Das Gangbild bei Parkinson: Symptome, Diagnose und Therapie

Morbus Parkinson ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die sich durch vielfältige Symptome äußert. Obwohl viele Menschen Parkinson hauptsächlich mit dem charakteristischen Zittern (Tremor) in Verbindung bringen, ist das Krankheitsbild weitaus komplexer und umfasst sowohl motorische als auch nicht-motorische Aspekte. Die Erkrankung verläuft von Mensch zu Mensch unterschiedlich, wobei Zeitpunkt, Ort und Ausprägung der Symptome im Krankheitsverlauf stark variieren können.

Einführung in Morbus Parkinson

Parkinson beginnt oft schleichend und unscheinbar, wobei erste Anzeichen häufig von Angehörigen und Freunden bemerkt werden, seltener von den Betroffenen selbst. Im Frühstadium nehmen die Betroffenen eher wahr, dass sich Arme und Beine schwerfälliger bewegen lassen. Das Aufstehen oder Hinsetzen kann plötzlich länger dauern als früher. Diese Veränderungen führen dazu, dass mehr Zeit für alltägliche Vorgänge wie Waschen, Anziehen, Einkaufen oder Kochen benötigt wird, was gerade bei älteren Menschen oft als normale Alterserscheinung abgetan wird.

Motorische Symptome

Motorische Symptome sind ein wesentliches Merkmal der Parkinson-Erkrankung. Ohne das Vorliegen dieser vier Kardinalsymptome wird die Diagnose „Morbus Parkinson“ nicht gestellt. Im weiteren Verlauf intensivieren sich die jeweiligen Symptome, und es kommen neue hinzu, wie etwa der Ruhe-Tremor. Die abnehmende Mimik kann sich zu einem vollständigen "Maskengesicht" entwickeln, bei dem kaum noch Regungen zu erkennen sind. Während es im Frühstadium nur etwas länger dauerte, sich hinzustellen, können Bewegungen nun sehr stark verzögert und gelegentlich auch gar nicht mehr eingeleitet werden. Wurde zunächst nur die Handschrift kleiner, so können Betroffene im Spätstadium vielleicht nicht einmal mehr einen Stift halten.

Nicht-motorische Symptome

Neben den motorischen Symptomen können in allen Stadien der Erkrankung auch nicht-motorische Symptome auftreten, die die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten teils erheblich beeinträchtigen. Zu den frühen Anzeichen, die nicht die Motorik betreffen, gehören Störungen des Geruchssinns (Hyposmie/Anosmie), Tagesmüdigkeit und REM-Schlaf-Verhaltensstörungen, bei denen Patientinnen und Patienten im Schlaf reden, schreien oder um sich treten und schlagen.

Das Gangbild bei Parkinson

Das Gangbild eines Menschen ist ein charakteristisches Merkmal, das ihn nicht nur von anderen unterscheidet, sondern auch Auskunft über sein Alter oder Krankheiten geben kann. Morbus Parkinson wirkt sich negativ auf das Gangbild aus. Die Schrittfrequenz und Schrittlänge sind reduziert, der Armschwung ist asynchron oder bleibt total aus, und Symptome wie Hypokinesie, Rigor, Tremor, Freezing of Gait oder posturale Instabilität sind zu erkennen.

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Typische Veränderungen des Gangbilds

Bei Parkinson-Patientinnen und Patienten sind im Verlauf der Krankheit häufig Beweglichkeit und Gang zunehmend beeinträchtigt. Die Schritte werden kleiner, langsamer, und die Füße halten beim Gehen länger Bodenkontakt. Betroffene sprechen oft vom „Festkleben am Boden“ oder vom „Trippeln“ und davon, nicht von der Stelle zu kommen.

  • Verlangsamung der Bewegungen (Bradykinese): Die Verlangsamung der Bewegungen fällt oftmals nahen Angehörigen oder Freunden als erstes auf. Während Betroffene früher Bewegungen flüssig ausführen konnten, erscheinen sie bei Parkinson allmählich immer stockender und gehemmter. Auch dieses Symptom einer Parkinson-Krankheit lässt sich im Parkinson-Frühstadium noch kaschieren.
  • Kleinschrittiger Gang: Die Betroffenen machen kleinere Schritte als gesunde Menschen.
  • Vornübergebeugte Haltung: Schon im Jahre 1817 beschrieb James Parkinson die gebeugte Körperhaltung als ein Kennzeichen des Morbus Parkinson. Für eine stark ausgeprägte Rumpfbeugung wird heute der medizinische Begriff Kamptokormie verwendet. Die Beugung des Oberkörpers kann nach vorne, aber auch zu einer Seite hin auftreten - man spricht dann auch vom sogenannten Pisa-Syndrom. Außerdem kann statt einer Beugung des gesamten Oberkörpers auch eine starke Beugung des Nackens auftreten. Diese Form der Beugehaltung wird Anterocollis oder „Dropped head“ genannt.
  • Verminderter oder fehlender Armschwung: Vermindertes Mitschwingen der Arme beim Gehen tritt im Verlauf hinzu.
  • Gangunsicherheit und Gleichgewichtsstörungen: Durch die Störung ist es Betroffenen nicht mehr möglich, plötzliche Bewegungen aufzufangen, um so z.B. in dichtem Gedränge schnell auf Rempler oder Hindernisse reagieren zu können. Dies führt wiederum zu einer Gangunsicherheit, Gleichgewichtsstörungen und einer Sturzneigung.
  • Freezing (Gangblockaden): Das Wort „Freezing“ haben ursprünglich englischsprachige Patientinnen und Patienten benutzt, um ihre Gangstörung zu beschreiben, bei der sie mitten in einer Bewegung „einfrieren“. Freezing bezeichnet eine plötzlich auftretende, vorübergehende Störung des Ganges. Insgesamt 60-80 % aller Menschen mit Parkinson leiden unter solchen Gangblockierungen. Die Gangstörung kann in sehr unterschiedlichen Situationen auftreten: während Wendebewegungen, beim Losgehen (sogenannte Ampelsituation), in räumlicher Enge (wie in einem Türdurchgang) oder nach längerem Sitzen oder Stehen (wenn beispielsweise das Telefon in einiger Entfernung klingelt).

Ursachen und Risikofaktoren für Gangstörungen

Gangstörungen sind neurologische oder orthopädische Probleme, die die normale Art und Weise beeinflussen, wie eine Person geht. Ein gesunder Mensch weist in der Regel einen gleichmäßigen und symmetrischen Gang auf. Verschiedene Erkrankungen der unteren Extremitäten können den Gangablauf erheblich stören.

  • Neurologische Erkrankungen: Neurologische Erkrankungen sind eine breite Kategorie von Gesundheitszuständen, die das zentrale und/oder periphere Nervensystem betreffen.
  • Muskel- und Skeletterkrankungen: Muskel- und Skeletterkrankungen betreffen die Muskulatur, die Knochen, die Gelenke, die Sehnen und die Bänder.
  • Orthopädische Probleme: Orthopädische Probleme beziehen sich ebenfalls auf Gesundheitszustände des muskuloskelettalen System des Körpers.
  • Medikamente: Nicht nur das Alter kann Gangstörungen verursachen, sondern auch Medikamente.

Erhöhtes Sturzrisiko

Die Haltungsinstabilität (posturale Instabilität) tritt meist erst in späteren Stadien der Erkrankung auf. Die Rumpfbeugung erhöht die Sturzgefahr der Betroffenen durch den verschobenen Körperschwerpunkt erheblich. Patientinnen und Patienten mit einer starken Beugung des Nackens verlieren beispielsweise beim einfachen Versuch nach vorne zu blicken häufig das Gleichgewicht und drohen nach hinten zu stürzen. Besonders kritisch ist dies, da Parkinson-Patientinnen und Patienten auch an einem erhöhten Osteoporose-Risiko leiden und die Gefahr von Knochenbrüchen so steigt.

Laut BKK-Gesundheitsreport gaben rund 43 % der Männer und etwa 30 % der Frauen im Alter von 65 Jahren und älter an, dass sie innerhalb der letzten zwei Jahre mindestens einmal gestürzt sind. Das Risiko für Stürze steigt mit zunehmendem Alter.

Diagnose von Parkinson

Die Diagnosestellung gelingt in den meisten Fällen anhand eines ausführlichen Gespräches und einer fachärztlich neurologischen Untersuchung. Dabei wird im Allgemeinen gefordert, dass neben der Bradykinese mindestens ein zusätzliches motorisches Hauptsymptom vorliegt. Tremor und Rigor können jeweils unterschiedlich ausgeprägt sein (Tremor-dominanter, Akinetisch-rigider bzw. äquivalenter Verlaufstyp).

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Klinische Untersuchung

Der Arzt führt eine umfassende Untersuchung durch, um typische Parkinson-Symptome zu erkennen. In vielen Fällen kann der Arzt die Diagnose Parkinson bestätigen, wenn die Symptome auf die Behandlung mit Parkinson-spezifischen Medikamenten, insbesondere Levodopa, ansprechen.

L-Dopa-Test

Der sogenannte L-Dopa-Test kann beispielsweise im Rahmen der Diagnostik eines Parkinson-Syndroms eingesetzt werden. Hierfür wird zunächst die Symptomschwere erfasst. Dann wird eine schnell wirksame Form von L-Dopa verabreicht und die Symptome werden erneut erfasst. Wenn sich die Symptome um mindestens 30 Prozent verbessert haben, deutet dies auf ein idiopathisches Parkinson-Syndrom hin. Wichtig ist allerdings, dass das alleinige Testergebnis noch keine gesicherte Parkinson-Diagnose bedeutet.

Bildgebende Verfahren

Neben der klinischen Untersuchung kann es zur Abgrenzung von anderen Erkrankungen notwendig sein, zusätzliche diagnostische Maßnahmen durchzuführen. Von diesen können folgende Verfahren durchgeführt werden:

  • Zerebrale Bildgebung (Computertomographie, Kernspintomographie)
  • Nuklearmedizinische Untersuchungstechniken (IBZM-SPECT, DAT-SCAN)

Die DAT-Scan Untersuchung, auch bekannt als Dopamintransporter-Scan, ist eine spezielle bildgebende Untersuchung, die in der Diagnose von Parkinson und anderen Bewegungsstörungen verwendet wird. Ein DAT-Scan wird typischerweise durchgeführt, um die Diagnose von Parkinson zu bestätigen.

Differentialdiagnose

Wichtig ist die gute klinische Beurteilung der Patienten. Sekundäre Parkinsonsyndrome durch Traumata nach Enzephalitis durch Tumor oder Intoxikation spielen in der Praxis nur selten eine Rolle. Bei manchen Parkinsonpatienten steht der Tremor ganz im Vordergrund.

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Therapie von Gangstörungen bei Parkinson

Es gibt verschiedene Therapieformen und Ansätze zur Behandlung von Gangstörungen, je nach Ursache und Schweregrad der Störung. In vielen Fällen ist eine multidisziplinäre Herangehensweise am effektivsten, bei der verschiedene Fachleute zusammenarbeiten, um die bestmögliche Betreuung und Therapie zu gewährleisten.

Medikamentöse Therapie

Eine medikamentöse (dopaminerge) Therapie kann das Freezing in OFF-Phasen bei Betroffenen mit idiopathischem Parkinson Syndrom verbessern. Bei sonst guter Beweglichkeit (ON-Freezing) ist die medikamentöse Therapie schwieriger. Im Mittelpunkt der Behandlung steht heute die Therapie mit Medikamenten sowie die regelmäßige Physiotherapie und Logopädie. Bis jetzt gibt es kein Medikament, dass die Ursache der Erkrankung, nämlich den Verlust der betroffenen Nervenzellen, aufhalten kann. In den letzten Jahren sind jedoch viele neue Medikamente entwickelt worden, mit denen man die Krankheit gut behandeln kann. Der Arzt muß für jeden Patienten die auf den Einzelfall abgestimmte Kombination und Dosierung auswählen.

Physiotherapie

Die Physiotherapie ist eine Schlüsselkomponente der Behandlung von Gangstörungen. Nichtmedikamentös hat sich eine physiotherapeutische Behandlung (spezielle Krankengymnastik) bewährt. Sie fördert die Beweglichkeit und beugt Gelenkversteifungen und Stürzen vor.

Strategien zur Verbesserung des Gangbilds

Viele Betroffene kennen jedoch nur wenige oder keine dieser mentalen Kniffs, ergab eine aktuelle Untersuchung. Die Forscher erläuterten den Teilnehmern die sieben Hauptkategorien von Kompensationsstrategien:

  • Nutzen innerer Taktgeber, z. B. das Gehen nach einer Zählung im Kopf
  • Nutzen äußerer Taktgeber, z. B. das Gehen im Rhythmus eines Metronoms
  • Erleichterung der Balance, z. B. indem man weitere statt enge Kurven läuft
  • Änderung des mentalen Zustands, z. B. durch Entspannungstechniken
  • Handlungsbeobachtung und Visualisierung motorischer Vorbilder, z. B. das Nachahmen einer anderen Person beim Gehen
  • Alternative Gehmuster, z. B. Springen oder Rückwärtsgehen
  • Anwendung anderer Fortbewegungsmöglichkeiten, z. B. Radfahren

Ergotherapie

Der Ergotherapeut wird den Gesundheitszustand des Patienten bewerten, die individuellen Ziele festlegen und die spezifischen Ursachen der Gangstörung ermitteln. Basierend auf der Bewertung entwickelt der Ergotherapeut gemeinsam mit dem Patienten klare und erreichbare Ziele. Ein maßgeschneiderter Trainingsplan kann verschiedene Übungen zur Stärkung der Muskulatur und des Gleichgewichts umfassen, abhängig von den spezifischen Herausforderungen des Patienten. Ergotherapeuten integrieren auch funktionale Übungen, die darauf abzielen, die Mobilität im Alltag zu verbessern. Verschiedene Übungen helfen, das Gleichgewicht zu fördern.

Hilfsmittel und Gehhilfen

Es gibt verschiedene Hilfsmittel und Gehhilfen, die für Menschen mit Gangstörungen entwickelt wurden, um ihnen dabei zu helfen, sicherer und stabiler zu gehen.

  • Gehstöcke: Ein einfacher Gehstock bietet zusätzliche Stabilität und Unterstützung beim Gehen.
  • Vierfußgehgestelle: Diese Gehhilfen ähneln Gehstöcken, haben jedoch vier Füße, die zusätzliche Stabilität bieten.
  • Rollatoren: Rollatoren sind Gehhilfen auf Rädern, die mit Bremsen ausgestattet sind.

Die Wahl des richtigen Hilfsmittels oder der geeigneten Gehhilfe hängt von der Schwere der Gangstörung, der Diagnose und den individuellen Bedürfnissen ab. Dank verschiedener Hilfsmittel bleiben Patienten mobil.

Sturzprophylaxe

Sturzberater nehmen eine entscheidende Rolle bei der Vermittlung von sturzprophylaktischen Maßnahmen in akuten und langfristigen Pflegesettings ein. Die Einrichtung einer Sturzschule, in der Pflegeempfänger lernen, sich ohne Verletzungen hinzulegen und mithilfe ihrer eigenen Bewegungsressourcen und geeigneter Hilfsmittel wieder aufzustehen, erweist sich als sinnvoll.

Muskelaufbau

Der Muskelaufbau spielt eine entscheidende Rolle bei der Behandlung. Gut entwickelte Muskeln, insbesondere in den Beinen und im Rumpf, tragen dazu bei, die Stabilität und das Gleichgewicht während des Gehens zu verbessern. Muskelaufbau kann zudem dazu beitragen, die Bewegungskoordination zu verbessern, was bei Gangstörungen von großer Bedeutung ist.

Unterstützung und Betreuung

Patienten mit Gangstörungen benötigen Unterstützung und Betreuung, um ihre Lebensqualität zu verbessern und ihre Mobilität zu fördern. Das Zuhause kann so gestaltet werden, dass es sicherer für Menschen mit Gangstörungen ist. Spezielle Trainings helfen, die Sicherheit beim Gehen zurückzugewinnen.

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