Gehirnerschütterung: Symptome, Ursachen und Behandlung

Eine Gehirnerschütterung, medizinisch als leichtes Schädel-Hirn-Trauma (SHT) bezeichnet, ist eine vorübergehende Funktionsstörung des Gehirns, die durch eine äußere Gewalteinwirkung auf den Kopf verursacht wird. Obwohl sie in der Regel keine bleibenden Schäden verursacht, ist es wichtig, die Symptome zu erkennen und angemessen zu handeln, um Komplikationen zu vermeiden.

Was ist eine Gehirnerschütterung?

Eine Gehirnerschütterung ist die leichteste Form eines Schädel-Hirn-Traumas (SHT). Das Gehirn, die „Schaltzentrale“ des Körpers, ist durch den Schädel und die umgebende Flüssigkeit (Nervenwasser) gut geschützt. Bei einem Sturz oder einem starken Zusammenprall kann das Gehirn jedoch stark durchgeschüttelt werden, da es gegen die Schädelwand stößt. Diese Erschütterung führt dazu, dass das Gehirn vorübergehend nicht richtig funktioniert.

Ursachen einer Gehirnerschütterung

Gehirnerschütterungen entstehen meist durch Unfälle, bei denen der Kopf einen Schlag abbekommt. Dies kann bei Sportarten wie Eishockey, Fußball oder Boxen passieren, aber auch bei Stürzen, Verkehrsunfällen oder im Haushalt. Kinder sind besonders häufig betroffen, da sie oft stürzen oder sich beim Spielen den Kopf stoßen.

Symptome einer Gehirnerschütterung

Die Symptome einer Gehirnerschütterung können vielfältig sein und variieren von Person zu Person. Sie können unmittelbar nach dem Unfall auftreten oder sich erst Stunden oder Tage später bemerkbar machen.

Leitsymptome

  • Erinnerungsverlust (Amnesie): Betroffene können sich oft nicht an den Unfall selbst oder an die Ereignisse kurz davor (retrograde Amnesie) oder danach erinnern.
  • Bewusstlosigkeit: Eine kurze Bewusstlosigkeit von wenigen Sekunden bis zu maximal 15 Minuten kann auftreten, muss aber nicht.
  • ** vegetative Symptome:** Schläfriges Blinzeln, Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit und Erbrechen sind häufige Begleiterscheinungen.

Weitere häufige Symptome

  • Kopfschmerzen
  • Schwindel
  • Benommenheit
  • Verwirrung
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Gedächtnisprobleme
  • Müdigkeit
  • Licht- und Geräuschempfindlichkeit
  • Veränderter Geruchs- oder Geschmackssinn
  • Schlafstörungen
  • Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit, Angst oder depressive Verstimmungen

Symptome bei Kindern

Bei Kleinkindern kann es zu längeren Schreiattacken kommen. Ältere Kinder berichten gelegentlich über einen kurzzeitigen Verlust des Sehens ohne Veränderung der Pupillenreaktionen.

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Warnzeichen

Bei folgenden Anzeichen ist ein notfallmäßiger Arztkontakt unerlässlich:

  • Bewusstlosigkeit länger als 5 Minuten
  • Lähmungen
  • Vorher nicht bekanntes Schielen
  • Unkoordinierte Bewegungen
  • Verwaschene oder lallende Sprache
  • Anhaltendes Weinen, Wimmern, Unruhe oder zunehmende Teilnahmslosigkeit, Schläfrigkeit, Apathie
  • Erneut auftretendes Erbrechen nach anfänglicher Besserung
  • Austritt von wässriger Flüssigkeit oder Blut aus Nase oder Ohren
  • Frieren, Blässe, beschleunigte Atmung und Puls (Kreislaufversagen)
  • Auftreten von Krämpfen

Diagnose einer Gehirnerschütterung

Die Diagnose einer Gehirnerschütterung basiert in der Regel auf einer ausführlichen Anamnese (Gespräch mit dem Arzt) und einer körperlichen Untersuchung. Dabei werden neurologische Funktionen wie Gedächtnis, Koordination und Reflexe überprüft. In manchen Fällen können bildgebende Verfahren wie eine Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT) eingesetzt werden, um andere Ursachen für die Symptome auszuschließen oder Begleitverletzungen festzustellen.

Behandlung einer Gehirnerschütterung

Die Behandlung einer leichten Gehirnerschütterung ohne größere Funktionsstörungen besteht in erster Linie aus Ruhe und Schonung.

Akutphase

  • Körperliche und geistige Ruhe: In den ersten 1-2 Tagen sollte man sich körperlich und geistig schonen. Das bedeutet, auf anstrengende Aktivitäten, Sport, Fernsehen, Computerarbeit und Lesen zu verzichten.
  • Schlaf: Ausreichend Schlaf ist wichtig für die Erholung des Gehirns.
  • Schmerzlinderung: Bei Kopfschmerzen können leichte Schmerzmittel wie Paracetamol eingenommen werden. Aspirin und andere nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) sollten vermieden werden, da sie die Blutungsneigung erhöhen können.
  • Kühlen: Bei Schwellungen oder Beulen kann die betroffene Stelle gekühlt werden.

Rehabilitation

Nach der Akutphase kann man schrittweise wieder mit leichten Aktivitäten beginnen, solange diese keine Symptome auslösen. Es ist wichtig, auf den eigenen Körper zu hören und sich nicht zu überanstrengen.

  • Schrittweise Steigerung der Aktivität: Beginnen Sie mit leichten körperlichen Aktivitäten wie Spaziergängen und steigern Sie die Intensität langsam.
  • Kognitives Training: Beginnen Sie mit einfachen kognitiven Aufgaben wie Lesen oder Kreuzworträtseln und steigern Sie die Schwierigkeit allmählich.
  • Physiotherapie: Bei Nackenverspannungen oder Gleichgewichtsstörungen kann Physiotherapie helfen.
  • Psychologische Unterstützung: Bei Angst, Reizbarkeit oder Depressionen kann eine kognitive Verhaltenstherapie sinnvoll sein.

"Return to Play" für Sportler

Für Sportler gibt es spezielle Richtlinien für die Rückkehr zum Training und Wettkampf nach einer Gehirnerschütterung ("return to play"). Diese beinhalten einen stufenweisen Plan, der sicherstellt, dass der Sportler vollständig genesen ist, bevor er wieder voll belastet wird.

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Komplikationen einer Gehirnerschütterung

In den meisten Fällen heilt eine Gehirnerschütterung ohne bleibende Schäden aus. In einigen Fällen können jedoch Komplikationen auftreten:

  • Postkommotionelles Syndrom (PCS): Bei etwa 10-20% der Betroffenen halten die Symptome länger als sechs Wochen an. Dies wird als postkommotionelles Syndrom bezeichnet. Die Symptome können Kopfschmerzen, Schwindel, Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, Gedächtnisprobleme, Reizbarkeit, Angst und Depressionen umfassen.
  • Second Impact Syndrom: Wenn eine zweite Gehirnerschütterung auftritt, bevor sich die erste vollständig erholt hat, kann dies zu einer schweren Hirnschwellung und möglicherweise zu bleibenden Schäden oder zum Tod führen. Dieses Risiko ist besonders bei jungen Sportlern hoch.
  • Chronische traumatische Enzephalopathie (CTE): Wiederholte Kopfverletzungen, auch leichte Gehirnerschütterungen, können langfristig zu CTE führen, einer degenerativen Hirnerkrankung, die mit Gedächtnisproblemen, Verhaltensänderungen und Demenz einhergehen kann.

Vorbeugung von Gehirnerschütterungen

Es gibt verschiedene Maßnahmen, um das Risiko einer Gehirnerschütterung zu verringern:

  • Tragen eines Helms: Beim Radfahren, Skifahren, Inlineskaten, Reiten und anderen Sportarten sollte ein passender Helm getragen werden.
  • Anschnallen im Auto: Im Auto sollte sich jeder anschnallen, kleine Kinder benötigen einen geeigneten Kindersitz.
  • Stolperfallen beseitigen: Ältere Menschen können Stürzen vorbeugen, indem sie Stolperfallen wie Teppiche aus der Wohnung entfernen.
  • Bewegungs- und Koordinationsübungen: Diese Übungen stärken die Muskulatur und das Gleichgewicht und können Stürze verhindern.
  • Regeln im Sport einhalten: Im Sport sollten die Regeln eingehalten und auf faires Spiel geachtet werden, um Zusammenstöße zu vermeiden.

Das Postkommotionelle Syndrom (PCS)

Das Postkommotionelle Syndrom (PCS) ist ein komplexes Krankheitsbild, das nach einem Schädel-Hirn-Trauma (SHT) oder Schleudertrauma auftreten kann. Es ist durch eine Vielzahl von Symptomen gekennzeichnet, die somatischer, emotionaler, psychischer und kognitiver Natur sein können.

Symptome des PCS

Die Symptome des PCS können vielfältig sein und von Person zu Person unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

  • Kopfschmerzen: Häufiger nach einem leichten Schädel-Hirn-Trauma
  • Schwindel
  • Übelkeit
  • Reizbarkeit
  • Schlafstörungen
  • Angst und Depression
  • Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen
  • Gedächtnisstörungen
  • Müdigkeit und Abgeschlagenheit
  • Eingeschränkte Belastbarkeit bzw. schnelle Erschöpfbarkeit
  • Licht- und Geräuschempfindlichkeit
  • Unverträglichkeit gegenüber Alkohol

Ursachen des PCS

Die genauen Ursachen des PCS sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird vermutet, dass sowohl organische als auch psychologische Faktoren eine Rolle spielen können.

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  • Hirnschädigung: Es ist möglich, dass das PCS eine direkte Folge der durch das Trauma verursachten Hirnschädigung ist.
  • Psychologische Faktoren: Angst und Sorge vor bleibenden Hirnschäden können zur gesteigerten Wahrnehmung der Beschwerden führen. Es gibt eine hohe Überschneidung mit den typischen Symptomen einer Somatisierungsstörung.

Risikofaktoren für das PCS

Zu den Risikofaktoren für die Entwicklung eines PCS zählen:

  • Schweregrad des Schädel-Hirn-Traumas
  • Vorherige Kopfschmerzen
  • Auffälligkeiten in der Bildgebung
  • Jüngeres Alter
  • Weibliches Geschlecht
  • Chronische Schmerzerkrankung
  • Medikamentenübergebrauch
  • Psychische Erkrankungen (z. B. Depression)

Diagnose des PCS

Es gibt keine einheitlichen Kriterien für die Diagnose eines PCS. Die Diagnose basiert in der Regel auf einer ausführlichen Anamnese, einer körperlichen Untersuchung und gegebenenfalls weiteren Untersuchungen, um andere Ursachen für die Symptome auszuschließen.

Behandlung des PCS

Die Behandlung des PCS zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Die Behandlung kann eine Kombination aus verschiedenen Therapieansätzen umfassen:

  • Medikamentöse Therapie: Gegen Kopfschmerzen, Schwindel, Schlafstörungen oder Depressionen können Medikamente eingesetzt werden.
  • Physiotherapie: Bei Nackenverspannungen, Gleichgewichtsstörungen oder anderen körperlichen Beschwerden kann Physiotherapie helfen.
  • Psychotherapie: Eine kognitive Verhaltenstherapie kann helfen, mit Angst, Reizbarkeit oder Depressionen umzugehen und eine neue Sichtweise auf die Symptome zu entwickeln.
  • Weitere Therapien: Ergotherapie, Logopädie oder andere Therapien können je nach Bedarf eingesetzt werden.

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