Gehirnvergleich: Delfin vs. Mensch – Ein Wettstreit der Intelligenzen?

Einführung

Die Intelligenz der Delfine ist seit langem Gegenstand von Faszination und wissenschaftlicher Forschung. Studien haben gezeigt, dass Delfine über bemerkenswerte kognitive Fähigkeiten verfügen, die denen des Menschen ähneln oder in einigen Aspekten sogar überlegen sind. Dieser Artikel vergleicht die Gehirne von Delfinen und Menschen, um die Grundlagen ihrer Intelligenz und die ethischen Implikationen dieser Erkenntnisse zu beleuchten.

Gehirnstruktur und -merkmale

Hirngröße und Faltung

Gemessen an ihrer Körpergröße haben Delfine etwas weniger Hirnmasse als der Mensch. Das Gehirn eines Großen Tümmlers ist etwa 40 Prozent größer als das des Menschen. Allerdings ist ihr Gehirn stärker gefaltet und hat eine größere Oberfläche, was die fehlende Masse wettmachen könnte. Die Faltung betrifft vor allem den Neocortex, eine Hirnstruktur, die komplizierte Denkvorgänge und das Selbstbewusstsein steuert. Tatsächlich hat keine andere Art der Welt ein so gewundenes Gehirn wie Delfine.

Nervenzellendichte

Professor Onur Güntürkün von der Universität Bochum hat jedoch nachgewiesen, dass "groß" nicht unbedingt mit leistungsfähig oder intelligent gleichzusetzen ist. Bei der Untersuchung von Gewebeproben aus dem Gehirn von toten Delfinen stellte er fest, dass die Großhirnrinde zwar über viel Masse, aber relativ wenige graue Zellen (Nervenzellen) verfügt. Säugetiere haben eine sechsschichtige Hirnrinde (Cortex), aber Delfinen fehlt eine dieser Schichten, nämlich diejenige, die die Eingänge aus den tiefer liegenden Strukturen des Gehirns in die Hirnrinde leitet. Allerdings variiert die Dichte der grauen Zellen je nach Gehirnregion. Beim Schweinswal sind die motorischen Areale sowie die Hirngebiete, die für die akustische Orientierung zuständig sind, dichter mit Nervenzellen bestückt als beim Menschen.

Gehirnbereiche und Funktionen

Ähnlich wie beim menschlichen Gehirn ist das Cerebrum (Großhirn) der größte Teil des Delfingehrins. Das Cerebellum (Kleinhirn) des Delfins ist, gemessen an der jeweiligen Größe, um fast die Hälfte größer als beim Menschen. Es ist zuständig für Feinmotorik, Balance, Gedächtnis, Sprache und Sinnesverarbeitung (Wahrnehmen und Erkennen). Das Delfingehirn hat einen paralimbischen Lappen, der im menschlichen Gehirn fehlt. Dadurch könnten emotionale Informationen eine größere Rolle spielen.

Unterschiede in der Gehirnstruktur

Obwohl viele komplexe soziale Verhaltensweisen von Walen und Delfinen denen von Menschen und anderen Primaten ähneln und sie große Gehirne besitzen, unterscheiden sich ihre Gehirnstrukturen von den unsrigen doch deutlich. Ein wesentlicher Unterschied ist der interhemisphärische Schlaf der Delfine. Beide Gehirne sind in zwei Hemisphären aufgeteilt, die mit dem Corpus Callosum (Gehirnbalken) verbunden sind.

Lesen Sie auch: Faszination Nesseltiere: Wie sie ohne Gehirn leben

Kognitive Fähigkeiten und Intelligenz

Intelligenzdefinition und -messung

Es wird schnell klar, dass es kein einheitliches Verständnis des Begriffs Intelligenz gibt. Intelligenz ist in der Psychologie ein Sammelbegriff für die kognitive Leistungsfähigkeit des Menschen. Ein wesentlicher Aspekt liegt im Ursprung des Wortes: Die Wahl zu haben und unterscheiden zu können, z.B. wer ist Freund oder Feind, welches Verhalten ist wann angemessen. Der Vergleich des Intelligenzgrades verschiedener Tierarten sollte laut Dr. Lorenzo von Fersen besser unterlassen werden, da die Tiere mit unterschiedlichen Problemlösungsstrategien ausgestattet sind, die ihnen für ein perfektes Dasein in ihrem Lebensraum dienlich sind.

Werkzeuggebrauch und Problemlösung

Sowohl Schimpansen als auch Delfine sind dazu fähig, Werkzeuge zu benutzen, um an begehrte Leckerbissen zu gelangen. In der Shark Bay an der Westküste Australiens wurde beobachtet, wie (vorwiegend weibliche) Große Tümmler mit Hilfe eines Schwammes, den die Strömung gegen ihren Kopf gedrückt hatte, auf die Jagd gingen. Der Delfin stöbert mit diesem „Schutzschild“ auf der Stirn stachelige Seeigel am Grund des Meeres auf. Auch Krähen modifizierten ihre Taktik geringfügig, um die harte Schale von Nüssen zu öffnen.

Soziale Intelligenz und Kommunikation

Die enormen Intelligenzleistungen einiger Wal- und Delfinarten spiegeln sich auch im Sozialverhalten der Meeressäuger wider: Je nach Art unterschiedlich stark ausgeprägt, leben die Tiere in komplexen Gruppenstrukturen, pflegen persönliche Beziehungen und besitzen ein faszinierendes Kommunikationssystem. 1965 haben Wissenschaftler schon entdeckt, dass Delfine einzigartige Erkennungstöne haben - einen Signaturpfiff, quasi einen Namen. Und es wurde auch bewiesen, dass andere Delfine ihre Artgenossen beim Namen nennen. Diese hohen Pfiffe dienen der Kommunikation und Erkennung untereinander.

Selbstbewusstsein und Empathie

Nicht nur Menschen und Menschenaffen, auch Delfine können sich selbst im Spiegel erkennen. Die Tiere schwammen danach regelmäßig zu einer spiegelnden Wand ihres Beckens, um die Flecken auf ihrem Körper zu begutachten. Delfine können also fühlen, traurig oder froh sein, sogar Respekt und Zuneigung für andere Delfine zeigen. Sie haben Humor und können sich nicht nur in die Gefühle anderer Artgenossen, sondern auch in die anderer Arten wie den Menschen hineinversetzen.

Lernen und kulturelle Entwicklung

Delfine lernen ziemlich schnell und geben ihr Wissen an ihre Nachkommen weiter, was man als kulturelle Entwicklung bezeichnet. Sie setzen Werkzeuge ein und trauern um ihre Toten. Delfine sind genauso schlau, wie sie es als Delfine sein müssen, sonst hätte sich ihre heutige Artenvielfalt nicht in dieser Weise im Laufe ihrer fast 60 Millionen Jahre langen Evolution durchsetzen können.

Lesen Sie auch: Lesen Sie mehr über die neuesten Fortschritte in der Neurowissenschaft.

Ethische Implikationen

Individuelle Rechte und Tierschutz

Anhand einer Liste von Kriterien wies Ethik-Professor Thomas White nach, dass Delfine alle Voraussetzungen erfüllen, um als Individuum definiert zu werden. Sie hätten positive und negative Empfindungen, Emotionen, Selbstbewusstsein und seien in der Lage, ihr Verhalten zu steuern. Wenn der Delfin im Verlauf seiner fast 60 Millionen Jahre langen Evolution ebenfalls diese Eigenschaften erworben haben sollte, stünden ihm ähnliche Rechte zu, wie sie der Mensch für sich beanspruche.

Delfinarien und Delfintherapie

Wegen ihres Rechts auf Freiheit ist es nicht richtig, die Delfine in Delfinarien zu halten, wo sie in Shows auftreten müssen. Das sei wie Sklaverei. Auch das Schwimmen mit Delfinen, eine Touristenattraktion, und sogar die medizinische Delfintherapie sollten aus diesem Grund verboten werden. Die DERTOUR Group, einer der führenden Reisekonzerne Europas, hat angekündigt, alle Angebote zu streichen, die Meeressäuger in ihrer natürlichen Lebensweise beeinträchtigen.

Schutzmaßnahmen und Respekt

Wenn man all diese und die vielen anderen noch unentdeckten Eigenschaften dieser faszinierenden Meereslebewesen überdenkt, dann drängt sich zwangsläufig der Schluss auf, dass man es hier mit eigenständigen, nicht-menschlichen Personen zu tun hat, die dasselbe (gesetzlich verbriefte) Recht auf Leben, Freiheit und Gesundheit wie Menschen haben sollten. Es ist wichtig, dass die Tiere in abgetrennten Lagunen in ihrer natürlichen Umgebung leben.

Lesen Sie auch: Tinnitus und Gehirnaktivität: Ein detaillierter Einblick

tags: #gehirn #delfin #mensch