Opioide sind starke Schmerzmittel, die eine komplexe Wirkung auf das Gehirn haben. Sie docken an spezifische Rezeptoren im Nervensystem an und können sowohl therapeutisch zur Schmerzlinderung als auch als Rauschmittel eingesetzt werden. Der Konsum von Opioiden birgt jedoch erhebliche Risiken, darunter Abhängigkeit, gesundheitliche Schäden und Todesfälle durch Überdosierung.
Was sind Opioide?
Opiate sind psychoaktive Substanzen, die aus Schlafmohn (Papaver somniferum) gewonnen werden. Der Milchsaft der Pflanze enthält hauptsächlich Morphin, das älteste und wichtigste Opiat. Opioide hingegen sind teilweise synthetisch hergestellte Substanzen. Heroin ist das bekannteste Opioid, aber auch Methadon und Fentanyl gehören zu dieser Gruppe. Die Unterscheidung zwischen Opiaten und Opioiden wird heutzutage oft nicht mehr gemacht, und der Begriff "Opioide" umfasst sowohl natürliche als auch synthetische Substanzen.
Wie wirken Opioide im Gehirn?
Opioide wirken, indem sie an Opioidrezeptoren im Gehirn und Rückenmark binden. Diese Rezeptoren sind Teil des körpereigenen Schmerzabwehrsystems. Durch die Bindung an diese Rezeptoren unterdrücken Opioide die Weiterleitung von Schmerzsignalen und aktivieren das schmerzhemmende System.
Die Opioidrezeptoren befinden sich in verschiedenen Hirnregionen, darunter:
- Thalamus und Nucleus caudatus: Diese Regionen sind entscheidend für die Belohnungsverarbeitung, Gedächtnisbildung und Emotionsregulation.
- Hirnstamm: Der Hirnstamm ist wichtig für lebensnotwendige Funktionen wie Atmung und Herzfrequenz.
- Limbisches System: Dieses Hirnareal ist für die Verarbeitung von Emotionen zuständig und spielt eine wichtige Rolle bei der Entwicklung von Abhängigkeit.
Die Aktivierung von Opioidrezeptoren führt zu einer Reihe von Effekten, darunter:
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- Schmerzlinderung: Opioide sind sehr wirksam bei der Linderung von starken Schmerzen.
- Euphorie: Opioide können ein Gefühl von Glück und Zufriedenheit hervorrufen.
- Entspannung: Opioide können die geistige Aktivität dämpfen und Angstgefühle reduzieren.
- Atemdepression: Opioide können die Atmung verlangsamen oder sogar zum Stillstand bringen.
- Verstopfung: Opioide können die Darmbewegung verlangsamen und zu Verstopfung führen.
Opioide als Medikamente in der Schmerztherapie
In der Schmerztherapie sind Opioide nicht mehr wegzudenken. Ärzte verschreiben sie vor allem als Tablette oder als Pflaster, das kontinuierlich den Wirkstoff abgibt. Als Medikament verabreicht bleibt die Euphorie aus. Die Wirkung lässt länger auf sich warten als beim Spritzen in die Vene. Es kann bis zu drei Stunden dauern, bis die Schmerzen beim Patienten abnehmen. "Es muss ja erst einmal aus dem Darm aufgenommen werden, in den Blutkreislauf gelangen und dann an die Rezeptoren gelangen", erklärt Wordarz. Die Nebenwirkungen bei Opioiden als Medikament sind vergleichsweise gering. Viele Menschen leiden unter Übelkeit bis hin zu Erbrechen oder auch Verstopfung. "Entscheidend ist, dass Opioide extrem wichtige Medikamente sind. Jeder, der einen Unfall hat, eine OP oder eine Tumorerkrankung, wird heilfroh sein, dass es diese Medikamente gibt." Wenn die Behandlung jedoch länger als zwei Monate dauert, gewöhnt sich der Körper auch hier an die Substanz und an die Dosis. "Wenn jemand mit 25 starke chronische Rückenschmerzen hat und man davon ausgehen muss, dass sich das auch in den nächsten 30 Jahren nicht ändert, dann sind Opioide als Dauermedikation nicht gut geeignet", gibt Wodarz zu Bedenken.
Bei Krebspatienten aber seien Opioide unverzichtbare Schmerzmedikamente. Oft liege es an den Patienten selbst, dass Ärzte starke Schmerzmittel verschrieben. Verständlicherweise möchten sie ihren Schmerz so schnell wie möglich dämpfen oder sogar ganz loswerden. Das funktioniert eben am besten mit Opioiden. Aber die sind bei weitem nicht immer das Mittel der Wahl. Bei Beschwerden wie Regelschmerzen oder ein bisschen Bauchweh seien sie eine absolut falsche Lösung.
Opioide als Rauschmittel
Wenn Opioide als Droge und nicht als Schmerzmittel eingesetzt werden, wirken sie euphorisierend. "Heroinkonsumenten beispielsweise spritzen den Stoff, weil er innerhalb von 30 Sekunden wirkt. Der Drogenabhängige schaltet jegliche Probleme und Schwierigkeiten aus, fühlt sich glücklich und zufrieden. Die Wirkung von Opioiden als Rauschmittel bleibt nicht immer gleich stark. Folglich muss ein Drogenabhängiger die Dosis ständig erhöhen, damit er etwas spürt beziehungsweise irgendwann gar nichts mehr spürt. Die Abhängigkeit rückt in den Mittelpunkt des Lebens. Alles dreht sich darum, die nächste Dosis zu organisieren und zu spritzen. Oft kommen Alkoholkonsum, Psychopharmaka oder andere Drogen hinzu. Die Gefahr, sich etwa mit Hepatitis oder HIV anzustecken, steigt. Gefährlich sind auch unsaubere Drogen, die mit verschiedenen Substanzen gemischt werden. Dadurch zerstört sich der Körper immer mehr.
Die Gefahren von Opioiden
Opioide bergen ein hohes Suchtpotential und können schon bei regulärer Anwendung in eine Medikamentensucht führen. Es ist bekannt, dass sich der Körper relativ schnell an das verordnete Mittel gewöhnt und die Dosis nach und nach gesteigert werden muss, um dieselbe Wirkung zu erzielen. Man spricht hier auch von einer Toleranzentwicklung. Die Behandlung mit opioiden Analgetika sollte deshalb immer nur so kurz wie möglich erfolgen.
Die Entwicklung einer Abhängigkeit verläuft stets individuell. Viele Patienten sind auf die Wirkung von Opioiden als Schmerzmittel angewiesen. Zum Beispiel bei Krebspatienten ist ihr Einsatz seit Jahren bewährt.
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Die Opioid-Krise in den USA ist ein dramatisches Beispiel für die hohe Suchtgefahr von Opiaten und Opioiden. Allein im Jahr 2022 starben dort fast 108.000 Menschen an einer Überdosis. Knapp 82.000 starben an Opioiden. Diese Zahlen sind auf eine jahrelange inadäquat hohe Verordnung von Opioiden zurückzuführen.
Wer an einer Opioid- oder Opiat-Abhängigkeit leidet, sollte diese nicht auf die leichte Schulter nehmen, sondern sich schnellstmöglich mit adäquaten Behandlungsmöglichkeiten auseinandersetzen. So führt grundsätzlich kein Weg an einem qualifizierten Opiatentzug unter ärztlicher Aufsicht vorbei. Ein kalter Entzug, d. h.
In einer Suchtklinik werden die suchterzeugenden Stoffe langsam und unter medizinischer Betreuung ausgeschlichen. Bei Bedarf kann eine Substitutionstherapie mit z. B. L-Polamidon, Methadon oder Buprenorphin erfolgen. Parallel dazu müssen im Rahmen einer Therapie auch die psychische Seite der Sucht beleuchtet und behandelt und alternative Lösungsstrategien zur Einnahme des Suchtmittels gefunden werden. Nur wenn die Motive für die Einnahme aufgearbeitet und alternative Lösungsmöglichkeiten erarbeitet werden, haben Patienten die Chance, auch ohne schädlichen Substanzkonsum wieder ein normales Leben führen zu können. In der My Way Betty Ford Klinik können Sie alle Opiate und Opioide sanft und nachhaltig entziehen. Auch Mehrfachabhängigkeiten mit anderen Substanzen und Begleiterkrankungen können behandelt werden.
Drogenentzug kann zu Schweißausbrüchen und Zittern führen, zu Nervosität, Magenkrämpfen und Brechreiz oder auch zu Kreislaufstörungen.
Veränderungen im Gehirn durch Opioidkonsum
Opioide hinterlassen im Gehirn mehr als nur flüchtige Spuren. Bei Opioidabhängigen schrumpfen bestimmte Teile des Gehirns einer Studie zufolge deutlich. In anderen Bereichen nimmt das Volumen im Mittel zu, wie das Forschungsteam im Fachjournal „Radiology“ berichtet. Neben diesen strukturellen gebe es funktionelle Hirnveränderungen vor allem in Regionen mit hoher Dichte an Rezeptoren für Opioide.
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Eine sogenannte Opioid-Konsumstörung (englisch: Opioid use disorder/OUD) geht mit dem zwanghaften Bedürfnis einher, Opioide zu konsumieren, begleitet von körperlicher Abhängigkeit und schweren Entzugssymptomen.
Das Team um Saloni Mehta von der Yale School of Medicine in New Haven (USA) hatte eine spezielle Analyse der MRT-Scans von mehr als 200 Männern und Frauen durchgeführt, zu etwa der Hälfte Patienten mit OUD, die kurz zuvor mit einer Methadonbehandlung stabilisiert wurden, sowie gesunde Kontrollteilnehmer. Das Durchschnittsalter in der Gruppe mit Opioidkonsum lag bei 37 Jahren, etwa 40 Prozent waren Frauen.
Demnach gibt es deutliche Volumenunterschiede im Gehirn zwischen Teilnehmern mit OUD und gesunden Menschen. Ein geringeres Volumen weisen insbesondere Bereiche von Thalamus und Nucleus caudatus auf, ein größeres unter anderem Bereiche des Hirnstamms und des Kleinhirns. Das Gesamthirnvolumen unterschied sich zwischen der Konsumenten- und der Kontrollgruppe nicht. Auch wurden keine signifikanten Zusammenhänge zwischen dem Hirnvolumen und dem Ausmaß oder der Dauer von OUD-Symptomen gefunden.
Die aktuelle Analyse zeigte strukturelle und funktionelle Veränderungen vor allem in Regionen mit hoher Opioidrezeptordichte in der Gruppe der Opioidkonsumenten: Thalamus, Hippocampus, Amygdala, Hirnstamm und Kleinhirn. Solche Änderungen seien auch bei anderen Substanzkonsumstörungen üblich, heißt es in der Studie. Unklar sei bisher, wie strukturelle und funktionelle Veränderungen zusammenhängen und welche jeweils ursächlich und welche Folge sind. Auffällig seien unterschiedliche Veränderungsmuster im medialen präfrontalen Kortex - einer zentralen Region, die bei vielen psychischen Erkrankungen eine Rolle spielt - bei Männern und Frauen. Womöglich liege hier eine Erklärung dafür, dass Opioidkonsum bei Frauen stärker mit psychischen Problemen einhergehe und schneller problematisch werde.
Alternativen zu Opioiden
Es gibt verschiedene Alternativen zu Opioiden zur Schmerzlinderung, darunter:
- Nicht-opioide Schmerzmittel: Paracetamol oder Ibuprofen
- Physiotherapie:
- Psychotherapie:
- Akupunktur:
Endorphine: Die körpereigenen Opioide
Endorphine sind körpereigene Substanzen, die eine ähnliche Wirkung wie Opioide haben. Sie werden vor allem in der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) und im Hypothalamus, einem Teil des Zwischenhirns, produziert. Ihrer schmerzlindernden Eigenschaft verdanken sie auch ihren Namen: Der Begriff „Endorphin“ setzt sich zusammen aus endo (griechisch für „innen“) und Morphin: „Endorphin“ bedeutet endogenes (vom Körper selbst gebildetes) Morphin.
Endorphine können auch Zufriedenheit und Euphorie bewirken. Endorphine werden nicht nur in Notsituationen ausgeschüttet, sondern auch bei körperlicher Anstrengung, beim Essen bestimmter Nahrungsmittel, beim Orgasmus und durch Akupunktur. Endorphine können dann ein Wohlgefühl bis hin zur Euphorie hervorrufen (was übrigens auch eine häufige Wirkung von Morphin ist). Doch die Endorphine sind nicht allein dafür verantwortlich: Im Nervensystem sorgen sie dafür, dass bestimmte Zellen den Botenstoff Dopamin ausschütten, der unter anderem die Motivation, die Vorfreude und den Antrieb steigert. Auch Dopamin wird deshalb oft als „Glückshormon“ bezeichnet - und im Gegensatz zu den Endorphinen ist Dopamin tatsächlich ein Hormon.
Wie man die Endorphinproduktion auf natürliche Weise steigern kann
Alle Situationen, die für uns angenehm sind, können die Freisetzung von Endorphinen erhöhen und so zu unserem Wohlbefinden beitragen. Für die eine ist es ein entspannendes Bad oder eine Massage, für den anderen das Spielen oder Hören von Musik oder ein geselliges Beisammensein mit Freunden, bei dem es am besten auch noch etwas zu lachen gibt: Das kurbelt die Ausschüttung von Endorphinen so richtig an. Bei der Ernährung bewirken vor allem süße und fettreiche Speisen, dass Endorphine freigesetzt werden. Allerdings ist ständiges Naschen für die allgemeine Gesundheit sicher nicht empfehlenswert. Und was Liebe und Sexualität als Endorphin-Stimulanzien betrifft, so sind diese von uns nur bedingt beeinflussbar. Die individuelle sportliche Aktivität hingegen kann fast jeder von uns selbst steuern.
Sport ist der beste Ansatzpunkt, um die Endorphinausschüttung anzuregen. Dabei geht es nicht um den ultimativen Endorphinkick durch totale Verausgabung. Schon ein moderates Training kann uns ein wohltuendes Gefühl vermitteln. Im Freizeitsport kann sich dieses Wohlgefühl bereits nach einer Trainingseinheit oder einem kurzen Lauf einstellen. Schon hierbei werden vor allem dann Endorphine ausgeschüttet, wenn der Körper einer solchen Belastung nicht ständig ausgesetzt ist. Beim Langstreckenlaufen gibt es ein Glücksgefühl, das als Runner‘s High bekannt ist. Die Endorphine spielen dabei auch eine Rolle, wichtiger sind aber andere körpereigene Substanzen, die sogenannten Endocannabinoide. Wer Sport treibt, freut sich auch einfach darüber, seinem Körper etwas Gutes zu tun. Und nicht nur dem Körper: Regelmäßiger Sport kann helfen, Stress abzubauen oder die Konzentrationsfähigkeit und den Schlaf zu verbessern. Sport senkt dadurch auch das Risiko für psychische Erkrankungen und kann bei Menschen mit bestehenden psychischen Krankheiten wie Depressionen oder Angstzuständen die Symptome lindern.
Schokolade und Endorphine
Dem Verzehr von Schokolade werden zahlreiche positive Auswirkungen auf die Gesundheit zugeschrieben (und nicht alle davon sind nur ein Vorwand, um unbeschwert dem Schokoladengenuss zu frönen). Das liegt vor allem an den Flavonoiden: Das sind sekundäre Pflanzenstoffe, die im Kakao enthalten sind. Flavonoide fördern unter anderem die Durchblutung des Gehirns, was unsere kognitiven Fähigkeiten unterstützen und zum Beispiel auch das Schlaganfallrisiko senken könnte. Dazu sind aber noch weitere Studien nötig.
Nachgewiesen ist hingegen: Schokolade regt die Ausschüttung von Endorphinen an (was allerdings auch andere genussvolle Lebensmittel können). So gesehen macht Schokolade vielleicht nicht glücklich - aber viele Menschen empfinden ein Wohlgefühl, wenn sie Schokolade essen. Das kann uns natürlich auch dazu verleiten, immer mehr und immer öfter Schokolade zu essen. Auf diese Weise können - ähnlich wie Opiate und synthetische Opioide - auch Endorphine in gewisser Weise süchtig machen. Diese Suchtgefahr besteht übrigens auch bei Extremsportlern und -sportlerinnen, wenn sie ständig auf der Suche nach der nächsten Herausforderung und dem nächsten Endorphinkick sind.
Ist Schokolade nun gesund oder ungesund? Wie so oft ist es eine Frage der Dosis. Was der Psyche guttut, kann nicht ganz schlecht sein. Allerdings sollten Sie darauf achten, nicht zu viel Zucker und Fett zu konsumieren.