Morbus Parkinson, eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen in Deutschland, betrifft schätzungsweise 400.000 Menschen, Tendenz steigend. Die Krankheit beeinträchtigt die Beweglichkeit und Lebensqualität der Betroffenen durch motorische Symptome. Obwohl die Lebenserwartung von Parkinson-Patienten heute weitgehend normal ist und die Forschung Fortschritte bei der Linderung der Symptome erzielt hat, gibt es noch kein Medikament, das die Krankheit wirklich aufhält. Daher ist die kontinuierliche Förderung der Forschung unerlässlich.
Bedeutung der Forschungsförderung
Gründliche Forschung ist aufwendig und zeitintensiv. Angesichts der zunehmenden Überalterung der Bevölkerung wird die Diagnose Parkinson immer häufiger gestellt. Daher sind Forschungen zu den Ursachen, Auswirkungen und Behandlungsmöglichkeiten unerlässlich. Der ParkinsonFonds Deutschland hat dank seiner Spenderinnen und Spender bisher mehr als 4 Millionen Euro in bahnbrechende Parkinson-Forschungen investiert. Diese wertvollen Studien bringen uns einem Heilmittel gegen diese einschneidende Krankheit stetig näher.
Aktuelle Forschungsprojekte und Förderinitiativen
PDExergames: Spielerisches Training zur Verbesserung der Beweglichkeit
Im Verbundprojekt PDExergames wird eine modulare, experimentelle Testumgebung konzipiert. Diese ermöglicht die Erprobung und Weiterentwicklung von Therapiekonzepten mittels Exergaming, also computergestütztem, spielerischem Training unter Einbeziehung kognitiver Aufgaben. Basierend auf den medizinischen Anforderungen werden neuartige sprach- und gestenbasierte Interaktionskonzepte, sensorbasierte, geräteunabhängige Controller zur Steuerung sowie Konzepte zur Datenerfassung, Datenhaltung und Datenanalyse erarbeitet. Ziel ist es, die Beweglichkeit und damit die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.
Europäischer Forschungsrat fördert KI- und Früherkennungsprojekte in Bonn
Der Europäische Forschungsrat (ERC) fördert zwei Projekte an der Universität Bonn und dem Universitätsklinikum Bonn mit Consolidator Grants in Millionenhöhe. Philipp Vollmuth entwickelt mit seiner Arbeitsgruppe ein Basismodell für die Anwendung künstlicher Intelligenz (KI) in der Radiologie. Michael Sommerauer forscht mit seinem Team an der Parkinsonfrüherkennung.
AI-Next: Künstliche Intelligenz in der Radiologie
Die Zahl radiologischer Untersuchungen in der Klinik steigt stetig. Philipp Vollmuth, Sektionsleiter für Computational Radiology & Clinical AI an der Klinik für Neuroradiologie und Co-Direktor am Zentrum für Medizinische Datennutzbarkeit und Translation, will dieser Herausforderung mit KI begegnen. Für sein Projekt „AI-Next“ erhält er einen Consolidator Grant in Höhe von 2,5 Millionen Euro für die nächsten fünf Jahre. Sein Modell soll aus einer breiten und vielfältigen Datenbasis von mehreren Millionen radiologischen Bildern selbstständig lernen, Strukturen und Muster in den Bildern zu erkennen. „Zunächst konzentrieren wir uns auf die Bildgebung des Gehirns, da diese ein hochkomplexes und datenintensives Feld ist“, sagte der Wissenschaftler.
Lesen Sie auch: DAlzG Forschungsförderung im Detail
Re-Start PD: Frühzeitige Erkennung und neue Therapien
Die Parkinsonkrankheit wird meist erst dann erkannt, wenn bereits deutliche motorische Störungen auftreten und viele Nervenzellen untergegangen sind. Das Projekt „Re-Start PD“ soll helfen, Parkinson frühzeitig zu erkennen, den frühen Verlauf besser zu verstehen und damit neue Therapien zu entwickeln. Der ERC fördert das Vorhaben in den nächsten fünf Jahren mit fast 2,5 Millionen Euro. Sommerauer ist über ein Advanced Clinician Scientist Stipendium der Medizinischen Fakultät der Universität nach Bonn gekommen.
Leuchtturm-Projektverbund: Innovative Forschungsprojekte zum Welt-Parkinson-Tag
Die Parkinson Stiftung und die Deutsche Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen (DPG) e. V. haben sechs innovative Forschungsprojekte im Rahmen des Welt-Parkinson-Tages ausgezeichnet. Die Fördersumme beläuft sich auf insgesamt 2,3 Millionen Euro und wird über einen Forschungszeitraum von drei Jahren ausgegeben. Die geförderten Forschungsvorhaben setzen sich damit auseinander, frühe Diagnosemöglichkeiten für Parkinson zu verbessern, ein besseres Verständnis der biologischen Heterogenität der Parkinson-Krankheit zu erstellen und den Verlauf der Krankheit durch Anpassungen des Lebensstils zu verlangsamen.
PREVENTION-IN-PD: Lebensstil-Interventionen zur Verlangsamung des Krankheitsverlaufs
Das geförderte Projekt Multidimensionale Lebensstil-Intervention (PREVENTION-IN-PD) von PD Dr. Eva Schäffer und Prof. Dr. Daniela Berg befasst sich mit Aspekten des Lebensstils, die den Verlauf der Erkrankung positiv beeinflussen können - wie kognitives und körperliches Training, eine gesunde Ernährung und gesunder Schlaf.
Aligning Science Across Parkinson's (ASAP): Ganzheitliche Untersuchung neuronaler Schaltkreise
Dr. Matthias Prigge vom Leibniz-Institut für Neurobiologie (LIN) Magdeburg gehört zu einem Team, das für ein Stipendium der Forschungsinitiative Aligning Science Across Parkinson's (ASAP) ausgewählt wurde, um die neuronalen Schaltkreise der Parkinson-Krankheit in Körper und Gehirn ganzheitlich zu untersuchen. Er wird im Rahmen des Projekts 1,5 Millionen US-Dollar erhalten. Im Rahmen des Projekts soll untersucht werden, wie die fortschreitende Anhäufung des Gehirnpigments Neuromelanin die neuronale Dysfunktion und Degeneration bei der Parkinson-Krankheit auslöst und die Aktivität verschiedener Gehirnschaltkreise beeinflusst. Aus therapeutischer Sicht könnte eine verlangsamte Anhäufung oder Verringerung des zellulären Neuromelanin die Aktivität der Hirnschaltkreise beeinflussen und so eine neue therapeutische Strategie für diese derzeit unheilbare neurodegenerative Krankheit darstellen. An diesem internationalen multidisziplinären Forschungsprojekt sind auch Forschende aus Barcelona, Madrid, Sydney, Rom und Stockholm beteiligt.
Innovationspreise der Parkinson Stiftung: Förderung herausragender Forschungsprojekte
Die Parkinson Stiftung hat eine neue Ausschreibung für die diesjährigen Innovationspreise bekannt gegeben. Mit diesen Preisen werden herausragende Forschungsprojekte und innovative Ansätze zur Verbesserung der Lebensqualität von Menschen mit Parkinson gewürdigt und gefördert. Themenschwerpunkte für die Innovationspreise sind in diesem Jahr „die Bedeutung zellulärer Immunprozesse bei der Neurodegeneration“ und „digitale Methoden in der Diagnostik und dem Monitoring der Parkinson-Krankheit“.
Lesen Sie auch: Morbus Parkinson: Richtige Ernährung
Preisträger Grundlagenforschung
PD Dr. med Michael Sommerauer und Dr. rer. nat. erhalten den Preis in Höhe von 100.000 Euro für das Projekt „Sprechmotorische Biomarker bei Morbus Parkinson“. Ziel ist es, das aktuelle Wissen über die sprechmotorischen Defizite bei Personen mit der Parkinson-Krankheit zu erweitern, um sprechbezogene Biomarker für diagnostische und therapeutische Sprechinterventionen zu finden.
Wellcome Trust: Erforschung des neuronalen Kalziumstoffwechsels
Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung von Professor Richard Wade-Martin von der Universität Oxford wird von der britischen Wissenschaftsstiftung „Wellcome Trust“ mit einem „Collaborative Award“ in Höhe von rund fünf Millionen Euro gefördert. Mit dabei ist auch Professorin Birgit Liss von der Universität Ulm, die mehr als 500 000 Euro für ihr Teilprojekt erhält. Die Forschenden wollen im Detail verstehen, wie genau Kalzium in Dopamin-ausschüttende Nervenzellen eintritt und wie es dort die Dopamin-Ausschüttung und andere Prozesse steuert.
Wissenschaftspreis und Nachwuchsförderung der DPG
Die DPG prämiert jährlich herausragende abgeschlossene Forschungsarbeiten mit dem Wissenschaftspreis und stellt Mittel zur Verfügung, um die Durchführung innovativer Forschungsvorhaben des wissenschaftlichen Nachwuchses zu unterstützen.
Wissenschaftspreisträger
- Dr. Nils Schröter (Universitätsklinikum des Saarlandes): Hippocampus and basal forebrain degeneration differentially impact cognition in Lewy body spectrum disorders (2.500 Euro)
- Dr. med. Ida Wilkens (LMU Klinikum, München): Impact of Magnetic Resonance Imaging Markers on the Diagnostic Performance of the International Parkinson and Movement Disorder Society Multiple System Atrophy Criteria (2.500 Euro)
- Dr. Fuo Cheng (Universitätsklinikum Tübingen): Intronic enhancers of the human SNCA gene predominantly regulate its expression in brain in vivo (2.500 Euro)
- Jun.-Prof. Dr. Rhonda McFleder (Uniklinikum Würzburg): Brain-to-gut trafficking of alpha-synuclein by CD11c+ cells in a mouse model of Parkinson’s disease (2.500 Euro)
Nachwuchsförderung
- Dr. Fanni F. Geibl-Henrich (Philipps-Universität Marburg): Lung-Brain Axis in Parkinson’s Disease: How Pulmonary Infections Accelerate Alpha-Synuclein Pathology in the Brain (100.000 Euro)
- Dr. Inken Waltl (TWINCORE, Hannover): Virus-Induced Neuroinflammation and its Impact on Parkinson’s Disease Onset and Progression (VIN-PD) (100.000 Euro)
- Jun.-Prof. Dr. Rhonda McFleder (Uniklinikum Würzburg): Decoding the Immune-Mediated Crosstalk along the Gut-Brain axis in PD (100.000 Euro)
- Dr. med. Damian Herz (Johannes Gutenberg-Universität Mainz): CIRCUIT-TARGETS Linking subthalamic circuits to behavioural computations in Parkinson’s disease: Towards targeted brain stimulation therapy (100.000 Euro)
Weitere Forschungsansätze
Rolle des LRRK2-Gens
Forschungen konzentrieren sich auch auf die Rolle des LRRK2-Gens bei der Entstehung des spontan auftretenden Morbus Parkinson. Ziel ist es, die zellulären Interaktionspartner von LRRK2 zu identifizieren und Hemmstoffe zu schaffen, die Transportprozesse in der Zelle blockieren und so zum Schutz der Nervenzellen beitragen.
Körperliche Aktivität bei REM-Schlaf-Verhaltensstörung
Eine Vorstufe der Parkinson-Erkrankung stellt die sogenannte isolierte REM-Schlaf-Verhaltensstörung dar. Es wird untersucht, ob regelmäßige körperliche Aktivität bei Personen mit isolierter REM-Schlaf-Verhaltensstörung diese entzündlichen Prozesse bremsen kann, um das Gehirn zu schützen und den motorischen sowie geistigen Abbau möglichst vorzubeugen.
Lesen Sie auch: Die Rolle neurologischer Symptome bei Morbus Wilson
tags: #forschungsforderung #morbus #parkinson