Migräne: Ursachen, Auslöser und Was wirklich hilft

Migräne ist mehr als nur ein Kopfschmerz. Es ist eine komplexe neurologische Erkrankung, die das Leben der Betroffenen stark beeinträchtigen kann. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Auslöser und Behandlungsmöglichkeiten von Migräne, um ein besseres Verständnis dieser Erkrankung zu ermöglichen.

Migräne verstehen

Migräne ist unberechenbar und individuell. Experten unterscheiden zwischen ca. 300 verschiedenen Kopfschmerzarten, wobei Migräne eine davon ist. Sie ist eine neurologische Erkrankung, die mit intensiven, meist einseitigen Kopfschmerzen einhergeht. Doch Migräne bedeutet oft auch Übelkeit, Erbrechen und extreme Empfindlichkeit gegenüber Licht, Lärm und Gerüchen. Eines ist jedenfalls sicher: Migräne kann den Alltag massiv beeinträchtigen. Damit die Symptome als Migräne klassifiziert werden, müssen sie mindestens fünfmal aufgetreten sein.

Was passiert im Körper bei Migräne?

Der Prozess, der die Migränesymptome auslöst, beginnt unter anderem in den Nervenzellen. Diese produzieren in bestimmten Situationen eine Überdosis von Botenstoffen - zum Beispiel Serotonin, die die Blutgefäße verengen und Entzündungsprozesse hemmen. Der Körper versucht nun, die Überdosis an Botenstoffen abzubauen - jedoch so stark, dass nur noch wenig Serotonin übrigbleibt. Das führt zu einer Weitung der Hirnhautgefäße; sie werden durchlässig für gewebefeindliche Stoffe. An den Gefäßen entstehen kleine Entzündungen. Gleichzeitig kann es durch die zunächst starke Anregung der Nervenzellen, gefolgt von einer Deaktivierung, zu einer Störung der Elektrolytkonzentration kommen. Insgesamt kommt es so zur Migräne. Die Betroffenen nehmen als Symptom dieses Vorgangs den typisch pochenden Kopfschmerz wahr, der meist von zusätzlichen Beschwerden wie Übelkeit begleitet wird.

Früher gingen Wissenschaftler von einer Fehlsteuerung der Blutgefäße im Gehirn aus. Demnach verengen sich kurz vor einer Migräneattacke die Blutgefäße, weswegen die betroffene Hirnregion schlechter durchblutet wird. In einer überschießenden Gegenreaktion erweitern sich anschließend die Blutgefäße. Diese Gefäßdehnung verursacht dann die migränetypischen Schmerzen. Nach aktuellen Untersuchungen ist das Geschehen vermutlich auf eine Störung des Gleichgewichtszustandes von Schmerzzentren im Hirnstamm zurückzuführen. Mit Hilfe spezieller bildgebender Verfahren (Positronenemissions-Tomografie) konnte nachgewiesen werden, dass im Gehirn ein Bereich - das so genannte Migräne-Zentrum im Hirnstamm (periaquäduktales Grau) - aktiviert und verstärkt durchblutet wird. Dieses „Migräne-Zentrum“ reagiert über-empfindlich auf Reize.

Zwischen den Blutgefäßen des Gehirns und den Nervenzellen des Gesichtsnervs (Nervus trigeminus) besteht eine wichtige Verflechtung. Feinste Verästelungen des Trigeminus-nervs befinden sich in den Wänden aller Blutgefäße im Gehirn. Die Überaktivität der Nervenzellen im Hirnstamm führt dazu, dass die (C-)Fasern des Trigeminusnervs Schmerz-signale an das Gehirn senden (über den trigemino-thalamischen Trakt). Dies hat auch eine vermehrte Ausschüttung so genannter Botenstoffe (vasoaktive Neuropeptide) zur Folge, die eine Dehnung der Blutgefäße bewirken und die Gefäßwände für Blutflüssigkeit durchgängig machen (Extravasation) und bestimmte Blutbestandteile (z.B. entzündliche Eiweißstoffe) freisetzen. Es kommt zu einer Aufschwemmung und einer Art Entzündung des Hirngewebes und der Hirnhäute. Diese so genannte neurogene Entzündung verursacht wiederum Schmerzimpulse, welche ausstrahlen und den Migränekopfschmerz bewirken.

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Die Botenstoffe des Gehirns (Neurotransmitter) sind chemische Substanzen, die u.a. Nervensignale weiterleiten, die Ausdehnung oder Verengung der Blutgefäße steuern und Schmerzsignale auslösen. Von allen Botenstoffen spielt das Serotonin bei der Entstehung der Migräne eine besondere Rolle. Die Konzentration von Serotonin im Blut schwankt mit dem weiblichen Zyklus. Dies erklärt u.a. das Auftreten von Migräneattacken während des Zyklus.

Migräne-Anfälle: Ursachen und Formen

Leider sind die Ursachen für Migräne und akut auftretende Migräne-Anfälle noch nicht vollständig aufgeklärt. Die Wissenschaft vermutet jedoch, dass bei häufigen Migräneattacken genetische Faktoren eine Rolle spielen. Neueste medizinische Untersuchungen weisen zusätzlich darauf hin, dass ein Ungleichgewicht von neuronalen Botenstoffen im Gehirn ein Auslöser für Migräne sein könnte.

Ursachen Migräne mit Aura

Wenn Sie von einer Migräne mit Aura betroffen sind, können Sie während einer Migräneattacke an verschiedenen Seh-, Gefühls- und sogar Sprachstörungen leiden. Menschen mit Migräne haben häufig eine Überempfindlichkeit der Nervenzellen in der Hirnrinde. Bei Migräne mit Aura wird zusätzlich oft eine verminderte Durchblutung in bestimmten Hirnregionen festgestellt. Daher wird angenommen, dass ein Sauerstoffmangel in den betroffenen Hirnarealen für die Migräne mit Aura verantwortlich sein könnte.

Weitere Migräneformen

Man kann zwischen mehreren Migräneformen unterscheiden:

  • Einfache Migräne oder auch Migräne ohne Aura
  • Klassische Migräne oder auch Migräne mit Aura
  • Komplizierte Migräne oder auch Migraine accompagnée

Die zwei häufigsten Formen sind Migräne ohne und Migräne mit Aura. Zudem lassen sich folgende Unterformen unterscheiden:

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  • Migräne der Augen (auch okulare Migräne genannt): Eine Form der Migräne, die Sehstörungen wie Flimmern, Lichtblitze oder vorübergehenden Sehverlust verursacht, oft ohne Kopfschmerzen.
  • Menstruelle Migräne: Migräne, die in direktem Zusammenhang mit dem Menstruationszyklus steht, oft kurz vor oder während der Menstruation auftritt.
  • Abdominelle Migräne: Eine Migräneform, die hauptsächlich bei Kindern auftritt und durch wiederkehrende Bauchschmerzen und Übelkeit gekennzeichnet ist, oft ohne Kopfschmerzen.
  • Hemiplegische Migräne: Eine seltene und schwere Form der Migräne, die vorübergehende Lähmungen auf einer Körperseite (Hemiplegie) verursachen kann.
  • Migräne mit Hirnstammaura (früher als basilaris Migräne bekannt): Eine seltene Form der Migräne, bei der Symptome wie Schwindel, Sprachstörungen, Doppelbilder und Bewusstseinsveränderungen auftreten, die auf den Hirnstamm zurückzuführen sind.
  • Vestibuläre Migräne: Eine Migräneform, bei der Schwindel und Gleichgewichtsstörungen die Hauptsymptome sind, oft begleitet von den klassischen Migränekopfschmerzen.

Migräne-Auslöser: Woher kommt meine Migräne?

Die genaue Ursache für einen Migräneanfall hängt in der Regel von mehreren Faktoren ab und kann sich deshalb auch in den Migräne-Symptomen unterscheiden. Auch welche Migräne-Auslöser oder Triggerfaktoren zu den starken Kopfschmerzen führen, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Deshalb sollten immer Ihre persönlichen Lebensumstände bei der Migräne Diagnose berücksichtigt werden.

Häufige Triggerfaktoren für Migräne

Keine Migräne gleicht der anderen. Betroffene beschreiben deshalb häufig vollkommen unterschiedliche Trigger als Ursache für ihre Migräne. Oft besteht jedoch ein Zusammenhang mit einer plötzlichen Änderung der regulären Lebensgewohnheiten. Wenn man sich seiner persönlichen Migräne-Auslöser bewusst ist, kann einem diese Information dabei helfen, schneller auf eine Migräne zu reagieren. Im besten Fall kann dadurch sogar ein Migräneanfall verhindert, oder aber das Auftreten von Migräneattacken deutlich reduziert werden.

Migräne-Auslöser auf einen Blick

  • Veränderungen des Schlaf-Wach-Rhythmus (z. B. am Wochenende)
  • Ernährung
  • Stress
  • Saunabesuch
  • Wetterwechsel
  • Hormonelle Schwankungen, insbesondere während der Menstruation
  • Einnahme von Hormonpräparaten (z. B. die Pille)
  • Psychische Belastung

Migräne-Auslöser: Psyche

Neben einer genetischen Disposition sind vor allem Stress und psychischer Druck die Hauptursache für Migräne. Kreisende Gedanken, Sorgen oder Ängste überfordern Körper und Geist und zeigen sich in Form von Anspannung und Kopfschmerz. In diesem Sinne ist das Auftreten von Migräne ein klares Warnsignal des Körpers mehr auf Ihre Bedürfnisse zu achten. Um Migräne-Anfälle zu verringern, ist es deshalb wichtig vermehrt auf Ihr Wohlbefinden Rücksicht zu nehmen und Ruhemomente im Leben zu schaffen, in denen Sie Stress abbauen und neue Energie und Kraft auftanken können. Achtsamkeitstraining, Entspannungsübungen und Yoga können zu einem Rückgang von Migräneattacken beitragen.

Migräne-Auslöser: Ernährung

Auch Ernährungsgewohnheiten und Veränderungen davon, können Migräneattacken auslösen. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Unregelmäßige Nahrungsaufnahme
  • Alkoholkonsum, insbesondere Rotwein
  • Kaffee
  • Lebensmittelzusätze
  • Diverse Nahrungsmittel wie z. B. Käse, Schokolade, Nüsse sowie Gewürze
  • Zu wenig Wasser - 2L pro Tag sind empfohlen

Diese Faktoren sind jedoch von Patient zu Patient verschieden und müssen daher immer individuell betrachtet werden.

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Weitere Trigger

Bestimmte innere und äußere Faktoren, so genannte Trigger, können bei entsprechender Veranlagung eine Migräne begünstigen. Jeder Migräne-Patient kann durch Selbstbeobachtung und konsequente Führung eines Kopfschmerz-Tagebuchs/Kalenders seine verschiedenen, persönlichen Auslöser ermitteln:

  • Wechselnder Schlaf-Wach-Rhythmus (z.B. zu viel oder zu wenig Schlaf)
  • Unregelmäßigkeiten im Tagesablauf - Unterzuckerung/Hungerzustand (z.B. aufgrund des Auslassens von Mahlzeiten)
  • Hormonveränderungen, z.B. während des Zyklus (Eisprung oder Menstruation) bzw. aufgrund der Einnahme von Hormonpräparaten (z.B. Anti-Baby-Pille, bei Beschwerden der Wechseljahre oder zur Osteoporose-Vorsorge)
  • Stress in Form körperlicher oder seelischer Belastungen - Migräne tritt meist in der Entspannungsphase danach auf
  • Verqualmte Räume
  • Bestimmte Nahrungsmittel - z.B. Schokolade, Käse, Zitrusfrüchte, Alkohol (Rotwein!)
  • Äußere Reize wie (Flacker)Licht, Lärm oder Gerüche
  • Wetter- und Höhenveränderungen (Föhn, Kälte etc.)
  • Starke Emotionen, z.B. ausgeprägte Freude, tiefe Trauer, heftige Schreckreaktion, Angst
  • evtl. Medikamente

Symptome der Migräne

Anders als beispielsweise bei Spannungskopfschmerzen tut bei einer Migräne nicht nur der Kopf weh. Die Symptome der Migräne sind vielfältig, betreffen den ganzen Körper und schränken Betroffene oft stark ein. Die häufigsten Begleitsymptome sind Übelkeit und Erbrechen. Fast alle Migränikerinnen und Migräniker berichten, dass ihnen während und oft schon vor Migräneattacken übel ist. Viele Betroffene übergeben sich auch aufgrund der Migräne. Hinzu kommt oft auch völlige Appetitlosigkeit. Auch verschiedene Formen von Hypersensibilität sind nicht selten. Ob Licht, laute Geräusche oder sogar Gerüche - im Zusammenhang mit Migräne sind Erkrankte oft besonders empfindlich gegenüber solchen Reizen. Daraus resultiert meist das Bedürfnis, sich in einen dunklen, stillen Raum zurückzuziehen. Die Kopfschmerzen selbst sind bei der Migräne ebenfalls sehr charakteristisch. In den meisten Fällen beginnt der Schmerz im Nacken und wandert von dort über die Schläfen bis zu den Augen. Häufig ist dieses Areal nur auf einer Seite betroffen, aber auch bilaterale Migräne kann auftreten. Dabei fühlen sich die Schmerzen pulsierend, hämmernd oder pochend an. Ebenfalls typisch ist, dass schon geringe körperliche Aktivität die Schmerzen verschlimmert.

Anzeichen auf Migräne: die Aura

Nicht immer tritt Migräne ganz aus dem Nichts auf. Etwa 10 bis 15 % der Betroffenen merken durch eine sogenannte Aura bereits im Voraus, dass sich eine Migräneattacke ankündigt. Auch hier gibt es eine Reihe von Symptomen, die klassisch für eine solche Migräneaura sind. Obwohl es Migränekranken nicht immer klar ist, läuft eine Migräne mit Aura meist in fünf Phasen ab:

  1. Stunden oder sogar Tage vor der Attacke tritt Müdigkeit und manchmal Blässe ein. Gepaart sind diese Symptome teils mit Heißhunger, Übelkeit und Konzentrationsstörungen.
  2. Kurz vor Beginn der Kopfschmerzen kommen die bewusst wahrgenommenen Aura-Symptome hinzu: Sehstörungen (meist in Form eines Flimmerns, verschwommenen Sehens, Lichtblitzen, Zickzacklinien oder Gesichtsfeldeinschränkungen), Missempfindungen wie Kribbeln oder Taubheit in Armen und Beinen, seltener Sprachstörungen.
  3. Die Kopfschmerzphase ist der Teil der Migräneattacke, die auch Betroffene ohne Aura durchleiden.
  4. Nach den Kopfschmerzen folgt die Auflösungsphase, in der sich oft Symptome zeigen, die der Anfangsphase konträr gegenüberstehen. Während die Kopfschmerzen abnehmen, setzt beispielsweise völlige Appetitlosigkeit ein.
  5. Zuletzt kommt die Erholungsphase, in der keine Symptome mehr vorhanden sind, die Betroffenen aber brauchen, um sich von der Erschöpfung der Attacke zu regenerieren.

Dauer und Häufigkeit von Migräne

Die Einteilung in verschiedene Phasen gibt auch Aufschluss darüber, wie lange Migräne anhält. Während die ersten Vorbotensymptome bereits Tage vor der Attacke auftreten können, dauert die bewusste Aura der Migräne mit Symptomen an den Augen etwa fünf bis 30 Minuten, in Ausnahmefällen bis zu einer Stunde. Die Migräne-Dauer, also die alles entscheidende Schmerzphase, kann deutlich länger sein und variiert stark. Ohne Behandlung halten die heftigen Kopfschmerzen für mindestens vier Stunden an und können sogar für bis zu drei Tage andauern. Da Migränikerinnen und Migräniker in dieser Zeit meist nicht am Alltag teilnehmen können, stellt die Erkrankung eine große Einschränkung für das Leben Betroffener dar. Auch die folgenden zwei Tage können noch an die Migräne „verloren gehen“ - denn so lange dauert mitunter die Erholungsphase der Erkrankten. Die Dauer eines Migräneanfalls liegt also insgesamt bei maximal einer Woche - wobei nur drei Tage davon mit Schmerzen einhergehen. In den allermeisten Fällen haben Betroffene mehr schmerzfreie Tage als Tage mit Migräne. Wie oft im Monat Migräne auftritt, ist von Person zu Person verschieden, eine tatsächliche Dauer-Migräne gibt es aber nicht. In vereinzelten Fällen kann die Erkrankung allerdings chronisch werden - die Erkrankten haben dann für mindestens zwei Wochen pro Monat Schmerzen, und zwar über mehrere Monate hinweg.

Was hilft bei Migräne?

Auch wenn Migränekopfschmerzen nur sporadisch auftreten, sind die heftigen Schmerzen, die Begleitsymptome und die lange Ausfalldauer für Betroffene extrem belastend. Leider ist eine Migräne - auch aufgrund der unklaren Entstehungsmechanismen - aktuell nicht heilbar. Zum Glück lassen sich aber immerhin die Symptome gut behandeln. Bei Verdacht auf eine Migräne, beziehungsweise auch nach Sicherung der Diagnose, sollten Sie sich zunächst in einer ärztlichen Praxis beraten lassen. Die Therapiemethoden sind vielfältig und für verschiedene Menschen eignen sich oft unterschiedliche Ansätze - von Medikation über Prävention bis hin zu Hausmitteln hilft bei Migräne vieles.

Medikamentöse Behandlung

Grundsätzlich unterscheidet sich die Behandlung der Kopfschmerzen als Hauptsymptom der Migräne nicht unbedingt von anderen Kopfschmerzarten wie Cluster-Kopfschmerzen. Auch hier eignen sich daher Schmerzmittel wie die Aspirin®-Produkte mit dem Wirkstoff Acetylsalicylsäure (ASS). Als passende Dosis gelten 900 bis 1000 mg, also zwei Tabletten à 500 mg. Ebenso ratsam sind Präparate, in denen neben schmerzstillenden Wirkstoffen auch Koffein enthalten ist. Die Substanz hat selbst eine schmerzlindernde Wirkung und sorgt dafür, dass der Wirkstoff ASS schneller wirken kann. Aspirin® Coffein kombiniert beide Wirkstoffe und sorgt bei Migräne für akute Hilfe. Da Migränikerinnen und Migräniker oft nicht nur unter den Kopfschmerzen selbst leiden, sondern vor allem auch die Übelkeit schwer erträglich ist, können auch Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen zum Einsatz kommen. Bei besonders heftigen Migräneattacken sind einfache Schmerzmittel nicht immer ausreichend wirksam. Dann können sogenannte Triptane Abhilfe schaffen. Auch diese Medikamente wirken als Akutbehandlung der Kopfschmerzen bei Migräneanfällen schmerzlindernd und können, wenn nötig, mit anderen Arzneimitteln zusammen eingenommen werden. Notwendig ist eine Behandlung mit Triptanen vor allem dann, wenn andere Schmerzmittel keine Wirkung zeigen. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass sie an höchstens zehn Tagen im Monat eingenommen werden dürfen, da sie sonst Kopfschmerzen durch Schmerzmittel-Übergebrauch verursachen können.

Wirksame Medikamente zur Therapie mittelschwerer bis schwerer Migräneattacken sind die Triptane. Diese spezifischen Migränemedikamente wirken auf Rezeptoren der geweiteten Blutgefäße im Gehirn, die sich daraufhin wieder verengen. Außerdem verhindern sie die Aktivierung entzündungsauslösender Eiweißstoffe. Triptane mit den Wirkstoffen Almotriptan, Naratriptan und Sumatriptan gibt es als Tabletten in kleiner Packung rezeptfrei in der Apotheke. Voraussetzung: Die Migräneerkrankung wurde ärztlich bestätigt. Größere Packungen sowie die Wirkstoffe Eletriptan, Frovatriptan, Rizatriptan und Zolmitriptan gibt es nur auf Rezept. Triptane dürfen bei bestimmten Vorerkrankungen - wie zum Beispiel nach Herzinfarkten und Schlaganfällen - theoretisch nicht eingesetzt werden und es gibt mögliche Nebenwirkungen wie Schwindel, Müdigkeit oder Engegefühle in der Brust. Doch ihr Nutzen überwiegt in den meisten Fällen die Nebenwirkungen. Allerdings ist darauf zu achten, dass 20 Tage im Monat komplett frei von der Einnahme von Schmerz- und Migränemitteln bleiben.

Wenn eine Patientin oder ein Patient an vier oder mehr Tagen im Monat Migräne hat oder wenn die Behandlung mit Triptanen keine ausreichende Besserung von Anfällen bietet, gibt es die Möglichkeit, die Migräne vorbeugend zu behandeln. Zur Prophylaxe mit Tabletten kommen unter anderem Betablocker, Antidepressiva oder Mittel gegen Epilepsie infrage. Bevor moderne Antikörper zur Migräneprophylaxe verschrieben werden können, muss mindestens eine der Tablettentherapien versucht werden, manchmal auch mehrere. Migräne-Antikörper werden alle vier Wochen unter die Haut gespritzt und richten sich gegen CGRP - das steht für Calcitonin Gene-Related-Peptide, ein Molekül, das an der Entstehung von Migräneattacken beteiligt ist. Eine neue Wirkstoffgruppe, die sogenannten Gepante, sollen verhindern, dass sich überhaupt CGRP-Proteine bilden. Sie sollen nicht nur vorbeugend wirken, sondern auch bei akuten Migräneattacken.

Vorbeugung von Migräne

Ähnlich wie bei vielen anderen Schmerzerkrankungen ist auch bei der Migräne Prävention möglich. Mit den richtigen Gewohnheiten oder der Einnahme von Medikamenten können Sie also aktiv dazu beitragen, seltener Migräneattacken zu bekommen. Welche Maßnahmen helfen können, hängt vor allem von den Migräne-Ursachen ab, die - wie beschrieben - sehr individuell sein können.

So können Sie schwere Attacken reduzieren:

  • Auf einen regelmäßigen Schlafrhythmus achten
  • Stress, Alkohol und Flüssigkeitsmangel möglichst vermeiden
  • Regelmäßig essen
  • Auf schnelle Wechsel von An- zu Entspannung verzichten
  • Bewusste Pausen einplanen

Insbesondere bei chronischen Beschwerden mit mehr als drei Migräneanfällen pro Monat ist es auch möglich, präventive Medikamente einzunehmen. Häufig angewendete Mittel sind hierbei Betablocker oder bestimmte Antidepressiva. Eine solche medikamentöse Vorbeugung müssen Sie unbedingt bei einem Besuch in einer ärztlichen Praxis besprechen und begleiten lassen. Ebenfalls gut zu wissen: Die Prophylaxe wirkt nur bei regelmäßiger Einnahme und braucht etwa zwei Monate, bis sie anschlägt.

Patientinnen und Patienten können anhand eines Anfallstagebuchs Schlüsse ziehen, wodurch ihre Migräne entsteht. Davon ausgehend können sie ggf. ihren Lebensstil verändern und dadurch langfristig Migräneanfälle senken. Zudem gibt es psychotherapeutische Verfahren, bei denen Betroffene lernen, mit ihrer Migräne besser umgehen zu können. Neben einer psychotherapeutischen Verhaltenstherapie, Ausdauersport und Akkupunktur können Medikamente einer Migräne vorbeugen. Zudem sollten Migräneauslöser möglichst vermieden werden. Eine medikamentöse Vorbeugung kann zwar die Erkrankung nicht völlig verhindern, doch sie kann die Häufigkeit, Dauer und Intensität der Migräne mindern.

Diese Behandlung zur Prophylaxe ist für Patientinnen und Patienten sinnvoll, wenn:

  • die bisherige Behandlung der migränösen Attacken zu keinem befriedigenden Ergebnis geführt hat
  • sie pro Monat unter mehr als drei Migräneanfällen leiden
  • keine oder kaum Verträglichkeit für die Medikamente gegen Migräne besteht
  • die Migräneanfälle häufiger auftreten
  • sie mehr als zehn Tage pro Monat Schmerz- oder Migränemittel einnehmen
  • die Migräne das alltägliche Leben stark einschränkt
  • es nach einer Migräne zu neurologischen Migränekomplikationen und Störungen kommt, die mehr als sieben Tage andauern.

Vorbeugend können Medikamente wie Betablocker, Flunarizin, Antiepileptika oder Topiramat verwendet werden. Um auf natürliche Weise einer Migräne vorzubeugen, sollten Betroffene die Ursachen für die anfallsartigen, migränösen Kopfschmerzen kennen und diese möglichst vermeiden. Hilfreich ist daher ein regelmäßiger Schlafrhythmus, die Einhaltung fester Mahlzeiten sowie das Meiden von lauten Geräuschen oder hellem Licht.

Verhaltenstherapeutische Verfahren und Entspannungsübungen können einzeln oder auch ergänzend zur medikamentösen Prophylaxe eingesetzt werden.

Leiden Patientinnen und Patienten unter mehr als drei Migräneattacken im Monat, gibt es folgende Möglichkeiten der Migränetherapie und -prophylaxe:

  • Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson (PMR): Hierbei lernen Betroffene in Form von Fantasiereisen einzelne Muskelbereiche an- und zu entspannen, was auch für Kinder gut geeignet ist.
  • Kognitiv-behaviorales Schmerzbewältigungstraining (Stressmanagement): Patientinnen und Patienten lernen, sich mit möglichen Stressfaktoren des Alltags und Berufs im Zusammenhang mit ihren kognitiven Prozessen auseinanderzusetzen und entwickeln Strategien zur Stressbewältigung.
  • Biofeedback-Therapie: Bei dieser Methode werden biologische Signale wie etwa der Blutdruck in sicht- oder hörbare Signale umgewandelt, sodass Betroffenen diese bewusst werden. Dabei lernen sie, die Weite ihrer Blutgefäße der Kopfhaut bewusst zu beeinflussen und so die Kopfschmerzen zu lindern.

Akute Hilfe bei Migräne

Manchmal ist es trotz gesundem Lebensstil und vorbeugenden Maßnahmen zu spät und der Anfall ist da. Was hilft bei akuter Migräne? Diese Tipps sind häufig eine Hilfe bei Migräne:

  • Ruhe und Dunkelheit: Migränebetroffene leiden während eines Anfalls oft unter Überempfindlichkeit. Vielen hilft es, sich dann in einen abgedunkelten, stillen Raum zurückzuziehen.
  • Kühlung: Wie auch bei anderen Kopfschmerzarten ist ein feuchtes Tuch oder eine kühle Auflage häufig eine akute Hilfe bei Migräne.
  • Stimulation des Nervus trigeminus: Mithilfe eines speziellen Geräts, das auf die Stirn geklebt wird, kann der für Schmerz verantwortliche Nerv des Gesichts stimuliert werden, was die Schmerzen lindert.

Die schnellste Linderung von Migränekopfschmerzen ist allerdings durch die gezielte Einnahme von Schmerzmedikamenten zu erreichen. Die oben genannten Tipps können zusätzlich für Besserung sorgen.

Migräne und die Halswirbelsäule

Immer mehr Menschen sitzen arbeitsbedingt länger vor dem Computer und leiden an Nackenverspannungen. Und diese werden häufig für Migräne und andere Kopfschmerzarten verantwortlich gemacht, vor allem, wenn sie sich vom Nacken in Richtung der Augen ausbreiten. Aber können Störungen der Halswirbelsäule tatsächlich Kopfschmerzen oder Migräne hervorrufen?

Diese Frage wird in der Medizin kontrovers diskutiert. Orthopäden vertreten oft die Meinung, dass Blockaden in der Halswirbelsäule zervikogene Kopfschmerzen - also Kopfschmerzen, die vom Nacken ausgehen - auslösen können. Dafür spricht beispielsweise auch, dass eine Physiotherapie bei einigen Patienten eine vorübergehende Besserung der Beschwerden erzielen kann. Was die Migräne anbelangt, so konnte eine Studie mittlerweile nachweisen, dass Menschen mit Veränderungen der Halswirbelsäule häufiger an Migräne leiden. Jedoch spielen Nackenschmerzen als Migräne-Trigger eher eine untergeordnete Rolle. Trotzdem sind viele Menschen davon überzeugt, dass Halswirbelsäulen-Blockaden Migräne auslösen.

Fazit: Beim Thema Halswirbelsäule und Migräne besteht noch viel Forschungs- und Diskussionsbedarf.

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