Multiple Sklerose: Was Partner tun können – Eine umfassende Betrachtung

Die Diagnose Multiple Sklerose (MS) stellt nicht nur für den Betroffenen selbst, sondern auch für dessen Partner eine erhebliche Herausforderung dar. Die Erkrankung kann das gemeinsame Leben in vielerlei Hinsicht beeinflussen und erfordert eine Anpassung an die neuen Gegebenheiten. Dieser Artikel beleuchtet die vielfältigen Aspekte, die in einer Partnerschaft mit MS eine Rolle spielen, und gibt Anregungen, wie Partner die Herausforderungen gemeinsam meistern und die Beziehung stärken können.

Die Diagnose MS als Wegmarke für die Partnerschaft

Die Diagnose MS markiert oft eine Zäsur im Leben eines Paares. Plötzlich stehen Partner vor der Aufgabe, ihr gemeinsames Leben an die Erfordernisse der Erkrankung anzupassen. Es ist wichtig, sich bewusst zu machen, dass die Diagnose nicht das Ende der Partnerschaft bedeuten muss, sondern eine neue Richtung vorgibt.

Offene Kommunikation als Schlüssel

Ein zentraler Aspekt im Umgang mit MS in der Partnerschaft ist die offene Kommunikation. Es ist essenziell, miteinander zu reden und gemeinsam Lösungen zu finden. Dies gilt für alle Bereiche des Lebens, von alltäglichen Aufgaben bis hin zu intimen Bedürfnissen.

Sexualität und Partnerschaft bei MS

Sexualität, körperliche Nähe und Zärtlichkeit sind für viele Menschen wichtige Bestandteile einer Beziehung. MS kann jedoch Symptome verursachen, die das Liebesleben beeinträchtigen, wie beispielsweise Empfindungsstörungen, Erschöpfung oder Muskelkrämpfe. In solchen Fällen ist es ratsam, offen mit dem Partner und gegebenenfalls mit einem Arzt (Neurologen, Urologen oder Frauenarzt) über Behandlungsmöglichkeiten zu sprechen.

Eine geeignete Atmosphäre ohne Erfolgsdruck, zärtliche gegenseitige Stimulation und gegebenenfalls Hilfsmittel können dazu beitragen, das sexuelle Erleben trotz MS positiv zu gestalten. Oftmals sind es jedoch weniger die körperlichen Beschwerden als vielmehr psychische Faktoren wie Stress oder Angst, die die Libido beeinträchtigen. Ein offenes Gespräch über Wünsche und Erwartungen kann hier Erleichterung bringen und Konflikte verhindern.

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Familienplanung trotz MS

Auch mit MS ist es möglich, eine Familie zu gründen. Paare sollten sich jedoch im Vorfeld über die möglichen Auswirkungen der Erkrankung auf die Familienplanung informieren und gegebenenfalls ärztlichen Rat einholen.

Herausforderungen und Belastungen in der Partnerschaft mit MS

Partnerschaften mit MS sind mit besonderen Belastungen und Herausforderungen konfrontiert. Dazu gehören:

  • Der Schock der Diagnosestellung: Die Diagnose MS kann für beide Partner ein Schock sein und Ängste, Sorgen und Niedergeschlagenheit auslösen.
  • Die Unklarheit von Prognose und individuellem Verlauf: MS verläuft bei jedem Menschen anders, was zu Unsicherheit und Zukunftsängsten führen kann.
  • Die Unzuverlässigkeit von Symptomen: Tagesschwankungen und unvorhersehbare Schübe können den Alltag erschweren und die Planung von Aktivitäten beeinträchtigen.
  • Die Unheilbarkeit der Erkrankung: Die Tatsache, dass MS derzeit nicht heilbar ist, kann zu Frustration und Hoffnungslosigkeit führen.
  • Veränderungen im Alltag: Im weiteren Verlauf der MS können Behinderungen auftreten, die Veränderungen in den Lebensvollzügen (Beruf, Rollenverteilung, Freizeit, Finanzen) erforderlich machen.

Seelisch-emotionale Reaktionen

Die genannten Veränderungen können vielfältige seelisch-emotionale Reaktionen auslösen, wie Ängste, Sorgen, Niedergeschlagenheit und Zorn. Es ist wichtig, diese Gefühle wahrzunehmen, Einfühlung und Verständnis für sich selbst und den Partner zu entwickeln und sich offen darüber auszutauschen.

Formen partnerschaftlicher Bewältigung

Eine Langzeituntersuchung hat verschiedene Formen partnerschaftlicher Bewältigung der MS identifiziert:

  1. MS als gemeinsame Aufgabe: Paare, die sich der Diagnose gemeinsam stellen, sich informieren und offen austauschen, stärken Vertrauen und Sicherheit. Sie versuchen, Eigenständigkeit zu erhalten und Hilfen nur in notwendigem Umfang anzunehmen.
  2. Kampf um Normalität: Diese Paare versuchen, krankheitsbedingte Veränderungen so gering wie möglich zu halten und den früheren Lebensstil beizubehalten. Die MS bleibt primär eine Angelegenheit des Kranken, der vieles mit sich allein abmacht.
  3. MS dominiert das Leben: Bei diesen Paaren hat die MS durch einen schweren Verlauf das Leben nachhaltig verändert. Der gesunde Partner übernimmt immer mehr Funktionen, was zur Überlastung führen kann.
  4. MS als einsames Thema: Die Partnerschaft ist auf eine distanzierte Versorgungsgemeinschaft reduziert, geprägt von Routine und emotionaler Abkühlung. Ein Austausch über Probleme und Ängste fehlt.

Strategien für eine starke Partnerschaft trotz MS

Unabhängig von der Form der Krankheitsbewältigung gibt es verschiedene Strategien, die Paaren helfen können, ihre Partnerschaft trotz MS zu stärken:

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Offene Kommunikation und Austausch

  • Reden Sie miteinander: Sprechen Sie offen über Ihre Gefühle, Ängste und Bedürfnisse.
  • Hören Sie einander zu: Zeigen Sie Interesse an den Gedanken und Gefühlen Ihres Partners.
  • Tauschen Sie sich aus: Teilen Sie Ihre Erfahrungen mit anderen Betroffenen und deren Partnern.

Gemeinsame Bewältigung der Erkrankung

  • Informieren Sie sich: Beschaffen Sie sich Informationen über MS und ihre Auswirkungen.
  • Nehmen Sie Termine gemeinsam wahr: Begleiten Sie Ihren Partner zu Arztterminen und notieren Sie wichtige Informationen.
  • Entwickeln Sie Strategien: Planen Sie gemeinsam, wie Sie mit den Herausforderungen der MS umgehen können.

Unterstützung und Entlastung

  • Bieten Sie Unterstützung an: Helfen Sie Ihrem Partner bei alltäglichen Aufgaben, wenn er eingeschränkt ist.
  • Nehmen Sie Hilfe an: Scheuen Sie sich nicht, Unterstützung von Familie, Freunden oder professionellen Dienstleistern anzunehmen.
  • Schaffen Sie Freiräume: Nehmen Sie sich Zeit für sich selbst und Ihre eigenen Interessen, um Kraft zu tanken.

Flexibilität und Geduld

  • Seien Sie flexibel: Passen Sie Ihre Pläne und Erwartungen an die jeweilige Situation an.
  • Üben Sie Geduld: Haben Sie Verständnis für die Einschränkungen und Stimmungsschwankungen Ihres Partners.
  • Akzeptieren Sie Veränderungen: Seien Sie bereit, sich auf neue Rollen und Verantwortlichkeiten einzulassen.

Nähe und Intimität

  • Pflegen Sie Ihre Beziehung: Nehmen Sie sich Zeit für gemeinsame Aktivitäten, die Ihnen Freude bereiten.
  • Zeigen Sie Zuneigung: Drücken Sie Ihre Liebe und Wertschätzung füreinander aus.
  • Finden Sie neue Wege der Intimität: Experimentieren Sie mit verschiedenen Formen der körperlichen Nähe und Zärtlichkeit.

Hilfe und Unterstützung für Paare

Paare, die mit MS leben, können bei Bedarf auf verschiedene Hilfsangebote zurückgreifen:

  • Beratungsstellen: Bieten Einzel- und Paarberatung an, um bei der Bewältigung der Erkrankung zu unterstützen.
  • Selbsthilfegruppen: Ermöglichen den Austausch mit anderen Betroffenen und deren Partnern.
  • Psychologen und Therapeuten: Können bei der Verarbeitung von Ängsten, Depressionen und anderen psychischen Belastungen helfen.
  • Paartherapeuten: Unterstützen Paare bei der Verbesserung ihrer Kommunikation und der Lösung von Konflikten.
  • MS-Gesellschaften: Bieten Informationen, Beratung und Unterstützung für Menschen mit MS und ihre Angehörigen.

Die AMSEL (Aktion Multiple Sklerose Erkrankter, Landesverband Baden-Württemberg e.V.) bietet beispielsweise folgende Hilfen an:

  • Broschüren und Infomaterial zu Themen wie Partnerschaft und Sexualität
  • Telefonische Beratung für MS-Erkrankte und Angehörige
  • Persönliche Beratung für Paare im Info- und Beratungszentrum Stuttgart
  • Seminare zum Thema Partnerschaft

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