Fahrradtrainer bei Multipler Sklerose: Therapie und Möglichkeiten

Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, die vielfältige Bewegungseinschränkungen verursachen kann. Fahrradtrainer, insbesondere motorunterstützte, können eine wertvolle Ergänzung zur Therapie darstellen, um die Mobilität zu erhalten oder zu verbessern und die Lebensqualität zu steigern.

MOTOmed Bewegungstherapie: Ein anerkanntes Hilfsmittel

Die MOTOmed Bewegungstherapiegeräte sind im Hilfsmittelverzeichnis der gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland gelistet und können bei bestimmten Indikationen verordnungsfähig sein. Diese Geräte wurden für Menschen mit Bewegungseinschränkungen entwickelt und ergänzen physio-, ergo- und sporttherapeutische Maßnahmen. Sie sind besonders hilfreich bei Lähmungen oder Spastiken. Typische Indikationen sind Multiple Sklerose, Parkinson, Schädel-Hirn-Verletzungen, Muskelerkrankungen und spastische Lähmungen.

Voraussetzungen für die Kostenübernahme

MOTOmed Bewegungstherapiegeräte können nach §27 und §33 SGB V verordnet werden, wenn folgende Indikationen vorliegen:

  • Erhebliche bis vollständig ausgeprägte Schädigung der neuromuskuloskeletalen und bewegungsbezogenen Funktionen der oberen und unteren Extremität (Muskelkraft, -tonus, -ausdauer, -koordination, Funktionen der Willkürbewegungen, Bewegungsmuster).
  • Beeinträchtigung der Aktivitäten infolge einer Erkrankung des Gehirns (z. B. Multiple Sklerose, Trauma), des Rückenmarks (z. B. Querschnittssyndrome bei spinalen Tumoren, Trauma), der Nervenwurzeln (z. B. Bandscheibenvorfall) oder neuromuskulärer Erkrankungen (z. B. Muskeldystrophien).

Schritt für Schritt zum MOTOmed

  1. Information und Beratung: Das MOTOmed Team berät Sie, welches Gerät und welche Ausstattung optimal für Ihre Bedürfnisse sind. Unterstützung bei der Beratung mit Arzt, Therapeuten oder Krankenkasse ist möglich.
  2. Kostenloses Testen: Vor einer Kostenübernahme durch die Krankenkasse sollte eine Erprobung stattfinden. Ein Sanitätshaus stellt Ihnen das MOTOmed zur Verfügung.
  3. Verordnung durch den Arzt: Besprechen Sie die MOTOmed Bewegungstherapie mit Ihrem Arzt und berichten Sie über Fortschritte, die Sie bereits in der Erprobungsphase erzielt haben. Die Verordnung sollte eine medizinische Begründung enthalten, die die Notwendigkeit und den Therapieerfolg thematisiert.
  4. Erprobungsbericht: Ein Erprobungsbericht dokumentiert die Erfolge der Therapie und den Therapienutzen. Dieser wird gemeinsam mit Therapeuten erstellt.
  5. Antragstellung bei der Krankenkasse: Die Antragstellung und die Lieferung erfolgen über den Sanitätsfachhandel. Das Sanitätshaus reicht die Verordnung mit einem Kostenvoranschlag bei der Krankenkasse ein.
  6. Lieferung und Einweisung: Nach der Bewilligung erfolgt die Lieferung und die fachkundige Einweisung durch das Sanitätshaus.

MOTOmed Modelle und Hilfsmittel-Positionsnummern

Hier eine Auflistung von MOTOmed Modellen mit zugehörigen Hilfsmittel-Positionsnummern:

  • 32.29.01.0015 | MOTOmed loop.la | Bein- oder Arm-/Oberkörpertrainer
  • 32.29.01.0016 | MOTOmed loop light.la | Bein- oder Arm-/Oberkörpertrainer
  • 32.06.01.0017 | MOTOmed loop.l | Beintrainer
  • 32.06.01.0018 | MOTOmed loop light.l | Beintrainer
  • 32.10.01.0004 | MOTOmed loop.a | Arm-/Oberkörpertrainer
  • 32.29.01.0017 | MOTOmed loop kidz.la | Bein- oder Arm-/Oberkörpertrainer
  • 32.06.01.0019 | MOTOmed loop kidz.l | Beintrainer
  • 32.10.01.0006 | MOTOmed loop kidz.a | Arm-/Oberkörpertrainer
  • 32.06.01.0001 | MOTOmed gracile12 | für Kinder
  • 32.06.01.0011 | MOTOmed viva2 light | Beintrainer
  • 32.29.01.0008 | MOTOmed viva2 light | Bein- und Arm- / Oberkörpertrainer
  • 32.06.01.0007 | MOTOmed viva2 | Beintrainer
  • 32.29.01.0006 | MOTOmed viva2 | Bein- und Arm- / Oberkörpertrainer
  • 32.10.01.0001 | MOTOmed viva2 stativ | Arm- / Oberkörpertrainer

Die Hilfsmittel-Nummer auf dem Rezept sollte eindeutig zugeordnet sein, um das verordnete Modell klar zu kennzeichnen.

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Therapie-Modi

MOTOmed Geräte bieten verschiedene Therapie-Modi:

  • Passiv: Motorbetriebene Bewegung ohne Kraftaufwand zur Regulierung des Muskeltonus, zur Lockerung der Muskulatur und zur Frühmobilisation. Fördert die Durchblutung, die Verdauung und die Gelenkbeweglichkeit.
  • Assistiv: Motorunterstützte Bewegungstherapie mit der Funktion MOTOmed ServoTreten für einen leichten Übergang vom passiven zum aktiven Training. Fördert Kraft und Ausdauer schon bei geringsten Eigenkräften.
  • Aktiv: Aktives Training mit eigener Muskelkraft gegen fein dosierbare Bremswiderstände zur Kräftigung der Bein-, Arm- und Oberkörpermuskulatur und zur Stärkung des Herz-/Kreislaufsystems.
  • Aktiv/Passiv-Wechsel: Abwechselnde Belastungs- und Erholungsphasen durch aktives und passives Training für einen höheren Trainingsreiz und größeren Therapieerfolg.

Weitere Bewegungstrainer und Therapieansätze

Neben MOTOmed gibt es weitere Bewegungstrainer, die bei Multipler Sklerose eingesetzt werden können.

THERA-Trainer

THERA-Trainer bietet verschiedene Geräte für die Bewegungstherapie, darunter den THERA-Trainer bemo und den THERA-Trainer mobi.

  • THERA-Trainer bemo: Ein motorbetriebener Bewegungstrainer für aktives, assistives und passives Training in liegender Position. Besonders geeignet für die Frühmobilisation, z. B. auf der Intensivstation.
  • THERA-Trainer mobi: Ein kleiner, kompakter und leichter Fahrradtrainer für den Klinik- und Heimbereich. Ermöglicht das Training von Beinen und Oberkörper.

THERA-Trainer Geräte zeichnen sich durch innovative Rehabilitationstechnologien, zertifizierte Qualität und hohe Sicherheit aus. Sie können in Kombination mit der THERA-soft Software eingesetzt werden, die das Training durch Virtual-Reality-Elemente motivierend und unterhaltsam gestaltet.

Pedaltrainer

Pedaltrainer sind kompakte Geräte, die ähnlich wie ein Fahrrad-Heimtrainer funktionieren, aber nur aus den Pedalen bestehen. Sie können unter dem Schreibtisch oder vor dem Fernsehsessel platziert werden und ermöglichen ein nebenbei Training zur Stärkung der Muskulatur und zur Förderung der Durchblutung.

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Es gibt günstige Pedaltrainer mit einem Intensitätsband und teurere Modelle mit Magnetbremse, die einen effektiveren Widerstand bieten.

Angepasste Fahrräder

Für Menschen mit Multipler Sklerose, die Schwierigkeiten mit dem Gleichgewicht oder der Koordination haben, können angepasste Fahrräder eine Option sein.

  • Dreiräder: Bieten mehr Stabilität und sind geeignet, wenn Gleichgewichtsprobleme bestehen.
  • Tandems: Ermöglichen das gemeinsame Radfahren, auch wenn eine Person nicht mehr selbstständig fahren kann.
  • Duo-Fahrräder: Bei diesen Fahrrädern sitzen die Personen nebeneinander, wobei eine Person lenkt und bremst, während beide mittreten können.

Van Raam bietet eine Vielzahl von angepassten Fahrrädern an und ermöglicht Probefahrten mit Beratung durch technische Berater.

Weitere Aspekte

Bewegung und Autismus

Obwohl der Fokus hier auf Multipler Sklerose liegt, ist es wichtig zu erwähnen, dass auch Menschen mit Autismus von angepassten Fahrrädern profitieren können. Radfahren kann einen positiven Einfluss auf die sozialen Fähigkeiten und die Kommunikation haben.

Bedeutung der Frühmobilisation

Die neueste Forschung empfiehlt eine frühzeitige Mobilisation vom ersten Tag an. Geräte wie der THERA-Trainer bemo ermöglichen es, Patienten noch im Bett effizient in Bewegung zu bringen.

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