Was sind die Ursachen für das Absterben von Nervenzellen? Ein umfassender Überblick

Das Absterben von Nervenzellen, auch bekannt als Neurodegeneration, ist ein komplexer Prozess, der durch eine Vielzahl von Faktoren ausgelöst werden kann. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen des Nervenzelltods, die physiologischen Vorgänge im Gehirn während des Sterbens, die Rolle von Entzündungen und die potenziellen Auswirkungen auf verschiedene neurologische Erkrankungen.

Das Gehirn im Angesicht des Todes

Wenn ein Mensch stirbt, stellt das Gehirn nicht sofort seine Aktivität ein. Vielmehr durchläuft es eine Reihe von physiologischen Prozessen. Nach einem Herz-Kreislauf-Stillstand sinkt die Sauerstoffkonzentration im Gehirn innerhalb weniger Sekunden. Die Nervenzellen schalten in einen Sparmodus, wodurch ihre Aktivität stark reduziert wird. Nach etwa 7 bis 8 Sekunden verliert die Person das Bewusstsein, und nach 30 bis 40 Sekunden ist die gesamte Hirnaktivität zum Erliegen gekommen.

Hyperpolarisation und terminale Spreading Depolarization

Obwohl die Hirnaktivität erloschen ist, sterben die Nervenzellen zu diesem Zeitpunkt noch nicht ab. Stattdessen befinden sie sich in einem Zustand der Hyperpolarisation, in dem sie gehemmt, aber noch lebendig sind. Die Innenseite der Zellmembran ist im Ruhezustand negativ geladen, und bei Sauerstoffmangel wird sie noch negativer. In diesem Zustand können die Zellen nicht mehr erregt werden.

Um die Hyperpolarisation aufrechtzuerhalten, benötigen die Zellen weiterhin Energie, die normalerweise aus Glukose und Sauerstoff gewonnen wird. Wenn diese Stoffe nicht mehr ausreichend vorhanden sind, können die Membranpumpen, die das Spannungsgefälle erzeugen, nicht mehr arbeiten. Nach einigen Minuten kommt es zu einer riesigen Depolarisationswelle, der sogenannten terminalen Spreading Depolarization, bei der sich die Nervenzellen nacheinander entladen. Diese Welle breitet sich mit einer Geschwindigkeit von etwa drei Millimetern pro Minute über das gesamte Gehirn aus und kann zum Absterben der Nervenzellen führen, wenn sie zu lange anhält.

Parallelen zur Migräne

Interessanterweise treten Depolarisationswellen nicht nur beim Sterben auf, sondern auch bei anderen neurologischen Ereignissen wie Schlaganfällen und Migräneauren. Bei einem Schlaganfall entsteht ein lokaler Energiemangel, der zu einer Spreading Depolarization führt. Bei einer Migräneaura breitet sich die Welle ebenfalls im Gehirn aus, verursacht aber in der Regel keine dauerhaften Schäden.

Lesen Sie auch: Was tun, wenn Nerven in den Beinen absterben?

Entzündungen und Nervenzelltod

Entzündliche Veränderungen im Gehirn spielen eine wesentliche Rolle bei neurodegenerativen Erkrankungen wie Parkinson. Das CD95-System, bestehend aus dem CD95-Liganden und dem Todesrezeptor CD95, trägt zum Nervensterben bei. Entzündungszellen nutzen diese Moleküle, um zum Ort der Schädigung zu gelangen und dort das Gewebe zu schädigen.

Periphere Entzündungszellen

Periphere Entzündungszellen des angeborenen Immunsystems sind ebenfalls am Nervenzelltod beteiligt. Sie können in das Gehirn einwandern und mit entzündungsfördernden Signalmolekülen das Nervensterben weiter anfeuern. Ein Teufelskreis entsteht, in dem wenige zugrunde gehende Nervenzellen Entzündungszellen anlocken, die wiederum das Nervensterben verstärken.

Neurologische Erkrankungen und Nervenzelltod

Das Absterben von Nervenzellen ist ein Kennzeichen vieler neurologischer Erkrankungen, darunter:

  • Parkinson-Krankheit: Der Verlust von Dopamin-produzierenden Nervenzellen in der Substantia nigra führt zu Bewegungsarmut, Starre und Zittern.
  • Alzheimer-Krankheit: Ablagerungen von Eiweißen im Gehirn und defekte Insulinrezeptoren können zum Absterben von Nervenzellen und zum Verlust von kognitiven Funktionen führen.
  • Amyotrophe Lateralsklerose (ALS): Eine fortschreitende Erkrankung des Nervensystems, bei der die für die Muskelbewegung zuständigen Nervenzellen zerstört werden, was zu Lähmungserscheinungen führt.
  • Spinale Muskelatrophie (SMA): Eine genetisch bedingte Erkrankung, bei der die Motoneurone im Rückenmark absterben, was zu Muskelschwäche und -schwund führt.
  • Multiple Sklerose (MS): Eine Autoimmunerkrankung, bei der die Hüllzellen der Axone angegriffen und zerstört werden, was die Impulsweiterleitung stört.
  • Spondylose: Verschleiß der Wirbelsäule, der zu Druck auf das Rückenmark und die versorgenden Blutgefäße führen kann, was zum Absterben von Nervenzellen führt.
  • Chemotherapie-induzierte periphere Neuropathie: Nervenschädigungen als Folge einer Behandlung mit Krebsmedikamenten, die zu Kribbeln, Brennen, Taubheitsgefühlen, Muskelschwäche oder Schmerzen führen können.

Ursachen und Risikofaktoren für das Absterben von Nervenzellen

Das Absterben von Nervenzellen kann durch verschiedene Faktoren verursacht oder begünstigt werden, darunter:

  • Sauerstoffmangel: Ein Herz-Kreislauf-Stillstand oder ein Schlaganfall können zu Sauerstoffmangel im Gehirn führen, was das Absterben von Nervenzellen zur Folge haben kann.
  • Entzündungen: Chronische Entzündungen im Gehirn können Nervenzellen schädigen und zum Absterben bringen.
  • Genetische Faktoren: Einige neurologische Erkrankungen, wie SMA und bestimmte Formen von Alzheimer, sind genetisch bedingt.
  • Stoffwechselstörungen: Diabetes und andere Stoffwechselstörungen können die Funktion der Nervenzellen beeinträchtigen und das Risiko für Neurodegeneration erhöhen.
  • Toxine: Gifte, Medikamente und Drogen können die Übertragung von Informationen an den Synapsen beeinträchtigen und Nervenzellen schädigen.
  • Autoimmunerkrankungen: Bei Autoimmunerkrankungen greift das Immunsystem Strukturen des eigenen Körpers an, einschließlich der Nervenzellen.
  • Alter: Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko für Neurodegeneration.
  • Äußere Einwirkungen: Außergewöhnliche Belastungen oder äußere Einwirkungen auf die Wirbelsäule können zu Spondylose und Nervenschäden führen.
  • Alkohol: Hoher Alkoholkonsum kann das Risiko für Neuropathie erhöhen.

Prävention und Behandlung

Obwohl das Absterben von Nervenzellen in vielen Fällen nicht vollständig verhindert werden kann, gibt es Maßnahmen, die das Risiko verringern und den Verlauf der Erkrankung beeinflussen können:

Lesen Sie auch: Diagnose und Behandlung von Nervensterben

  • Gesunder Lebensstil: Ein gesunder Lebensstil mit ausgewogener Ernährung, regelmäßiger Bewegung und ausreichend Schlaf kann die Gesundheit des Gehirns fördern und das Risiko für Neurodegeneration verringern.
  • Ergonomische Arbeitsplatzgestaltung: Eine ergonomische Gestaltung des Arbeitsplatzes kann die Wirbelsäule entlasten und das Risiko für Spondylose reduzieren.
  • Vermeidung von Toxinen: Der Kontakt mit Giften, Medikamenten und Drogen sollte vermieden werden.
  • Frühzeitige Behandlung von Begleiterkrankungen: Begleiterkrankungen wie Diabetes und Bluthochdruck sollten frühzeitig behandelt werden, um das Risiko für Neurodegeneration zu verringern.
  • Physiotherapie und Bewegungstraining: Physiotherapie und regelmäßiges Bewegungstraining können die Beweglichkeit verbessern und die Muskulatur stärken.
  • Medikamentöse Therapie: Medikamente können zur Linderung von Symptomen und zur Verlangsamung des Krankheitsverlaufs eingesetzt werden.
  • Gentherapie: Bei genetisch bedingten Erkrankungen wie SMA kann eine Gentherapie in einigen Fällen erfolgreich sein.
  • Rehabilitation: Eine Rehabilitation kann nach einer Operation oder bei konservativer Behandlung zur Verbesserung des Gesundheitszustands beitragen.

Forschung und zukünftige Perspektiven

Die Forschung zum Absterben von Nervenzellen ist ein aktives Gebiet, und es werden ständig neue Erkenntnisse gewonnen. Zukünftige Forschungsarbeiten könnten sich auf die Entwicklung von Medikamenten konzentrieren, die Nervenzellen schützen und das Fortschreiten neurodegenerativer Erkrankungen verlangsamen. Auch die Entwicklung von neuen Diagnosemethoden und Therapien für genetisch bedingte Erkrankungen steht im Fokus.

Lesen Sie auch: Diagnose von Schmerzen an der Außenseite des Knies

tags: #fub #nerven #sterben #ab