Die Parkinson-Krankheit ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die vor allem ältere Menschen betrifft. Sie ist nach der Alzheimer-Krankheit die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung. Die Erkrankung betrifft Gehirnregionen, die für die Beweglichkeit und Motorik verantwortlich sind. Im Verlauf der Krankheit können auch kognitive Beeinträchtigungen auftreten, die bis zu einer Parkinson-Demenz führen können. Dieser Artikel beleuchtet die frühen Symptome der Parkinson-Krankheit, um eine frühzeitige Diagnose und Behandlung zu ermöglichen.
Was ist die Parkinson-Krankheit?
Die Parkinson-Krankheit, auch Morbus Parkinson oder Parkinson-Syndrom genannt, ist eine chronisch fortschreitende Erkrankung des Nervensystems. Dabei sterben nach und nach Nervenzellen im Gehirn ab, was zu einem Mangel am Botenstoff Dopamin führt. Dopamin ist entscheidend für die Feinabstimmung der Muskelbewegung und die Einleitung von Bewegungen. Der Dopaminmangel führt zu Bewegungsstörungen wie verlangsamten Bewegungen (Bradykinese), Muskelversteifung (Rigor) und unkontrollierbarem Zittern (Tremor).
Ursachen und Risikofaktoren
Die genauen Ursachen für das Absterben der Nervenzellen sind noch nicht vollständig geklärt. Eine entscheidende Rolle scheint das Protein Alpha-Synuclein zu spielen, das sich in den Nervenzellen zu kleinen Ablagerungen, den sogenannten Lewy-Körperchen, verklumpt.
Neben der idiopathischen Form, bei der keine konkreten Ursachen bekannt sind, gibt es auch genetische Formen der Parkinson-Erkrankung. Etwa zehn Prozent der Fälle sind genetisch bedingt und werden durch Mutationen der Erbinformation verursacht. Das Risiko für eine Parkinson-Demenz steigt vor allem mit dem Alter. Auch die GBA1-Mutation wird als möglicher Risikofaktor diskutiert.
Frühe Anzeichen der Parkinson-Krankheit
Die Parkinson-Krankheit entwickelt sich schleichend, und erste Anzeichen können schon Jahre vor den typischen Parkinson-Symptomen auftreten. Diese frühen Anzeichen sind oft unspezifisch und werden daher häufig übersehen oder dem normalen Alterungsprozess zugeschrieben. Es ist wichtig zu beachten, dass nicht alle Betroffenen alle Symptome entwickeln und die Ausprägung der Symptome individuell unterschiedlich sein kann.
Lesen Sie auch: Demenzrisiko minimieren
Zu den häufigsten frühen Anzeichen gehören:
1. Ruhetremor
Eines der bekanntesten Symptome ist das Zittern oder Tremor, insbesondere der Ruhetremor. Dieser tritt meist bei körperlicher Entspannung auf und wird durch innere Anspannung verstärkt. Betroffen sind häufig Hände oder Füße. Der Ruhetremor kann als eine Art „Pillendrehen“ oder „Münzrollen“ beschrieben werden, bei dem die Finger langsam und wiederholt Bewegungen ausführen, die einem Münzrollen ähneln.
2. Mikrographie
Mikrographie bezeichnet eine Verkleinerung der Handschrift, bei der die Buchstaben enger beieinander stehen. Betroffene bemerken oft, dass sich ihre Art zu schreiben verändert hat. Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass eine veränderte Handschrift nicht immer auf Parkinson hinweist, sondern auch auf andere Faktoren wie steife Hände, Gelenkprobleme oder schlechte Sicht zurückzuführen sein kann.
3. Geruchssinnverlust
Ein nachlassender Geruchssinn kann ein weiteres frühes Anzeichen sein. Insbesondere der Verlust des Geruchssinns für bestimmte Lebensmittel, wie Bananen, Essiggurken oder Lakritze, kann auf die Erkrankung hinweisen. Vorübergehende Beeinträchtigungen des Geruchssinns aufgrund von Erkältungen oder Grippeerkrankungen sind jedoch häufig und nicht unbedingt ein Zeichen für Parkinson.
4. Schlafstörungen
Schlafprobleme, insbesondere plötzliche Bewegungen und das Nachspielen von Träumen während des Schlafs, können ebenfalls ein frühes Symptom sein. Parkinson-Patienten können während der Nacht unkontrollierte Bewegungen ausführen, wie etwa das Schlagen oder Treten mit Armen und Beinen. Diese nächtlichen Bewegungen sind oft harmlos und sollten nicht mit Schlafstörungen im klassischen Sinne verwechselt werden.
Lesen Sie auch: Anzeichen von Demenz
5. Bewegungs- und Gangschwierigkeiten
Bewegungs- und Gangstörungen sind eine der auffälligsten Manifestationen der Parkinson-Krankheit. Die Betroffenen können sich in ihrem Körper, insbesondere in den Armen oder Beinen, steif fühlen. Die Bewegungsfähigkeit ist eingeschränkt, und es fällt den Patienten schwer, fließende und koordinierte Bewegungen auszuführen. Die Steifheit kann sich bei Parkinson-Patienten oft bessern, wenn sie in Bewegung sind.
6. Verstopfung
Verstopfung ist ein weiteres mögliches frühes Symptom. Wenn Betroffene beim Stuhlgang anhaltende Schwierigkeiten und Anstrengung erfahren, sollte dies ernst genommen werden. Verstopfung kann jedoch viele Ursachen haben, darunter unzureichende Flüssigkeitsaufnahme und ballaststoffarme Ernährung.
7. Veränderung der Stimme
Eine Veränderung der Stimme ist ein weiteres Frühsymptom, das oft übersehen wird. Menschen mit Parkinson können eine weiche oder heisere Stimme entwickeln, die als „Hypophonie“ bezeichnet wird. Manchmal denken Parkinson-Patienten, dass andere Menschen ihr Gehör verlieren, da sie in Wirklichkeit leiser sprechen.
8. Gesichtsmaskierung
Ein weiteres charakteristisches Merkmal ist die sogenannte „Gesichtsmaskierung“. Dabei handelt es sich um einen ernsten, steifen oder ausdruckslosen Gesichtsausdruck, auch wenn die Betroffenen sich nicht schlecht gelaunt fühlen. Die Gesichtsmaskierung kann die soziale Interaktion erschweren, da sie den Betroffenen den Anschein gibt, als seien sie desinteressiert oder desengagiert.
9. Schwindel oder Ohnmacht
Schwindel oder Ohnmacht beim Aufstehen können ein weiteres Zeichen für Parkinson sein. Dies kann auf niedrigen Blutdruck zurückzuführen sein, der bei Parkinson-Patienten häufig auftritt.
Lesen Sie auch: Umfassender Überblick: Frühe Demenz
10. Veränderte Körperhaltung
Eine veränderte Körperhaltung, bei der sich die Betroffenen beim Stehen bücken oder beugen, kann ebenfalls ein frühes Symptom sein. Es ist wichtig zu beachten, dass nicht jede Haltungsschwankung auf Parkinson hinweist.
Weitere unspezifische Symptome
Neben den genannten Symptomen können auch weitere unspezifische Anzeichen auf eine beginnende Parkinson-Erkrankung hindeuten:
- Depressionen
- Schlafstörungen
- Verstopfung
- Störungen des Geruchssinns
- Eine leisere, monotone Stimme
- Das fehlende Mitschwingen eines Armes beim Gehen
- Beschwerden im Nacken- oder Lendenwirbelbereich
- Diffuse Rückenschmerzen
- Ermüdungserscheinungen
Diagnose
Wenn der Verdacht auf Parkinson besteht, sollte ein Facharzt für Neurologie aufgesucht werden. Die Diagnose basiert in der Regel auf einer umfassenden neurologischen Untersuchung und der Erhebung der Krankengeschichte. Dabei werden die motorischen Fähigkeiten, die Reflexe, die Koordination und das Gleichgewicht überprüft.
Zusätzlich können bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanztomographie (MRT) eingesetzt werden, um andere Erkrankungen auszuschließen. Ein spezieller Test, der sogenannte DAT-Scan, kann die Dopamin-Transportermoleküle im Gehirn darstellen und so den Dopaminmangel sichtbar machen.
Um die geistigen Fähigkeiten zu überprüfen, gibt es spezielle Gedächtnistests. Ein Test, der extra für Menschen mit Parkinson entwickelt wurde, heißt PANDA-Test (Parkinson Neuropsychometric Dementia Assessment). Damit werden zum Beispiel die Aufmerksamkeit, das Erinnerungsvermögen oder die Wortfindung getestet.
Differentialdiagnose
Es ist wichtig, die Parkinson-Krankheit von anderen Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen abzugrenzen. Dazu gehören:
- Essentieller Tremor (ET): Hier steht das Zittern im Vordergrund, es handelt sich jedoch um einen Aktionstremor, der bei aktiver Ausführung einer Tätigkeit auftritt.
- Sekundäre Parkinson-Syndrome: Diese können durch Medikamente, Vergiftungen oder andere Erkrankungen verursacht werden.
- Normaldruckhydrozephalus (NPH): Dieser ist durch eine Trias aus Gangstörung, Harninkontinenz und dementieller Entwicklung gekennzeichnet.
Behandlung
Obwohl die Parkinson-Krankheit nicht heilbar ist, gibt es verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, die die Symptome lindern und die Lebensqualität verbessern können.
Medikamentöse Therapie
Die medikamentöse Behandlung zielt darauf ab, den Dopaminmangel im Gehirn auszugleichen und die motorischen Defizite abzumildern. Dazu kommen Medikamente zum Einsatz, die den Dopaminmangel wieder ausgleichen, wie zum Beispiel Levodopa (in Kombination mit einem Decarboxylasehemmer). Zudem gibt es Medikamente, die den Abbau von Dopamin verhindern oder die Wirkung von Dopamin im Gehirn verstärken.
Nicht-medikamentöse Therapien
Neben der medikamentösen Behandlung sind nicht-medikamentöse Therapien sehr wichtig. Dazu gehören:
- Physiotherapie: Sie hilft, die Beweglichkeit und Koordination zu verbessern und Stürzen vorzubeugen.
- Ergotherapie: Sie unterstützt die Patienten dabei, ihre Alltagskompetenzen zu erhalten und zu verbessern.
- Logopädie: Sie hilft bei Sprach- und Schluckbeschwerden.
- Sport und Bewegung: Regelmäßige körperliche Aktivität kann die Symptome lindern und die Lebensqualität verbessern.
Tiefe Hirnstimulation (THS)
In einigen Fällen kann eine tiefe Hirnstimulation (THS) in Betracht gezogen werden. Dabei werden Elektroden ins Gehirn eingesetzt, um bestimmte Hirnregionen zu stimulieren und so die Symptome zu lindern.
Leben mit Parkinson
Die Diagnose Parkinson kann für viele Menschen ein Schock sein. Es gibt jedoch verschiedene Möglichkeiten, mit der Erkrankung umzugehen und ein erfülltes Leben zu führen.
Frühstadium
Im Frühstadium der Erkrankung können die meisten Menschen ein selbstständiges und aktives Leben führen. Es ist wichtig, sich ausführlich über die Erkrankung zu informieren, eine gute ärztliche Begleitung zu suchen und sich Unterstützung bei Selbsthilfegruppen oder Beratungsstellen zu holen.
Umgang mit Einschränkungen
Mit dem Fortschreiten der Erkrankung können bestimmte Aktivitäten schwieriger werden oder ganz wegfallen. Es ist wichtig, die eigenen Grenzen zu erkennen und die Tätigkeiten anzupassen. Zudem gibt es verschiedene Hilfsmittel, die den Alltag erleichtern können.
Psychische Gesundheit
Die Parkinson-Krankheit und die damit verbundenen Zukunftsängste können seelisch belasten. Es ist wichtig, offen über die Erkrankung zu sprechen, sich Unterstützung bei einer psychologischen Beratung oder Therapie zu suchen und sich nicht von Zukunftsängsten überwältigen zu lassen.
Partnerschaft und Sexualität
Die Erkrankung kann die Partnerschaft beeinflussen. Es ist wichtig, offen miteinander zu kommunizieren und sich gegebenenfalls professionelle Hilfe zu suchen. Auch die Sexualität kann sich verändern. Hier ist es wichtig, die eigenen Bedürfnisse zu erkennen und gegebenenfalls ärztlichen Rat einzuholen.
Medikamenteneinnahme
Bei der Parkinson-Krankheit ist es besonders wichtig, die Medikamente nach einem festgelegten Zeitschema einzunehmen. Zudem sollte die Medikamenteneinnahme regelmäßig mit einem Arzt besprochen werden.
Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht
Es ist sinnvoll, schon im Frühstadium eine Patientenverfügung oder eine Vorsorgevollmacht zu erstellen, um sicherzustellen, dass die eigenen Wünsche auch dann berücksichtigt werden, wenn man selbst nicht mehr dazu in der Lage ist.