Frühe Anzeichen für Demenz und Parkinson: Unterschiede und Gemeinsamkeiten

Morbus Parkinson ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, die sich nicht nur durch motorische Symptome auszeichnet. Häufig leiden Betroffene auch unter Demenz-Symptomen. Eine frühe Diagnose ist entscheidend, um den Verlauf der Krankheit zu verlangsamen und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.

Parkinson und Demenz: Mehr als nur motorische Probleme

Die Parkinson-Krankheit ist nach Alzheimer die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung. Sie ist durch den fortschreitenden Verlust von Nervenzellen gekennzeichnet, der zu den typischen motorischen Symptomen führt.

Dank der Fortschritte in der Parkinson-Forschung können Symptome wie Muskelsteifigkeit und Ruhezittern bei vielen Patienten medikamentös gelindert werden. Im weiteren Verlauf der Erkrankung treten jedoch häufig weitere Symptome auf, die den Alltag der Betroffenen erheblich beeinträchtigen. Eine Demenz ist eine davon.

"Demenz ist einer der wichtigsten Prädiktoren für eine verminderte Lebensqualität und letztendlich auch für die Sterblichkeit der betroffenen Patienten", sagt Parkinson-Forscherin Dr. Kathrin Brockmann von der Eberhard-Karls-Universität Tübingen und dem Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE). "Wenn sie auftritt, sterben die Patienten oft innerhalb der nächsten fünf Jahre." Die Parkinson-Erkrankung beginnt jedoch oft schon viele Jahre im Gehirn, bevor die ersten Symptome wie motorische Einschränkungen auftreten.

Der Welt-Parkinson-Tag am 11. April erinnert an den Geburtstag des britischen Arztes James Parkinson, der 1817 erstmals die Symptome der Krankheit in einer Veröffentlichung beschrieb. Die European Parkinson's Disease Association beging den Parkinson-Tag 1997 mit Unterstützung der Weltgesundheitsorganisation WHO zum ersten Mal.

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Ursachenforschung und neue Therapieansätze

Im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Forschungsverbundes „PDdementia“ konnte Brockmann gemeinsam mit ihrem Team grundlegende molekulare Mechanismen der Demenz bei Parkinson-Patienten mit Erbveränderungen im GBA-Gen charakterisieren. Etwa zehn Prozent aller Parkinson-Patienten sind von dieser Veränderung betroffen, die zu einem besonders schnellen Krankheitsverlauf führt.

Diese Ergebnisse ermöglichen es erstmals, zwei wesentliche Ursachen der Demenz bei Parkinson-Patienten schon zu Lebzeiten der Betroffenen voneinander zu unterscheiden, was Auswirkungen auf mögliche Therapien haben wird.

Das BMBF förderte das hier vorgestellte Projekt von 2017 bis 2020 im Rahmen des Forschungsverbundes „PDdementia - klinisch-korrelierte iPS-Zellmodelle zur Identifizierung von Wirkstoffen gegen den kognitiven Verfall im Endstadium der Parkinsonkrankheit“ mit rund 362.000 Euro.

In ihrer Studie untersuchten Brockmann und ihr Team das Nervenwasser von rund 400 Parkinson-Patienten, von denen 80 eine Veränderung im GBA-Gen aufwiesen. Aufgrund histopathologischer Untersuchungen des Gehirns war bereits bekannt, dass bei Parkinson-Patienten, die im Verlauf ihrer Erkrankung eine Demenz entwickelten, neben Ablagerungen des Parkinson-typischen Eiweißes Alpha-Synuklein häufig auch die Alzheimer-typischen Ablagerungen der Eiweiße Amyloid-beta und Tau zu finden sind, die sich auch zu Lebzeiten schon im Nervenwasser messen lassen.

Histopathologische Untersuchungen an Gehirnen Verstorbener mit der GBA-Mutation zeigten jedoch keine Alzheimer-typischen Veränderungen, sondern primär Ablagerungen des Eiweißes Alpha-Synuklein. Passend dazu konnten Brockmann und ihr Team erstmals zeigen, dass auch das Nervenwasser von Parkinson-Betroffenen mit GBA-Mutation trotz Demenz kein Alzheimer-Profil aufwies.

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Die entscheidende Aufgabe war nun, herauszufinden, wie sich Alpha-Synuklein-Ablagerungen im Gehirn auch bei lebenden Patientinnen und Patienten messen lassen, denn ein bildgebendes Verfahren wie MRT oder PET zur Darstellung der Alpha-Synuklein-Ablagerungen existiert noch nicht.

"Zu unserer großen Überraschung zeigten die Patientinnen und Patienten mit GBA-Mutation trotz Demenz kein pathologisches Alzheimer-Profil im Nervenwasser, das als Ursache für die kognitiven Einschränkungen zu erwarten gewesen wäre", so Brockmann. "Dies bedeutet, dass die kognitiven Einschränkungen bei dieser Patientengruppe sehr wahrscheinlich durch die Ablagerung und Vermehrung des Eiweißes Alpha-Synuklein verursacht werden."

Die Ergebnisse legen eine wichtige Grundlage für eine nun folgende klinische Studie für Patientinnen und Patienten mit GBA-Mutation, die gemeinsam mit weiteren renommierten Parkinson-Zentren sowie einer großen Pharma-Firma in Planung ist. Erstmals sind hier nicht Bewegungsstörungen das primäre Zielsymptom, sondern die kognitive Verschlechterung der Patientengruppe. Hoffnungsträger der Forschenden ist ein monoklonaler Antikörper, der die Ausbreitung von krankhaftem Alpha-Synuklein aufhalten und damit die Entwicklung einer frühzeitigen Demenz verhindern soll.

Risikofaktoren und Prävention

Neben genetischen Veränderungen ist ein hohes Lebensalter ein weiterer Hauptrisikofaktor für die Parkinson-Krankheit. Bei den 85-Jährigen sind etwa 3,5 Prozent der Bevölkerung betroffen. Neben den motorischen Einschränkungen wie Muskelsteifigkeit und Ruhezittern treten oft auch nicht-motorische Symptome wie Demenz, Depressionen und Riechstörungen auf.

Obwohl die Medizin die einzelnen Formen von Demenz genau beschreiben, diagnostizieren und bis zu einem gewissen Grad auch behandeln kann, ist trotz intensiver Forschung bislang ungeklärt, warum manche Menschen erkranken und andere nicht. Obwohl eine Demenz auch in jungen Jahren auftreten kann, ist sie vor allem eine Alterserkrankung. Ab einem Alter von 65 Jahren steigt das Demenz-Risiko mit jedem weiteren Jahr deutlich an. Frauen sind häufiger betroffen als Männer.

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Bekannt sind allerdings einige Risikofaktoren, die das persönliche Risiko für eine Demenzerkrankung drastisch erhöhen. Tatsächlich lässt sich einer Demenz in vielen Fällen vorbeugen. Studien zeigen, dass bis zu 45 Prozent aller Erkrankungen durch die gezielte Beeinflussung von 14 Risikofaktoren verhindert oder zumindest hinausgezögert werden könnten. Bewegung, gesunde Ernährung, soziale Kontakte und geistige Aktivität zählen dabei zu den wichtigsten Schutzfaktoren.

Frühe Anzeichen und Diagnose

Wenn Sie als Angehöriger den Verdacht haben, dass eine Person an einer Demenzform erkrankt sein könnte, sollten Sie mit Einfühlungsvermögen aber auch Nachdruck darauf bestehen, diesen Verdacht abzuklären. All diese Anzeichen können, müssen aber nicht auf eine kognitive Störung oder eine Demenz hindeuten.

Spezielle Demenz-Tests messen die geistige Leistungsfähigkeit einer Person und lassen erkennen, ob diese noch im Normalbereich liegt, oder Anzeichen für eine Einschränkung durch eine Demenz vorliegen.

Liegt ein Anfangsverdacht für eine Demenz-Erkrankung vor, sollte der erste Gang zum Hausarzt, zu einer Gedächtnis-Sprechstunde oder einer Memory-Klinik führen. Eine frühe Diagnose von Demenz erleichtert den Umgang mit der Krankheit und bietet größere Chancen, das Fortschreiten der Krankheit aufzuhalten oder zu verlangsamen.

Am Anfang geht es darum, festzustellen, ob demenzielle Symptome vorliegen und wie stark diese ausgeprägt sind. Wichtige Bestandteile in dieser Phase der Diagnostik sind das Patientengespräch (Anamnese), die körperliche Untersuchung und nach Bedarf die Durchführung von Demenz-Tests. Sind deutliche demenzielle Symptome vorhanden, muss der Arzt noch die Ursache der Symptome eindeutig klären. Zum Beispiel wird ein Arzt versuchen, Hinweise auf eine konkrete organische Ursache zu finden. Mit den Ergebnissen kann der Arzt außerdem bestimmen, um welche Demenzform es sich handelt und in welchem Stadium sich der Betroffene befindet.

Parkinson-Demenz: Symptome und Diagnose

Von einer Parkinson-Demenz spricht man, wenn ein Mensch mit Parkinson mindestens zwei kognitive Einschränkungen aufweist, die sein unabhängiges Leben erschweren. Wie stark diese Einschränkungen sind, ist von Person zu Person unterschiedlich. Häufig sind die Aufmerksamkeit, die Problemlösefähigkeit, die Sprache oder die Orientierung betroffen. Auch das Lang- und Kurzzeitgedächtnis kann bei Menschen mit Parkinson-Demenz nachlassen. Menschen mit Parkinson-Demenz verarbeiten Informationen oft langsamer und es kann zu Persönlichkeitsveränderungen kommen.

Bei Verdacht auf eine Demenz wie der Parkinson-Demenz wird der Arzt verschiedene Untersuchungen durchführen. Zuerst erfragt er die Krankengeschichte (Anamnese) im Gespräch mit dem Betroffenen und den Angehörigen. Dabei lässt er sich zum Beispiel die Symptome genau schildern, also etwa Probleme mit der Konzentration. Außerdem fragt der Arzt, seit wann diese Symptome bestehen, ob andere Erkrankungen vorliegen und welche Medikamente der Betroffene einnimmt. Nach dem Anamnese-Gespräch folgt eine körperliche Untersuchung. Außerdem entnimmt der Arzt eine Blutprobe für eine Laboranalyse.

Mit sogenannten kognitiven Kurztests prüft der Arzt, ob der Betroffene tatsächlich an einer Parkinson-Demenz (oder sonstigen Demenz) leidet. Allerdings sind diese Tests bei leichter Demenz wenig aussagekräftig. Dann ist gegebenenfalls eine vertiefende neuropsychologische Untersuchung nötig. Bei Demenz-Verdacht wird oft das Gehirn bildlich dargestellt - mittels Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT, Kernspintomografie). Bei dementen Menschen erkennt man auf den Aufnahmen, dass das Hirngewebe geschrumpft ist (Atrophie). In unklaren Fällen von Demenz folgen weitere Untersuchungen.

Behandlungsmöglichkeiten

Alzheimer-Demenz, Frontotemporale Demenz, Lewy-Körper-Demenz, Parkinson-Demenz und Vaskuläre Demenz sind bis heute leider nicht heilbar. Dennoch ist die Behandlung von Demenz wichtig, weil sie die Lebensqualität der Betroffenen im weiteren Verlauf erheblich steigert. Je nach Demenzform, Stadium und individuellem Gesundheitszustand kommen unterschiedliche Medikamente und nicht-medikamentöse Therapien in Frage.

Zunächst ist es manchmal notwendig, die Medikamente anzupassen, die gegen die Parkinson-Krankheit eingenommen werden. Manche Präparate verstärken nämlich eine Demenz. Sie sollten deshalb gegen andere ersetzt werden, die das nicht tun.

Es gibt auch Medikamente, die gezielt die Symptome der Parkinson-Demenz lindern. Dazu zählen vor allem Präparate mit dem Wirkstoff Rivastigmin. Das ist ein sogenannter Acetylcholinesterase-Hemmer: Die Acetylcholinesterase ist ein Enzym, das im Gehirn den Nerven-Botenstoff (Neurotransmitter) Acetylcholin abbaut. Wie bei der Alzheimer-Demenz besteht auch bei der Parkinson-Demenz ein Mangel an Acetylcholin. Rivastigmin behebt diesen Mangel, indem es das Enzym hemmt, das normalerweise Acetylcholin abbaut. So bleiben Hirnleistungen wie Denken, Lernen und Erinnern länger erhalten. Zudem kommen die Betroffenen in ihrem Alltagsleben wieder besser zurecht.

Neben Medikamenten sind auch nicht-medikamentöse Maßnahmen bei Parkinson-Demenz (und anderen Demenzen) sehr wichtig. Empfehlenswert sind zum Beispiel Krankengymnastik, eine gesunde Ernährung und viel Bewegung. Gedächtnistraining („Gehirnjogging“) bietet sich bei leichten Formen von Parkinson-Demenz an, solange sich die Betroffenen mit Freude und ohne Frustration daran beteiligen. Auch künstlerisch-expressive Therapieformen wie Malen, Musik und Tanz wirken sich unter Umständen positiv auf das Wohlbefinden und die Gesundheit der Betroffenen aus. Bei Parkinson-Demenz ist es auch wichtig, die Wohnräume bedürfnisgerecht zu gestalten. Dazu gehört, mögliche Gefahren- und Verletzungsquellen zu beseitigen.

Unterschiede zwischen Alzheimer und Parkinson-Demenz

Eine Parkinson-Demenz weist allerdings andere Symptome auf als eine Demenz vom Typ Alzheimer. Menschen mit Parkinson-Demenz können noch neue Inhalte lernen und abspeichern. Zudem konnten bei verstorbenen Patienten mit Parkinson-Demenz auch die sogenannten Lewy-Körperchen im Mittelhirn nachgewiesen werden.

Leben mit Demenz und Parkinson: Unterstützung und Perspektiven

Die Pflege und Betreuung von Menschen mit Demenz ist eine echte Herausforderung. Zu Beginn der Erkrankung reicht oft ein wenig Unterstützung im Alltag aus, doch im weiteren Verlauf wird der Bedarf an Hilfe immer größer. Doch viele Menschen sind bereit, sich selbst so lange wie möglich um ihre Angehörigen zu kümmern, wenn diese an Demenz erkranken.

Es gibt bestimmte Fähigkeiten, die Betroffenen mit einer Parkinson-Demenz zunehmend schwerfallen. Das betrifft vor allem das Konzentrieren, Orientieren, Planen, Erklären, Sprechen und Erinnern.

Die vielfältigen Symptome und Folgen einer Demenzerkrankung können die Selbstständigkeit im Alltag von Patienten beeinträchtigen. Wenn dies bei Ihnen der Fall ist, haben Sie eventuellen Anspruch auf einen Pflegegrad, mit dem Ihnen verschiedene Leistungen der Pflegeversicherung zustehen. In einem Pflegetagebuch können Sie die Beeinträchtigungen im Alltag genauer beobachten und dokumentieren. Ein Pflegetagebuch unterstützt Sie gegebenenfalls beim Antrag auf Pflegegrad.

Es ist wichtig, dass Angehörige sich selbst mit der Betreuung und Pflege nicht überfordern. Das große Stichwort lautet: Entlastung. Im Laufe einer Demenzerkrankung kann eine Inkontinenz entstehen. Dabei verliert die demenzerkrankte Person unkontrolliert Harn (Harninkontinenz) oder Stuhl (Stuhlinkontinenz). Die Pflege eines Angehörigen mit einer Demenz und Inkontinenz kann herausfordernd sein.

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