Meningokokken sind Bakterien, die schwere, potenziell lebensbedrohliche Infektionen wie Hirnhautentzündung (Meningitis) und Blutvergiftung (Sepsis) verursachen können. Die Ständige Impfkommission (STIKO) in Deutschland gibt Empfehlungen zu Impfungen gegen diese Bakterien, um die Bevölkerung bestmöglich zu schützen. Die Impfempfehlungen werden regelmäßig auf Basis aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse angepasst. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die aktuellen STIKO-Empfehlungen zur Meningokokken-Impfung, einschließlich der Änderungen, die voraussichtlich ab Februar 2026 in Kraft treten werden.
Was sind Meningokokken und wie werden sie übertragen?
Meningokokken sind Bakterien der Art Neisseria meningitidis, von denen es 12 verschiedene Untergruppen (Serogruppen) gibt. In Deutschland sind hauptsächlich die Serogruppen B, C, W und Y für Erkrankungen verantwortlich. Meningokokken werden durch Tröpfcheninfektion bei engem Kontakt von Mensch zu Mensch übertragen, beispielsweise durch Husten oder Niesen. Nicht jeder, der die Bakterien trägt, erkrankt auch, was die unbemerkte Weiterverbreitung begünstigt.
Meningokokken-Erkrankungen: Symptome, Folgen und Häufigkeit
Meningokokken-Erkrankungen sind selten, können aber plötzlich auftreten und innerhalb weniger Stunden lebensbedrohlich verlaufen. In Deutschland kommt es zu etwa 300 Erkrankungen pro Jahr. Säuglinge und Kleinkinder haben das höchste Risiko, zu erkranken.
Die Inkubationszeit beträgt in der Regel 3 bis 4 Tage, kann aber zwischen 2 und 10 Tagen variieren. Zu Beginn können unspezifische, grippeähnliche Symptome wie Fieber, Erbrechen und Kopfschmerzen auftreten. Im weiteren Verlauf können Nackensteifigkeit, Lichtscheue, Gelenkschmerzen und Hauteinblutungen (als Zeichen einer Blutvergiftung) hinzukommen. Bei Säuglingen können Reizbarkeit, Schläfrigkeit, Krämpfe und eine vorgewölbte Fontanelle auftreten.
Trotz Behandlung kann es bei etwa jedem fünften Patienten zu Spätfolgen wie Hirnschäden, Hörverlust oder Lernschwäche kommen. Infolge einer Blutvergiftung können Amputationen erforderlich sein.
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Aktuelle STIKO-Empfehlungen zur Meningokokken-Impfung (Stand Dezember 2025)
Die STIKO hat ihre Empfehlungen zur Meningokokken-Impfung Ende Oktober 2025 aktualisiert. Die wichtigsten Änderungen und Empfehlungen im Überblick:
- Impfung für Jugendliche: Allen Kindern und Jugendlichen im Alter von 12 bis 14 Jahren wird eine Impfung gegen Meningokokken der Serogruppen A, C, W und Y (MenACWY) empfohlen, auch wenn sie bereits in der Vergangenheit gegen diese Serogruppen geimpft wurden. Die Impfung kann bis zum Alter von 24 Jahren nachgeholt werden.
- Wegfall der Impfung für Kleinkinder: Die bisherige Empfehlung, Kleinkinder im Alter von 12 Monaten gegen Meningokokken der Serogruppe C zu impfen, entfällt aufgrund einer veränderten Risikoeinschätzung.
- Grundimmunisierung gegen Meningokokken B bleibt bestehen: Die Empfehlung für die Grundimmunisierung gegen Meningokokken der Serogruppe B bleibt unverändert. Säuglinge sollen frühzeitig - im Alter von 2, 4 und 12 Monaten - gegen Meningokokken B geimpft werden. Diese Impfung wird seit 2024 von der STIKO ab einem Alter von 2 Monaten empfohlen.
- Indikationsimpfungen: Die Indikationsimpfempfehlungen bezüglich MenACWY und gegebenenfalls MenB für alle Altersgruppen bei gesundheitlicher Gefährdung oder aufgrund einer Reise bleiben bestehen.
Hintergrund der Änderungen
Die STIKO begründet die Änderungen mit einer Überprüfung der Datenlage zu den Serogruppen, die altersabhängig hauptsächlich für das Auftreten von Meningokokken-Erkrankungen verantwortlich sind. Die Inzidenz der Serogruppe C ist in den letzten Jahren kontinuierlich zurückgegangen, während der Anteil der Serogruppe Y zugenommen hat und mittlerweile etwa auf dem Niveau der Serogruppe B liegt.
Die neue Empfehlung zur Impfung von Jugendlichen gegen MenACWY soll dazu beitragen, die Impfquoten in dieser Altersgruppe zu erhöhen, da die Impfung zeitgleich mit anderen wichtigen Impfungen (Tdap-IPV und HPV) erfolgen kann. Die STIKO erwartet durch die neue Impfempfehlung bei einer angemessen hohen Impfquote auch einen indirekten Schutzeffekt vor invasiven Meningokokken-Erkrankungen (IME) in anderen Altersgruppen.
Verfügbare Impfstoffe
In Deutschland stehen drei Konjugatimpfstoffe gegen Meningokokken A, C, W und Y zur Verfügung, die ab einem Alter von 6 Lebenswochen, 12 Monaten bzw. 2 Jahren zugelassen sind. Für die Impfung gegen Meningokokken B stehen die Impfstoffe Bexero® (zugelassen ab 2 Monaten) und Trumenba® (zugelassen ab 10 Jahren) zur Verfügung.
Die STIKO erhofft sich von der MenB-Impfung von Säuglingen mit Bexero® eine gewisse Kreuzprotektion auch gegen andere Serogruppen von N. meningitidis, da der Impfstoff Oberflächenproteine enthält, die auch bei anderen Serogruppen vorkommen.
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Meningokokken-Impfung in der Schwangerschaft
In der Schwangerschaft sollte "so wenig wie möglich, aber so viel wie nötig" geimpft werden. Totimpfstoffe sind in der Schwangerschaft bei Notwendigkeit erlaubt. Es ist ratsam, dies direkt mit dem behandelnden Arzt zu besprechen. Generell empfiehlt die STIKO Frauen im gebärfähigen Alter, ihren Impfschutz bereits vor einer möglichen Schwangerschaft zu prüfen und gegebenenfalls zu vervollständigen. Impfungen mit Lebendimpfstoffen (z. B. gegen Masern, Mumps, Röteln und Windpocken) sollten vor der Schwangerschaft abgeschlossen sein.
Meningokokken-Erkrankung in der Kita: Was ist zu tun?
Bei einem Krankheits- oder Verdachtsfall auf Meningokokken-Erkrankung in einer Wohngemeinschaft oder Gemeinschaftseinrichtung (z. B. Kita) müssen die Betroffenen die Einrichtung informieren. Nach der Genesung können Betroffene die Einrichtung wieder besuchen.
Fragen an den Kinderarzt
Eltern sollten mit ihrem Kinderarzt über die STIKO-Empfehlungen zu den verschiedenen Meningokokken-Impfungen sprechen und sich individuell beraten lassen. Wichtige Fragen sind:
- Welche Impfungen sind für mein Kind empfohlen?
- Ab wann kann mein Kind gegen Meningokokken geimpft werden?
- Welche Nebenwirkungen können auftreten?
- Werden die Kosten für die Impfungen von den Krankenkassen erstattet?
Kostenübernahme durch die Krankenkassen
Seit Januar 2024 empfiehlt die STIKO standardmäßig die Impfung gegen Meningokokken B für Säuglinge und Kleinkinder. Dementsprechend werden die Kosten für diese Impfung von den Krankenkassen übernommen. Ebenso werden die Kosten für die Meningokokken-C-Impfung bis zum 18. Geburtstag erstattet.
Weitere Informationen
- Die Empfehlung zur Meningokokken-Impfung veröffentlichte die STIKO am 30. Oktober 2025 im Epidemiologischen Bulletin 44/2025.
- Detaillierte Informationen zu Meningokokken-Erkrankungen und Impfungen finden Sie auf den Seiten des Robert Koch-Instituts (RKI) und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA).
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