Die Faszination der Sternzeichen: Was wissenschaftliche Studien über ihren Einfluss auf unser Gehirn verraten

Die Astrologie, eine jahrtausendealte Praxis, die behauptet, einen Zusammenhang zwischen der Bewegung von Himmelskörpern und Ereignissen auf der Erde herzustellen, insbesondere in Bezug auf die Persönlichkeit und das Schicksal von Menschen, spaltet die Gesellschaft. Während einige fest an die Macht der Sterne glauben, halten andere sie für eine harmlose Spinnerei oder gar für gefährlich. Dieser Artikel beleuchtet die wissenschaftlichen Studien, die sich mit dem Einfluss der Sternzeichen auf unser Gehirn und unsere Persönlichkeit auseinandersetzen, und untersucht, warum Horoskope nach wie vor so beliebt sind.

Was ist Astrologie?

Die Astrologie, vom griechischen „astron“ (Stern) und „logos“ (Lehre), bedeutet wörtlich übersetzt „Sternenlehre“. Sie geht davon aus, dass es einen Zusammenhang zwischen der Bewegung bestimmter Himmelskörper und Ereignissen auf der Erde gibt. Vor allem die Persönlichkeit und das Schicksal von Menschen sollen demnach davon abhängen, welche Himmelkörper zum Zeitpunkt seiner Geburt wo standen. Die Astrologie kann sich jedoch auf keine wissenschaftliche Forschung stützen.

Früher waren Astronomie und Astrologie eng miteinander verbunden. Bei den Babyloniern standen die Planeten sowie Sonne und Mond für Götter, die über Natur und Menschen herrschten. Im hellenistischen Griechenland gab es die Vorstellung, dass es einen Zusammenhang zwischen „oben“ und „unten“ gibt. Im Europa der Renaissance hatte die Astrologie großen Einfluss im öffentlichen und privaten Leben, bevor sie durch die Aufklärung aus dem Bereich der Wissenschaft verdrängt wurde.

Die Grundannahmen der Astrologie

„Die Sterne bestimmen oder beeinflussen unser Leben.“ Das ist die Grundannahme der Astrologie - und etwa jede dritte Frau und jeder sechste Mann stimmt in Umfragen dieser Aussage zu. Astrologen erstellen Persönlichkeitsanalysen aus Geburtsdatum, -ort und -zeit. Klemens Ludwig, Vorsitzender des Deutschen Astrologenverbandes, ist sich sicher, dass er mit diesen Angaben eine differenzierte Persönlichkeitsanalyse machen kann, die Hand und Fuß hat. Mit Zeitungshoroskopen möchte er jedoch nicht in Verbindung gebracht werden, da diese auch bei Astrologen nur zu Unterhaltungszwecken gelten.

Anhand von vorhersagbaren Sternenkonstellationen seien aber durchaus prognostische Aussagen möglich - wenn man es richtig anginge. Der Kosmos drehe sich immer weiter und bestimmte Himmelskörper wie Jupiter, Pluto oder Uranus stünden dann in neuen Konstellationen zum Geburtshoroskop. Tendenzen, glaubt er, sind dann durchaus erkennbar. Aber konkrete Vorhersagen etwa zu Scheidung, Jobverlust oder Todesdatum, das ist laut Ludwig unmöglich.

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Ludwig steht für die sogenannte psychologische Astrologie: Ihre Vertreter glauben nicht, dass die Gestirne tatsächlich physikalisch auf die Menschen wirken und sie so beeinflussen. Sie glauben aber, dass die Konstellation am Geburtstag eines Menschen stellvertretend steht für seine innere Welt. Diese Annahme ist an das Synchronizitätsprinzip von Carl Gustav Jung angelehnt: Er beschrieb, wie zwei Ereignisse, die nicht kausal zusammenhängen, trotzdem als sinnhaft verbunden empfunden werden können.

Wissenschaftliche Kritik an der Astrologie

Klaus Jäger, Vorstandsmitglied und Sprecher der Astronomischen Gesellschaft, begegnet der Astrologie immer wieder, sogar im Bekanntenkreis. Dabei sei das Thema aus wissenschaftlicher Sicht längst geklärt. Es gebe seit Langem sorgfältig erstellte Studien, die zeigen, dass es keinen belastbaren Zusammenhang zwischen den Gestirnen und dem Schicksal von Menschen gibt.

Auch wenn die moderne Astrologie sich nicht mehr auf logisch-physikalische Überlegungen stützt, findet Jäger die Zunft der Astrologen problematisch. Schließlich verdienten Astrologen damit Geld und hätten Einfluss auf manche Menschen, die gar ihr Leben nach Horoskopen ausrichten. Da höre für ihn der Spaß auf.

Den Astronomen Jäger stört aber, dass noch heute der Anschein erweckt werde, es handele sich bei der Astrologie um eine empirisch fundierte Wissenschaft. Dabei seien physikalische Einflüsse wissenschaftlich ausgeschlossen, wie zum Beispiel eine Studie eines dänisch-deutschen Forscherteams zeigte, in der es Daten von rund 15.000 Personen analysierte.

Die Wissenschaftler um Peter Hartmann von der dänischen Universität Aarhus fanden keinerlei Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen der Persönlichkeit und dem Geburtstag. Astrologie sei nicht nur Nonsens, sagt Jäger, sondern auch eine Pseudowissenschaft - denn sie hinterfrage nicht ihre eigenen Aussagen und ignoriere längst belegte Fakten. Naturwissenschaftler hingegen prüften ihre Theorien und suchten nach Messungen, die diese möglicherweise umwerfen.

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Einige der zentralen Annahmen der Astrologie seien uralt, im Laufe der Zeit entstandene Änderungen würden aber nicht berücksichtigt, sagt Jäger. So habe sich etwa die monatliche Lage der Sternbilder der Tierkreiszeichen in den vergangenen 2000 Jahren durch Änderungen an der Rotationsachse inzwischen um ein ganzes Sternbild verschoben. „Berechnet“ werde aber trotzdem noch so wie vor 2000 Jahren. Die Tierkreiszeichen sind daher eine Art Kalender ohne jede astronomische Entsprechung. Es sei in sich absurd, sagt Jäger, angeblich kleine Effekte auf den Menschen berechnen zu wollen und andererseits solche wichtigen Fakten außer Acht zu lassen.

Der Glaube an Astrologie: Psychologische Aspekte

Wenn doch schon länger klar ist, dass Gestirne nichts mit der menschlichen Seele zu tun haben, warum sind Horoskope nach wie vor so beliebt? Werner Gross, Leiter des Arbeitskreises „Religionspsychologie, Spiritualität und Psychomarkt“ im Berufsverband Deutscher Psychologen, erklärt: „Die harte Wissenschaft ist logisch, aber sie ist nicht psychologisch.“

Die Menschen versuchten, über Systeme wie die Astrologie das Unstrukturierte zu strukturieren, Komplexes einfacher zu machen. Oder auch Verantwortung abzugeben.„Ich bin ein Löwe, deshalb bin ich ein bisschen narzisstisch und aggressiv. Es ist im Grunde auch ein Stückchen Entschuldigung“, sagt Gross. Dazu kommt: Der Glaube, ein Schicksal zu haben, von höheren Mächten beeinflusst zu sein, verschafft dem eigenen Leben eine Bedeutung, eine Größe.

Die Astrologie gebe eine Art von Scheinsicherheit, sagt der Experte. „Je mehr ich emotional am Trudeln bin, je mehr ich in ungewissen Situationen stehe, desto mehr habe ich den Wunsch, die Zukunft zu kennen.“ Einige pendelten, andere ließen sich vom Wahrsager Karten legen, wieder andere tendierten zur Astrologie. „Das sind alles ähnliche Systeme. Der gemeinsame Nenner ist das magische Weltbild“, sagt er.

Der Barnum-Effekt und die Tendenz zur Selbstbestätigung

Dem Astrologen in die Hände spielt auch die Art und Weise, wie das Gehirn Informationen verarbeitet. Das ist zum Beispiel der Barnum-Effekt, benannt nach P. T. Barnum, der früher in Zirkussen ein Kuriositätenkabinett betrieb. Der US-Psychologe Bertram R. Forer hatte den Effekt 1948 bei einem Experiment mit seinen Studenten entdeckt. Er hatte ihnen einen Persönlichkeitstest zum Ausfüllen vorgelegt, anschließend aber jedem Studenten die exakt gleiche Beschreibung der Persönlichkeit vorgelegt. Den Text hatte Forer aus Horoskopen zusammengestellt. Sätze wie „Sie brauchen die Zuneigung und Bewunderung anderer“ standen darin oder auch „Zwar hat Ihre Persönlichkeit einige Schwächen, doch können Sie diese im Allgemeinen ausgleichen“.

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Die Studenten bemerkten den Trick nicht - und sie fühlten sich sogar sehr treffend beurteilt. Seitdem steht der Barnum-Effekt für die Neigung des Menschen, recht vage und allgemeingültige Beschreibungen für sich anzunehmen.

Daneben gibt es noch einen weiteren Effekt, der Astrologen zur Glaubwürdigkeit verhilft. Die Tendenz zur Selbstbestätigung nämlich. Eine Tendenz dazu, vor allem Informationen wahrzunehmen und zu erinnern, die die eigene Weltsicht stützen - und alles andere zu ignorieren. Das geschieht unterbewusst und ganz automatisch, es ist schwer, sich dagegen zu wehren.

Wissenschaftliche Studien zu saisonalen Einflüssen auf die Persönlichkeit

Viele Untersuchungen belegen mittlerweile, dass saisonale Umwelteinflüsse, etwa steigende Infektionsgefahren und sinkende Nahrungsqualität in den Monaten vor und nach der Geburt eines Menschen, Auswirkungen auf dessen Verfassung im reiferen Alter haben können. Im Mutterleib und kurz nach der Geburt werden offenbar viele Weichen für den späteren Lebensweg gestellt. Sogenannte epigenetische Effekte am Erbmaterial sollen dafür unter anderem verantwortlich sein. So konnten Genetiker nachweisen, dass zum Beispiel Umweltstress zu molekularen Veränderungen an Genen führen kann. Solche Veränderungen entscheiden später darüber, ob und wie stark ein Gen aktiv wird. Zwar sind die Effekte der individuellen Lebensweise - Ernährung, Genussmittelkonsum, Sport, Bildungsniveau - wahrscheinlich viel stärker.

Gleich mehrere Persönlichkeits-Züge zeigten zumindest statistisch eine deutliche Abhängigkeit von der Jahreszeit. Im Sommer geborene Studienteilnehmer neigten eher dazu, schnell zwischen trauriger und fröhlicher Stimmung hin und her zu wechseln. Diese Sommerkinder besaßen zudem meist eine eher positive Grundeinstellung, wie die Forscher berichten. Bei den Winterkindern war dies nicht der Fall. Sommer macht fröhlich, sorgt aber auch für schwankende Stimmung. Winterkinder sind ausgeglichener, neigen aber zu Depressionen. Auch eine Neigung zu Winterdepressionen könnte ihren Ursprung bereits bei der Geburt haben.

Das bedeutet jedoch nicht, dass das Temperament bereits bei der Geburt festgelegt ist. Ganz offensichtlich bläst nicht jeder Mensch mit einem Geburtstag im Winter sein ganzes Leben lang Trübsal, und wer im Sommer geboren wird, leidet später nicht automatisch an bipolarer Persönlichkeitsstörung. Genetische Faktoren sowie Umwelteinflüsse und soziale Kontakte spielen eine wichtige Rolle bei der Entstehung prägender Charakterzüge. Unterschiedliche Temperamente seien demnach Tendenzen zu bestimmten Verhalten und Emotionen, die auf biologischen Grundlagen basieren.

Gesundheitliche Aspekte und astrologische Zuordnungen

Gemäß der Astrologie repräsentiert jedes der zwölf Tierkreiszeichen bestimmte Körperbereiche und physiologische Systeme, die potenziell anfälliger für Gesundheitsprobleme sind.

  • Widder (21. März - 20. April): Widder gelten als energiegeladen und mutig. Sie werden oft mit dem Kopf und dem Gesicht in Verbindung gebracht und könnten anfälliger für Kopfschmerzen oder Gesichtsverletzungen sein.
  • Stier (21. April - 21. Mai): Stiere sind bodenständig und schätzen Stabilität. Sie werden mit dem Hals, dem Nacken, den Schultern, den Sinnesorganen und dem Verdauungssystem in Verbindung gebracht und können zu Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich neigen.
  • Zwilling (22. Mai - 21. Juni): Zwillinge sind vielseitig und neugierig. Aufgrund der starken Verbindung zum Nervensystem können neurologische Störungen wie Migräne oder Schlafstörungen auftreten. Atemwegsprobleme wie Asthma oder Allergien könnten bei Zwillingen vermehrt auftreten, da die Lungen und das Atmungssystem dem Zeichen Zwilling zugeordnet werden.
  • Krebs (22. Juni - 22. Juli): Krebse zeichnen sich durch ihre tiefen Emotionen aus. Das Krebszeichen wird dem Magen, der Brust und dem Verdauungssystem zugeordnet.
  • Löwe (23. Juli - 23. August): Löwen zeichnen sich durch ihr Selbstbewusstsein aus. Studien haben gezeigt, dass Taurin helfen kann, den Blutdruck zu regulieren und den Cholesterinspiegel zu kontrollieren, was wiederum zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen beiträgt. Bei Rückenschmerzen können Nahrungsergänzungsmittel wie Kalzium und Vitamin D, die für die Knochengesundheit wichtig sind, sowie Vitamin K, das den Knochenaufbau unterstützt, hilfreich sein. Magnesium wirkt zusätzlich gegen Muskelverspannungen.
  • Jungfrau (24. August - 23. September): Jungfrauen sind analytisch und detailorientiert. Das Sternzeichen Jungfrau wird in der traditionellen Astrologie mit dem Verdauungssystem in Verbindung gebracht. Bauchbeschwerden und Darmerkrankungen sind daher keine Seltenheit. Jungfrauen haben häufig mit ihrem Gewicht zu kämpfen. Dabei kann es sich sowohl um Übergewicht als auch um Untergewicht handeln.
  • Waage (23. September - 23. Oktober): Waage-Geborene verkörpern Harmonie und Ausgeglichenheit. In der Astrologie wird das Sternzeichen Waage mit den Nieren und dem unteren Rücken in Verbindung gebracht.
  • Skorpion (24. Oktober - 22. November): Das Sternzeichen Skorpion zeichnet sich durch Intensität und Leidenschaft aus. Das Sternzeichen Skorpion wird in der Astrologie traditionell mit den Geschlechtsorganen in Verbindung gebracht.
  • Schütze (23. November - 21. Dezember): Das Sternzeichen Schütze steht für Abenteuerlust und Optimismus. Im astrologischen Kontext wird das Sternzeichen Schütze mit den Hüften, den Oberschenkeln und dem Leber-Galle-System in Verbindung gebracht.
  • Steinbock (22. Dezember - 20. Januar): Steinböcke stehen für Entschlossenheit und Durchhaltevermögen. Das Tierkreiszeichen Steinbock wird traditionell mit den Kniegelenken und dem Skelettsystem, insbesondere den Knochen und Zähnen, in Verbindung gebracht.
  • Wassermann (21. Januar - 19. Februar): Wassermänner werden in der Astrologie als originell, unabhängig, kreativ und intellektuell beschrieben. Astrologisch gesehen besteht eine Verbindung zwischen dem Sternzeichen Wassermann und dem Kreislaufsystem und den Knöcheln.
  • Fische (20. Februar - 20. März): Fische sind bekannt für ihre Sensibilität und Kreativität. Das Tierkreiszeichen Fische ist in der Astrologie für seine ausgeprägte Sensibilität und sein tiefes Einfühlungsvermögen bekannt. Fische sollen eine ausgeprägt starke Verbindung zu ihrem Körper haben und Symptome intensiver wahrnehmen können als andere Sternzeichen.

Die Popularität der Astrologie in den sozialen Medien

Astrologie ist in den sozialen Netzwerken sehr präsent. Auf Instagram stehen neben Alter und Geschlecht immer häufiger Sternzeichen samt Aszendenten und Mondzeichen in den Profilen. Wayman Steward, Betreiber der Seite Astroarena, erklärt die wachsende Popularität der Sternzeichen durch die gestiegene Zugänglichkeit: "Es ist dank des Internets extrem einfach geworden, sich ein Horoskop erstellen zu lassen und astrologische Positionen zu bestimmen."

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