Direkte Gefahr für das Gehirn: Gehirnerschütterung, Koma und ihre Folgen

Ob beim Sport, in der Freizeit, bei der Arbeit oder im Haushalt: Überall und jederzeit besteht das Risiko einer Gehirnerschütterung durch Stürze und Zusammenstöße. Sie kann vereinfacht als „Kurzschluss“ innerhalb der Nervenzellen aufgefasst werden, woraus eine meist kurz andauernde Leistungsstörung des Gehirns mit vielfältigen Symptomen resultiert. Doch eine Gehirnerschütterung ist eine ernst zu nehmende Verletzung, die weitreichende Auswirkungen haben kann.

Gehirnerschütterung: Einleitung und Definition

Eine Gehirnerschütterung ist eine traumatisch bedingte Funktionsstörung des Gehirns. Anders als irrtümlich angenommen, ist sie nicht zwingend mit einer Bewusstlosigkeit oder Erbrechen verbunden. Weil sie nicht sichtbar ist, wird sie oft als Bagatelle abgetan. Als Folge einer nicht erkannten Gehirnerschütterung klagen betroffene Personen zum Beispiel auch Monate später noch über Beschwerden. Der Begriff Gehirnerschütterung ist nicht eindeutig definiert. Die klinischen Symptome und Zeichen dürfen nicht durch Drogen, Alkohol oder Medikamente erklärbar sein beziehungsweise durch Verletzungen zum Beispiel der Halswirbelsäule oder psychologische Faktoren und Begleiterkrankungen bedingt sein.

Ursachen und Mechanismen

Ein genauer Verletzungsmechanismus, der zu einer Gehirnerschütterung führt, ist nicht bekannt. Im Allgemeinen wird zwischen direkter Krafteinwirkung auf den Kopf mit Gefahr einer direkten Hirnschädigung am Anprallort und indirekten Krafteinwirkungen durch Kraftübertragung aus der Peripherie des Körpers unterschieden.

Symptome und Verlauf

Die Symptome und Zeichen einer Gehirnerschütterung verbessern sich in der Regel mit der Zeit und sind keine Hinweise auf einen dauerhaften Schaden des Gehirns. Neuro-kognitive Symptome sind aber wie die klinische Symptomatik selbst limitierend und meistens nach zwei bis 14 Tagen vollständig verschwunden. In 85 Prozent der Fälle besteht die Symptomatik nach Gehirnerschütterung maximal eine Woche und in 97 Prozent besteht vollständige Symptomfreiheit nach einem Monat.

Risikofaktoren und Komplikationen

Eine früher bereits erlittene Gehirnerschütterung birgt ein bis zu dreifach erhöhtes Risiko und bei Vorliegen einer Bewusstlosigkeit im Rahmen der Erst-Gehirnerschütterung sogar ein sechsfach erhöhtes Risiko für eine erneute Gehirnerschütterung. Mehrfach-Gehirnerschütterungen verlängern die Erholungsphase und scheinen stärkere Symptome auszulösen. Frauen leiden häufig unter stärkeren Symptomen und einer verlängerten Rekonvaleszenz. Das Vorliegen einer retrograden/antegraden Amnesie bewirkt zehnmal beziehungsweise viermal häufiger eine stärkere klinische Symptomatik und eine verzögerte Rekonvaleszenz. Vorbestehende hirn-funktionelle Störungen können die Erholungsphase verlängern: Angstzustände und/oder Depression, Lernstörungen oder Migräne können zu vermehrter Müdigkeit, Verstärkung einer Depression und Angstzuständen sowie vermehrten kognitiven Beschwerden führen. Eine vorbestehende Lernstörung kann durch eine Gehirnerschütterung verstärkt werden. Kinder und Jugendliche weisen statistisch gegenüber Erwachsenen eine verlängerte Erholungsphase auf. Insbesondere Kinder können in ihrer Erholung deutlich eingeschränkt sein. Durch zu frühe und zu ausgedehnte Teilnahme am Unterricht können Symptome verschlechtert werden.

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Diagnose und Beurteilung

Hauptnachteil ist ein relativ hoher Zeitbedarf von 15 bis 20 Minuten auch für computerbasierte Testbatterien. Die Taschenkarte des Concussion Recognition Tools hilft beim schnellen Erkennen von Gehirnerschütterungen. Sie bildet die wichtigsten Symptome einer Gehirnerschütterung ab. Aufgrund der prognostischen Relevanz sollten anamnestisch die Anzahl bereits erlittener Gehirnerschütterungen und die damalige Symptomdauer abgefragt werden und ob ein geringeres Trauma zur erneuten Gehirnerschütterung führte. Ein neurologischer Befund sollte orientierend eine Beurteilung von Hirnnervenfunktionen, grober Kraft und Sensibilität, Ganganalyse und Koordination umfassen. Die radiologische Diagnostik dient dem Ausschluss oder der Bestätigung struktureller Folgen. Im Gegensatz zum CCT zeichnet sich die Magnetresonanztomografie (MRT) durch eine erhöhte Sensitivität für strukturelle und axonale Schäden aus. Serum-Biomarker, wie Serumprotein S100b und neuronenspezifische Enolase (NSE), sind nach Gehirnerschütterung und leichtem SHT erhöht. S100b ist ein sensibler Marker für Hirnschäden, aber nicht sehr spezifisch, da es auch nach körperlicher Belastung erhöht ist.

GET-App als Hilfsmittel

Die ZNS - Hannelore Kohl Stiftung und die Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (VBG) haben mit Unterstützung von ausgewiesenen Fachleuten die 2016 veröffentlichte Gehirnerschütterungs-Test-App (GET-App) weiterentwickelt. Sie ist für den Mannschafts- und Schulsport konzipiert, aber auch über den Sport hinaus einsetzbar, um Einzelpersonen oder Gruppen zu testen. Alle ab dem Alter von etwa zwölf Jahren können die App bedienen. Wird eine Gehirnerschütterung ignoriert, ist die betreffende Person einem erhöhten Unfallrisiko ausgesetzt. Im Sport werden 40 bis 60 Prozent der Gehirnerschütterungen nicht erkannt, weil die Sportlerinnen und Sportler das Spiel fortsetzen wollen und ihre Beschwerden deshalb herunterspielen. Mit der GET-App kann schnell, zuverlässig und unabhängig von einer Selbsteinschätzung beurteilt werden, ob der Verdacht auf eine Gehirnerschütterung besteht. Statt einer vagen, subjektiven Aussage der betroffenen Person erhält man anhand der unterschiedlichen Tests Daten, die den Verdacht erhärten oder entkräften können. Von Expertinnen und Experten aus der Unfall- und Neurochirurgie ausgemachte Symptome, die auf eine Erschütterung des Gehirns hinweisen, werden dabei berücksichtigt. Ein besonderes Feature der GET-App ist die Erfassung und Speicherung von individuellen Baselines - Ruhewerten, die im unbeeinträchtigten Zustand erhoben werden. Für eine anonyme Nutzung sowie die Nutzung durch Einzelpersonen ohne Speicherung von Baseline-Werten ist keine Registrierung erforderlich. Die ausführlichen Informationen zum zugrunde gelegten Datenschutzkonzept sind jederzeit über das Menü nachlesbar. Es wurden die strengen Anforderungen der aktuell gültigen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) berücksichtigt. Trainerinnen und Trainer oder Gruppenleiterinnen und -leiter können anschließend Gruppenprofile anlegen. Die GET-App ist so konzipiert, dass jedes einzelne Teammitglied - bei Kindern und Jugendlichen die jeweiligen Erziehungsberechtigten - der Speicherung der Daten zustimmen müssen. Eine ungewollte Manipulation von Daten ist dadurch nahezu ausgeschlossen.

Behandlung und Rehabilitation

Regelhaft kommt es innerhalb kurzer Zeit zur vollständigen Symptomerholung. Eine vollständige klinische Symptomerholung, kognitive und Gleichgewichtserholung erfolgen typischerweise innerhalb einer Woche. Der Wiederaufnahme von Schule und Beruf kommt eine entscheidende primäre Bedeutung zu. Erste Erfahrungen wurden im sportlichen Bereich gemacht. Die Wiederaufnahme sportlicher Betätigungen (Return to Play) basiert auf dem normalen Erholungsverlauf sowie der klinischen Beurteilung und Symptomatik, der neuropsychologischen Bewertung und der Gleichgewichtstestung. International hat sich ein sechsstufiges gestaffeltes Protokoll etabliert. Danach vergehen vom Tag des Unfalls meist mindestens sechs Tage bis zur Arbeits- oder Sportfähigkeit, entsprechend der Mindestzeit für die Erholung der Nervenzellen. In der unmittelbaren posttraumatischen Phase nach einer Gehirnerschütterung ist das Gehirn besonders anfällig aufgrund der noch andauernden unfallbedingten Veränderungen. Zunächst wird allgemein körperliche und geistige Ruhe empfohlen, um die gestörten Zellen nicht noch mit schulischer kognitiver Arbeit zu stressen und damit den Erholungsprozess zu verlängern. Kognitive Ruhe beinhaltet die Vermeidung/Verringerung des Lesens, der Computernutzung, von SMS, Fernsehen oder Filmen, Videospielen und mentalen Aktivitäten. Die vollständige Ausschaltung kognitiver Reize wird nicht empfohlen. Es gibt zunehmend Hinweise, dass nicht jede Gehirnerschütterung folgenlos ausheilt. Bei Kindern und Jugendlichen dauerte die Symptomatik altersunabhängig durchschnittlich anderthalb Monate an.

Koma: Ursachen, Diagnose und Behandlung

Ein Koma ist ein Zustand tiefer Bewusstlosigkeit, bei dem der Betroffene weder auf äußere Reize reagiert noch willkürliche Bewegungen ausführt. In Deutschland erleiden etwa 7.000 Menschen am Tag ein Koma, wobei bei etwa 350 Personen das Koma länger als eine Woche dauert.

Ursachen

Meistens ist ein Koma Ausdruck einer lebensbedrohenden Beeinträchtigung der Hirnfunktionen. Ein Koma kann auch durch direkte Erkrankungen des Gehirns, wie zum Beispiel einen Schlaganfall oder eine Hirnentzündung, ausgelöst werden. Alternativ können Erkrankungen außerhalb des Gehirns zu einem Koma führen. Das Gehirn reagiert sehr empfindlich auf Störungen der Zufuhr von Sauerstoff und Zucker (Glukose) und stellt schon nach wenigen Sekunden die Funktion ein. Der Mensch verliert das Bewusstsein. Bleibt der Mangel bestehen, kommt es innerhalb von drei bis neun Minuten zu einer voranschreitenden Schädigung der Hirnzellen. Diese Schädigung ist dauerhaft und umso ausgedehnter, je länger die Unterbrechung der Hirnversorgung andauert. Ein Koma kann durch bestimmte Grunderkrankungen begünstigt werden. Dazu gehören zum Beispiel die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus), bei der es zu starken Schwankungen des Blutzuckers kommen kann. Ein starker Anstieg des Zuckerspiegels kann ein sogenanntes diabetisches Koma auslösen. Sinkt der Zuckerspiegel durch die Therapie zu stark ab, kommt es zum „hypoglykämischen Koma“.

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Diagnose

Die orientierende Diagnose der Bewusstseinsstörung beruht auf drei Tests (Augen öffnen, Antwort auf eine Frage, Bewegung von Armen und Beinen - spontan und auf Schmerzreize). Der Grad der Reaktion wird dann auf einer Skala erfasst. Eine häufig benutzte Skala zur groben Einteilung des Bewusstseins stellt die Glasgow-Koma-Skala dar. Ein wacher, gesunder Mensch erreicht darauf 15 Punkte. Eine Störung des Bewusstseins liegt bei 9-13 Punkten vor, ein Koma unterhalb von 9 Punkten. Es folgt eine ausführliche neurologische Untersuchung der gesamten Hirnfunktionen. Besonders die Pupillenreaktionen, Bewegungen von Augen und Augenlidern sowie der Schutzreflex der Augenhornhaut (Kornealreflex), Bewegungen der Arme und Beine und bestimmte Haltungen des Betroffenen geben Auskunft über die Schwere der Hirnverletzung. Zu diesen Untersuchungen kommen immer noch zahlreiche weitere hinzu. Bei schweren Hirnschäden kann es sein, dass Reize aus dem Körper nicht empfangen werden und das Gehirn keine Bewegungen mehr veranlassen kann. Dann funktionieren die Tests der Glasgow-Koma-Skala möglicherweise nicht, weil zwar ein gewisses Maß an Bewusstsein vorhanden ist, aber sich der Betroffene nicht bemerkbar machen kann.

Behandlung und Prognose

Das Koma selbst ist nicht gezielt behandelbar. Eine Behandlung komatöser Zustände versucht daher, ihre Ursachen zu beheben. Bei einer Unterzuckerung oder Hirnentzündung etwa lässt sich ein kurz andauerndes Koma oft beseitigen. Schwere Hirnschädigungen sind bisher nicht behandelbar. Der Verlauf eines Komas hängt stark von der Ursache ab. So kann ein akutes Koma aufgrund einer Unterzuckerung rasch behandelt werden und klingt dann vollständig ab. Nach einer Schädel-Hirn-Verletzung besteht eine bessere Chance für eine Rückkehr des Bewusstseins als nach einer Hirnschädigung durch Sauerstoffmangel. Die Wahrscheinlichkeit, das Bewusstsein wiederzuerlangen, betrug nach einem Schädel-Hirn-Trauma in einer Untersuchung an 603 Erwachsenen nach einem Monat 42 Prozent, nach 3 Monaten 27 Prozent und nach 6 Monaten 12 Prozent. Ein dauerhaft bestehendes Koma ist dabei ein extrem seltener Zustand. Wer aus einem Koma erwacht, kann bleibende Schäden zurückbehalten. Je jünger die Betroffenen sind, desto besser sind die Aussichten. Die Aussicht auf Besserung eines Komas hängt stark von der Ursache und der Dauer ab. Sie wird außerdem durch das Lebensalter beeinflusst. Ungünstig sind Schädigungen des gesamten Gehirns, die nicht durch ein Trauma, also zum Beispiel einen Unfall, ausgelöst wurden. Die Prognose verschlechtert sich mit zunehmender Dauer des Komas und höherem Lebensalter. Nach einem überlebten Koma können bleibende Schäden am Gehirn zurückbleiben. Unabhängig von der Ausprägung der Bewusstseinsstörung können Koma-Patienten so behandelt werden, als würden sie etwas „mitbekommen“: Man kann mit ihnen sprechen, ihnen zum Beispiel über Kopfhörer ihre Lieblingsmusik vorzuspielen und sie streicheln. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Frage, wie viel von den Außenreizen ankommt, sind nicht eindeutig. Die Grundsätze der Bundesärztekammer zur ärztlichen Sterbebegleitung von 2011 sehen bei Betroffenen mit schwersten Hirnschädigungen und kognitiven Funktionsstörungen ein Recht auf Behandlung, Pflege und Zuwendung vor. Eine anhaltende Bewusstseinsbeeinträchtigung allein rechtfertigt danach nicht den Verzicht auf lebenserhaltende Maßnahmen. Wichtig ist bei den medizinischen Entscheidungen über lebenserhaltende Therapien, ob diese der mutmaßliche oder verfügte Willen des Betroffenen entsprechen. Dazu ist es gut, wenn man als Erwachsener eine Patientenverfügung in Verbindung mit einer Vorsorgevollmacht erstellt hat.

Schädel-Hirn-Trauma: Diagnose, Symptome und Behandlung

Das Schädel-Hirn-Trauma ist eine ernste Verletzung, die durch äußere Gewalteinwirkung auf den Kopf entsteht. Die Auswirkungen auf das Gehirn reichen von leichten Beeinträchtigungen bis hin zu schweren und langanhaltenden Schäden. Bei einer Gehirnerschütterung handelt es sich um eine leichte Form des Schädel-Hirn-Traumas.

Symptome

Je nach Schweregrad und betroffenem Bereich des Gehirns können Schädel-Hirn-Traumata (SHT) unterschiedliche Symptome verursachen. Wesensveränderungen: Manche Betroffene zeigen Veränderungen in ihrer Persönlichkeit und ihrem Verhalten. Kopfschmerzen: Unmittelbar nach dem Trauma klagen einige Betroffene über Kopfschmerzen. Die Symptome eines SHT können bei Frauen und Männern unterschiedlich ausgeprägt sein. Frauen berichten zum Beispiel häufiger über Kopfschmerzen und Gedächtnisprobleme, während Männer eher Verhaltensänderungen und Aggressivität zeigen.

Diagnose

In der Regel beginnen die Ärzt:innen die Diagnose eines Schädel-Hirn-Traumas (SHT) mit einer gründlichen Anamnese und körperlichen Untersuchung. Hierbei erfassen wir die Umstände des Unfalls oder der Verletzung, die Symptome und den aktuellen Gesundheitszustand der betroffenen Person. Ein wichtiges Instrument zur Einschätzung der Bewusstseinslage und der Schwere des Traumas ist die Glasgow-Koma-Skala (GCS). Nach der Erstuntersuchung folgen bildgebende Verfahren, um das Ausmaß der Verletzung zu bestimmen und eventuelle Blutungen oder Schwellungen im Gehirn zu identifizieren. Magnetresonanztomografie (MRT, Bildgebungsverfahren, bei dem ein Magnetfeld genutzt wird): Die MRT liefert detaillierte Bilder des Gehirns. Zusätzlich können neurologische Tests die Nervenfunktionen und das Ausmaß eventueller Schädigungen beurteilen.

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Behandlungsmethoden

Die Behandlung eines Schädel-Hirn-Traumas (SHT) erfordert ein multidisziplinäres Vorgehen, das auf die individuellen Bedürfnisse der Patient:innen zugeschnitten ist. Sie zielt darauf ab, lebensbedrohliche Zustände zu stabilisieren und weitere Schäden zu verhindern. Entfernung von Blutgerinnseln: Führen Blutungen im Gehirn zu einem erhöhten Druck, kann das umliegende Gewebe geschädigt werden. Entlastung des Gehirndrucks: Bei einer Schwellung des Gehirns kann eine sogenannte dekompressive Kraniotomie durchgeführt werden. Verschluss von Dura-Mater-Rissen: Die harte Hirnhaut (Dura Mater) kann bei einem SHT reißen. Nach der Akutversorgung ist die neurointensivmedizinische Behandlung entscheidend für den weiteren Verlauf. Aufrechterhaltung der Vitalfunktionen: Unser Fachpersonal überwacht und stabilisiert die Atmung und den Kreislauf.

Begleiterkrankungen

Patient:innen mit einem Schädel-Hirn-Trauma (SHT) können verschiedene Begleiterkrankungen haben, die entweder als direkte Folge des Traumas oder als sekundäre Komplikationen auftreten. Sie können den Heilungsprozess beeinflussen und erfordern oft eine spezielle Behandlung. Epidurales Hämatom: Dabei handelt es sich um eine Blutung zwischen der Schädelknocheninnenseite und der harten Hirnhaut, oft verursacht durch eine Verletzung der Arterien. Subdurales Hämatom: Diese Blutung unter der harten Hirnhaut entsteht, wenn Venen verletzt werden. Kommt es infolge einer Flüssigkeitsansammlung zu einer Schwellung des Gehirngewebes, ist von einem Hirnödem die Rede. Aufgrund von Narbenbildungen im Gehirn können nach einem SHT epileptische Anfälle auftreten.

Prävention

Schädel-Hirn-Traumata (SHT) sind ernste Verletzungen, die weitreichende Folgen haben können. Daher sollten einige Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden. Tragen eines Helms: Studien zeigen, dass das Tragen eines Helms beim Fahrradfahren oder anderen Sportarten das Risiko eines schweren SHT um bis zu 85 % reduzieren kann. Sicherheitsgurte im Auto anlegen: Das Anlegen des Sicherheitsgurtes kann die Wahrscheinlichkeit eines SHT bei einem Verkehrsunfall um etwa 50 % senken. Kindersicherheit im Auto: Verwenden Sie alters- und größenentsprechende Kindersitze und bauen Sie diese genau nach Anleitung ein. Sicherheitsmaßnahmen im Haushalt: Installieren Sie Handläufe an Treppen und entfernen Sie Stolperfallen wie lose Teppiche, um Stürze zu vermeiden. Gleichgewichts- und Krafttraining: Führen Sie mindestens zweimal pro Woche für 30 Minuten Gleichgewichts- und Kraftübungen durch. Risikobewusstsein: Schätzen Sie Risiken realistisch ein und vermeiden Sie unnötige Gefahren. Informationsvermittlung: Informieren Sie sich zum Beispiel bei Schulungen und Informationsveranstaltungen über die Risiken und Präventionsmaßnahmen von SHT. Verantwortungsvoller Umgang mit Alkohol und Drogen: Alkohol- und andere Drogen erhöhen das Risiko von Stürzen und Unfällen.

Weitere neurologische Erkrankungen und ihre Auswirkungen auf das Gehirn

Neben Gehirnerschütterungen, Koma und Schädel-Hirn-Traumata gibt es eine Vielzahl weiterer neurologischer Erkrankungen, die das Gehirn beeinträchtigen können.

Neurodegenerative Erkrankungen

Bei den neurodegenerativen Erkrankungen handelt es sich um eine Vielzahl von Krankheiten, bei denen nach und nach Neurone des ZNS absterben. Die häufigsten Erkrankungen sind Alzheimer, Parkinson und Chorea Huntington. Die Symptome können abhängig von der Erkrankung und der betroffenen Hirnregion sehr vielfältig sein und umfassen Gedächtnisstörungen, motorische Störungen, Orientierungsprobleme, Persönlichkeitsveränderungen und Änderungen im Verhalten. Bisher gibt es keine Ursachen-Therapie, sondern nur symptomatische Behandlungen. Es gibt für die Betroffenen keine Heilung, lediglich eine Verzögerung des Fortschreitens der Erkrankung.

Schlaganfall

Beim Schlaganfall kommt es zu einer plötzlich auftretenden Störung des Blutflusses im Gehirn und dadurch zur Unterversorgung des Gewebes mit Sauerstoff und Nährstoffen. Das Gehirn wird lokal geschädigt und es kommt zu einem Verlust von Neuronen. Typische Symptome sind Bewusstseinsstörungen, Taubheitsgefühle, Lähmungen, Schwäche, Sprachstörungen, Schwindel, Gangstörungen und Kopfschmerzen. Häufig treten bestimmte Symptome nur einseitig auf, da nur eine Hemisphäre des Gehirns bzw. Areale einer Hemisphäre unterversorgt sind. Die Therapie hat das Ziel, die korrekte Durchblutung möglichst schnell wiederherzustellen, um eine weitere Schädigung von Neuronen zu verhindern. Da die Neurone im Gehirn nicht regenerieren, ist die Schädigung der betroffenen Zellen irreversibel. Allerdings können Physiotherapie und Ergotherapie dazu beitragen, dass andere Hirnareale die Funktionen zumindest teilweise übernehmen.

Multiple Sklerose (MS)

Die Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Autoimmunerkrankung und neben der Epilepsie, die häufigste neurologische Erkrankung bei jungen Erwachsenen. Es entstehen in der weißen Substanz von Gehirn und Rückenmark Entzündungsherde, in denen das körpereigene Immunsystem die Myelinschicht attackiert. Die Zerstörung der Myelinschicht führt dazu, dass die Signalweiterleitung entlang der Axone nicht mehr korrekt erfolgt, was letztendlich zu den Symptomen der MS führt. Da die entzündlichen Läsionen prinzipiell in jedem Bereich des Gehirns auftreten können, sind die Symptome der MS entsprechend vielfältig.

Amyotrophe Lateralsklerose (ALS)

Wilfried Leusing hat ALS, amyotrophe Lateralsklerose, eine Krankheit, bei der die Zellen im Motorcortex langsam absterben. Das Tempo, mit dem die Neurone ausfallen, variiert von Patient zu Patient. Manche Menschen können zwei Jahre nach der Diagnose Arme und Beine nicht mehr bewegen. Das Fatale an der Krankheit ALS ist, dass nach und nach alle Funktionen, für die der Körper Muskeln einsetzt, ausfallen. Es beginnt mit kleinen Lähmungen, dann versagen die Gliedmaßen. Zunge und Kehlkopf streiken, was das Schlucken unmöglich macht. Irgend wann liegt der Erkrankte da, unfähig, sich zu regen und zu kommunizieren, denn auch sprechen kann er nicht mehr.

Reizüberflutung und ihre Auswirkungen auf das Gehirn

Das menschliche Gehirn ist täglich einer Flut an Reizen ausgesetzt: Bilder, Geräusche, Gerüche und digitale Informationen prasseln nonstop auf uns ein. Doch was passiert eigentlich im Gehirn, wenn es permanent mit Informationen überflutet wird?

Was macht Reizflut aus?

Der Begriff Reizflut beschreibt ja zunächst einmal nur die Menge, also viel oder wenig. Schaut man genauer hin, ist aber mindestens genauso entscheidend, ob die Reize für uns relevant sind oder nicht. Es macht einen Unterschied, ob ich Reizen ausgesetzt werde, die für mich persönlich bedeutsam sind, oder ob es um völlig irrelevante Dinge geht. Ein weiterer wichtiger Faktor ist die emotionale Färbung der Reize. Viele positive oder viele negative Reize können selbst in kleiner Menge das Gehirn stark beanspruchen, während eine große Anzahl irrelevanter, bedeutungsloser oder emotional neutraler Reize weniger Wirkung zeigt.

Auswirkungen auf Gehirn und Gesundheit

Das Gehirn ist so aufgebaut, dass es quasi einen Gatekeeper hat - Strukturen im Thalamus, die herausfiltern, welche Reize relevant sind und welche nicht. Wenn wir Reizflut nun als eine Situation definieren, in der die üblichen Filterstrukturen überfordert sind, kann das eine ganze Reihe von Hirnfunktionen verändern: Die Fähigkeit zu fokussieren kann abnehmen, die Aufmerksamkeit und die Gedächtnisleistung können beeinträchtigt werden, und auch die Stimmung kann sich beispielsweise in Richtung Depressivität verschieben. Ein basales Reaktionsmuster ist dabei das sogenannte Arousal-System, das Gehirnsystem, das das allgemeine Aktivierungsniveau des zentralen Nervensystems steuert und somit auch für Anspannung verantwortlich ist. Bei zu vielen Reizen steigt dieser Wert deutlich an.

Reizüberflutung im klinischen Kontext

Menschen konsumieren zum Beispiel übermäßig digitale Inhalte wie Handyinhalte oder Computerspiele und geraten dadurch in eine Art Abhängigkeit. Wenn sie nicht die gewohnte Intensität und Dosis an Informationen pro Tag erhalten, entsteht ein sogenanntes Craving, also ein starkes Verlangen, und es können Entzugssymptome auftreten. Bleibt die gewünschte Reizzufuhr aus, kommt es häufig auch zu einer Vernachlässigung sozialer Aktivitäten. Eine zweite Variante betrifft Menschen mit Schizophrenien. Hier spielt der bereits erwähnte Thalamus eine Rolle, der normalerweise Informationen filtert. Bei diesen Patientinnen und Patienten funktioniert dieser Filtermechanismus nur eingeschränkt, sodass Informationen wie durch ein großmaschiges Sieb ungefiltert ins Gehirn gelangen und es überfordern. Das kann über mehrere Kaskaden hinweg zu Halluzinationen und Wahnvorstellungen führen.

Schutz vor Reizüberflutung im Alltag

Durch protected time, also geschützte Zeiten, und bewusste Rituale wie zum Beispiel Zeiten für Sport, Hobbys oder persönliche Begegnungen, die fest im Alltag verankert sind, damit eine Reizüberflutung gar keine Chance hat. Man kann sogar anhand von Biomarkern messen, dass sich die Herzratenvariabilität günstig verändert, dazu gibt es eine ganze Reihe von spannenden Studien. Man muss dafür auch nicht sieben Tage die Woche 24 Stunden in der Tonne verbringen, aber es ist, wie schon die alten Griechen sagten: Das gesunde Mittelmaß macht‘s.

Forschung zu Hirnschäden und Regeneration

Nach einer Verletzung können Neurone des ZNS geschädigte Nervenfasern, sogenannte Axone, nicht mehr regenerieren, sodass sie dauerhaft von ihren Zielgebieten abgeschnitten bleiben. Schädigungen von Nervenfasern im Gehirn oder Rückenmark führen daher in der Regel immer zu irreversiblen Funktionsverlusten und damit lebenslangen Behinderungen, wie beispielsweise Querschnittslähmungen nach Rückenmarksverletzungen oder Erblindungen nach Sehnervschädigungen. Ein Forschungsschwerpunkt des Zentrums für Pharmakologie beschäftigt sich daher mit den Mechanismen, die dieser eingeschränkten Regenerationsfähigkeit des ZNS zugrunde liegen. Ziel ist die Entwicklung von neuen gentherapeutischen sowie pharmakologischen Ansätzen zur Förderung der axonalen Regeneration und somit der Wiederherstellung von verlorengegangenen Funktionen nach Schädigungen des Gehirns und Rückenmarks.

Die neue Forschergruppe „Synapses under stress“ aus Bochum, Bonn, Düsseldorf, Jülich, Münster und Twente konzentriert sich auf die sehr früh ablaufenden Prozesse nach einer Mangelversorgung. Im Kontext der Entwicklung solcher Hirnschäden ist dabei das Phänomen des „nachgeschalteten Zelltodes“, der nach Stunden bis Tagen auftritt, gut beschrieben. Wenig bekannt sind dagegen die frühen Prozesse, die durch Unterbrechung der Energieversorgung in Gehirnzellen hervorgerufen werden. Die Forscherinnen und Forscher werden die frühen zellulären Antworten nach Unterbrechung der Energieversorgung an Synapsen in den Blick nehmen.

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