Demenz ist ein Begriff, der viele Menschen beunruhigt, und das zu Recht. Sie ist mehr als nur Vergesslichkeit; sie beeinträchtigt die Wahrnehmung, das Verhalten und das gesamte Sein eines Menschen. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über Demenz, von ihren Symptomen und verschiedenen Formen bis hin zu Präventionsstrategien und Tipps zum Umgang mit Betroffenen.
Was ist Demenz?
Demenz ist ein Syndrom, keine Krankheit, das durch den Verlust geistiger Fähigkeiten gekennzeichnet ist, der über das normale Maß der Alterserscheinungen hinausgeht. Es beeinträchtigt das Gedächtnis, das Denken, die Orientierung, das Sprachvermögen und das Urteilsvermögen. Obwohl Demenz häufiger bei älteren Menschen auftritt, ist sie keine normale Alterserscheinung.
Wesentliche Merkmale von Demenz:
- Verschlechterung der geistigen Fähigkeiten
- Beeinträchtigung der Wahrnehmung, des Verhaltens und des Erlebens
- Verlust der Fähigkeit zur selbstständigen Lebensführung
Symptome der Demenz
Die Symptome der Demenz sind vielfältig und können sich von Person zu Person unterscheiden. Sie entwickeln sich in der Regel schleichend und verschlimmern sich im Laufe der Zeit. Zu den häufigsten Symptomen gehören:
- Gedächtnisverlust: Schwierigkeiten, sich an kürzlich erlebte Ereignisse oder neue Informationen zu erinnern, wiederholtes Stellen derselben Fragen.
- Sprachprobleme: Schwierigkeiten, die richtigen Worte zu finden, undeutliche Sprache, Schwierigkeiten, Gesprächen zu folgen.
- Orientierungslosigkeit: Verwirrung bezüglich Zeit, Ort und Person, Schwierigkeiten, sich in vertrauter Umgebung zurechtzufinden.
- Veränderungen im Verhalten und der Persönlichkeit: Reizbarkeit, Angstzustände, Depressionen, Aggressionen, sozialer Rückzug, Verlust der Hemmungen.
- Probleme mit dem Denkvermögen: Schwierigkeiten, Entscheidungen zu treffen, Probleme zu lösen oder logisch zu denken.
- Wiederholungen: Wiederholtes Stellen derselben Fragen, Wiederholen von Sätzen oder Handlungen.
- Bewegungsdrang und Unruhe: Starker Bewegungsdrang, der sich in ständigem Hin- und Herlaufen äußert, insbesondere im mittleren Stadium der Demenz.
- Fehlinterpretationen der Realität: Beschuldigungen, Diebstahl, Verwechslung von Personen, Leben in der Vergangenheit.
Beispiele für typische Verhaltensweisen:
- Eine Person fragt immer wieder, wann Essenszeit ist oder wann Besuch kommt.
- Ein Mensch mit Demenz führt immer wieder die gleiche Handlung aus, wie etwa Regale abzustauben oder Schuhe zu putzen.
- Ein Betroffener beschuldigt Angehörige, Geld gestohlen zu haben, oder hält Verwandte für verkleidete Fremde.
- Menschen mit Demenz verstecken wichtige Gegenstände wie Schlüssel oder Geld.
- Betroffene machen sich auf den Weg zur Arbeit oder suchen ihre Eltern.
- Menschen mit Demenz verhalten sich verbal oder körperlich aggressiv.
Formen der Demenz
Demenz ist keine einzelne Krankheit, sondern ein Oberbegriff für verschiedene Erkrankungen, die ähnliche Symptome verursachen. Die häufigsten Formen der Demenz sind:
- Alzheimer-Krankheit: Die häufigste Ursache für Demenz, die durch das Absterben von Nervenzellen im Gehirn gekennzeichnet ist. Betrifft mehr als 60 Prozent aller Demenzerkrankten. Kennzeichnend ist der frühe Verlust des Kurzzeitgedächtnisses.
- Vaskuläre Demenz: Wird durch Durchblutungsstörungen im Gehirn verursacht, die zu Schädigungen des Hirngewebes führen. Ursachen sind unbehandelter Bluthochdruck oder Schlaganfälle.
- Frontotemporale Demenz (FTD): Eine neurodegenerative Krankheit, die vor allem den Stirn- und Schläfenbereich des Gehirns betrifft. Führt zu Veränderungen der Persönlichkeit und des sozialen Verhaltens. Tritt oft bei jüngeren Menschen zwischen 45 und 60 Jahren auf.
- Lewy-Körper-Demenz: Eine neurodegenerative Erkrankung, die durch sogenannte „Lewy-Körperchen“ im Gehirn verursacht wird. Typische Symptome sind optische Sinnestäuschungen und motorische Störungen.
- Parkinson-Demenz: Entwickelt sich bei etwa 30 bis 40 Prozent der Menschen mit Parkinson-Krankheit.
- Sekundäre Demenzen: Werden indirekt durch äußere Einflussfaktoren wie Medikamente, Alkoholmissbrauch (Korsakow-Demenz) oder schädliche Umwelteinflüsse ausgelöst.
- Mischformen: Viele Demenz-Patienten haben Mischformen von Demenz, z. B. eine neurodegenerative Form und gleichzeitig eine vaskuläre Demenz.
Risikofaktoren und Prävention
Obwohl die genauen Ursachen für Demenz noch nicht vollständig geklärt sind, sind einige Risikofaktoren bekannt, die das persönliche Risiko für eine Demenzerkrankung erhöhen können:
Lesen Sie auch: "Neue Gedanken – Neues Gehirn": Eine Übersicht
- Alter: Das Demenz-Risiko steigt mit zunehmendem Alter.
- Geschlecht: Frauen sind häufiger betroffen als Männer.
- Genetische Faktoren: Spielen eine wesentliche Rolle bei der Entstehung der Alzheimer-Krankheit und anderer Demenzen.
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Bluthochdruck, erhöhte Cholesterinwerte, Diabetes.
- Bewegungsmangel: Beeinträchtigt die Durchblutung des Gehirns und begünstigt den geistigen Abbau.
- Ungesunde Ernährung: Übergewicht, insbesondere Bauchfett, erhöht das Demenzrisiko.
- Rauchen: Erhöht das Risiko für Alzheimer und vaskuläre Demenz.
- Übermäßiger Alkoholkonsum: Führt zum Verlust der grauen Masse im Gehirn.
- Soziale Isolation: Mangelnde soziale Kontakte können das Gehirn weniger anregen.
- Luftverschmutzung: Feine Partikel können Entzündungen im Gehirn auslösen.
- Hörverlust: Das Gehirn muss mehr Energie aufbringen, um Sprache zu verstehen.
- Sehschwäche: Unbehandelte Sehschwächen können das Gehirn weniger anregen.
- Kopfverletzungen: Schwere oder wiederholte Kopfverletzungen erhöhen das Risiko für Demenzerkrankungen.
- Depressionen: Anhaltende Niedergeschlagenheit und sozialer Rückzug belasten das Gehirn.
- Niedrige Bildung: Mangelnde geistige Anregung in jungen Jahren kann die kognitive Reserve schwächen.
Präventionsstrategien:
Studien zeigen, dass bis zu 45 Prozent aller Demenzerkrankungen durch die gezielte Beeinflussung von Risikofaktoren verhindert oder zumindest hinausgezögert werden könnten. Zu den wichtigsten Schutzfaktoren gehören:
- Bewegung: Regelmäßige körperliche Aktivität fördert die Durchblutung des Gehirns und stärkt die Nervenzellen.
- Gesunde Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und gesunden Fetten kann das Gehirn schützen.
- Soziale Kontakte: Aktive Teilnahme am gesellschaftlichen Leben hält das Gehirn wach und leistungsfähig.
- Geistige Aktivität: Lesen, Kreuzworträtsel lösen, neue Dinge lernen - all das hält das Gehirn fit.
- Vermeidung von Risikofaktoren: Nicht rauchen, Alkohol nur in Maßen trinken, Bluthochdruck und Cholesterinwerte kontrollieren, Übergewicht vermeiden.
Diagnose und Stadien der Demenz
Wenn Sie den Verdacht haben, dass eine Person an einer Demenzform erkrankt sein könnte, sollten Sie diesen Verdacht abklären lassen. Eine frühe Diagnose erleichtert den Umgang mit der Krankheit und bietet größere Chancen, das Fortschreiten der Krankheit aufzuhalten oder zu verlangsamen.
Diagnostische Schritte:
- Patientengespräch (Anamnese): Erhebung der Krankengeschichte und der aktuellen Symptome.
- Körperliche Untersuchung: Überprüfung des allgemeinen Gesundheitszustands.
- Demenz-Tests: Messung der geistigen Leistungsfähigkeit. Ein Beispiel ist der MMST (Mini-Mental-Status-Test), der als Selbsttest genutzt werden kann, aber keine ärztliche Diagnose ersetzt.
- Weitere Untersuchungen: Bei Bedarf werden bildgebende Verfahren (z. B. MRT) oder Blutuntersuchungen durchgeführt, um die Ursache der Symptome zu klären.
Stadien der Demenz:
Die Einteilung in Demenz-Stadien dient lediglich der Übersicht über Phasen, die im Verlauf der Krankheit zu erwarten sind. Es ist unmöglich, vorherzusagen, wann diese Phasen eintreten.
- Frühphase: Erste Symptome sind vorhanden, aber die erkrankte Person ist noch weitgehend selbstständig.
- Mittelschwere Demenz: Die Symptome sind deutlich ausgeprägt und beeinträchtigen die Selbstständigkeit erheblich. Räumliche und zeitliche Orientierung bereiten Schwierigkeiten.
- Schwere Demenz: Die Person ist auf intensive Betreuung und Pflege angewiesen. Die Symptome sind so stark ausgeprägt, dass Betroffene weitgehend bettlägerig werden können.
Umgang mit Demenz
Der Umgang mit Menschen mit Demenz erfordert Geduld, Einfühlungsvermögen und Verständnis. Es ist wichtig, die betroffene Person so anzunehmen, wie sie ist, und das zu akzeptieren, was sie tatsächlich leisten kann.
Tipps für den Umgang:
- Kommunikation: Achten Sie auf einen würdevollen und wertschätzenden Umgang. Sprechen Sie langsam und deutlich, verwenden Sie einfache Sätze und stellen Sie klare Fragen. Vermeiden Sie es, die Person zu korrigieren oder zu kritisieren. Beziehen Sie sich auf die Lebenserfahrung der Person und wertschätzen Sie diese.
- Umgang mit schwierigen Verhaltensweisen: Versuchen Sie, die Ursachen für Aggressionen oder Unruhe herauszufinden und, wenn möglich, zu beseitigen. Lenken Sie die Person ab, wenn sie sich aufregt. Bleiben Sie gelassen und beruhigen Sie die Person. Achten Sie auf Ihre Sicherheit, falls die Person zu aggressivem Verhalten neigt.
- Alltagsgestaltung: Schaffen Sie eine sichere und vertraute Umgebung. Bauen Sie Barrieren ab und schaffen Sie Anhaltspunkte zur zeitlichen und räumlichen Orientierung. Bieten Sie Beschäftigungen an, die die geistige und körperliche Aktivität anregen. Beziehen Sie die Person in alltägliche Aufgaben ein, soweit dies möglich ist.
- Unterstützung im Alltag: Bieten Sie Unterstützung bei der Körperpflege, der Ernährung und der Mobilität. Helfen Sie der Person, ihre sozialen Kontakte aufrechtzuerhalten.
- Entlastung für Angehörige: Nehmen Sie Hilfsangebote in Anspruch, um sich selbst zu entlasten. Sprechen Sie mit anderen Angehörigen oder Fachleuten über Ihre Erfahrungen. Achten Sie auf Ihre eigenen Bedürfnisse und nehmen Sie sich Zeit für sich selbst.
Hilfreiche Angebote:
- Pflegeversicherung: Bei Pflegebedürftigkeit besteht Anspruch auf einen Pflegegrad und verschiedene Leistungen der Pflegeversicherung.
- Mobile Soziale Dienste/Nachbarschaftshilfe: Laienhelfer, die vorwiegend Besuchs- und Einkaufsdienste leisten.
- Kurzzeitpflege: Zeitlich begrenzter Aufenthalt in einer stationären Einrichtung bei Urlaub oder Verhinderung der Pflegeperson.
- Wohnraumanpassung: Maßnahmen zur räumlichen Veränderung im häuslichen Umfeld, z. B. Beseitigung von Stolperfallen.
- Senior:innenberatungsstellen: Bieten Beratung und Unterstützung für ältere Menschen und ihre Angehörigen.
- Demenz-Servicezentren: Bieten spezielle Informationen und Unterstützung für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen.
- Selbsthilfegruppen: Bieten die Möglichkeit, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen und gegenseitige Unterstützung zu erfahren.
- Alzheimer-Telefon: Ein bundesweites Beratungsangebot für Menschen mit Demenz, Angehörige und Fachleute.
- Demenzdörfer: Bieten Menschen mit Demenz eine dörfliche Gemeinschaft mit Supermarkt, Café und individuell gestalteten Zimmern.
Rechtliche Aspekte
Im Verlauf einer Demenzerkrankung kann es notwendig werden, rechtliche Angelegenheiten zu regeln.
Lesen Sie auch: "Wer hat mein Gehirn ausgeschaltet?" - Rezension
- Patientenverfügung: Stellt sicher, dass Ihre medizinischen Wünsche auch in unerwarteten Situationen respektiert werden.
- Vorsorgevollmacht: Ermächtigt eine Person Ihres Vertrauens, im Falle IhrerHandlungsunfähigkeit Entscheidungen für Sie zu treffen.
- Betreuungsverfügung: Legt fest, wer im Falle einer rechtlichen Betreuung als Betreuer bestellt werden soll.
- Rechtliche Betreuung: Wenn keine Vorsorgevollmacht oder Betreuungsverfügung vorliegt, bestellt das Gericht eine andere Person, die stellvertretend Entscheidungen treffen kann.
Einwilligungsfähigkeit:
Die Einwilligungsfähigkeit beruht auf der Einsichts- und Urteilsfähigkeit einer Person und ist durch eine Demenzkrankheit nicht automatisch aufgehoben. Solange die erkrankte Person noch ihren Willen äußern kann, sollte sie aktiv in Entscheidungsprozesse eingebunden werden.
Testierfähigkeit:
Die Testierfähigkeit beschreibt die Fähigkeit, ein Testament zu verfassen und ist von der allgemeinen Geschäftsfähigkeit zu unterscheiden. Wer an Demenz leidet, kann durchaus geschäftsfähig, möglicherweise aber nicht testierfähig sein.
Leben mit Demenz bis zum Lebensende
Demenz führt an sich nicht unbedingt zum Tod, aber Menschen mit Demenz haben eine verkürzte Lebenserwartung. Die häufigste Todesursache bei Menschen mit Demenz ist die Lungenentzündung.
Palliative Versorgung:
Palliative Versorgung und Pflege richtet sich an Menschen, die schwer und unheilbar erkrankt sind. Sie zielt darauf ab, die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern und ihnen ein würdevolles Sterben zu ermöglichen.
Trauerbegleitung:
Um die Trauer und alle damit verbundenen Gefühle besser bewältigen können, helfen Gespräche mit Personen aus dem engsten Familien- und Freundeskreis.
Lesen Sie auch: Wie das Gehirn Gedanken erzeugt