Das menschliche Gehirn ist eine faszinierende und komplexe Struktur, die ständig in Denkprozesse involviert ist. Diese Prozesse, ob bewusst oder unbewusst, beeinflussen unser Zeitgefühl, unsere Entscheidungsfindung und unsere allgemeine Leistungsfähigkeit. In diesem Artikel werden wir uns eingehend mit den Denkprozessen des Gehirns befassen, von den Faktoren, die sie beeinflussen, bis hin zu Strategien zur Optimierung unserer kognitiven Fähigkeiten.
Das Zeitgefühl und die Gehirnleistung
Kognitive Abläufe wie Nachdenken, Kopfarbeit oder Lernen beeinflussen unser Zeitgefühl. Bei eintönigen Aufgaben scheint die Zeit stillzustehen, während sie bei herausfordernden Projekten wie im Flug vergeht. Forscher haben herausgefunden, dass sich dieser Effekt umkehren lässt: Wenn die Zeit schneller zu laufen scheint, verbessert sich unsere Gehirnleistung.
In einer Studie des Leibniz-Instituts für Arbeitsforschung an der TU Dortmund sollten Probanden eine komplexe Aufgabe am Computer lösen. Dabei wurde ihnen eine um 20 Prozent beschleunigte und anschließend eine um 20 Prozent verlangsamte Uhrzeit eingeblendet. Es zeigte sich, dass die Probanden die Aufgabe während des Blocks mit der schnelleren Uhr deutlich besser bearbeiteten. EEG-Messungen zeigten sogar eine erhöhte Hirnaktivität.
Studienautor Daniel Schneider erklärte, dass dies damit zusammenhängen könne, dass die Teilnehmer die eher eintönige Versuchsaufgabe positiver wahrgenommen haben, weil die Zeit schneller vergangen ist.
Strategien zur Nutzung des Zeitgefühls
Diesen Effekt können wir beruflich wie privat nutzen:
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- Knackige Fristen setzen: Bei langweiligen Aufgaben eine kurze Frist setzen, um die schnelle Uhr zu simulieren.
- Störenfriede verbannen: Ablenkungen wie Push-Meldungen oder Kollegen vermeiden, um den Flow nicht zu unterbrechen.
- Nicht an Kleinigkeiten aufhalten: Bei Problemen diese überspringen und später darauf zurückkommen.
- Pausen einplanen: Gezielte Pausen machen, um dem Kopf Ruhe zu gönnen.
Kognitive Ermüdung: Wenn das Denken müde macht
Nach einem langen Arbeitstag fühlen wir uns oft erschöpft, obwohl wir uns kaum bewegt haben. Diese kognitive Ermüdung ist das mentale Pendant zur Muskelerschöpfung. Eine Studie des Paris Brain Institute hat den Effekt geistiger Arbeit erstmals messbar gemacht.
Die Probanden wurden mehrere Stunden lang mit komplexen Aufgaben beschäftigt. Dabei wurde festgestellt, dass sich bei intensiver kognitiver Arbeit über mehrere Stunden hinweg Glutamat in einem Teil des Gehirns ansammelt, dem präfrontalen Cortex. Das Ansammeln des Glutamates verursacht eine kognitive Ermüdung.
Die Auswirkungen von kognitiver Ermüdung
Wenn wir erschöpft sind, treffen wir andere Entscheidungen. Wir wählen lieber eine kleine Belohnung sofort als eine größere später. Die Qualität unserer Entscheidungen leidet.
Unser Gehirn verbraucht bereits im Ruhezustand 20 Prozent der Energie - bei Denkarbeit deutlich mehr. Mentale Erschöpfung ist der Preis für ständige Kontrolle, Entscheidungen und Multitasking.
Was hilft gegen kognitive Ermüdung?
- Schlaf: Glutamat wird im Tiefschlaf abgebaut.
- Pausen: Regelmäßige Pausen einlegen, um das Gehirn zu entlasten.
Mental Overload: Wenn der Kopf streikt
Mental Overload macht sich auf vielen Ebenen bemerkbar. Typische Symptome sind:
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- Konzentrationsprobleme, Vergesslichkeit, Entscheidungsschwierigkeiten
- Erschöpfung, Schlafprobleme, Gereiztheit
- Innere Unruhe, Angstgefühle, das Gefühl von Dauerstress
- Körperliche Beschwerden wie Kopfschmerzen, Tinnitus, Herzrasen
Im Extremfall kann es zu Burnout oder Depressionen kommen.
Was hilft bei Mental Overload?
Bei Mental Overload geht es darum, anders mit dem eigenen Denken umzugehen. Wir können wahrnehmen, was im Kopf los ist, ohne in jeden Gedanken einzusteigen.
- Gedanken stehen lassen und nicht darüber grübeln.
- Nicht hadern, wenn andere nicht mitdenken.
- Sich nicht zu lange mit Dingen beschäftigen, die nicht perfekt laufen.
- Nicht hin- und herspringen, wenn der Kopf unzählige To-dos präsentiert.
- Dinge loslassen, Routinen ändern und Verantwortung abgeben.
Die Rolle von Glutamat
Glutamat ist ein wichtiger Botenstoff für kognitive Prozesse. In hohen Mengen wird er fürs Gehirn zum Problem. Bei intensiver Denkarbeit sammelt sich Glutamat im präfrontalen Cortex an, was zu kognitiver Ermüdung führt.
Schlaf hilft, das angesammelte Glutamat wieder abzubauen.
Die Produktivität von Wissensarbeitern steigern
Die Produktivität von Wissensarbeitern wird oft anhand der falschen Kriterien beurteilt. Sichtbare Geschäftigkeit ist ein schlechter Indikator für echte Produktivität.
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Produktive Wissensarbeit basiert auf linearem Denken, kreativem Denken und Automatismen. Bewusstes Denken ist eine begrenzte Ressource. Kreativität entsteht im Ruhezustand.
Schritte zur Steigerung der Produktivität
- Die Arbeit analysieren: Wissensarbeit ist Denkarbeit.
- Die Arbeit in kleinste Schritte zerlegen: Automatismen, bewusste, lineare Denkprozesse, unbewusste, kreative Denkprozesse.
- Die kleinsten Schritte optimieren:
- Produktive Automatismen kultivieren.
- Zustände meiden, die das Arbeitsgedächtnis schwächen.
- Ablenkungen vermeiden.
- Schlaf und Tagträume fördern.
- Alles zu einem optimalen Arbeitsfluss zusammensetzen: Die Arbeit so strukturieren, dass die verschiedenen Denkprozesse optimal genutzt werden.
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