In einer Welt, die stark von visuellen Eindrücken geprägt ist, ist es wichtig, alternative Wege zu finden, um die kognitiven Fähigkeiten von Menschen mit Sehbehinderungen zu fördern. Gehirnjogging, auch bekannt als Gedächtnistraining, bietet eine Vielzahl von Strategien, Übungen und Methoden, um die Gehirnleistung zu verbessern oder zumindest zu erhalten. Dabei geht es nicht nur darum, sich Dinge besser merken zu können, sondern auch darum, kognitive Fähigkeiten wie Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Orientierung und Kreativität zu verbessern.
Die Bedeutung des Gehirnjoggings für blinde Menschen
Für blinde Menschen ist Gehirnjogging besonders wichtig, da es ihnen hilft, ihre anderen Sinne zu schärfen und ihre kognitiven Fähigkeiten zu erhalten oder zu verbessern. Da der Sehsinn fehlt, müssen sie sich stärker auf ihre anderen Sinne verlassen, um Informationen aus ihrer Umgebung aufzunehmen und zu verarbeiten. Gehirnjogging kann ihnen helfen, diese Fähigkeiten zu entwickeln und zu verfeinern.
Gehirnjogging zur Förderung der kognitiven Fähigkeiten
Gedächtnistraining beinhaltet Strategien, Übungen und Methoden, um die Gehirnleistung zu verbessern oder zumindest zu erhalten. Es verbessert darüber hinaus kognitive Fähigkeiten, wie etwa die Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Orientierung und Kreativität. Deshalb hilft Gedächtnistraining Senioren, sich besser in ihrem Alltag zurechtzufinden. Bei neurologischen Erkrankungen wie Schlaganfall oder Demenz ist Gedächtnistraining außerdem ein Bestandteil der Behandlung. Das sogenannte ganzheitliche Gedächtnistraining setzt dabei auf das Training von Körper, Geist und Seele.
Strategien und Übungen für das Gehirnjogging blinder Menschen
Es gibt viele verschiedene Strategien und Übungen, die blinde Menschen nutzen können, um ihr Gehirn zu trainieren. Einige Beispiele sind:
- Taktile Spiele: Taktile Spiele, bei denen Gegenstände ertastet und identifiziert werden müssen, können helfen, den Tastsinn zu schärfen und die taktile Wahrnehmung zu verbessern. Ein besonders vielseitiges Beispiel ist das Feel & Find Spielset. Das Set enthält verschiedene Tastobjekte und Aufgaben, die speziell darauf ausgelegt sind, den Tastsinn und die Kommunikation im Team zu fördern. Die Mitspielenden ertasten dabei unterschiedliche geometrische oder haptisch interessante Formen und versuchen, diese gemeinsam zuzuordnen oder eine Geschichte daraus zu entwickeln.
- Auditive Spiele: Auditive Spiele, bei denen Geräusche erkannt und unterschieden werden müssen, können helfen, das Gehör zu schärfen und die auditive Wahrnehmung zu verbessern.
- Olfaktorische Spiele: Olfaktorische Spiele, bei denen Gerüche erkannt und unterschieden werden müssen, können helfen, den Geruchssinn zu schärfen und die olfaktorische Wahrnehmung zu verbessern.
- Gedächtnisspiele: Gedächtnisspiele, bei denen sich Gegenstände, Geräusche oder Gerüche gemerkt und wiedererkannt werden müssen, können helfen, das Gedächtnis zu trainieren und die Merkfähigkeit zu verbessern.
- Sprachspiele: Sprachspiele, bei denen Wörter, Sätze oder Geschichten gebildet werden müssen, können helfen, die sprachlichen Fähigkeiten zu verbessern und die Kreativität zu fördern.
- Bewegungsspiele: Jede Form von Bewegung ist faktisch auch eine Art Gedächtnistraining - deswegen gehören Bewegung und mentales Training immer zusammen. Gehen Sie doch einfach einmal rückwärts anstatt vorwärts - Sie werden erstaunt sein, wie „komisch“ sich das anfühlt, aber Ihr Gedächtnis wird es Ihnen danken.
Spezielle Spiele für sehbehinderte Menschen
Für Menschen mit Sehbehinderung gibt es eigens entwickelte Spielausgaben. Trainieren Sie Ihr taktisches Denkvermögen mit dem beliebten Mühlespiel. Bereits seit 1400 v. Chr. gibt es diese einfache und gleichzeitig so knifflige Spielidee. Mit jeweils neun schwarzen und weißen Steinen liefern sich die Spieler ein spannendes Duell. Die taktile Version erleichtert das Spiel für Patienten mit einer Makulaerkrankung durch gekennzeichnete Knotenpunkte und Spielsteine. Es ist das Spiel der Könige, ein perfektes Training für das Gehirn und macht viel Freude. Wer trotz Makulaerkrankung nicht auf spannende Schachpartien verzichten möchte, ist mit einer taktilen Spielversion gut beraten. Ein eingearbeiteter Knopf in den schwarzen oder weißen Steckfiguren erleichtert Ihnen die Unterscheidung. Skat, Rommé, Canasta und Co. garantieren unterhaltsame Stunden in Gesellschaft. Für Spieler mit Sehbeeinträchtigung gibt es speziell angefertigte Karten. Die sogenannten „Seniorenkarten“ sind größer als die typischen französischen Spielkarten. Mit ihren vergrößerten Zahlen und Zeichen sind sie leicht zu erkennen. Karten für blinde Menschen sind mit tastbaren Symbolen oder mit Blindenschrift in der linken oberen Ecke versehen.
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Blindes Teamspiel
Blinde Teamspiele sind viel mehr als ein Zeitvertreib. Wer sie ausprobiert, merkt schnell, wie sehr Vertrauen, Rücksicht und klares Sprechen gefragt sind. Studien aus der Erlebnispädagogik zeigen, dass genau das Vertrauen nachhaltig stärken kann1, weil man auf Sprache, Tastsinn und gegenseitige Hilfe angewiesen ist. Solche Übungen fördern nicht nur Vertrauen, sondern auch den Mut, Verantwortung abzugeben und anderen zuzuhören. Besonders wertvoll: Rollentausch einbauen. Wer einmal führt, darf später auch die Rolle wechseln und blind vertrauen. So erlebt jede:r beide Perspektiven und kann daraus viel mitnehmen.
Die Vorteile des Gehirnjoggings für blinde Menschen
Regelmäßiges Gehirnjogging kann für blinde Menschen viele Vorteile haben, darunter:
- Verbesserung der kognitiven Fähigkeiten: Gehirnjogging kann helfen, die kognitiven Fähigkeiten wie Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Wahrnehmung, Orientierung und Kreativität zu verbessern.
- Schärfung der Sinne: Gehirnjogging kann helfen, die anderen Sinne zu schärfen und die sensorische Wahrnehmung zu verbessern.
- Erhöhung der Selbstständigkeit: Gehirnjogging kann helfen, die Selbstständigkeit zu erhöhen, indem es die kognitiven und sensorischen Fähigkeiten verbessert.
- Verbesserung der Lebensqualität: Gehirnjogging kann helfen, die Lebensqualität zu verbessern, indem es die kognitiven und sensorischen Fähigkeiten verbessert und die Selbstständigkeit erhöht.
- Soziale Interaktion: Unterhaltsamer, als allein zu rätseln, ist es, gemeinsam mit anderen zu spielen. Das trainiert nicht nur das Gehirn, sondern auch Ihre soziale Kompetenz. Rommee, Bridge, Malefiz oder Monopoly - welches Spiel haben Sie immer schon gern gespielt? Kramen Sie es vor und laden Sie sich Freunde zu einem Spieleabend ein. Wer lieber außer Haus spielt, sollte sich nach einer Senioren-Gruppe in der Nähe erkundigen. In Seniorenheimen liegt der Schwerpunkt von Gedächtnisspielen darauf, die Gemeinschaft und soziale Interaktion der Teilnehmer zu fördern. Die Spiele sind so konzipiert, dass sie nicht nur die kognitiven Fähigkeiten der Bewohner stärken, sondern auch das Gemeinschaftsgefühl und die Kommunikation untereinander verbessern. Durch den spielerischen Wettbewerb und die gegenseitige Unterstützung bei der Lösungsfindung entsteht eine lebendige und motivierende Atmosphäre.
Bewegung und Sport
Bewegung aktiviert nicht nur Ihren Körper, sondern steigert gleichzeitig Ihre Denkfähigkeit. Das liegt daran, dass körperliche Aktivität die Durchblutung anregt - auch die des Gehirns. Geistige Aktivität erhält den Status quo unserer Gehirnzellen. Die Neubildung und das Wachsen von Neuronen erfolgt aber erst in Kombination mit körperlicher Aktivität. Experten vermuten, dass eine verbesserte Denkfähigkeit mit der höheren Durchblutung zusammenhängt: Das Gehirn bekommt mehr Nährstoffe, wenn sich die Leistung von Herz und Gefäßen durch Sport erhöht. Studien beweisen in der Zwischenzeit, dass Bewegung Demenz vorbeugt. Durch die Kombination von Gedächtnistraining und Bewegung wird man daher kreativer, konzentrierter, stressresistenter, leistungsfähiger, aufnahmefähiger und geschickter im Umgang mit Gefahrensituationen. Die Handlungsschnelligkeit wird gesteigert und Fehler werden reduziert. Die sogenannte fluide Intelligenz (d.h. die Fähigkeit, häufig richtig zu handeln) wird verbessert, was insbesondere zu einer Steigerung der visuellen Wahrnehmung führt. Egal ob Seniorensport in der Gruppe oder mehr Bewegung im Alltag, jede zusätzliche Bewegungseinheit ist Gold wert. Wenn möglich, entscheiden Sie sich also zum Beispiel für die Treppen statt für den Fahrstuhl.
Tipps für das Gehirnjogging blinder Menschen
Hier sind einige Tipps für das Gehirnjogging blinder Menschen:
- Wählen Sie Übungen, die Ihnen Spaß machen: Die Motivation bleibt hoch, wenn Sie Aktivitäten auswählen, die Ihnen Spaß machen.
- Kombinieren Sie mentale und körperliche Übungen: Versuchen Sie, in Ihre Gedächtnisübungen auch Bewegung einzubauen. Das kann beispielsweise durch Übungen erfolgen, die Sie beim Seniorensport lernen. Dies fördert sowohl Ihre körperliche als auch die geistige Gesundheit.
- Besuchen Sie Spiele-Gruppen: Gemeinsames Spielen in der Gruppe kann besonders effektiv sein.
- Überfordern Sie sich nicht: Es ist wichtig, dass Sie sich nicht zu viel zumuten. Beginnen Sie langsam und steigern Sie die Intensität Ihrer Übungen schrittweise. So vermeiden Sie Frustration und bleiben langfristig motiviert. Und halten Sie sich vor Augen: Wenn es mit der richtigen Lösung nicht gleich klappt, ist das gut.
- Kurze, regelmäßige Trainingseinheiten sind besser als lange Einheiten: Anstatt sich einmal pro Woche für eine lange Session hinzusetzen, versuchen Sie, täglich kürzere Einheiten zu machen.
- Werden Sie einfallsreich: Finden Sie eigene Bilder, die Sie mit den Zahlen verbinden.
- Nutzen Sie Hilfsmittel: Es gibt viele Hilfsmittel, die blinden Menschen beim Gehirnjogging helfen können, wie z. B. taktile Spiele, auditive Spiele, olfaktorische Spiele und Braille-Materialien.
- Seien Sie geduldig: Es braucht Zeit und Übung, um die kognitiven und sensorischen Fähigkeiten zu verbessern. Geben Sie nicht auf, wenn Sie nicht sofort Ergebnisse sehen.
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