Die Gehirn Staubsauger Metapher: Wie unser Gehirn funktioniert und wie wir es überlisten können

Einführung

Unser Gehirn ist ein komplexes Organ, das uns oft Streiche spielt. Es bevorzugt kurzfristige Belohnungen gegenüber langfristigen Zielen und neigt dazu, Gewohnheiten beizubehalten, selbst wenn sie uns schaden. Um unsere Ziele zu erreichen, müssen wir verstehen, wie unser Gehirn funktioniert und wie wir es überlisten können. Die Metapher des Gehirn-Staubsaugers hilft, die Arbeitsweise unseres Gehirns zu verstehen.

Die Funktionsweise des Gehirns

Belohnungssystem und kurzfristige Befriedigung

Unser Gehirn ist auf Belohnungen programmiert. Das Belohnungssystem sorgt dafür, dass wir uns gut fühlen, wenn wir etwas tun, das für unser Überleben wichtig ist, wie zum Beispiel essen oder trinken. Leider kann dieses System auch dazu führen, dass wir ungesunde Verhaltensweisen entwickeln, wie zum Beispiel zu viel essen oder Alkohol trinken.

Manfred Spitzer erklärt, dass unser Gehirn das Vanilleeis direkt vor uns oft wichtiger findet als eine gute Figur in drei Monaten. Dieses Wissen können wir nutzen, um uns auf andere Weise zu belohnen und so unsere Ziele zu erreichen.

Gewohnheiten und Trägheit

Unser Gehirn liebt Gewohnheiten. Gewohnheiten sparen Energie, weil wir nicht jedes Mal neu überlegen müssen, was wir tun sollen. Wenn wir uns erst einmal angewöhnt haben, die Rolltreppe statt der Treppe zu nehmen, verbrauchen wir weniger Kalorien und werden dicker. Um diese Gewohnheit zu ändern, müssen wir uns bewusst machen, dass wir eine Wahl haben und dass wir uns für die gesündere Option entscheiden können.

Ironic Processing: Wenn das Gehirn sich selbst unterläuft

Ein weiterer Prozess im Gehirn, der guten Vorsätzen entgegenläuft, ist das, was in der Literatur ironic processing genannt wird. Wenn wir etwas nicht wollen, müssen wir erst mal daran denken. Dummerweise findet die Negation nur im Frontalhirn statt, und der Rest der Gedanken überall im Hirn. Das Frontalhirn muss immer das "nicht" aufrechterhalten: nein, nicht das, nicht das, nicht das. Der Rest vom Hirn kommuniziert: das, das, das, das, das. Daher ist es sinnvoll, Dinge positiv zu formulieren und nicht mit einer Verneinung.

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Die Unfähigkeit, sich zukünftige Gefühle vorzustellen

Daniel Gilbert hat viel über unsere Unfähigkeit geforscht, uns Gefühle in der Zukunft und in der Vergangenheit vorzustellen. Wir sind sehr schlecht in der langfristigen Prognose unseres eigenen Befindens. Es fällt uns viel leichter, uns vorzustellen, dass wir uns mit dem Eis wohlfühlen statt mit dem Laufen. Dummerweise fühlen wir uns eine Stunde nach dem Eisessen schlecht, weil wir dann ein schlechtes Gewissen haben und wissen, dass das Zeug in den Fettzellen landet. Nach dem Laufen hätten wir ein gutes Gefühl.

Strategien zur Überlistung des Gehirns

Bewusste Entscheidungen treffen

Der Schlüssel zur Überlistung unseres Gehirns liegt darin, bewusste Entscheidungen zu treffen. Wir müssen uns bewusst machen, welche Gewohnheiten uns schaden und uns aktiv für gesündere Alternativen entscheiden.

Spitzer betont, dass es für die Motivation einen großen Unterschied macht, ob ich eine Entscheidung treffen kann. Habe ich im Bahnhof die Möglichkeit, die Treppe statt der Rolltreppe zu wählen, gehe ich freudig hinauf, weil ich weiß, ich habe jetzt gerade ein paar zusätzliche Bewegungen gemacht.

Klare Handlungsanweisungen formulieren

Unser Gehirn kann mit abstrakten Vorsätzen wie "Ich möchte weniger essen" nichts anfangen. Wir brauchen klare Handlungsanweisungen, wie zum Beispiel: "Nächstes Mal, wenn ich vor einer Bäckerei stehe und mich im Schaufenster eine leckere Zuckerschnecke anlacht, lache ich zurück und gehe weiter."

Ablenkung und Aufschub

Wenn wir Heißhunger auf etwas Ungesundes haben, kann es helfen, uns abzulenken oder den Konsum aufzuschieben. Spitzer empfiehlt, auf die Uhr zu gucken und eine halbe Stunde zu warten. Es besteht nämlich eine gute Chance, dass ich dann wieder weniger Hunger habe, weil sich meine Körperwerte geändert haben oder vielleicht auch weil ich zwischendurch einen Apfel gegessen habe.

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Restriktionen auferlegen

Um Versuchungen zu vermeiden, können wir uns Restriktionen auferlegen. Odysseus wusste, dass er dem Ruf der Sirenen nicht widerstehen würde, also befahl er seinen Männern, ihn an den Mast zu fesseln. Wir können ähnliche Strategien anwenden, indem wir zum Beispiel keine ungesunden Lebensmittel zu Hause aufbewahren oder uns in Situationen begeben, in denen wir Versuchungen ausgesetzt sind.

Positive Formulierung

Es ist wichtig, Dinge positiv zu formulieren und nicht mit einer Verneinung. Anstatt zu sagen: "Ich will keine Schokolade essen", sollten wir sagen: "Ich esse einen Apfel."

Mentales Training und Visualisierung

Im Sport ist mentales Training erwiesenermaßen wirksam. Wenn ich mir eine komplizierte Bewegung vorstelle, kann ich sie danach auch in der Realität leichter ausführen, weil ich die Synapsen schon eingeschliffen habe. Ob das auch beim Essen klappt, ist fraglich.

Die Elefant und Reiter Metapher

Der amerikanische Psychologe Jonathan Haidt vergleicht unser bewusstes Entscheiden und Handeln mit einem Reiter auf einem Elefanten. Der Reiter (unser Verstand) ist klein und schwach, während der Elefant (unser Unbewusstes) groß und stark ist. Der Elefant läuft die ausgetrampelten Pfade, und ein Jockey, der schlau ist, der lässt ihn da laufen und lenkt ihn nur ab und zu mal ein kleines bisschen weiter nach links oder nach rechts. Mehr geht nicht. Haidt meint damit, dass man nicht glauben soll, man wäre mit seinen guten Vorsätzen Herr der Situation und könnte dem Elefanten beibringen, von jetzt auf gleich völlig neue Wege zu laufen.

Die Rolle des freien Willens

Die Frage, ob wir überhaupt einen freien Willen haben, ist in der Hirnforschung umstritten. Spitzer glaubt jedoch, dass wir frei in unserem Willen sind. Bei jedem Pendel mit mehr als zwei Gelenken ist nicht vorhersehbar, wie es schwingt. In unserem Kopf haben wir sogar eine Million Milliarden Verbindungen zwischen Nervenzellen. Wer sagt, das Ganze läuft ab wie ein Uhrwerk, redet Unfug. Abgesehen davon können wir ja trotz dieses Uhrwerks auch immer nachdenken und Entscheidungen treffen. Wir können uns zu dem, was das Gehirn macht, ins Verhältnis setzen, ja sogar zu unseren eigenen Gedanken.

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Die Bedeutung von Selbstkenntnis

Nur wer sich selbst kennt, weiß, was er anderen zumutet. Der Lebenskünstler schwankt zwischen der strengen Ethik der Protestanten, dem schlechten Gewissen der Katholiken und dem Hier und Jetzt der Buddhisten. Es ist nötig, die richtige Balance zu finden zwischen dem Hier und Jetzt und dem, was ich langfristig will.

Metaphern und ihre Wirkung auf das Gehirn

Metaphern können unser Gehirn stark beeinflussen. Sie aktivieren nicht nur die sprachlichen Zentren, sondern auch die Bereiche, die für die entsprechenden Sinneswahrnehmungen zuständig sind. So kann eine Geschmacksmetapher wie "süße Worte" die gleichen Gehirnregionen aktivieren wie das Schmecken von Zucker.

Das Beispiel der "lachenden Wiese"

Die Metapher der "lachenden Wiese" (pratum ridet) ist ein Paradebeispiel für die Wirkung von Metaphern. Sie vermittelt ein Gefühl von Freude und Lebendigkeit, obwohl eine Wiese objektiv betrachtet weder Lippen noch Zähne hat. Die Metapher weist die Wiese dem Inventar einer menschlichen Lebenswelt zu, in der nicht nur Worte und Zeichen, sondern die Sachen selbst ‚Bedeutungen‘ haben.

Metaphern als Schlüssel zum Verständnis

Metaphern können uns helfen, komplexe Sachverhalte besser zu verstehen. Sie ermöglichen es uns, abstrakte Konzepte in konkrete Bilder zu übersetzen und so leichter zugänglich zu machen. Die Gehirn Staubsauger Metapher hilft, die Arbeitsweise unseres Gehirns zu verstehen.

Evolutionspsychologie und Technikverständnis

Die Evolutionspsychologie erklärt, warum uns der Umgang mit Technik oft schwerfällt. Unser Gehirn ist auf die Probleme unserer Vorfahren als Jäger und Sammler ausgerichtet, nicht auf die Bedienung von Computern und Videorekordern.

Intuition vs. Anleitung

Wir sind es gewohnt, unserer Intuition folgend vieles auszuprobieren. Manchmal sieht man den Dingen ja auch an, was man mit ihnen machen kann. Der typische Umgang mit dem Computer ist ein gutes Beispiel für exploratives Verhalten. Bevor viele zur Anleitung greifen, nehmen sie selbst lieber Zeitverluste durch Fehler in Kauf. Es ist nun mal so, daß viele lieber ausprobieren als lesen.

Mentale Modelle und Verallgemeinerungen

Wir bilden spontan Muster und entwickeln "mentale Modelle". Diese sind nicht primär visuelle Repräsentationen von Einzelfällen, sondern ähneln vielmehr Hypothesen und Theorien. Wir sehen Baumstämme und Äste auf dem Fluß treiben und entwickeln daraus die Vorhersage, daß Holz auf Wasser schwimmt.

Geschlechtsunterschiede und Lernstrategien

Es gibt Unterschiede zwischen den Geschlechtern in Bezug auf Wahrnehmung und Lernstrategien. Frauen haben bessere verbale Fähigkeiten, eine bessere Erinnerung und eine schnellere Auffassungsgabe. Männer sind im Vergleich besser bei logisch-mathematischen Fragestellungen, der abstrakten Raumwahrnehmung und Aufgaben, die eine räumlich-zeitliche Koordination von Bewegungsabläufen betreffen. Das drückt sich darin aus, daß Frauen tatsächlich eher dazu tendieren, vor der Inbetriebnahme eines Gerätes die Anleitungen zu lesen und Männer eher zum Ausprobieren der Technik neigen.

Mentale Modelle als Werkzeuge zum Verständnis der Welt

Mentale Modelle sind Denkhilfen, die uns helfen, die Welt systematisch zu verstehen. Sie sind Konzepte, die fundamentale Welt-Prinzipien abbilden und stammen aus verschiedenen Disziplinen.

Reasoning from First Principles

First-Principles-Reasoning bedeutet, das man ein Problem auf den Kern runterbricht und nicht, wie es oft der Fall ist, Abwandlungen (Analogien) von bestehenden Lösungen verwendet. Es bedeutet, dass man frei ist von preconceived notions und das Problem von Grund auf löst.

Occam's Razor

Okkhams Rasiermesser ist eine einfache Entscheidungsheuristik: wenn es eine einfache und eine komplexe Erklärung gibt, wähle die einfache. Denn damit eine komplexe Erklärung zutreffend ist, müssen alle Elemente der komplexen Erklärung vorliegen.

Karte vs. Territorium

Alle Karten bilden nur eine vereinfachte Form des Territoriums ab und sind nie 100 % mit dem Territorium identisch. Dasselbe gilt für sämtliche Modelle, sei es in der VWL oder der Physik.

Circle of Competence

Warren Buffett nutzt das Modell des Circle of Competence für die Entscheidungsfindung. Er macht nur Investments in Branchen und Unternehmen, die innerhalb seines Circle of Competence liegen. Es hilft ungemein, nicht nur zu wissen, was man weiß, sondern insbesondere auch zu wissen, dass man vieles einfach nicht weiß.

Attitude vs. Behavior

Es gibt oft eine große Lücke zwischen dem, was Menschen sagen (Attitude) und dem, was sie tatsächlich tun (Behavior). Wenn man Menschen fragt, wie wichtig ihnen Umweltschutz oder vergleichbare Themen sind, sagen fast alle, dass es »sehr wichtig« sei. In der Realität verhalten sich die meisten Menschen dann aber anders.

Done is better than perfect

Viele Ingenieure planen und planen, um ein möglichst perfektes Produkt zu entwickeln. Dasselbe gilt zum Beispiel für Workouts: ein gutes Workout ist besser als ein perfekt geplantes, das man dann nicht macht. Zu viel Planen führt zu nichts, es ist oft besser, einfach anzufangen.

Neurologische Grundlagen des Lernens

Jede Information bildet eine neurologische Verbindung und kann sich mit weiteren Verbindungen vernetzen. So entsteht ein Wissensnetz, das schnell und ohne große Anstrengung Informationen bereitstellt.

Lernkurven und Plateaus

Wenn wir uns einem neuen Thema widmen, wird dies aufgrund eines mangelnden Wissensnetzes erstmal anstrengend sein. Die Lernkurve wird stark ansteigen, neue Verbindungen werden erzeugt und dann kommt es zum ersten Plateau. Hinter dem Plateau steckt aber ein wichtiger neurologischer Vorgang: Das Gehirn braucht eine Zeit, um alle Informationen zu ordnen und zu vernetzen.

Dendriten und die Filterung von Informationen

Dendriten sind wie Türsteher vor dem Eingang unseres Gehirns. Sie kontrollieren, welche Informationen hineingelassen werden. Informationen müssen erstens wichtig sein (W.H.I.D. - Was habe ich davon…mir das zu merken) und zweitens auf eine bestimmte Art und Weise an unser Gehirn herangetragen werden.

Pruning: Das Löschen unnötiger Informationen

Im Gehirn gibt es einen Vorgang, um alte nicht mehr notwendige Informationen zu löschen (Pruning). In der Jugendphase ist dieser am größten.

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