Die faszinierende Welt der ätherischen Öle birgt ein großes Potenzial für die Gesundheit unseres Gehirns. Seit Jahrtausenden werden sie in der Heilkunde eingesetzt, und moderne Studien bestätigen zunehmend ihre vielfältigen Wirkungen. Dieser Artikel beleuchtet, wie ätherische Öle unser Gehirn beeinflussen können, welche wissenschaftlichen Erkenntnisse es gibt und wie sie in verschiedenen Bereichen Anwendung finden.
Wie Düfte unser Gehirn erreichen
Die Wirkung ätherischer Öle beginnt mit dem Geruchssinn. Pflanzen sondern Duftmoleküle ab, die beim Einatmen auf die Riechschleimhaut in der Nase gelangen. Dort befinden sich Millionen von Riechsinneszellen mit etwa 400 verschiedenen Geruchsrezeptoren. Binden sich Duftmoleküle an diese Rezeptoren, werden Duftreize über Nervenimpulse ins Gehirn geleitet.
Im Gehirn werden sowohl das Erinnerungs- als auch das Gefühlszentrum aktiviert, wodurch jeder Duft mit einem individuellen Gefühl abgespeichert wird - der sogenannte Erinnerungseffekt. Dieser Mechanismus wird in der Aromatherapie genutzt, um beispielsweise durch positiv abgespeicherte Düfte in Stresssituationen Beruhigung zu fördern.
Professor Hanns Hatt von der Ruhr-Universität Bochum entdeckte, dass Duftrezeptoren nicht nur in der Nase, sondern im ganzen Körper vorhanden sind. Duftstoffe können über den Magen-Darm-Trakt, die Lunge oder die Haut aufgenommen und anschließend über das Blut im Körper verteilt werden, wo sie an Duftrezeptoren andocken und ihre Wirkung entfalten.
Wissenschaftliche Erkenntnisse über die Wirkung von Düften
Zahlreiche Studien haben die Wirkungen bestimmter Duftstoffe auf den Körper nachgewiesen. Beispielsweise dockt das im Lavendel enthaltene Linalool oder Duftmoleküle aus der Gardenie an dieselben Rezeptoren wie das Medikament Valium an und fördern so Entspannung, Angstlösung und Schlaf. Minze oder Eukalyptus hingegen aktivieren Rezeptoren, die für Anregung und Konzentration zuständig sind.
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Rosmarin enthält kreislaufanregende Wirkstoffe, die wach machen und erfrischen, und wirkt zudem antibakteriell. Klinische Studien haben gezeigt, dass Rosmarin in der Lage ist, den Biofilm von Bakterien zu zerstören, der für deren Wachstum notwendig ist.
Obwohl viele Anwendungen der Aromatherapie wissenschaftlich noch nicht vollständig belegt sind, werden ätherische Öle bereits jetzt bei Krebspatienten zur Förderung des Wohlbefindens eingesetzt. Die Aromapflege, die auf der subjektiven Wahrnehmung von Gerüchen basiert, wird zusätzlich zu medizinischen Behandlungen angewendet, um beispielsweise Schlafstörungen, Angst oder Unruhe zu lindern.
Aromatherapie in der Praxis: Anwendungen und Beispiele
Apothekerin und Aromatherapeutin Dorothea Hamm empfiehlt bei Panikattacken eine wohltuende Duftmischung, die in ruhigen Situationen als angenehm empfunden wurde, um auch in stressigen Phasen zur Ruhe zu kommen. Sie empfiehlt auch, einen Riechstift selbst zu basteln, indem man einige Tropfen eines angenehmen ätherischen Öls auf einen Docht in einem Stift-Rohling gibt. Alternativ kann man einen Tropfen ätherisches Öl auf ein Taschentuch geben und in die Hosentasche stecken.
Im Evangelischen Krankenhaus in Wesel gehört der Einsatz ätherischer Öle zu den therapeutisch vom Arzt verordneten Maßnahmen. Krankenschwester und Aromapraktikerin Gudrun Motzny berichtet, dass Zitrusaromen wie Grapefruitöl die Laune heben, während Basilikum- oder Zitronenbasilikumöl in Untersuchungsräumen verwendet werden. Lavendelöl wirkt ebenfalls stimmungsaufhellend und beruhigend.
Pfefferminze steigert die Konzentration und lindert Kopfschmerzen, während Lavendel für Entspannung und guten Schlaf sorgt und bei kleinen Verbrennungen und Schnittwunden angewendet werden kann. Thymian lindert Husten und Halsschmerzen, Fenchel lindert Völlegefühl und Blähungen, und Teebaumöl reinigt Wunden und beschleunigt die Heilung von Narbengewebe.
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Auch zur Vorbereitung einer Strahlentherapie kann Aromatherapie einen Beitrag leisten. Hier empfiehlt Motzny ein Gemisch aus Jojoba-, Sanddornfruchtfleisch- und Niauliöl, das die Haut widerstandsfähiger macht. Auf der onkologischen Station werden ätherische Öle zur Mundpflege verwendet, um die durch die Strahlentherapie gereizte Mundschleimhaut zu heilen.
Ätherische Öle und ihre Wirkung auf Gehirnfunktionen
Ätherische Öle können verschiedene Gehirnfunktionen positiv beeinflussen:
- Konzentration und Gedächtnis: Studien haben gezeigt, dass das Inhalieren von ätherischem Öl aus Rosmarin das Gedächtnis fördern kann. Pfefferminzöl wirkt Wunder bei Erschöpfung und Sinnestrübheit, während Ingwer neue Energie gibt und klare Gedanken fördert.
- Stimmung und Emotionen: Zitrusaromen heben die Laune, Lavendel wirkt beruhigend und angstlösend, und Weihrauch kann die Denkfähigkeit und Kreativität fördern.
- Schlaf: Lavendelöl, römische Kamille und Mandarine können vor dem Schlafengehen angewendet werden, um das Träumen anzuregen und das Gehirn erinnerungsfähig zu machen.
Die Duftmoleküle der ätherischen Öle gelangen direkt über die Geruchsorgane in den Bereich des limbischen Systems, in dem unsere Gefühle lokalisiert sind. Ätherische Öle können die Blut-Hirn-Schranke durchbrechen und wirken unmittelbar auf unsere Emotionen und Erinnerungen.
Die Rolle von Kokosöl für die Gehirngesundheit
Kokosöl kann dem Gehirn neue Energie verleihen und seine Funktionsfähigkeit aktivieren. Das Gehirn benötigt permanent ausreichend Energie, um seine komplexen Aktivitäten zu verrichten. Bei neurodegenerativen Erkrankungen können die Nervenzellen in bestimmten Regionen des Gehirns insulinresistent werden und die vorhandene Glukose nicht mehr aufnehmen.
Kokosöl enthält mittelkettige Triglyzeride (MCTs), die das Gehirn ebenso wie Glukose mit Energie versorgen können, ohne auf Insulinrezeptoren angewiesen zu sein. Die Leber wandelt MCTs in Ketone um, die sogar bis zu einem Viertel mehr Energie als Glukose erzeugen. Studien haben gezeigt, dass der tägliche Verzehr von MCTs bei Hunden mit altersbedingter mentaler Degeneration zu einer deutlichen Erhöhung der Omega-3-Fettsäuren im Gehirn führte.
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Es ist ratsam, während der erhöhten Kokosöl-Einnahme gleichzeitig auf den Verzehr konzentrierter Kohlenhydrate zu verzichten und Bio-Kokosöl zu verwenden. Da der Körper auch auf die Zufuhr mehrfach ungesättigter Fettsäuren angewiesen ist, sollte Kokosöl nicht als alleinige Fettquelle verwendet werden.
Aromatherapie bei Nervenstörungen
Die Aromatherapie kann bei verschiedenen Nervenstörungen unterstützend wirken. Ätherische Öle können durch ihre Inhaltsstoffe und Wirkmechanismen Beschwerden lindern, beispielsweise durch das schmerzlindernde Methylsalicylat, das in Wintergrünöl enthalten ist.
Bei neuropathischen Schmerzen, dem Hand-Fuß-Syndrom, Restless-Legs-Syndrom und Migräne gibt es hilfreiche Konzepte der Aromatherapie, die teilweise auch durch Studien untermauert werden.
Aromatherapie bei neuropathischen Schmerzen
Hochwertiges Johanniskrautöl kann bei stechenden und blitzenden Schmerzen Linderung verschaffen. Lavendelöl kann die Wirkung verstärken, wie eine Studie an diabetischen Neuropathiepatienten zeigte. Auch Ylang-Ylang-Öl kann neuropathische Schmerzen lindern.
Aromatherapie beim Hand-Fuß-Syndrom
Eine präventive Förderung der Durchblutung mithilfe eines pflegenden Peelings kann das Auftreten dieser stark das tägliche Leben einschränkenden Schmerzen zumindest deutlich verlangsamen. Rückfettende und antioxidative Maßnahmen können vorbeugen und lindern.
Aromatherapie beim Restless-Legs-Syndrom
Vanille kann dazu beitragen, den Dopaminhaushalt wieder in Balance zu bringen. Einige weitere Moleküle aus Naturdüften, welche von Pflanzen und Insekten als Signal- und Botenstoffe eingesetzt werden, können bei RLS-Patienten leichte bis enorme Linderung bewirken. Lavendelölmassagen können RLS-Symptome von Hämodialysepatienten verbessern.
CBD-Öl und seine Auswirkungen auf die Gehirndurchblutung
Jüngste Studien belegen, dass CBD-Öl die Durchblutung bestimmter Teile des Gehirns verbessert. Eine kleine Studie deutet darauf hin, dass bereits eine Dosis Cannabidiol (CBD) helfen könnte, die Durchblutung im Hippocampus zu erhöhen, einem Bereich des Gehirns, der für das Gedächtnis und die Lernfähigkeit verantwortlich ist.
Diese Erkenntnisse könnten möglicherweise bessere zielgerichtete Therapien für gedächtnisbeeinträchtigende Erkrankungen wie Alzheimer und posttraumatische Belastungsstörung bieten. Die Ergebnisse der Studie unterstützen die Ansicht, dass CBD regionsspezifische Effekte auf den Blutfluss im menschlichen Gehirn hat.
Wichtige Nährstoffe für die Gehirngesundheit
Eine ausgewogene Ernährung ist eine wichtige Säule, um die Hirngesundheit zu fördern und präventiv zu schützen. Dabei hängt die gesundheitsförderliche Wirkung primär von der Gesamternährung ab, die bunt, pflanzenbetont und abwechslungsreich sein sollte.
- Omega-3-Fettsäuren: Die langkettige, marine Omega-3-Fettsäure DHA trägt erwiesenermaßen zum Erhalt der normalen Hirnfunktion bei.
- Antioxidantien: Antioxidantien schützen die Zellen im Gehirn vor Schäden durch freie Radikale.
- B-Vitamine: B-Vitamine sind essenziell für die Funktion des Nervensystems und tragen zur Bildung von Neurotransmittern bei.
- Vitamin D: Vitamin D spielt eine wichtige Rolle bei der Regulierung von Entzündungen und kann die kognitive Funktion unterstützen.
- Eisen: Ein Mangel an Eisen kann die Sauerstoffversorgung des Gehirns verringern und somit die kognitive Funktion beeinträchtigen.
- Magnesium: Magnesium ist an zahlreichen enzymatischen Reaktionen beteiligt, die für die Gehirnfunktion wichtig sind.
- Zink: Zink spielt eine entscheidende Rolle bei der Signalübertragung zwischen Nervenzellen und unterstützt die Funktion des Immunsystems.
- Cholin: Cholin ist ein wichtiger Vorläufer des Neurotransmitters Acetylcholin und spielt eine zentrale Rolle in der Gedächtnisfunktion.
Prävention von Demenz durch Lebensstil
Es wird vermutet, dass etwa 40% aller Demenzerkrankungen vermieden werden können. Neben einer ausgewogenen Ernährung spielen auch andere Faktoren eine wichtige Rolle:
- Regelmäßige Bewegung: Fördert die Durchblutung des Gehirns, stimuliert die Bildung neuer Nervenzellen und verbessert die Stimmung.
- Geistige Aktivität: Soziale Kontakte, Hobbys und Interessen halten das Gehirn aktiv und fördern die kognitive Funktion.
- Ausreichend Schlaf: Essenziell für die Gedächtnisfestigung, das Lernen und die allgemeine Gehirngesundheit.
- Darmgesundheit: Der Darm und das Gehirn sind über die sogenannte Darm-Hirn-Achse eng miteinander verbunden.