Die bahnbrechende Forschung: Wie der Geruchssinn die Parkinson-Diagnose revolutionieren könnte

Einführung

Die Parkinson-Krankheit, eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, betrifft weltweit Millionen Menschen. Die frühe Diagnose gestaltet sich oft schwierig, da die Symptome erst auftreten, wenn bereits ein erheblicher Teil der Nervenzellen im Gehirn geschädigt ist. Doch nun gibt es Hoffnung: Die Forschung hat entdeckt, dass die Parkinson-Krankheit einen charakteristischen Geruch hat, der möglicherweise Jahre vor den ersten motorischen Symptomen erkennbar ist. Dieser Artikel beleuchtet die neuesten Erkenntnisse und Entwicklungen in diesem spannenden Forschungsfeld.

Die Entdeckung einer außergewöhnlichen Fähigkeit

Im Mittelpunkt dieser bahnbrechenden Forschung steht Joy Milne, eine Frau aus Schottland mit einer außergewöhnlichen Fähigkeit: Sie kann Parkinson am Geruch erkennen. Bereits Jahre vor der Diagnose ihres Mannes bemerkte sie einen veränderten Körpergeruch, den sie als "schweren, dicken Moschusgeruch" beschreibt, der "stark nach tierischem Ursprung" roch.

Der "Schnüffel-Test" mit T-Shirts

Ihre Fähigkeit wurde von Wissenschaftlern der Universität Edinburgh getestet. In einem einfachen Experiment erhielt sie zwölf getragene T-Shirts, von denen sechs von Parkinson-Patienten und sechs von gesunden Personen stammten. Joy erkannte alle T-Shirts der erkrankten Personen korrekt und schloss fünf Shirts der Freiwilligen aus. Beim sechsten erkannte sie den verräterischen Duft - wenig später wurde auch bei dieser Person Parkinson diagnostiziert.

Die wissenschaftliche Suche nach den Geruchsmolekülen

Die Entdeckung von Joys Fähigkeit weckte das Interesse von Wissenschaftlern weltweit. Ein Team um Perdita Barran von der Universität Manchester begann, nach den Molekülen zu suchen, die für den spezifischen Parkinson-Geruch verantwortlich sind.

Analyse des Hauttalgs

Die Forscher analysierten Hautabstriche von Parkinson-Patienten und gesunden Kontrollpersonen mithilfe der Massenspektrometrie. Dabei entdeckten sie Veränderungen der Fettmoleküle (Lipide) im Talg der Parkinson-Patienten. Sie identifizierten eine Reihe großer Lipide, die mit einer speziellen Art der Massenspektrometrie in wenigen Minuten identifiziert werden können.

Lesen Sie auch: Menschliches Gehirn: Wie viele Zellen sind es?

Identifizierung von Schlüsselmolekülen

Besonders drei Substanzen schienen eine große Bedeutung zu haben: Eicosan, Hippursäure und Octadecanal (Stearylaldehyd). Deren Konzentrationen waren im Sebum der Erkrankten erhöht. Diese Ergebnisse wurden im Fachjournal "ACS Central Science" veröffentlicht.

Ein einfacher Hautabstrich-Test

Auf Basis dieser Erkenntnisse entwickelten die Wissenschaftler einen einfachen Hautabstrich-Test, mit dem die Lipidsignatur, die auf Parkinson hinweist, nachgewiesen werden kann. Laut noch nicht veröffentlichter Daten soll er mit einer Genauigkeit von mehr als 90 Prozent feststellen können, ob eine Person an Parkinson erkrankt ist.

Die Bedeutung der Früherkennung

Die Früherkennung von Parkinson ist von entscheidender Bedeutung, da die Behandlung der Symptome umso wirksamer ist, je früher die Krankheit entdeckt wird. Eine frühe Diagnose ermögliche laut der Parkinson-Expertin Brit Mollenhauer eine rechtzeitige Therapie - noch bevor erste Symptome auftreten. Obwohl es bisher keine Heilung gibt, können moderne Therapien und Technologien den Verlauf der Krankheit verlangsamen und die Lebensqualität der Betroffenen verbessern.

Neue Hoffnung durch Bluttests

Neben dem Hautabstrich-Test gibt es auch vielversprechende Entwicklungen im Bereich der Bluttests. Eine Arbeitsgruppe der Universitätsmedizin Göttingen und der Paracelsus-Elena Klinik Kassel hat einen Bluttest entwickelt, der ein erhöhtes Risiko für Parkinson bereits Jahre vor dem Auftreten erster Symptome erkennen soll. Der Test basiert auf der Analyse spezifischer Eiweiße im Blut, sogenannten Biomarkern.

Weitere Forschungsansätze

Die Forschung zur Früherkennung von Parkinson ist vielfältig und umfasst verschiedene Ansätze:

Lesen Sie auch: Weibliche Parkinson-Patienten: Symptome im Detail

Elektronische Nasen

Forschende aus China untersuchen, ob eine elektronische Nase - ein auf künstlicher Intelligenz basierender Sensor, der dem Geruchssystem nachempfunden ist - die Moleküle identifizieren kann, die im Talg von Parkinsonpatienten vorhanden sind.

Einsatz von Spürhunden

Weitere Gruppen, unter anderem in China und dem Vereinigten Königreich, haben Hunde darauf trainiert, die Krankheit zu erschnüffeln. Die Non-Profit-Organisation Parkinson Alert-Dogs hat Hunde ausgebildet, die nach eigenen Angaben in bis zu 90 Prozent der Fälle Parkinsonpatienten erkennen können.

Sensorische Schulungskonzepte

Die Studentin Lisa Berlin von der FH Münster hat ein Konzept für die Geruchsschulung von medizinischem Personal zur Erkennung von Krankheiten entwickelt. Ihr Schulungskonzept konzentriert sich auf zehn Krankheiten, die an ihrem charakteristischen Geruch erkennbar sind.

Ursachen und Risikofaktoren von Parkinson

Die genauen Ursachen von Morbus Parkinson sind noch nicht vollständig geklärt. Es gibt allerdings mehrere Risikofaktoren, die die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung erhöhen können.

Alter

Mit zunehmendem Lebensalter steigt das Risiko an Parkinson zu erkranken deutlich an. Das gilt insbesondere ab dem 60. Lebensjahr.

Lesen Sie auch: Schlaganfall bei Frauen: Auf diese Anzeichen achten

Umweltfaktoren

Auch Umweltfaktoren wie Pestizide oder Schwermetalle sind mit einem erhöhten Risiko für Parkinson verbunden. Langjähriger Kontakt zu toxischen Substanzen, etwa in der Landwirtschaft oder Industrie, wurde als Ursache für die Schädigung des Nervensystems anerkannt.

Symptome von Parkinson

Die ersten Anzeichen von Parkinson sind oft unspezifisch und werden nicht direkt mit der Krankheit in Verbindung gebracht. Sie treten viele Jahre vor dem Ausbruch auf.

Riechstörungen

Werden selbst starke Gerüche wie Kaffee, Bananen oder eingelegte Gurken schlechter oder gar nicht mehr wahrgenommen, sollte das neurologisch abgeklärt werden.

REM-Schlaf-Verhaltensstörung

Die REM-Schlaf-Verhaltensstörung tritt während einer Schlafphase auf, die durch intensive Augenbewegungen (rapid eye movement) charakterisiert ist. "Betroffene träumen aktiv und führen Bewegungen aus, die normalerweise durch Muskelentspannung unterdrückt werden", erklärt Brit Mollenhauer.

Weitere Frühwarnzeichen

Weitere Frühwarnzeichen können depressive Verstimmungen, eine Veränderung der Handschrift sowie Darmträgheit sein. Meist ist es eine Kombination verschiedener Anzeichen.

Aktuelle Herausforderungen und zukünftige Perspektiven

Obwohl die Forschung große Fortschritte gemacht hat, gibt es noch einige Herausforderungen zu bewältigen.

Genauigkeit der Tests

Es ist wichtig, die Genauigkeit der neuen Tests weiter zu verbessern, um eine zuverlässige Diagnose zu gewährleisten.

Klinische Anwendung

Die entwickelten Tests müssen in klinischen Laboren erprobt werden, um festzustellen, ob sie als Diagnoseinstrument taugen.

Verständnis der Ursachen

Es ist wichtig, die Ursachen für die Veränderungen im Talg und die Rolle der verschiedenen Moleküle bei der Entstehung von Parkinson besser zu verstehen.

Trotz dieser Herausforderungen sind die Perspektiven vielversprechend. Die Möglichkeit, Parkinson bereits in einem frühen Stadium zu erkennen, eröffnet neue Wege für die Behandlung und Prävention der Krankheit.

tags: #frau #riecht #parkinson