Die Diagnose Multiple Sklerose (MS) stellt Betroffene und ihre Partner vor große Herausforderungen. Das Leben verändert sich, und die Beziehung wird auf eine harte Probe gestellt. Doch trotz der Schwierigkeiten ist eine erfüllte Partnerschaft mit MS möglich. Offene Kommunikation, gegenseitige Unterstützung und die Bereitschaft, sich an die neue Situation anzupassen, sind der Schlüssel zum Erfolg.
Die Diagnose MS als Wendepunkt
Die Diagnose MS ist eine Zäsur im Leben beider Partner. Sie markiert den Beginn einer neuen Phase, die von Unsicherheit, Ängsten und Veränderungen geprägt ist. Es gilt, gemeinsame Pläne und Zukunftsvorstellungen zu überdenken und an die neue Situation anzupassen.
Herausforderungen annehmen
Die Erkrankung kann den Alltag erheblich beeinflussen und neue Herausforderungen mit sich bringen. Es ist wichtig, gemeinsam auszuloten, wie man als Paar damit umgehen kann. Dazu gehört auch, sich bewusst zu machen, dass sich bisher bewährte Rollen ändern können. Möglicherweise ist der Betroffene öfter auf die Hilfe des Partners angewiesen.
MS nicht das Leben bestimmen lassen
Es ist entscheidend, dass die MS-Erkrankung nicht das gesamte Leben bestimmt. Wenn möglich, sollte man versuchen, das Leben so normal wie möglich weiterzuführen. Das bedeutet, Raum für gemeinsame Aktivitäten, Hobbys und soziale Kontakte zu schaffen.
Kommunikation als Basis einer starken Partnerschaft
Offene und ehrliche Kommunikation ist das Fundament jeder gesunden Beziehung, besonders aber in einer Partnerschaft, die von MS betroffen ist.
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Über Hoffnungen und Ängste sprechen
Es ist wichtig, offen über die eigenen Hoffnungen und Ängste zu sprechen. Nur so kann man eine Grundlage schaffen, um die Situation gemeinsam zu bewältigen. Das Teilen von Sorgen und Nöten ermöglicht es, sich gegenseitig zu unterstützen und neue Lösungen für den Umgang mit der MS in der Partnerschaft zu entwickeln.
Raum für anregende Gespräche schaffen
Neben den Herausforderungen, die die MS mit sich bringt, sollte man als Paar auch Zeit für anregende Gespräche, Entspannung und gemeinsame Unternehmungen finden. Diese Momente der Nähe und Vertrautheit sind essenziell für eine erfüllte Partnerschaft.
Sexualität und Intimität trotz MS
Sexualität und körperliche Nähe sind wichtige Bestandteile einer Partnerschaft. MS kann jedoch zu sexuellen Problemen führen, die sowohl auf körperliche als auch auf psychische Ursachen zurückzuführen sind.
Ursachen sexueller Probleme
Einerseits kann die emotionale und psychische Belastung durch die MS so groß sein, dass der Betroffene den Spaß an der Sexualität verliert. Andererseits können die Erkrankung selbst oder die daraus resultierenden körperlichen Beeinträchtigungen sexuelle Aktivitäten erschweren. Symptome wie Empfindungsstörungen, Erschöpfung oder Muskelkrämpfe können das Liebesleben beeinträchtigen.
Offenheit und Lösungsfindung
Es ist wichtig, offen über sexuelle Probleme zu sprechen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Dabei kann es hilfreich sein, sich professionelle Unterstützung von einem Neurologen, Urologen oder Frauenarzt zu holen. Auch die Schaffung einer entspannten Atmosphäre ohne Erfolgsdruck und zärtliche gegenseitige Stimulation können helfen.
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Psychische Faktoren berücksichtigen
Oft sind es weniger die körperlichen Beschwerden, die sich auf das sexuelle Verlangen auswirken, sondern vielmehr die Psyche, der Alltagsstress oder die Angst. Ein offenes Gespräch über die eigenen Wünsche und Erwartungen kann hier Erleichterung bringen und Konflikte verhindern.
Unterstützung im Alltag
Die Bewältigung des Alltags mit MS kann eine große Herausforderung sein. Es ist wichtig, sich gegenseitig zu unterstützen und Hilfe von außen anzunehmen.
Alltag gemeinsam meistern
Überlegen Sie gemeinsam, wie Sie den Alltag stemmen können, wenn die MS weiter fortschreitet und mögliche Beeinträchtigungen auftreten. Dabei kann es hilfreich sein, Aufgaben zu verteilen und sich gegenseitig zu entlasten.
Hilfe von außen annehmen
Scheuen Sie sich nicht, Hilfe von Familie, Freunden oder professionellen Dienstleistern anzunehmen. Ein ambulanter Pflegedienst kann beispielsweise bei der Körperpflege oder medizinischen Tätigkeiten unterstützen. Auch Haushaltshilfen oder Betreuungskräfte können eine wertvolle Entlastung sein.
Unabhängigkeit fördern
Es ist wichtig, die Unabhängigkeit des MS-Betroffenen so lange wie möglich zu fördern. Unterstützen Sie ihn dabei, seine Fähigkeiten zu erhalten und weiterhin seinen Interessen nachzugehen.
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Umgang mit emotionaler Belastung
MS kann eine große emotionale Belastung für beide Partner darstellen. Es ist wichtig, sich dieser Belastung bewusst zu sein und Strategien zu entwickeln, um damit umzugehen.
Gegenseitige Unterstützung
In schwierigen Momenten ist es besonders wichtig, füreinander da zu sein. Hören Sie einander zu, zeigen Sie Verständnis und bieten Sie Trost.
Zeit für sich selbst nehmen
Es ist wichtig, sich Zeit für sich selbst zu nehmen, um Kraft zu tanken. Gehen Sie Ihren Hobbys nach, treffen Sie sich mit Freunden oder entspannen Sie sich bei einem guten Buch.
Professionelle Hilfe in Anspruch nehmen
Wenn die emotionale Belastung zu groß wird, kann es hilfreich sein, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Ein Therapeut oder Berater kann Ihnen helfen, mit Ihren Gefühlen umzugehen und neue Perspektiven zu entwickeln.
MS und Familienplanung
Auch mit MS ist es möglich, eine Familie zu gründen. Es ist jedoch wichtig, sich im Vorfeld gut zu informieren und die Risiken und Möglichkeiten abzuwägen. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über Ihre Familienplanung und lassen Sie sich beraten.
Angehörige nicht vergessen
Der Titel sagt es schon: Hier geht es nicht nur um Sie als Menschen mit MS, sondern auch um Ihre Angehörigen, um Ihre Familie, Ehe- oder Lebenspartner:innen. Was verändert MS in Beziehungen, in Partnerschaften und in der Familie? Es geht um den Umgang zwischen MS-Patient:innen und ihren Liebsten im engeren Umfeld. Um ihre Bedürfnisse und die Art, wie diese formuliert werden. Der wichtigste Punkt für beide Seiten: Reden Sie darüber! Angehörige sind nicht automatisch die Pfleger:innen, Betroffene nicht automatisch hilfsbedürftig. Darüber müssen wir reden. Auch für Sie als Menschen mit MS ist der Umgang mit Ihren Angehörigen vermutlich nicht immer einfach. Als erkrankte Person haben Sie aber nicht unbedingt eine schwierigere Position.
Liebe trotz Hindernissen
Zur Liebe kommt im Lauf der Jahre die Partnerschaft, aus dem Paar wird ein Team mit oder ohne Kinder, das gemeinsam das Leben meistert, in guten wie in schlechten Tagen. Egal wie, unser aller Traum ist, gemeinsam unbeschwert und frei durchs Leben gehen zu können. Doch was ist, wenn eine chronische Erkrankung wie MS unsere Wunschvorstellung durchkreuzt? Passen MS und Liebe denn überhaupt zusammen? Natürlich! Kommunikation über Probleme ist nicht immer sexy, aber so wichtig, damit ein Paar mit Multipler Sklerose mit Sexualität und Partnerschaft umgehen kann, damit MS eben nicht zum Beziehungskiller wird. Hand aufs Herz: Hat nicht jeder Single heutzutage schon mal mit einer Dating- App geliebäugelt? Liebe unter Kolleg:innen ist nicht mehr so einfach, Parties, Sportvereine, Kneipen, Clubs - manches ist wegen MS weggefallen. Wo also soll man die neue große Liebe finden? Oder einen Flirt, eine Affäre? Wichtig ist es, nach der Diagnose „Multiple Sklerose“ keinesfalls zu resignieren, da die Krankheit häufig nur langsam fortschreitet und außerdem individuell sehr unterschiedlich verläuft. Mit dem Einsetzen einer Pflegebedürftigkeit kann sowohl für den Patienten als auch die pflegenden Angehörigen eine schwierige Zeit anbrechen. Dabei darf vor allem nicht vergessen werden, dass der Patient trotz Symptomen wie Seh- oder Sprachstörungen geistig noch lange voll auf der Höhe sein kann.
Ein Beispiel aus der Praxis: Die Geschichte von Sandra und Bernd Meixner
Bernd Meixner pflegt seine Frau Sandra seit über 15 Jahren, nachdem sie vor 25 Jahren die Diagnose MS erhalten hat. Im Interview berichtet er von den Herausforderungen und Belastungen, aber auch von der Stärke ihrer Beziehung.
Der Weg zur Pflegebedürftigkeit
Sandras Erkrankung begann mit kribbelnden Fingern und verschlechterte sich im Laufe der Jahre immer mehr. Zunächst bereitete ihr das Gehen keine Probleme, später nahm sie einen Gehstock zur Hilfe, danach folgte der Rollator und schließlich der Rollstuhl. Heute benötigt sie bei fast allen Alltagstätigkeiten Unterstützung.
Ein strukturierter Alltag
Der Alltag von Sandra und Bernd ist durchgeplant, um eine umfassende Versorgung zu gewährleisten. Ein ambulanter Pflegedienst übernimmt pflegerische Tätigkeiten, während zwei ausländische Haushaltshilfen bei der Grundpflege helfen. Zusätzlich engagiert sich eine Betreuungskraft, die Sandra bei gutem Wetter spazieren fährt. Auch Bernd hilft bei der Pflege mit, insbesondere bei Tätigkeiten, die aufgrund von Sandras Körperhaltung schwierig sind.
Belastungen und Herausforderungen
Anfangs hat die Krankheit die Beziehung stark belastet. Insbesondere die Frage, wer die Pflege übernehmen soll, führte zu Konflikten. Bernd war dafür, sich umfassende Unterstützung von außen zu holen, während Sandra zunächst zögerte. Auch heute noch ist die Situation nicht immer einfach, da Bernd hautnah miterlebt, wie sich Sandras Zustand verschlechtert.
Zuneigung und Lebensqualität
Trotz der Herausforderungen versuchen Sandra und Bernd, ihre Zuneigung zueinander nicht zu kurz kommen zu lassen. Sie verbringen Zeit alleine, und Bernd geht weiterhin seinem Hobby Tischtennis nach. Beide legen Wert darauf, dass das Leben nicht nur für Sandra, sondern auch für Bernd lebenswert ist.
Ratschläge für andere Paare
Bernd rät anderen Paaren, die von einer chronischen Erkrankung betroffen sind, sich auf schlechte Zeiten einzustellen und darauf zu achten, dass die Unzufriedenheit in der Beziehung nicht zu groß wird. Er empfiehlt, dass pflegende Angehörige noch ein Leben neben der Pflege haben und sich Zeit für ihre eigenen Bedürfnisse nehmen.
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