Kopfschmerzen sind ein weit verbreitetes Leiden. Laut Statistik klagen etwa zwei von drei erwachsenen Deutschen, was rund 47 Millionen Menschen entspricht, regelmäßig über Kopfschmerzen. Migräne stellt dabei eine spezielle Form dar, die sich durch wiederkehrende Attacken äußert und den Alltag der Betroffenen erheblich beeinträchtigen kann.
Was ist Migräne?
Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die sich durch starke, meist einseitige Kopfschmerzen äußert. Diese Schmerzen können sich bei Bewegung verstärken und den Körper regelrecht lahmlegen. Im Gegensatz zu Spannungskopfschmerzen, die oft durch Stress oder Verspannungen verursacht werden, liegt Migräne eine Fehlsteuerung im Gehirn zugrunde. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) leiden in Deutschland etwa 14 Prozent der Frauen und 7 Prozent der Männer an Migräne.
Episodische vs. Chronische Migräne
Migräne ist nicht gleich Migräne. Bei den meisten Betroffenen treten die Anfälle in Abständen von Tagen oder Wochen auf. Man spricht dann von einer episodischen Migräne. Bei der chronischen Migräne hingegen werden die Attacken häufiger und die Pausen dazwischen kürzer. Diese Form entsteht oft schleichend durch Faktoren wie anhaltenden Stress, Schlafmangel oder zu häufige Medikamenteneinnahme.
Ursachen und Auslöser von Migräne
Die Ursachen für Migräne sind vielfältig und komplex. Eine zentrale Rolle spielt das sogenannte Migränezentrum im Hirnstamm, in dem Nervenzellen überempfindlich auf Reize reagieren. Diese Reizüberempfindlichkeit aktiviert den Trigeminusnerv, der Schmerzsignale überträgt, und setzt Entzündungsbotenstoffe wie CGRP frei. Zudem ist die Reizverarbeitung gestört, wodurch Betroffene Licht, Geräusche oder Gerüche intensiver wahrnehmen. Viele berichten, dass sich die Umgebung während einer Attacke "zu laut, zu hell, zu viel" anfühlt.
Innere und Äußere Einflüsse
Migräne entsteht aus einer Kombination innerer und äußerer Einflüsse. Zu den inneren Faktoren gehören hormonelle Schwankungen, die besonders bei Frauen eine Rolle spielen können. Äußere Faktoren sind vielfältig und individuell verschieden. Dazu zählen Stress, Schlafmangel, bestimmte Nahrungsmittel (z.B. reifer Käse, Salami, Glutamat), Wetterumschwünge und sensorische Reize wie grelles Licht oder laute Geräusche.
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Genetische Veranlagung
Auch genetische Faktoren spielen eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Migräne. Forscher gehen davon aus, dass bestimmte Erbanlagen dazu führen, dass sich ein "Migräne-Gehirn" entwickelt, das besonders empfindlich auf äußere und innere Reize reagiert. Diese Veranlagung bedeutet jedoch nicht, dass die Migräne dauerhaft "aktiv" ist.
Symptome einer Migräneattacke
Eine Migräneattacke kann sich durch verschiedene Symptome äußern, die individuell unterschiedlich stark ausgeprägt sein können. Zu den häufigsten Symptomen gehören:
- Heftiger, anfallartiger Schmerz, meist einseitig und pulsierend
- Übelkeit und Erbrechen
- Licht- und Lärmempfindlichkeit
- In manchen Fällen eine Aura mit Sehstörungen, Kribbeln oder Taubheitsgefühlen
Die Phasen einer Migräneattacke
Eine Migräneattacke kann in verschiedene Phasen unterteilt werden:
- Prodromalphase (Vorboten): Viele Betroffene bemerken bereits Stunden oder Tage vor dem eigentlichen Anfall Veränderungen wie Nackenschmerzen, Gereiztheit oder Heißhunger.
- Auraphase: Etwa 10 bis 15 Prozent der Migränepatienten erleben neurologische Warnzeichen wie Flimmersehen, Lichtblitze, Zickzacklinien, Kribbeln oder Sprachstörungen.
- Kopfschmerzphase: Der Schmerz ist oft einseitig, pulsierend oder hämmernd. Bewegung, Geräusche und Licht verschlimmern ihn. Häufig treten Übelkeit, Erbrechen und starke Erschöpfung hinzu.
- Auflösungsphase: Die Symptome lassen langsam nach.
- Postdromalphase (Erholung): Nach Abklingen der Schmerzen fühlen sich viele ausgelaugt, reizbar oder "benommen".
Diagnose von Migräne
Die Diagnose von Migräne stützt sich vor allem auf ein ausführliches Gespräch mit dem Arzt. Dabei werden Fragen gestellt wie: Wie oft treten die Kopfschmerzen auf? Wie stark sind sie? Technische Untersuchungen wie MRT oder CT sind in der Regel nicht nötig und werden nur eingesetzt, wenn die Beschwerden ungewöhnlich sind oder sich plötzlich verändern.
Migränetagebuch
Hilfreich ist außerdem ein Kopfschmerz- oder Migränetagebuch. Darin sollten Betroffene notieren, wann und wie lange die Schmerzen auftreten, wo der Schmerz sitzt, wie er sich anfühlt und ob weitere Beschwerden vorhanden sind. Auch Informationen über mögliche Auslöser wie Stress, Schlafmangel oder bestimmte Nahrungsmittel können festgehalten werden.
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Behandlung von Migräne
Migräne ist nicht heilbar, aber gut behandelbar. Die Behandlung zielt darauf ab, akute Anfälle zu lindern und zukünftigen Attacken vorzubeugen.
Akutbehandlung
- Schmerzmittel: Verschiedene rezeptfreie Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure, Paracetamol oder Ibuprofen können helfen, die Migräne zu lindern. In Form von Kau- oder Brausetabletten werden diese schneller vom Körper aufgenommen. Bei Übelkeit empfiehlt sich die Anwendung von Zäpfchen.
- Triptane: Reichen gängige Schmerzmittel zur Linderung nicht aus, kommen Triptane infrage. Sie verengen die Gefäße im Gehirn und hemmen die Entzündung. Welches Triptan im Einzelfall geeignet ist, hängt unter anderem davon ab, ob eher kurze oder länger anhaltende Schmerzattacken auftreten. Einige Triptane sind rezeptpflichtig, andere in kleinen Packungen rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. Bei bestimmten Vorerkrankungen wie Bluthochdruck oder koronarer Herzerkrankung sind Triptane nicht geeignet.
- Antiemetika: Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen wie Dimenhydrinat oder Metoclopramid können die Beschwerden lindern und die Aufnahme von Schmerzmitteln verbessern.
Es ist wichtig, Medikamente bei Migräne frühzeitig einzunehmen, möglichst bevor die Übelkeit zu stark wird.
Vorbeugende Maßnahmen
Wenn eine Migräne stärker ausgeprägt ist oder mehr als 3 Attacken pro Monat auftreten, können bestimmte Medikamente vorbeugend verschrieben werden. Dazu zählen:
- Betablocker
- Krampflösende Wirkstoffe (z.B. Antiepileptika)
- Bestimmte Antidepressiva wie Amitriptylin
- Botox (bei schwerer chronischer Migräne)
- Monoklonale Antikörper (CGRP-Antikörper)
- Eine Kombination von Magnesium, Vitamin B2 und Coenzym Q10
Nicht-Medikamentöse Therapien
- Verhaltenstherapie: Verhaltenstherapie hilft, Stress zu regulieren und den Umgang mit der Krankheit zu verbessern.
- Entspannungstechniken: Entspannungsmethoden wie autogenes Training oder Yoga können die Schmerzen deutlich reduzieren.
- Akupunktur: Manche Betroffene haben mit Akupunktur gute Erfahrungen gemacht.
- Regelmäßiger Lebensstil: Mehr Regelmäßigkeit im Alltag, zum Beispiel bei den Essens- und Schlafenszeiten, kann helfen, Migräneattacken vorzubeugen.
- Ausreichend Bewegung: Regelmäßige Bewegung und Ausdauersport können ebenfalls einen positiven Einfluss haben.
- Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung kann sich positiv auf die Migräne auswirken.
Hausmittel
Hausmittel können in erster Linie Begleitsymptome eines leichteren Migräneanfalls lindern. Tee aus Ingwer oder Kamillenblüten wirkt gegen Übelkeit. Auch ein Tee mit Gewürznelken oder Weidenrinde kann zur Schmerzlinderung beitragen. Gleiches gilt für Coolpacks oder Pfefferminzöl, das auf Stirn, Schläfen und Nacken aufgetragen wird.
Migräne in der Schwangerschaft
Schwangere sollten besonders darauf achten, Migräneauslöser zu meiden. Sind Medikamente dennoch nötig, können nach ärztlicher Absprache Schmerzmittel wie Paracetamol oder Ibuprofen bis zur 28. Schwangerschaftswoche eingenommen werden. Triptane sind in der Schwangerschaft nicht zugelassen, allerdings ist Sumatriptan hier im Off-Lable-Use unter ärztlicher Aufsicht sehr gut erprobt.
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Der Status Migraenosus
In seltenen Fällen kann es zu einer Komplikation kommen, bei der die Migräneattacke länger als 72 Stunden anhält. Dies wird als Status migraenosus bezeichnet. Auslöser können hormonelle Veränderungen oder ein Übergebrauch von Medikamenten sein.
Behandlung des Status Migraenosus
- Vermeidung von Schmerzmitteln und Triptanen: Ab dem vierten Tag einer Migräne sollten Schmerzmittel und Triptane vermieden werden, da sie die Attacke verlängern können.
- Medikamente gegen Übelkeit: Medikamente wie Dimenhydrinat können helfen, die Übelkeit zu lindern.
- Schmerzdistanzierende Medikamente: Schwach wirksame Neuroleptika oder trizyklische Antidepressiva können helfen, den Schmerz bewusstseinsfern zu halten.
- Kortison: In der Notfallsituation kann Kortison intravenös verabreicht werden, um die Entzündung an den Blutgefäßen der Hirnhäute zu blockieren.
Leben mit Migräne
Migräne ist eine chronische Erkrankung, deren Verlauf sich mit der Zeit verändern kann. Viele Betroffene erleben mit zunehmendem Alter seltener und mildere Attacken, insbesondere nach den Wechseljahren.
Tipps für den Alltag
- Migränetagebuch führen: Ein Migränetagebuch hilft, individuelle Auslöser zu identifizieren und zu vermeiden.
- Stressmanagement: Techniken zur Stressbewältigung wie Entspannungsübungen oder Yoga können helfen, die Häufigkeit von Migräneattacken zu reduzieren.
- Regelmäßiger Lebensstil: Regelmäßige Schlaf- und Essenszeiten sowie ausreichend Bewegung können ebenfalls einen positiven Einfluss haben.
- Selbsthilfegruppen: Der Austausch mit anderen Betroffenen in Selbsthilfegruppen kann sehr hilfreich sein.