Demenzformen ist ein zentrales Thema in der medizinischen Forschung. Während die konventionelle Medizin auf Medikamente und Therapien setzt, die Symptome lindern oder den Krankheitsverlauf verlangsamen sollen, rücken auch alternative und komplementäre Ansätze immer wieder in den Fokus. In diesem Artikel werden verschiedene Studien und alternative Heilmethoden im Kontext von Alzheimer beleuchtet, wobei ein besonderes Augenmerk auf Flor Essence und anderen pflanzlichen Präparaten liegt.

Traditionelle Chinesische Medizin und Gedächtnisstörungen

Eine Studie chinesischer Forscher untersuchte den Einsatz von Qinggongshoutao (QGST), einer traditionellen chinesischen Kräuterpille, im Vergleich zu Ginkgo biloba und Placebo bei Patienten mit leichter Vergesslichkeit. Die Ergebnisse zeigten, dass zwar kein signifikanter Unterschied zwischen QGST und Ginkgo biloba bestand, jedoch ein signifikanter Unterschied zwischen beiden Verum-Therapien und Placebo in Bezug auf die Entwicklung einer möglichen oder wahrscheinlichen Alzheimer-Demenz. Die Verträglichkeit war in allen drei Gruppen gut, wobei als Nebenwirkung der QGST-Therapie lediglich Verstopfung festgestellt wurde.

Es ist wichtig zu betonen, dass diese Ergebnisse mit Vorsicht zu interpretieren sind. Die Studie deutet zwar auf einen potenziellen Nutzen von QGST und Ginkgo biloba hin, jedoch sind weitere, größere Studien erforderlich, um diese Ergebnisse zu bestätigen und die langfristige Wirksamkeit und Sicherheit dieser Behandlungen zu belegen.

Ginkgo Biloba: Ein traditionelles Heilmittel im Fokus der Forschung

Ginkgo biloba ist einExtrakt aus den Blättern des Ginkgobaums, der in der traditionellen chinesischen Medizin seit langem verwendet wird und gilt als natürliches Heilmittel aus Fernost, das bei Durchblutungsstörungen helfen und die Denkleistung verbessern soll. Die Kommission E, die im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums Pflanzenpräparate bewertet, ist schon vor Jahren zu einer positiven Bewertung von Ginkgo Biloba gekommen; allerdings nur bei bestimmten Indikationen, die generell vor allem im Zusammenhang mit einer besseren Durchblutung stehen. Aufgrund der durchblutungsfördernden Wirkung des Ginkgos kann dieser auch bei Kopfschmerzen wirksam sein.

Die Forschungsergebnisse zur Wirksamkeit von Ginkgo biloba bei Demenz sind jedoch nicht einheitlich. Einige Studien deuten darauf hin, dass Ginkgo biloba die Durchblutung fördern und bei milden kognitiven Störungen helfen kann. So verhindert ein Extrakt aus Ginkgo Biloba die schädliche Oxidation von LDL-Cholesterin (schlechtes Cholesterin) im Blut und beugt so den gefährlichen arteriosklerotischen Plaques an den Gefäßwänden vor. Allerdings gibt es auch Studien, die keinen Unterschied in der geistigen Leistungsfähigkeit zwischen Personen, die Ginkgo biloba einnahmen, und Personen, die ein Placebo erhielten, feststellen konnten.

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Eine aktuelle Übersichtsstudie deutet darauf hin, dass ein Ginkgo-Extrakt das Gehirn schützen könnte, wenn die Gehirnerkrankungen noch nicht weit fortgeschritten sind und die richtige Dosierung (ca. 240 mg des Extrakts täglich) eingehalten wird. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass Ginkgo-Tee aufgrund des Gehalts an Ginkgolsäuren, die gesundheitsschädlich sein können, generell unwirksam ist, da die gesundheitlich wichtigen Inhaltsstoffe wasserunlöslich sind und deshalb über Tee nicht aufgenommen werden können.

Flor Essence: Ein indianisches Kräutertee-Rezept

Flor Essence beruht auf der uralten Kräuterweisheit der Ojibwa-Indianer Kanadas, die ihre Kenntnisse der berühmten Kanadierin Rene Caisse vermittelten. Es handelt sich um einen Kräutertee, dem positive Wirkungen bei Krebs und zur Stärkung der körpereigenen Abwehrkräfte zugesprochen werden. Die traditionellen Bestandteile des Essiac Tee, (der als alleinge Therapie in der Krebs-Behandlung nicht in Frage kommt), wurden in umstrittenen Behandlungsverfahren in den 30er bis 60er Jahren des letzten Jahrhunderts sogar als Injektion verabreicht.

In dem Heiltee - Gemisch Flor Essence werden die bekannten Kräuter des Essiac Tee durch Brunnenkresse, Bitterdistel, Rotklee und Rotalgen ergänzt, sodass sich die Wirkung verstärken soll. Nach den vorliegenden Erkenntnissen und Patientenberichten kann Essiac-Tee in der Krebstherapie zwar bedenkenlos ergänzend angewandt werden. Vor den optimistischen und anpreisenden Darstellungen des Essiac Tee oder Flor Essence ist eine gewisse Skepsis angebracht.

Es gibt jedoch keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass Flor Essence eine spezifische Wirkung gegen Alzheimer oder andere Demenzformen hat. Die positiven Effekte, die Anwender berichten, beruhen möglicherweise auf der allgemeinen Stärkung des Immunsystems und der Förderung des Wohlbefindens durch die enthaltenen Kräuter.

Weitere alternative Ansätze und ihre potenzielle Bedeutung

Neben Ginkgo biloba und Flor Essence gibt es eine Vielzahl weiterer alternativer Ansätze, die im Zusammenhang mit Alzheimer diskutiert werden. Dazu gehören:

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  • Artemisia Annua (Einjähriger Beifuß): Diese Pflanze ist in der TCM seit langem bekannt und enthält den Wirkstoff Artemisinin, der für seine Wirkung gegen Malaria bekannt ist. Es gibt Hinweise darauf, dass Artemisinin auch gegen Krebszellen wirken könnte, da diese mehr Eisen enthalten als normale Zellen. Darüber hinaus enthält Artemisia annua zahlreiche entzündungshemmende Polyphenole und weitere biologisch wirksame Inhaltsstoffe, die gegen Viren, Bakterien und Pilze wirken können. Obwohl es keine spezifischen Studien zur Wirkung von Artemisia annua bei Alzheimer gibt, könnten die entzündungshemmenden und antioxidativen Eigenschaften der Pflanze möglicherweise einen positiven Einfluss auf die Gehirngesundheit haben.
  • Grüner Tee: Grüner Tee enthält die Substanz EGCG (Epigallocatechingallat), die die Verklumpung von Eiweißen verhindern kann. Da eine fehlerhafte Entfaltung von Eiweißen mit der Entstehung von entzündlichen Krankheiten wie Alzheimer in Verbindung gebracht wird, könnte der regelmäßige Konsum von grünem Tee möglicherweise präventiv wirken. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass die Wirkung von EGCG durch Milchprodukte und kalziumhaltiges Wasser blockiert werden kann.
  • Kurkuma: Kurkuma wird sowohl in der ayurvedischen als auch in der traditionellen chinesischen Medizin seit Jahrtausenden als Heilmittel verwendet. Kurkumin, der Hauptwirkstoff der Kurkuma-Knolle, gilt als international am besten erforschter natürlicher Wirkstoff und besitzt antioxidative und entzündungshemmende Eigenschaften. Es gibt Hinweise darauf, dass Kurkumin die Bildung von Amyloid-Plaques im Gehirn reduzieren und die kognitive Funktion verbessern könnte.
  • Radiästhesie und Pendel: Einige alternative Praktiker verwenden Pendel, die mit verschiedenen Substanzen wie Heilkräutern, Bachblüten oder spagyrischen Mischungen gefüllt sind, um Schwingungen auf den Körper zu übertragen und die Selbstheilungskräfte zu aktivieren. Obwohl diese Methoden bei einigen Menschen positive Erfahrungen hervorrufen können, gibt es keine wissenschaftlichen Belege für ihre Wirksamkeit bei Alzheimer oder anderen Erkrankungen.

Die Bedeutung eines ganzheitlichen Ansatzes

Es ist wichtig zu betonen, dass Alzheimer eine komplexe Erkrankung ist, die einen ganzheitlichen Ansatz erfordert. Neben der konventionellen medizinischen Behandlung können alternative und komplementäre Therapien eine unterstützende Rolle spielen. Dazu gehören:

  • Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse, gesunden Fetten und Omega-3-Fettsäuren kann die Gehirngesundheit fördern.
  • Bewegung: Regelmäßige körperliche Aktivität kann die Durchblutung des Gehirns verbessern und die kognitive Funktion unterstützen.
  • Geistige Aktivität: Kognitives Training, soziale Interaktion und das Erlernen neuer Fähigkeiten können dazu beitragen, die geistige Leistungsfähigkeit zu erhalten.
  • Stressmanagement: Stress kann sich negativ auf die Gehirngesundheit auswirken. Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation oder Atemübungen können helfen, Stress abzubauen.

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