Die Gehirnbildung ist ein komplexer Prozess, der unser gesamtes Leben lang andauert und unsere kognitiven Fähigkeiten, unser Gedächtnis und unser Verhalten maßgeblich beeinflusst. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Gehirnbildung, von der embryonalen Entwicklung bis hin zu den Veränderungen im Alter, und untersucht die Faktoren, die diesen Prozess beeinflussen.
Geist und Gehirn: Eine wichtige Unterscheidung
Es ist wichtig, zwischen dem Begriff "Geist" und dem Begriff "Gehirn" zu unterscheiden. Der Geist umfasst unsere subjektiven Erfahrungen, unser Bewusstsein und die Art und Weise, wie wir Informationen verarbeiten. Er ist verkörpert und in ein Beziehungsgeflecht eingebettet. Das Gehirn hingegen ist ein physisches Organ, das an diesen Prozessen beteiligt ist, aber nur einen Teil des Geistes ausmacht.
Die Entwicklung des Gehirns in der Kindheit
Die Entwicklung des Gehirns beginnt bereits in der frühen Embryonalentwicklung. Aus dem Neuralrohr entstehen die Gehirnzellen, die Neuronen. Das Gehirn hat die Aufgabe, eine Beziehung zwischen dem, was im Körper vor sich geht, und dem, was zwischen ihm und der umgebenden Welt vor sich geht, zu entwickeln.
Die Gene bestimmen die Struktur des Gehirns, aber die Erfahrungen, die ein Kind macht, formen die Art und Weise, wie sich das Gehirn entwickelt. Das Gehirn muss verschiedene Bereiche durch Differenzierung und Trennung spezialisieren, um sie dann miteinander zu verknüpfen. Das Ziel der Gehirnentwicklung ist die Integration, die die Grundlage für die Regulation von Aufmerksamkeit, Stimmungen, Gefühlen, Gedanken, Verhalten, Beziehungen und sogar Moral bildet.
Förderung der geistigen Entwicklung von Kindern
Eltern und Erzieher können die geistige Entwicklung ihrer Kinder fördern, indem sie ein Verständnis für das sich entwickelnde Gehirn entwickeln und Integration in den Vordergrund stellen. Integration entsteht aus optimalem Funktionieren komplexer Systeme wie dem Gehirn. Sie bildet die Grundlage für Gesundheit und gute regulierende Fähigkeiten in Bezug auf Aufmerksamkeit, Gefühle, Erinnerung und Denken. Integration im Gehirn wird durch Integration in Beziehungen gefördert.
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Wenn dieses Wissen in das Bildungssystem einfließen würde, würden drei neue "R"s der Bildung entwickelt:
- Reflexion: Kinder lernen, über ihr Innenleben nachzudenken.
- Beziehungen: Beziehungen zu anderen Menschen und zur Erde werden als wesentliche Lernaufgabe betrachtet.
- Resilienz: Kinder lernen, ein Bewusstseinsgefäß zu öffnen, das es ihnen erlaubt, Erlebnisse zu halten, ohne sich mit ihnen übermäßig zu identifizieren oder von ihnen überwältigt zu werden.
PART: Ein Werkzeug für gesunde Beziehungen
Die PART-Methode (Präsenz, Abstimmung, Resonanz, Vertrauen) ist ein Werkzeug, um gesunde und stabile Beziehungen zu schaffen, in denen sich alle unterstützen. Präsenz bedeutet aufnehmende Achtsamkeit und Anwesenheit. Abstimmung bedeutet Konzentration der Aufmerksamkeit auf das innere Erleben der Menschen in der Beziehung. Resonanz bedeutet, die Gefühle des anderen zu fühlen, ohne zu ihm zu werden. Vertrauen bedeutet, dass in dieser Beziehung ein Gefühl von Vertrauen geschaffen wird. Ohne Vertrauen sind Kinder auf der Hut, reaktiv und verschließen sich dem Lernen.
Das Ja-Gehirn: Ein aufnehmender Zustand
Das Ja-Gehirn ist ein aufnehmender Zustand, der offen und verbindend ist. Das Nein-Gehirn ist ein reaktiver Zustand, die Antwort auf eine Bedrohung. Eltern können ihren Kindern helfen, in einen Ja-Gehirn-Zustand zu gelangen, indem sie selbst in diesem Zustand sind und eine Resonanz in ihnen erzeugen.
Das Ja-Gehirn definiert neu, was Erfolg ist. Es konzentriert sich auf Reflexion, Beziehungen und Resilienz, damit Kinder ein sinnerfülltes Leben führen, das zum Wohlergehen anderer beiträgt.
Veränderungen im Gehirn während der Adoleszenz
Während der Adoleszenz verändert das Gehirn seine Entwicklungsstrategie. Es beginnt, bestehende Verbindungen wieder zu kappen und verstärkt die Wirkung der verbliebenen Neurone. Die Gesamtstrategie der jugendlichen Gehirnentwicklung besteht darin, die Integration im Gehirn zu verstärken.
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Die Rolle der Amygdala
In der Adoleszenz gibt es eine Neigung zu starken emotionalen Reaktionen, besonders von Angst und Wut. Die Amygdala, das Zentrum von Angst und Wut, reagiert bei Jugendlichen stärker auf Reize als bei Kindern oder Erwachsenen. Eltern sollten dies verstehen und nicht persönlich nehmen, wenn ihre Kinder emotional reagieren.
Unterstützung der Integration in der Adoleszenz
Eltern und Lehrer können Jugendliche unterstützen, indem sie ihnen helfen, sich ihrer selbst gewahr zu sein und ein Bewusstseinsgefäß zu schaffen, auf das sie sich zurückziehen können, wenn starke Emotionen auftauchen.
Lernen und Gedächtnis: Neuronale Plastizität als Grundlage
Lernen und Gedächtnis sind eng miteinander verbunden. Lernen ist das Erlangen von Erkenntnissen und die Basis für das Abspeichern von Inhalten im Gedächtnis. Neurophysiologische Grundlage des Lernens ist die neuronale Plastizität. Das Gedächtnis unterscheidet sich in Abhängigkeit der Speicherzeit und Kapazität in das Ultrakurzzeitgedächtnis, das Kurzzeitgedächtnis, das Arbeitsgedächtnis und das Langzeitgedächtnis.
Der Hippocampus und der Papez-Kreis
Der Hippocampus im medialen Temporallappen ist von besonderer Bedeutung für den Lernprozess. Für die Gedächtnisbildung ist der Papez-Kreis von großer Bedeutung. Er befindet sich im Zentrum des limbischen Systems und dient der Speicherung von Gedächtnisinhalten.
Gedächtnisstörungen
Das hochkomplexe System rund um Lernen und Gedächtnisleistung ist anfällig für Störungen. Mögliche Ursachen für Gedächtnisstörungen sind vielfältig. Gedächtnisstörungen wie z. B. demenzielle Erkrankungen treten immer häufiger auf.
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Risikofaktoren für Demenz
Es gibt verschiedene Risikofaktoren für Demenz, darunter:
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Bluthochdruck, hohe Blutzucker- oder Cholesterinwerte belasten die Gefäße und den Stoffwechsel.
- Mangelnde geistige Anregung: Geistige Anregung in jungen Jahren schützt das Gehirn.
- Hörverlust: Wenn das Gehör nachlässt, verarbeitet das Gehirn weniger Reize.
- Erhöhtes Cholesterin: Erhöhtes Cholesterin kann die Ablagerung von schädlichen Proteinen im Gehirn fördern.
- Depressionen: Anhaltende Niedergeschlagenheit, sozialer Rückzug und mangelnde Selbstfürsorge belasten das Gehirn.
- Kopfverletzungen: Schwere oder wiederholte Kopfverletzungen erhöhen das Risiko für Demenzerkrankungen.
- Bewegungsmangel: Wer sich im Alltag kaum bewegt, erhöht sein Risiko, an einer Demenz zu erkranken.
- Diabetes: Typ-2-Diabetes zählt zu den am besten belegten Risikofaktoren für Demenz.
- Rauchen: Rauchen erhöht das Risiko für Alzheimer und vaskuläre Demenz.
- Übergewicht: Übergewicht erhöht das Risiko, später an einer Demenz zu erkranken.
- Alkoholkonsum: Wer regelmäßig viel Alkohol trinkt, riskiert den Verlust der grauen Masse im Gehirn.
- Soziale Isolation: Soziale Isolation kann das Risiko erhöhen, an Demenz zu erkranken.
- Luftverschmutzung: Feine Partikel aus Abgasen können Entzündungen auslösen, die Gefäße schädigen und langfristig die geistige Gesundheit beeinträchtigen.
- Sehschwäche: Wenn das Sehvermögen nachlässt und nicht ausgeglichen wird, gehen dem Gehirn wichtige Reize verloren.
Die Rolle von Vorwissen beim Lernen
Studien haben gezeigt, dass wir uns Neues leichter einprägen und merken, wenn es auf Bekanntem aufbaut. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass die Zunahme von aufgabenrelevantem Wissen die Bildung neuer Assoziationen im Hippocampus erleichtert und dass dies mit einer verstärkten Kommunikation zwischen dem Hippocampus und semantischen Prozessarealen einhergeht.
Die Gehirnstruktur im Laufe des Lebens
Eine groß angelegte Studie hat die Muster der neuronalen Vernetzung zwischen der Geburt und dem Alter von 90 Jahren rekonstruiert. Die erste Phase (Geburt bis etwa neun Jahre) ist geprägt von rapide zunehmender grauer und weißer Substanz, einer Überproduktion von Synapsen und deren späterer Auslese. Die zweite Epoche (Jugend bis in die frühen Dreißiger) ist eine Zeit, in der die Effizienz der Gehirnnetzwerke zunimmt. Mit Anfang 30 tritt die Gehirnstruktur in ihre längste stabile Phase ein: das Erwachsenenalter. Mit 66 Jahren beginnt die weiße Substanz messbar abzubauen.
Gehirnbildung und Beziehungen
Die Neurowissenschaften belegen, dass Gehirnbildung viel mit Beziehungen zu tun hat. Dies sollte Konsequenzen haben für Geburtsvorsorge, frühkindliche Betreuung, Bildung und Pflege.
Die Auswirkungen der Digitalisierung auf Beziehungen
Die Digitalisierung hat Auswirkungen auf unsere Beziehungen. Spontane Besuche, Präsenz-Besprechungen mit gemeinsamer Kaffeepause und ausführliche medizinische Anamnesen werden seltener.
Gehirngröße und Intelligenz
Gehirngröße hat wohl etwas mit Intelligenz zu tun, aber es müssen viele weitere Faktoren berücksichtigt werden. Um Gehirne von Tieren mit denen von Menschen zu vergleichen, müssen die Größen der einzelnen Teile des Gehirns verglichen werden.
Die Anpassungsfähigkeit des Gehirns
Das Gehirn passt sich während der Evolution an den restlichen Körper an. Jede sich entwickelnde Hirnregion passt sich dem Körper an, in dem sie sich befindet.