Die Französische Bulldogge erfreut sich großer Beliebtheit, doch ihre Zuchtgeschichte birgt gesundheitliche Risiken, insbesondere neurologische. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen neurologischen Probleme, die bei dieser Rasse auftreten können, und bietet Einblicke in Ursachen, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten.
Einführung
Die Französische Bulldogge hat in den letzten Jahren europaweit an Popularität gewonnen, was jedoch auch kritische Stimmen zur Zucht brachycephaler Rassen verstärkt hat. Ihre spezielle Körpergestalt macht diese Hunderasse besonders anfällig für verschiedene Erkrankungen, darunter auch neurologische Probleme. Es ist wichtig, sich dieser Anfälligkeit bewusst zu sein, um als potenzieller Besitzer verantwortungsvoll zu handeln und die Gesundheit der Tiere in den Vordergrund zu stellen.
Genetische Prädisposition und Erbkrankheiten
Die Französische Bulldogge ist nicht nur für ihre charakteristischen körperlichen Merkmale bekannt, sondern auch für eine Reihe von genetisch bedingten Krankheiten. Diese Erbkrankheiten sind oft das Ergebnis selektiver Zucht, die auf bestimmte optische Merkmale abzielt, ohne immer die langfristige Gesundheit der Tiere im Auge zu behalten. Wer eine Französische Bulldogge kaufen möchte, sollte sich gründlich über die Züchter informieren und darauf achten, dass keine übermäßige Inzucht betrieben wird, da diese das Risiko für Erbkrankheiten deutlich erhöht.
Brachycephales Syndrom (BOS)
Eine der größten gesundheitlichen Herausforderungen der Französischen Bulldogge ist das brachycephale Syndrom, das aufgrund ihrer kurzen Schnauze entsteht. Die Symptome, die auftreten können, werden unter dem Sammelbegriff „brachycephales obstruktives Syndrom“ (BOS) zusammengefasst. Im Einzelnen zählen dazu:
- Lautes Schnarchen im Schlaf oder Wachzustand
- Der Hund scheint ständig „verschleimt“ oder „erkältet“ zu sein
- Kurzatmigkeit
- Blaue Zunge
- Belastungsintoleranz
- Auftreten von Würgen oder Erbrechen während oder nach der Belastung
- Kollaps
- Schnelle Überhitzung, insbesondere im Sommer, durch ungenügende Thermoregulation
- Nächtliche Schlafstörungen, ähnlich der Schlafapnoe des Menschen, und dadurch ständige Müdigkeit am Tag
- Akuter Erstickungstod
Das BOS ist eine dynamische, progressive Erkrankung, so dass die Symptome häufig erst im jungen Erwachsenenalter auffällig und im Verlauf der Erkrankung zunehmend schwerwiegender werden. Leider können ernste Probleme wie die nächtlichen Schlafstörungen, die einem permanenten Schlafentzug gleichkommen, auch lange Zeit unbemerkt bleiben.
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Bandscheibenvorfälle (Intervertebrale Diskopathie)
Die kurze und gedrungene Statur der Französischen Bulldogge erhöht das Risiko für Intervertebraldiskhernie, also Bandscheibenvorfälle. Diese Erkrankung tritt auf, wenn die Bandscheiben zwischen den Wirbeln beschädigt werden und auf das Rückenmark drücken. Dies führt zu Schmerzen, Taubheit oder sogar Lähmungen. Bulldoggen, die genetisch zu dieser Erkrankung neigen, zeigen oft schon in jungen Jahren Symptome.
Eine aktuelle Studie hat ergeben, dass Bandscheibenvorfälle vom Hansen-Typ-I die häufigste neurologische Störung bei Französischen Bulldoggen darstellen. Interessanterweise traten Vorfälle im zervikalen Bereich (Halswirbelsäule) häufiger auf als bei anderen Hunderassen, und die betroffenen Hunde waren tendenziell jünger.
Diagnose und Behandlung von Bandscheibenvorfällen
Ein Bandscheibenvorfall kann ganz plötzlich auftreten: Noch vor wenigen Stunden war Ihr Tier unauffällig - und plötzlich zeigt es Schmerzen, Lahmheit oder sogar Lähmungen. In unserer Klinik führen wir zunächst eine umfassende neurologische Untersuchung durch, um die betroffene Region einzugrenzen. Bei milden Fällen ohne Lähmungserscheinungen kann oftmals eine nicht-operative Behandlung erfolgen - bestehend aus:
- Schmerztherapie
- Strikter Ruhe
- Ggf. Physiotherapie
Wenn das Rückenmark stark gequetscht ist, Lähmungen auftreten oder die Tiefenschmerzwahrnehmung eingeschränkt ist, kann eine Operation notwendig sein.
Degenerative Myelopathie (DM)
Die degenerative Myelopathie ist eine progressive neurologische Erkrankung, die das Rückenmark der betroffenen Hunde angreift. Diese genetisch bedingte Krankheit führt im Laufe der Zeit zu einer allmählichen Lähmung der Hinterbeine und breitet sich oft bis zu den Vorderbeinen aus. Die Symptome treten in der Regel bei älteren Hunden auf, und es gibt derzeit keine Heilung für DM.
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Gentest für Degenerative Myelopathie
Mittlerweile gibt es einen Gentest, der es einfach macht, gesunde, kranke und Trägertiere zu erkennen. Der Gentest unterscheidet drei Arten von Hunden:
- Den DM-freien, normal gesunden Hund
- Den DM-Träger (Carrier) Hund, mit einer sehr geringen Wahrscheinlichkeit zu erkranken
- Den DM-gefährdeten Hund (Affected), der beide Mutationen seiner Eltern trägt
Die Zucht lässt sich hier, Dank des Gentestes, idealerweise auf die Verwendung DM-freier Populationen lenken.
Hämivertebrae
Eine weitere erblich bedingte Erkrankung der Wirbelsäule ist Hämivertebrae, bei der die Wirbel keilförmig deformiert sind. Diese Fehlbildung kann die Stabilität der Wirbelsäule beeinträchtigen und zu ernsthaften Rückenproblemen führen.
Epilepsie
Epilepsie ist die häufigste chronische neurologische Erkrankung bei Hunden. Jeder 130. Hund, der in einer Kleintierpraxis vorgestellt wird, leidet unter epileptischen Anfällen. Für betroffene Tiere und ihre Familien ist das oft ein beunruhigendes Erlebnis. Epileptische Anfälle entstehen durch vorübergehende Störungen im Gehirn. Dabei kommt es zu unkontrollierten elektrischen Aktivitäten, die z. B. Muskelzuckungen, Bewusstseinsverlust oder unkontrolliertes Verhalten auslösen.
Was tun beim epileptischen Anfall?
- Manche Tiere zeigen Minuten bis Stunden vor dem Anfall ein verändertes Verhalten: Unruhe, Anhänglichkeit oder Verwirrung, Zittern, Hecheln, Verstecken, Rastloses Umherlaufen oder Jaulen. Wenn Sie solche Anzeichen bemerken: Beruhigen Sie Ihr Tier sanft, sprechen Sie leise, streicheln Sie es, wenn es das zulässt. Sichern Sie die Umgebung: Entfernen Sie Ihr Tier aus gefährlichen Situationen - z. B. von Treppen, vom Balkon oder aus dem Spiel mit anderen Tieren.
- Ein epileptischer Anfall kann einige Sekunden bis mehrere Minuten dauern. Auch wenn es schwerfällt: Bitte bleiben Sie ruhig. Fassen Sie Ihr Tier nicht an. Viele Hunde beißen in der Anfallsphase unkontrolliert - ohne es zu wollen. Räumen Sie spitze oder harte Gegenstände aus dem Weg, um Verletzungen zu vermeiden. Bleiben Sie bei Ihrem Tier, sprechen Sie ruhig mit ihm - Ihr Beistand ist wichtig. Stoppen Sie die Zeit. Ein Anfall, der länger als 5 Minuten dauert, ist ein Notfall (Status epilepticus)! Bitte sofort eine Tierklinik aufsuchen - jede Minute zählt.
- Viele Tiere sind nach einem Anfall orientierungslos, erschöpft oder ängstlich. Manche zeigen auch kurzzeitig auffälliges Verhalten wie Blindheit, Unruhe oder sogar leichte Aggression. Was Sie tun können: Beruhigen Sie Ihr Tier, bieten Sie einen ruhigen, dunklen Rückzugsort an.
Behandlung von Epilepsie
Die Behandlung besteht in erster Linie aus Medikamenten, die Anfälle kontrollieren. Diese sogenannten Antiepileptika bekämpfen zwar nicht die Ursache, aber sie helfen, die Anfallsaktivität im Gehirn zu unterdrücken. Tiermedizinisch bewährte Antiepileptika sind:
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- Phenobarbital
- Imepitoin
- Kaliumbromid
- Diazepam (v. a. als Notfallmedikation)
In Einzelfällen kommen auch Medikamente aus der Humanmedizin zum Einsatz.
Vestibularsyndrom
Wenn sich unsere tierischen Gefährten plötzlich schief bewegen, schwanken oder gar umkippen, ist das ein beängstigender Moment - für Tier und Mensch. Das Gleichgewichtssystem, auch Vestibularapparat genannt, befindet sich im Innenohr und im Gehirn. Wenn dieses System gestört ist, fühlt sich Ihr Tier, als befände es sich in ständiger Bewegung - wie in einer nicht enden wollenden Achterbahnfahrt.
Mögliche Anzeichen
- Kopfschiefhaltung (der Kopf hängt schräg zur Seite)
- Schwankender Gang, Kreislaufen, Stolpern oder Umkippen
- Schnelle Augenbewegungen (Nystagmus), Schielen
- Übelkeit, Erbrechen, Speicheln
- Anlehnendes Verhalten - Ihr Tier sucht Halt
- Neurologische Ausfälle, z. B.
Mögliche Auslöser
- Sehr häufig steckt eine unentdeckte Ohrentzündung hinter dem Vestibularsyndrom.
- Vor allem bei älteren Hunden (ab ca. 5 Jahren) kommt es oft ohne erkennbare Ursache zu einem plötzlichen Gleichgewichtsausfall.
- In seltenen Fällen kann eine Erkrankung im Gehirn wie Tumoren, Entzündungen oder Durchblutungsstörungen der Auslöser sein.
Weitere neurologische Erkrankungen
Neben den bereits genannten Erkrankungen gibt es eine Vielzahl weiterer neurologischer Probleme, die bei Französischen Bulldoggen auftreten können. Dazu gehören:
- Steroid-responsive Meningitis-Arteriitis: Betrifft oft junge, mittelgroße bis große Hunde. Typisch ist eine schubweise auftretende, starke Nackensteife - oft begleitet von Fieber.
- Bakterielle oder pilzbedingte Entzündung der Wirbelsäule: Betroffene Tiere haben Schmerzen beim Bewegen oder Berühren des Rückens, manchmal auch Fieber.
- Verletzungen an der Wirbelsäule: Ob Sturz, Autounfall oder Bissverletzung: Verletzungen an der Wirbelsäule sind immer ein Notfall.
- Tumoren: Auch Tumoren können Schmerzen im Rücken- oder Nackenbereich auslösen.
Prävention und verantwortungsvolle Zucht
Die Französische Bulldogge ist eine Rasse, die aufgrund ihrer optischen Merkmale und ihres charmanten Wesens viele Fans hat. Doch viele dieser Merkmale gehen auf Kosten der Gesundheit der Tiere. Für potenzielle Besitzer ist es daher wichtig, verantwortungsvoll zu handeln. Wer eine Französische Bulldogge kaufen möchte, sollte sich gründlich über die Züchter informieren und darauf achten, dass keine übermäßige Inzucht betrieben wird, da diese das Risiko für Erbkrankheiten deutlich erhöht.
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