Fynn Born, ein 13-jähriger Junge aus Castrop-Rauxel, hat in den letzten Jahren einen unerbittlichen Kampf gegen einen Hirntumor geführt. Trotz der schweren Diagnose und der damit verbundenen Herausforderungen hat er seinen Lebensmut und seinen Humor nie verloren. Seine Erfahrungen und Gedanken hat er in einem Buch mit dem Titel „Wie ich mich zurück ins Leben gekämpft habe“ festgehalten, das nicht nur seine eigene Geschichte erzählt, sondern auch anderen Krebspatienten Mut machen soll.
Die Diagnose und der Beginn eines langen Kampfes
Im November 2018 erhielt Fynn die niederschmetternde Diagnose: Hirntumor. Für den damals zehnjährigen Jungen und seine Familie begann eine Zeit voller Ungewissheit, Behandlungen und Hoffnungen. Die ersten Anzeichen waren unspezifisch: Kopfschmerzen und Übelkeit. Ein Arztbesuch brachte zunächst keine Klarheit, doch als die Beschwerden schlimmer wurden, suchten die Borns die Kinderklinik auf.
Dort bestätigte Prof. Dr. Schneider die Befürchtungen: Ein Keimzelltumor, etwa von der Größe eines Tischtennisballs, hatte sich in Fynns Kopf eingenistet und verursachte durch den Hirndruck die Schmerzen. Es folgten Operationen, Chemotherapien und Bestrahlungen. Im Frühjahr 2019 schien der Krebs besiegt, doch die Freude währte nicht lange.
Der Rückfall und die Erkenntnis der Unheilbarkeit
Wenige Wochen später kehrten die Kopfschmerzen zurück. Ein Kontroll-MRT zeigte das bittere Ergebnis: Der Tumor war wieder da, sogar an mehreren Stellen im Kopf. Die Ärzte gaben Fynn nur noch eine geringe Heilungschance von 20 Prozent. Doch Fynn weigerte sich, aufzugeben.
Er unterzog sich einer Spezial-Chemo, lag zeitweise im Koma und kämpfte gegen eine Herzmuskelentzündung. Trotz weiterer Therapien, einschließlich einer Stammzellentherapie, kehrte der Tumor immer wieder zurück. Im Juni 2020 erhielten Fynn und seine Familie die endgültige Nachricht: Der Tumor ist unheilbar.
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Das Buch als Ventil und Mutmacher
Trotz der aussichtslosen Situation verlor Fynn nie seinen Lebensmut. Er begann, seine Erfahrungen und Gedanken in einem Buch festzuhalten. „Ja, das Schreiben hat mir geholfen“, sagt Fynn. „Weil ich meine Angst aufschreiben konnte und auch den Humor.“
In seinem Buch erzählt er von den Höhen und Tiefen seiner Behandlung, von den Momenten der Angst und Verzweiflung, aber auch von den schönen Erlebnissen, die er trotz seiner Krankheit hatte. Er berichtet von Familienausflügen, Besuchen von BVB-Spielern und dem Spaß mit dem Klinik-Clown.
Fynns Mutter, Heike Born, erinnert sich: „Man hat Fynn nur noch schreibend gesehen. Egal, wo wir waren, er hat alles festgehalten, seine Eindrücke, seine Gedanken und Gefühle.“ Dabei habe er sich stets auf das Positive konzentriert. „Natürlich hat er auch von dem ‚Kacktumor‘ gesprochen und davon, dass die Therapien mitunter nicht angenehm waren. Aber seine Freude, z.B. auf einen Familienausflug nach dem Behandlungstermin, hat immer überwogen und das spiegelt das Buch wider.“
Sein Stiefvater, Simon Schröder, unterstützte ihn beim Layout des Buches, das mit zahlreichen Fotos aus Fynns Leben und seinem Kampf gegen den Krebs illustriert ist.
„Wie ich mich zurück ins Leben gekämpft habe“ - Ein Vermächtnis auf 58 Seiten
Das Buch mit dem Titel „Wie ich mich zurück ins Leben gekämpft habe“ umfasst 58 Seiten und ist im Eigenverlag erschienen. Oma und Mama haben 1000 Euro in die Hand genommen, um es zunächst im Eigenverlag zu drucken. Erst 100 Exemplare, die sie verschenkten und dabei Spenden für die Kinderkrebsklinik Dortmund erbaten. Inzwischen ist die Auflage bei 500, man kann nun aber bei einem Verlag Bestellungen aufgeben. So viele Menschen wollten dieses Buch haben. Erhältlich ist das Buch über den Buchladen „Castroper Leselust“ in Castrop-Rauxel. Von dort aus wird es auch verschickt. Der Erlös fließt in Spenden.
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Fynn will mit dem Buch anderen Mut machen, nicht aufzugeben. Schon 500 Exemplare hat er inzwischen verkauft. Zugleich ruft er auf, Betroffene zu unterstützen. Und der 13-Jährige geht mit gutem Beispiel voran. Nach einem Spendenaufruf für die Kinderkrebsstation des Klinikums hat Fynn die Summe aus dem ersten Erlös seines Buchverkaufs auf 7.000 Euro aufgestockt.
Der Titel des Buches ist Programm: „Auch, wenn der Tumor nicht behandelbar ist, macht Fynn stets das Beste daraus und zeigt damit allen anderen: Er hat sich zurück ins Leben gekämpft.“
Spenden für den guten Zweck
Fynn Born hat bereits einen beträchtlichen Betrag an verschiedene Organisationen gespendet, die sich um krebskranke Kinder kümmern. So überreichte er dem Team der Kinderkrebsstation K41 im Klinikum Dortmund 7.000 Euro, dem Spezialisierten Ambulanten PalliativVersorgungs-Team (SAPV) des Kinderpalliativzentrums Datteln 4.000 Euro und seiner Reittherapeutin Michelle Bartel ebenfalls 4.000 Euro.
Mit dem Erlös aus seinem Buch möchte Fynn weiterhin Spenden sammeln und anderen Betroffenen helfen. Sein Engagement ist beeindruckend und zeigt, dass man auch in schwierigen Situationen etwas Positives bewirken kann.
Unterstützung durch Ärzte und Hospizdienste
Fynn wird von einem engagierten Ärzteteam um Prof. Dr. med. Dominik Schneider, dem Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin in Dortmund, und den Oberärzten Dr. med. Benedikt Bernbeck und M. Westkemper betreut. Sie sorgen für die bestmögliche medizinische Versorgung, auch jetzt, da Fynn keine Therapiemöglichkeiten mehr bleiben.
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Zusätzlich wird Fynn von einem regionalen ambulanten Kinderhospizdienst begleitet. Diese Unterstützung ist für viele Familien lebensverkürzend erkrankter Kinder unerlässlich, doch leider haben nicht alle Kinder in Deutschland Zugang zu solchen Angeboten. Von aktuell rund 50.000 lebensverkürzend erkrankten Kindern werden derzeit gerade einmal nur etwa 3.600 Mädchen und Jungen - also nur 7,2 Prozent - durch einen Dienst begleitet. Ganze Regionen sind aufgrund fehlender Angebote verwaist. Die meisten Familien müssen mit der tragischen Situation ohne Begleitung durch einen Hospizdienst zurechtkommen.