Prof. Dr. Geert Mayer, ein international anerkannter Experte für Schlafmedizin, blickt auf eine beeindruckende Karriere zurück, die eng mit der Hephata-Klinik in Schwalmstadt-Treysa verbunden ist. Seine Expertise und sein Engagement haben die Klinik weltweit bekannt gemacht. Mayer ist Facharzt für Psychiatrie und Neurologie mit Zusatzbezeichnung Psychotherapie.
Anfänge und Werdegang in Treysa
1986 begann Mayer seine Tätigkeit als Oberarzt in der Hephata-Klinik. Ursprünglich hatte er nicht geplant, lange zu bleiben, doch die Schlafmedizin begeisterte ihn so sehr, dass er über 35 Jahre blieb. 1998 wurde er Chefarzt der Klinik. Ein Jahr später habilitierte er an der Georg-August-Universität zu Göttingen.
Akademische Karriere und Engagement
2004 wurde Mayer zum außerplanmäßigen Professor der Universität Göttingen berufen. Ein Jahr später wechselte er als Professor für Neurologie an die Philipps-Universität Marburg. Trotz seiner akademischen Verpflichtungen blieb er der Hephata-Klinik bis Januar 2014 als alleiniger Chefarzt treu, danach bis 2016 im Team mit Dr. Bernd Schade und Dr. Achim Bäcker.
Ruhestand und Abschied
Zum 31. Dezember 2016 ging Mayer zunächst in Rente, arbeitete aber weiterhin mit reduziertem Stundenausmaß. Zum 31. Dezember 2021 verabschiedete er sich endgültig in den Ruhestand. Seine Abschiedsfeier fand coronabedingt erst später statt.
Anerkennung und Würdigung
Zum Abschied von den Kollegen wurde Prof. Dr. Geert Mayer viel Anerkennung und Sympathie zuteil. Hephata-Vorstand Dr. Michael Gerhard dankte Mayer für seine Dienste. Alexander Stein, Geschäftsführer der Hephata-Klinik, erinnerte an mehr als 35 Jahre, in denen Mayer "Erhebliches bewegt und in der Schlafmedizin einen Leuchtpunkt gesetzt hat“. Dr. Bernd Schade betonte, dass Mayer "das Haus weltweit bekannt gemacht hat". Oberarzt Sirous Javidi nannte Mayer einen "Mensch des Universums, der Hephata internationalisiert hat". Psychologin Catrin Schöne würdigte seinen Forschergeist und sein wissenschaftliches Engagement.
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Experte für Schlafstörungen
Mayer ist ein ausgewiesener Experte für Schlafstörungen. Er beschäftigt sich unter anderem mit Hypersomnie, der Tagesschläfrigkeit. Er war lange Jahre Herausgeber der Zeitschrift Somnologie, dem Journal der Deutschen, Österreichischen und Schweizer Schlafgesellschaft, er war Präsident der Deutschen Gesellschaft für Schlafmedizin und dem European Narcolepsy Network, schrieb mehr als 70 Artikel als Erstautor und 34 Buchkapitel und avancierte zum international gefragten Experten für Narkolepsie und das Kleine-Levin-Syndrom.
Laut DAK Gesundheitsbericht Hessen von 2010 gaben ca. 23,5 % der Befragten an, in den vergangenen drei Monaten häufig und 26,5% manchmal unter Schlafstörungen zu leiden. Mit 12,5 % waren neurologische Erkrankungen der häufigste Hintergrund für die Schlafstörungen. 9 % spürten häufig den Drang am Arbeitsplatz einzuschlafen. Bei 25 % der Versicherten in Hessen wurde eine Insomnie diagnostiziert.
Schlafstörungen treten in der Hausarzt- und Facharztpraxis häufig auf. Sie sollten gezielt in der allgemeinen Anamnese erfragt werden, da ihre Behandlung zu einer Verbesserung der Lebensqualität der Betroffenen und zu einer verbesserten Prognose der Grunderkrankung führt. Die Anamnese kann erweitert werden durch spezifische Fragebögen.
Schlafstörungen (Insomnien, Hypersomnien, Parasomnien) treten bei vielen neurologischen Erkrankungen als Einzelsymptom oder in Kombination auf.
Schlafen und Wachen sind das Resultat eines Zusammenspiels mehrerer Hirnstammkerne und neuronaler Netzwerke mit den Basalganglien und dem Frontalhirn. Eine Vielzahl an Neurotransmittern, molekularen und genetischen Faktoren, die Einflüsse von Umwelt und des psychologischen und physischen Zustands haben einen Einfluss auf den Schlaf-Wach-Rhythmus. Diese komplexe Interaktion produziert in Abhängigkeit von zirkadianen Faktoren und elektrischer Hirnaktivität unterschiedliche Stadien (Wach, NREM-, REM Schlaf).
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Hypersomniepatienten beklagen eine exzessive Tagesschläfrigkeit, die permanent oder sporadisch auftreten kann. Die Epworth Sleepiness Scale (max. 24 Punkte, ab ≥ 10 Punkte subjektive Tagesschläfrigkeit). Aufgrund der resultierenden Unfallgefährdung wurde extra das Kapitel „Tagesschläfrigkeit“ in die aktuellen Leitlinien zur Begutachtung der Kraftfahreignung aufgenommen.
Die derzeit noch geltende ICD-10 unterteilt die Insomnien noch in „organisch“ und „nicht organisch“, während die neue ICD-11 und die ICSD-3 nur in „akut“ (bis 14 Tage dauernd) und „chronisch“ (> 3 Monate) unterscheidet. Insomnien treten bei ca. 70 % der Bevölkerung auf, bei 30 % dreimal pro Woche. Insomnien gehen mit einer deutlichen Beeinträchtigung der Lebensqualität und einem erhöhten kardiovaskulären und Demenz-Risiko einher. Nur 50 % aller an einer chronischen Insomnie Erkrankten erhalten eine ärztliche Behandlung.
Akute Insomnien sind sehr häufig und bedürfen meist keiner Behandlung. Chronische Insomnien sollen immer behandelt werden. Gemäß ICD-10 ist eine krankheitswertige Insomnie dann gegeben, wenn die Beschwerden vier Wochen persistieren, gemäß DSM-5 sind drei Monate Krankheitsdauer erforderlich.
Zur Diagnostik haben sich neben der umfassenden Anamnese zu körperlichen, psychischen und schlafmedizinischen Problemen Schlaftagebücher und Schlaffragebögen bewährt (www.charite.de/dgsm). Der Schweregrad einer Insomnie kann durch die Insomnia Severity Scale festgestellt werden. Die Aktigraphie kann eingesetzt werden, um Bett- und Schlafenszeiten über den gesamten Tag zu erfassen. Die Polysomnographie soll bei begründetem Verdacht zum Ausschluss organischer Schlafstörungen (periodische Beinbewegungen im Schlaf, schlafbezogene Atmungsstörungen) verwendet werden, ansonsten erfolgt die Diagnose einer Insomnie klinisch.
Die ICSD-3 unterscheidet Hypersomnien zentralen Ursprungs (Syndrom des insuffizienten Schlafs, Narkolepsie, idiopathische Hypersomnie, Kleine-Levin-Syndrom als wichtigste Diagnosen) von Hypersomnien in Folge anderer Grunderkrankungen (z. B. als Folge von neurologischen Erkrankungen, Schlafstörungen bei Schlafapnoe, RLS, chronischem Schlafdefizit u. a.).
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Diagnostisch ist bei diesen Erkrankungen immer eine polysomnographische Diagnostik erforderlich ggfs. mit Multiplem Schlaflatenztest oder einer 48 Stunden Diagnostik beim Kleine Levin Syndrom.
Dieses Syndrom ist gekennzeichnet durch eine chronische Tagesschläfrigkeit, die bedingt ist durch einen - gemessen an der zur Erholung notwendigen Schlafdauer - zu kurzen Nachtschlaf. Das Syndrom ist die wichtigste Differenzialdiagnose aller Hypersomnien. Deshalb sollte vor speziellen Untersuchungen immer ein Schlaf-Wach-Protokoll über mindestens eine Woche geführt werden. Die Therapie besteht in ausreichender Schlafdauer.
Die Narkolepsie ist eine seltene Erkrankung (Prävalenz 20 von 100.000). Kernsymptom sind die exzessive Tagesschläfrigkeit (Mindestdauer > 3 Monate) und die Kataplexie. Unspezifische Symptome sind Schlaflähmungen, Halluzinationen beim Aufwachen oder Einschlafen und gestörter Nachtschlaf. Diagnostisch müssen zwei vorzeitige REM-Schlaf-Episoden entweder in der Polysomnographie oder im Multiplen Schlaflatenztest nachgewiesen werden. Eine hohe Assoziation mit dem HLA Haplotyp DQB1*0602 und ein Liquor Hypocretin-1 Wert < 110 pg/ml (mit RIA gemessen) ist nur bei Narkolepsie Typ 1 vorhanden.
Nur ca. 30 % aller an Narkolepsie Typ 2 (NT2) Erkrankten haben ein niedriges Liquor Hypocretin-1 und eine HLA-Assoziation. Bei Narkolepsie Typ 1 sind Kataplexien vorhanden, bei Narkolepsie Typ 2 nur die Tagesschläfrigkeit und akzessorische Symptome. Die Diagnoselatenz in Europa beträgt immer noch bis zu acht Jahre. Die Behandlung erfolgt symptomatisch und symptomorientiert mit Regeln zur Schlafhygiene, wachmachenden Substanzen, antikataplektischer Medikation und/oder Medikamenten zur Besserung des Nachtschlafs.
Idiopathische HypersomnieSie ist eine seltene (0,005-0,01 % der Bevölkerung) chronische Erkrankung des Jugendalters, die gekennzeichnet ist durch verlängerten Nachtschlaf (> 10h), der nicht erholsam ist, schwere morgendliche Erweckbarkeit und Tagesschläfrigkeit. Sie unterscheidet sich von der Narkolepsie Typ 2 lediglich durch das Fehlen von vorzeitigem REM-Schlaf im Multiplen Schlaflatenztest. Therapeutisch ist Modafinil effektiv zur Behandlung der Tagesschläfrigkeit und Natrium Oxybat zur Behandlung der Schlaftrunkenheit und des langen Schlafs - beides off-label.
Kleine-Levin-SyndromDie Prävalenz wird auf 1-5 Fälle auf 1 Million Einwohner geschätzt. Männer sind zwei- bis dreimal häufiger betroffen als Frauen. Die Erkrankung manifestiert sich bei ca. 80 % der Betroffenen im 2. Lebensjahrzehnt, im höheren Alter handelt es sich meist um symptomatische Formen.Die Kernsymptome Hypersomnie, Hyperphagie, Hypersexualität, kognitive und psychische Störungen treten zusammen nur bei ca. 14 % auf, ca. 43 % haben drei Symptome. Das wichtigste Symptom „Depersonalisation“ ist während der Episoden bei allen Patienten vorhanden. Die Diagnoselatenz kann viele Jahre betragen. Lithium kann die Frequenz und Dauer der hypersomnischen Episoden verringern. Wachmachende Substanzen können die Persönlichkeitsveränderungen akzentuieren.
Restless-Legs-Syndrom (RLS)Das RLS gehört nach ICSD-3 zu den nächtlichen Bewegungsstörungen. Es ist gekennzeichnet durch einen Bewegungsdrang der Beine oder Arme, verursacht oder begleitet von unangenehmen Missempfindungen der Extremitäten. Es stellt mit 3-10 % der kaukasischen Bevölkerungen zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen. Die Beschwerden sind meist von unterschiedlicher Intensität und treten zu Beginn meist in den Abend- und Nachtstunden auf. Durch Bewegung können die Beschwerden gelindert werden. Das RLS führt zu Schlafstörungen mit Schwierigkeiten einzuschlafen und häufigem nächtlichen Erwachen. In der Polysomnographie finden sich bei 80 % aller Patienten periodische Beinbewegungen im Schlaf.Das RLS tritt bei ca. 50 % familiär auf. Es kann auch schon Kinder betreffen, weshalb bei Kindern mit ADHS differenzialdiagnostisch an ein RLS gedacht werden sollte. Es zeigt einen chronisch progredienten Verlauf.Das idiopathische RLS zeigt meist einen unauffälligen Befund. Das sekundäre RLS kann vielfältige Ursachen haben (Polyneuropathie, enger Spinalkanal, Eisenmangel, Urämie, Schilddrüsenerkrankung, Myopathien, Parkinson-Erkrankung, Multiple Sklerose, Einnahme von bestimmten Antidepressiva).Diagnostisch müssen neben Anamnese und Familienanamnese immer eine neurologische Untersuchung (gegebenenfalls mit Elektromyographie), Labor (Eisen, Ferritin, TSH, Vitamine) und die International Restless Legs Severity Scale durchgeführt werden. Der L-Dopa-Test mit 100mg L-Dopa unterstützt bei Reduktion des RLS-Schweregrades die Diagnose. Eine Polysomnographie muss nur bei therapierefraktären Formen erfolgen, das heißt die Diagnose ist primär klinisch.Unter Therapie mit Dopamin bis 300 mg kann es schnell zu einer Augmentation kommen (zeitlich früherer Beginn und Zunahme des Schweregrades). Es sollte dann auf einen Dopaminagonisten gewechselt werden. Wenn die Therapie mit diesen Medikamenten nicht anspricht, können Tilidin, Carbamazepin, Gabapentin oder Oxycodon eingesetzt werden. Intravenöse Eisengabe kann bei Ferritinwerten < 100μg empfohlen werden.
Neurodegenerative ErkrankungenSchlafstörungen treten bei bis zu 90 % aller neurodegenerativen Erkrankungen auf. Die Insomnie ist eine der häufigsten assoziierten Schlafstörungen. Ca. 35 % bis 60 % aller Patienten mit Parkinson-Krankheit (PK) erfüllen die Kriterien einer chronischen Insomnie. Häufige Schlafstörungen sind die Hypersomnie (ca. 29-59 %), schlafbezogene Atmungsstörungen (ca. 25-50 %), circadiane Schlaf-Wach-Rhythmusstörungen und schlafbezogene Bewegungsstörungen wie das Restless-Legs-Syndrom und periodische Beinbewegungen im Schlaf sowie Parasomnien, u. a. die REM-Schlafverhaltensstörung (RBD, 30-60 %). Bei frühen PK nimmt die Tagesschläfrigkeit im Laufe der Zeit zu.Schlafstörungen bei neurodegenerativen Erkrankungen können den motorischen Symptomen um Jahre vorausgehen. Ursache sind degenerative Veränderungen in schlafregulierenden Regelkreisen, Effekte der spezifischen Medikation, motorische und nicht-motorische Symptome und Begleiterkrankungen (z. B. SBAS).Für die Therapie der Insomnie bei PK müssen andere Schlafstörungen ausgeschlossen bzw. behandelt werden. Parkinson-spezifische motorische Komplikationen/ Störungen müssen identifiziert und behandelt werden. Medikamentöse Verfahren sollen zusammen mit nicht-medikamentösen, verhaltens- und schlafhygienischen Maßnahmen angewendet werden. Der Einsatz bzw. die Umstellung auf langwirksame Dopaminagonisten kann dosisabhängig zu einer Verbesserung der subjektiven Schlafqualität empfohlen werden.Eszopiclon, Doxepin, Zolpidem, Trazodon, Ramelteon und Melatonin können zur Behandlung der Insomnie bei PK eingesetzt werden. Die Behandlung mit Duloxetin, Quetiapin und Clozapin bei Insomnie wird wegen unzureichender Evidenz der Wirksamkeit nicht empfohlen. Therapien mit Echtlicht (1.000 bis 7.500 Lux für 30-90 Minuten), Benzodiazepinrezeptoragonisten, sedierenden Antidepressiva, kognitive Verhaltenstherapie und Akupunktur können empfohlen werden.Die REM-Schlafverhaltensstörung ist ein Frühzeichen von neurodegenerativen Erkrankungen (Alpha-Synukleopathien). Prospektive Untersuchungen weltweit zeigen eine Konversionsrate von 91 % (IRBDSG) mit einem Risiko von 6,3 %/ Jahr. Die Behandlung erfolgt abhängig vom Schweregrad mit Clonazepam, Pramipexol oder Melatonin, wobei kaum belastbare Daten vorliegen.
DemenzenJegliche Form der Schlafstörung kann zu einer Demenz führen. Die Insomnie hat wohl die größte Bedeutung für die Entstehung. Schon 20 Jahre vor Beginn von Demenzen kommt es zur Aggregation von β-Amyloid 42 (Aβ). Schlafdefizit führt zu einer verminderten Clearance des neurotoxischen Aβ. Zusätzliche Faktoren sind zirkadiane Dysfunktion, Schlaffragmentierung, Neuroinflammation, Hypoxämien (z. B. bei Schlafapnoe) und die Generierung oxidativen Stresses. Bestimmte Lebensstile und Schlafstörungen können das Demenzrisiko vermehren.Die Therapie besteht aus:a. Einhaltung von Schlafhygiene,b. körperlicher Aktivität,c. sozialer Interaktion,d. Echtlichtexposition unde. kognitiver Verhaltenstherapie.Die pharmakologische Behandlung sollte vorsichtig erfolgen. Auf keinen Fall sollten Benzodiazepine oder Benzodiazepinrezeptoragonisten verabreicht werden, da sie - ebenso wie Antidepressiva - Delirien verursachen können. Schlaflatenz, Gesamtschlafzeit, kognitive und emotionale Parameter waren in einer Studie unter Melatonin nicht verbessert. Die Kombination von Bewegung mit 2500 Lux Echtlicht verbesserte die Schlafdauer. 50 mg Trazodon führte zu einer verbesserten Schlafdauer. Der nicht zugelassene Orexin-Antagonist Survorexant führt zu verbesserter Schlafqualität bei geringer Sedierung am Tage.
Multiple SkleroseSchlafstörungen bei Multiple Sklerose (MS) sind häufig: Insomnie (25-55 %), RLS (5-19 %) und SBAS (20-60 %). In einer Studie mit > 11.000 Teilnehmern gaben 30 % an unter einer Tagesschläfrigkeit zu leiden, 60 % unter einer Fatigue. Die Tagesschläfrigkeit kann mit Modafinil behandelt werden, wobei im Wesentlichen die Fatigue beeinflusst wird.Die Insomnie und die Tagesschläfrigkeit können verursacht sein durch RLS, SBAS, Schmerzen, Nykturie/Inkontinenz, Spastik, Übergewicht, spezifische MS-Medikation. Durch komorbide Depressionen kann die Schlafstörung negativ beeinflusst werden. Das Risiko, eine Insomnie zu entwickeln, ist mit erhöhten Fatiguewerten verbunden. Insomnie kann ein Risikofaktor für das Auftreten einer späteren MS sein.Die Behandlung mit kognitiver Verhaltenstherapie kann sich auf die Insomnie positiv auswirken ebenso wie die Behandlung mit 5 mg Melatonin. Patienten mit Depressionen sollten mit einem schlaffördernden Antidepressivum behandelt werden.
SchlaganfälleDie Prävalenz von SBAS bei Patienten nach Schlaganfall liegt zwischen 60-91 %, für Tagesschläfrigkeit bei 11-72 % und für RLS bei 15 %. Schlafapnoe kann ein Risikofaktor für das Auftreten eines Schlaganfalls sein und durch einen Schlaganfall verschlimmert werden. Diabetes mellitus, Übergewicht und RLS tragen im Wesentlichen zur Tagesschläfrigkeit bei Schlaganfallpatienten bei. Der Schweregrad des Schlaganfalls korreliert nicht mit der Tagesschläfrigkeit (gemessen mit ESS). Bei 34 % aller Patienten kann die Tagesschläfrigkeit über sechs Monate noch ein Problem hinsichtlich Kognition und Lebensqualität darstellen. Medikamente wie Bromocriptin, Modafinil, Methylphenidat und Levodopa wurden zur Behandlung eingesetzt, nCPAP verbesserte die Tagesschläfrigkeit bei Patienten mit SBAS.Die Befundlage zum Risiko eines Schlaganfalls bei Vorliegen einer Insomnie ist uneinheitlich und lässt keine klare Aussage zu. Nach einem Schlaganfall sollte ein Screening auf Insomnie vorgenommen werden, da diese in der Akutphase häufig auftritt. Spezifische Therapieempfehlungen liegen für die Schlafstörungen nicht vor, RLS, SBAS und andere komorbide Störungen sollten behandelt werden.
Schädel-Hirn-TraumenTraumatische Hirnschäden sind die häufigste Ursache für eine dauerhafte neurologische Behinderung. Mehr als 50 % leiden unabhängig vom Schweregrad des Schädel-Hirn-Traumas an Schlaf-Wach-Störungen. Hypersomnie ist ein häufiges Symptom nach einem Schädel-Hirn-Trauma und wird als Folge von leichten traumatischen Hirnverletzungen angegeben.
Spezialist für das Kleine-Levin-Syndrom
Prof. Dr. Geert Mayer ist weltweit einer von wenigen Spezialisten für das Kleine-Levin-Syndrom. Er behandelt 16 Betroffene dieser seltenen Erkrankung. Gemeinsam mit Kollegen aus Taiwan, China, den USA, Frankreich, Schweden und Israel nahm er am ersten weltweiten Kongress der "Kleine Levin Foundation (KLS)" bei San Francisco teil.
Das Kleine-Levin-Syndrom ist eine seltene neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende Episoden von exzessiver Schläfrigkeit, kognitiven Störungen und Verhaltensauffälligkeiten gekennzeichnet ist. Betroffene verbringen durchschnittlich zehn Tage im Bett, sind desorientiert, lethargisch und apathisch. Die ersten Symptome treten oft in der Pubertät und bis zum 20. Lebensjahr auf. Bis zur Diagnose vergehen im Schnitt fünf Jahre, da die Symptome oft verkannt und fälschlicherweise als Depression oder manisch-depressive Erkrankung eingestuft werden.
Schlaf und Demenz
Mayer untersucht die Zusammenhänge zwischen Schlafqualität, Resilienz und Krankheit und sucht passende Lösungen für Betroffene. Er betont, dass Schlafstörungen ein Frühzeichen für erste kognitive Einschränkungen sein können, wie sie bei Alzheimer-Demenz oder anderen neurodegenerativen Erkrankungen auftreten. Umgekehrt kann eine Demenz auch zu vermehrten Schlafstörungen führen.
Systematische Untersuchungen konnten nachweisen, dass ein gestörter Nachtschlaf für die Entwicklung von Alzheimer relevant ist. Ab dem 65. Lebensjahr kommt es zu einer Risikoverdopplung der Demenzentwicklung. Mayer betont, dass eine Verbesserung der Schlafstruktur und die Behandlung von komorbiden Schlafstörungen zur Resilienz gegen Demenzen führen können. Dies gilt beispielsweise für die obstruktive Schlafapnoe und das Restless-Legs-Syndrom.
Mayer empfiehlt, bei jahrelang bestehender Schlafstörung Schlaftagebücher zu führen und gegebenenfalls Schlaflaboruntersuchungen zu veranlassen. Verhaltensorientierte Maßnahmen zur Behandlung der Schlafstörung, wie individuelle Regeln zur Schlafhygiene, körperliche Bewegung und ausreichende Tageslichtaufnahme, stehen dabei an erster Stelle. Für Patienten mit chronischer Insomnie ist die kognitive Verhaltenstherapie langfristig effektiver als Medikamente.
Schlaf als "Spülprogramm" für das Gehirn
Mayer erklärt, dass Schlaf für das Gehirn wie ein Spülprogramm ist, bei dem Abbaustoffe ausgewaschen werden. Eine mögliche Folge von Schlafmangel ist, dass fehlerhaft gefaltetes Alpha‐Synuklein nicht ausreichend aus dem Zentralnervensystem entfernt wird, was als Ursache der Parkinson‐Krankheit diskutiert wird. Auch bei REM‐Schlafstörungen sind Ablagerungen von Alpha‐Synuklein nachweisbar.
Engagement in Fachgesellschaften
Prof. Dr. med. Geert Mayer war seit 1992 Mitglied des erweiterten Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin, Herausgeber des Rundbriefs der Gesellschaft, Organisator mehrerer Jahreskongresse der Gesellschaft, 1994 Sekretär der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin, Mitglied mehrerer Arbeitsgruppen der DGSM, Vorsitzender der AG Öffentlichkeitsarbeit der DGSM, seit 2001 Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der DNG, seit 2001 Mitglied der Kommission Polysomnographie der Deutschen Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und funktionelle Bildgebung DGKN, seit 2001 Leiter der Fortbildungskommission Schlaf der Deutschen Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und funktionelle Bildgebung DGKN, seit 2002 Leiter der Kommission Schlaf der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, Mitglied der Task Force Narcolepsy der European Federation of Neurology, Dozent der Philipps-Universität Marburg, Fachbereich Neurologie, 2006 Präsident der DGSM, seit 1989 Klinischer Prüfer (Epilepsie, Narkolepsie, Insomnie, Restless Legs Syndrom, Sleep Phase Delay Syndrom), Erfahrung mit GCP/ICH.
Schlafstörungen als Volkskrankheit
Mayer betont, dass Schlafstörungen eine Volkskrankheit sind, die oft unterschätzt wird. Er warnt vor den Folgen von Schlafmangel, wie Konzentrationsstörungen, Beeinträchtigung der Denk- und Merkleistung und langfristig sogar die Förderung von Demenz.