Gehirnfunktion und Pädagogik: Seminarinhalte für eine gehirngerechte Förderung

Einführung

Das menschliche Gehirn ist ein komplexes Organ, dessen Funktionsweise für erfolgreiche Lern- und Entwicklungsprozesse von entscheidender Bedeutung ist. Seminare, die sich mit der Gehirnfunktion und ihren Implikationen für die Pädagogik beschäftigen, vermitteln wertvolles Wissen für Fachkräfte in Therapie, Erziehung, Pflege und Bildung. Diese Artikel beleuchtet die Inhalte solcher Seminare und zeigt, wie ein Verständnis der Gehirnfunktion zu einer effektiveren und gehirngerechteren Förderung von Kindern und Jugendlichen beitragen kann.

Neurobiologisches Lernen im Kleinkindalter

Ein wichtiger Schwerpunkt vieler Seminare ist das neurobiologische Lernen im Kleinkindalter. Hier erhalten die Teilnehmer Einblick, wie das kindliche Gehirn lernt und welche Reize die Entwicklung besonders fördern. Dieses Wissen kann für gehirngerechte Bildungsprozesse im Alltag genutzt werden, um Kinder wissenschaftlich fundiert und praxisnah zu unterstützen.

Die Rolle der Mechanik in der Gehirnentwicklung

Forschungen haben gezeigt, dass mechanische Eigenschaften des Gehirns eine wichtige Rolle bei der Entwicklung von Nervenverbindungen und der Entstehung elektrischer Signale spielen. In weicheren Regionen des Gehirns bilden sich mehr Synapsen. Die Steifigkeit der Umgebung beeinflusst sowohl die Synapsenbildung als auch die elektrische Aktivität. Neuronen nehmen diese Steifigkeit über den mechanosensitiven Ionenkanal Piezo1 wahr. Diese Erkenntnisse verändern das Verständnis davon, wie das Gehirn reift, und könnten zu neuen Einsichten über neurologische Entwicklungsstörungen führen.

Gehirnentwicklung und ihre Auswirkungen auf Lernen und Verhalten

Eine volle Funktionsfähigkeit des Gehirns ist erst bei Ausreifung aller Hirnfunktionen im Lauf des dritten Lebensjahrzehnts gegeben. Daher ist es wichtig, mit den Grundzügen der langdauernden Gehirnentwicklung und ihren Auswirkungen auf Lernen, Entwicklung kognitiver Funktionen und Verhalten von Kindern und Jugendlichen vertraut zu sein. Seminare geben einen Überblick, wann sich welche Hirnleistung entwickelt und welche Folgen daraus für die einzelnen Berufsgruppen abzuleiten sind.

Kognitive Diagnostik und Therapieprogramme

Weitere Schwerpunkte sind die kognitive Diagnostik und Befundung von Kindern und Jugendlichen verschiedener Altersstufen, sowie die Beschäftigung mit evaluierten Therapieprogrammen.

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Kognitives Training und Rehabilitation

Seminare bieten Einblicke in verschiedene Aspekte des kognitiven Trainings und der Rehabilitation:

  • Das therapeutische Konzept des symptomorientierten Kognitiven Trainings / Hirnleistungstrainings
  • Grundlagen des Kognitiven Trainings bei neurologischen (z. B. M. Parkinson, MS, Schlaganfall, Demenz usw.) und psychischen Erkrankungen (Depressionen, Psychosen, Suchterkrankungen), in der Psychosomatik und in Therapie und Rehabilitation anderer Bereiche
  • Grundlagen des Kognitiven Trainings in therapeutischen Praxen
  • Möglichkeiten der kognitiven Rehabilitation bei unterschiedlichen kognitiven Störungen, Hirnleistungsstörungen, Gedächtnisstörungen
  • Kognitiv-orientierte Sprachtherapie
  • Entwicklungsangepasstes Kognitives Training

Entwicklungsneuropsychologie

Ein weiterer wichtiger Bereich ist die Entwicklungsneuropsychologie, die sich mit der Entwicklung von Wahrnehmung, Konzentration und Aufmerksamkeit, Denkprozessen und Intelligenz beschäftigt. Seminare behandeln:

  • Entwicklungsneuropsychologie von Wahrnehmung, Konzentration und Aufmerksamkeit (einschl. Alerting- / Orienting-Netzwerk, Exekutive Aufmerksamkeit und Joint-Attention-Fähigkeit)
  • Denkprozessentwicklung (z.B. Theory of mind, Intelligenzentwicklung einschl.
  • Entwicklungsstörungen der o.g.
  • Vorschläge für evaluierte Therapieverfahren zur Therapie und Prophylaxe von Entwicklungsstörungen in den genannten Bereichen (z.B.
  • Entwicklungsangepasstes Kognitives Training

Neurodidaktik: Lernen verstehen und Menschen wirksam begleiten

Neurodidaktik bedeutet, Lernprozesse so zu gestalten, dass sie den biologischen Mechanismen des Gehirns folgen - und nicht dagegen arbeiten. Das Gehirn speichert keine Fakten, sondern Bedeutungen. Jede Information passiert zuerst die Amygdala, das „Tor zum Gedächtnis“. Nur was emotional markiert ist, gelangt weiter. Der Hippocampus verknüpft Neues mit Bekanntem. Synaptische Bahnen werden durch Wiederholung gestärkt.

Neurodivergenz und ADHS

Ein zentrales Thema ist Neurodivergenz, insbesondere ADHS. Menschen mit ADHS verarbeiten Reize schneller, sind oft hochkreativ, aber auch stärker von Ablenkungen betroffen. Im Seminar lernen Teilnehmende, wie sich Bewegung, Rituale und Ernährung gezielt nutzen lassen, um Fokus und Ruhe zu fördern.

Gehirngerechtes Lernen in der Praxis

Die Vermittlung des gehirngerechten Lernens ist entscheidend, um Lernfrust und Streit zu vermeiden. Wenn Kinder wissen, wie ihr Gehirn funktioniert, können sie leichter lernen und Spaß daran entwickeln.

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Neuroplastizität: Die Anpassungsfähigkeit des Gehirns

Das Gehirn ist anpassungsfähig (Neuroplastizität) und kann alles lernen, wenn man bereit ist zu üben. Jede neue Erfahrung bringt das Gehirn dazu, neue Verbindungen herzustellen.

Das Wissensnetz im Gehirn

Wissen wird im Gehirn als ein riesiges Wissensnetz dargestellt, das aus vielen unterschiedlichen Fäden und Knoten besteht. Neues Wissen wird angeknüpft, altes und ungenutztes Wissen wird losgelöst.

Emotionen als Wegweiser

Das Gehirn merkt sich Lerninhalte besser, wenn sie auf eine bestimmte Weise gelernt werden - und zwar verknüpft mit positiven Emotionen. Gute Gefühle setzen im Gehirn Dopamin frei, den „Botenstoff des Glücks“.

Methoden für gehirngerechtes Lernen

  • Lerninhalte mit einer emotional spannenden Geschichte oder einem unterhaltsamen Spiel verknüpfen
  • Visualisierung von Inhalten
  • Kooperative Lernformen, in denen jeder aktiv in den Lernprozess einbezogen ist

Die Bedeutung der Zusammenarbeit der Gehirnteile

Das Gehirn besteht aus verschiedenen Teilen, die nacheinander entstanden sind und zusammenarbeiten:

  • Stammhirn (Hirnstamm): Regelt die grundsätzlichen Lebensfunktionen wie Kreislauf, Atmung, Stoffwechsel und Schlaf.
  • Limbisches System: Das „Emotionale Gehirn“, das Informationen bewertet und mit Emotionen verknüpft.
  • Großhirn: Hier geschieht das rationale Denken.

Voraussetzung für erfolgreiche Lernprozesse im Großhirn ist, dass die beiden anderen Gehirnteile Stammhirn und Limbisches System kooperieren. Lernen und Verstehen ist ohne emotionale und sinnliche Beteiligung nicht möglich.

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Konstruktion des eigenen Wissensnetzes

Inhalte müssen verknüpft werden, Lernmethoden müssen gelernt und angewendet werden. Lernende sollten ihr eigenes Wissensnetz konstruieren, um Wissen aufeinander aufzubauen und wieder zu verknüpfen.

Konsequenzen für die berufliche Praxis

Das Gehirn verändert sich ständig - nutzungsabhängig. Diese Erkenntnisse haben wichtige Konsequenzen für die berufliche Praxis in Therapie, Erziehung, Pflege und Bildung.

Seminarangebote

Es gibt verschiedene Seminarangebote zu den Themen Gehirnfunktion, Pädagogik und Neurodidaktik. Diese Seminare werden sowohl in Präsenz als auch online angeboten und richten sich an Fachkräfte aus unterschiedlichen Bereichen.

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