Vergesslichkeit ist ein weit verbreitetes Phänomen, das verschiedene Ursachen haben kann. Im Alter muss Vergesslichkeit beispielsweise nicht zwangsläufig auf Demenz hindeuten. Es kann noch andere Gründe haben, wenn Gedächtnisinhalte nicht abrufbar sind.
Einführung
Unser Gehirn ist ein komplexes Organ, das ständig Informationen aufnimmt, verarbeitet und speichert. Es besteht aus über hundert Milliarden Nervenzellen, die über Synapsen miteinander kommunizieren. Diese Informationen werden im Gedächtnis gespeichert, von wo aus wir sie bewusst oder unbewusst abrufen können. Allerdings ist unser Gehirn nicht unfehlbar und es gibt verschiedene Gründe, warum es Schwierigkeiten haben kann, Informationen aufzunehmen oder abzurufen.
Ursachen für Vergesslichkeit und eingeschränkte Informationsaufnahme
1. Demenz
Demenz ist ein Überbegriff für verschiedene Erkrankungen, bei denen die geistige Leistungsfähigkeit und das Denkvermögen beeinträchtigt sind. Betroffene Menschen haben Schwierigkeiten, Neues gedanklich aufzunehmen und wiederzugeben. Beeinträchtigt sind auch die Orientierungsfähigkeit sowie das Sprechen und Rechnen. Schließlich verändert sich auch die gesamte Persönlichkeit. Es gibt verschiedene Formen von Demenz, darunter:
- Alzheimer-Krankheit: Die häufigste Form der Demenz, bei der fortschreitend Gehirnzellen zugrunde gehen. Im Gehirn der Betroffenen fehlt es an Acetylcholin (ein Nervenbotenstoff). Zudem bilden sich Eiweißablagerungen im Gehirn, die für das Zellsterben verantwortlich sein könnten.
- Vaskuläre Demenz: Sie basiert auf Durchblutungsstörungen im Gehirn, die durch kleine Schlaganfälle verursacht werden. Das Gedächtnis kann bei einer vaskulären Demenz deutlich länger erhalten bleiben als bei Alzheimer - Vergesslichkeit tritt also erst später im Krankheitsverlauf auf.
- Lewy-Körperchen-Demenz: Hier bilden sich Eiweißablagerungen im Gehirn - wie bei Alzheimer. Daher zeigen beide Demenzformen ähnliche Symptome. Typisch für die Lewy-Body-Demenz sind aber optische Halluzinationen und starke Schwankungen der geistigen Leistungsfähigkeit und Wachheit im Tagesverlauf.
- Frontotemporale Demenz (FTD): Bei Menschen mit FTD verändern sich vor allem die Persönlichkeit und das zwischenmenschliche Verhalten - die Betroffenen verhalten sich auffällig und unsozial. Ihr Gedächtnis bleibt dagegen lange erhalten. Bei der FTD sterben Nervenzellen vor allem im Stirn- und Schläfenlappen des Gehirns ab.
- Creutzfeldt-Jacob-Erkrankung: Sie äußert sich in einer rasch fortschreitenden Demenz - mit Störungen der Aufmerksamkeit, Merkfähigkeit, Konzentration und des Gedächtnisses. Zur Demenz kommen dann motorische Störungen (wie Muskelzuckungen) hinzu. Ursache ist die Ablagerung atypischer Eiweißbruchstücke (Prionen) im Gehirn.
- Veitstanz (Chorea Huntington): Das ist der alte Name für die erbliche Nervenerkrankung Chorea Huntington. Betroffene entwickeln - neben anderen Symptomen - auch eine fortschreitende Demenz.
- Parkinsonkrankheit: Etwa ein Drittel aller Menschen mit Morbus Parkinson (Schüttellähmung) entwickelt im späteren Krankheitsverlauf auch eine Demenz. Mediziner sprechen hier von Parkinson-Demenz.
- HIV/AIDS: Bei einer fortgeschrittenen HIV-Erkrankung kann auch das Gehirn befallen werden. Es resultiert eine sogenannte HIV-Enzephalopathie, die mit Demenzsymptomen einhergeht (HIV-Demenz oder Aids-Demenz).
2. Andere Erkrankungen
Die Vergesslichkeit kann auch im Zusammenhang mit anderen Erkrankungen stehen. Beispiele sind:
- Hirnhautentzündung (Meningitis): Hier können Vergesslichkeit, Konzentrationsschwäche, Verwirrtheit und Benommenheit bis hin zum Koma (selten) auftreten. Am häufigsten sind Bakterien oder Viren die Verursacher.
- Gehirnentzündung (Enzephalitis): Menschen mit einer Hirnhautentzündung erleiden in manchen Fällen auch eine Gehirnentzündung. Symptome sind unter anderem Bewusstseinsstörungen, Vergesslichkeit oder Verwirrtheit.
- Schlafapnoe: Bei Menschen mit einer Schlafapnoe kommt es zu wiederholten Atemaussetzern im Schlaf. Die Nachtruhe ist dadurch erheblich beeinträchtigt. Häufige Folgen sind Müdigkeit, Vergesslichkeit und Konzentrationsschwäche tagsüber.
- Chronic Fatigue Syndrome (CFS): Auch Chronisches Erschöpfungssyndrom genannt. Typisch für die Krankheit ist eine schwere geistige (und körperliche) Erschöpfung mit Konzentrationsschwäche, Vergesslichkeit oder Reizbarkeit.
- Schilddrüsenerkrankungen: Sowohl eine Überfunktion (Hypertyhreose) als auch eine Unterfunktion (Hypothyreose) kann mit Vergesslichkeit, Orientierungsschwierigkeiten und Gedächtnisproblemen einhergehen.
- Akutes Nierenversagen: Es kann sich unter anderem durch Gedächtnisstörungen, Konzentrationsschwäche und Vergesslichkeit äußern. Das Gleiche gilt für die chronische Nierenschwäche (chronische Niereninsuffizienz).
- Leberversagen: Eine Leberinsuffizienz (zum Beispiel infolge von Leberzirrhose oder Hepatitis) kann das Gehirn schädigen. Symptome sind Vergesslichkeit, Konzentrationsschwäche bis hin zur Bewusstlosigkeit (Leberkoma).
- Schwere Herzschwäche: Viele Patienten mit einer schwerer Herzinsuffizienz leiden unter Vergesslichkeit, Gedächtnisschwierigkeiten und Denkproblemen.
- Ausgeprägte Blutarmut: Eine Anämie, vor allem bedingt durch einen Eisenmangel (Eisenmangelanämie), kann die geistige Leistungsfähigkeit einschränken. Vergesslichkeit und Gedächtnisstörungen sind einige der möglichen Anzeichen. Auch eine Vitamin-B12-Mangelanämie kann Vergesslichkeit, Konzentrationsschwäche und Müdigkeit auslösen.
- Epilepsie: Nicht nur das typischen Krampfen, auch Konzentrationsschwäche, Vergesslichkeit und Wahrnehmungsschwierigkeiten können im Zusammenhang mit einer Epilepsie auftreten.
- Hirntraumata: Traumatische Hirnverletzungen können die Nervenzellen schädigen, sodass in der Folge die geistige Leistungsfähigkeit beeinträchtigt sein kann.
3. Psychische Störungen
Depressionen können ebenfalls das Gedächtnis beeinflussen: Sie können unter anderem zu Einbußen der geistigen Leistungsfähigkeit, Vergesslichkeit, Konzentrationsschwäche und Merkproblemen führen. Auch Angststörungen können das Gehirn beeinträchtigen und Vergesslichkeit auslösen - eventuell auch aufgrund bestimmter Medikamente, die gegen die krankhafte Angst eingenommen werden.
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4. Andere Ursachen
Es gibt noch andere Faktoren, die sich negativ auf das Gedächtnis auswirken können. Einige davon sind:
- Alkoholmissbrauch
- Krebstherapien, vor allem Chemotherapie (sog. "Chemobrain")
- Verschiedene Medikamente (z. B. Beruhigungsmittel)
- Stress
- Schlafstörungen
- Müdigkeit, Erschöpfung
- Flüssigkeits- und Nahrungsmangel (v. a. bei älteren Menschen)
Wie funktioniert unser Gedächtnis?
Wichtiges wird zunächst im Kurzzeitgedächtnis gespeichert; aus dem es nach einiger Zeit wieder verschwindet, wenn wir es nicht weiter aufarbeiten. Das Kurzzeitgedächtnis kann man mit dem Arbeitsspeicher eines Computers vergleichen.
Rufen wir Dinge aus unserem Kurzzeit- oder Arbeitsspeicher häufiger ab - etwa beim Lernen von Vokabeln, beim Einstudieren eines Musikstückes, aber auch wenn Kinder Radfahren oder Schwimmen lernen - wandert es nach einiger Zeit ins Langzeitgedächtnis. Dort können wir es auch nach Jahren noch abrufen.
Normales Vergessen vs. Vergessen als Krankheit
Der Erstklässler lässt seinen Turnbeutel in der Schule liegen, die Arbeitskollegin verpasst einen wichtigen Termin, der Senior irrt sich zwischendurch im Wochentag - in gewissem Maß ist Vergesslichkeit „normal“. Kinder müssen viele Dinge auf einmal neu lernen und sind manchmal mit der Informationsflut schlicht und einfach überfordert. Im Berufsleben herrscht hoher Leistungsdruck, oft wird aufgrund der Aufgabenflut die Kapazitätsgrenze überschritten. Altersbedingt nimmt unsere Gehirnleistung ab, da immer weniger Nervenzellen immer langsamer arbeiten.
Ernst wird Vergesslichkeit dann, wenn sie immer häufiger und über einen längeren Zeitraum auftritt, sich immer weiter verschlechtert und noch andere Zeichen wie etwa Orientierungslosigkeit oder Wortfindungsstörungen hinzukommen. Dann spricht man von Hirnleistungsstörung oder Demenz.
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Betroffene können Informationen dann nicht mehr aus ihrem Gedächtnis abrufen, weder aus dem Kurzzeit- noch aus dem Langzeitgedächtnis; sie erinnern sich nicht mehr. Das heißt, sie erinnern sich nicht daran, was sie vor ein paar Minuten gefragt haben, oder wo sie als Kind gewohnt haben oder mit wem sie jahrelang verheiratet waren. Man spricht in diesem Fall von Gedächtnisstörung oder fachsprachlich Amnesie. Zu einer Demenz gehören jedoch neben der Vergesslichkeit noch andere Krankheitszeichen.
Was tun gegen Vergesslichkeit?
- Gesunder Lebensstil: Eine gesunde, ausgewogene Ernährung sowie ausreichend Trinken, Schlaf, Sport und Bewegung sind wichtig für die Gehirnleistung. Ein gesunder Lebensstil von Kindesbeinen an führt dazu, dass Ihr Gehirn ausreichend mit Sauerstoff, Blut und Energie versorgt wird, sich gut entwickelt und geistigen Herausforderungen gewachsen bleibt.
- Geistige Aktivität: Der Spruch „wer rastet, der rostet“ gilt auch für unser Gehirn. Techniken, die Ihr Denkorgan fordern, sind gerade im Alter immens wichtig. Ob Schachclub oder Kreuzworträtsel-Abo, Scrabble spielen oder Knobeln mit Freunden - suchen Sie sich abwechslungsreiche Herausforderungen, die Ihnen Freude machen, und Gleichgesinnte, mit denen Sie gemeinsam Ihr Gehirn auf Trab halten.
- Pflanzliche Präparate: Bei altersbedingtem Nachlassen der Gedächtnisleistung gibt es pflanzliche und gut verträgliche Präparate, die Gedächtnis und Konzentration stärken können. Wirkstoffe wie etwa der Extrakt aus den Blättern des Ginkgobaumes - Ginkgo biloba - sind hier bestens geeignet.
- Frühzeitig handeln: Die Alzheimer-Demenz ist zwar bis heute nicht heilbar; den Krankheitsverlauf können Sie jedoch verlangsamen - und zwar umso effektiver, je früher Sie damit beginnen, Ihre Gehirnleistung zu fördern. Das geht mit Gehirntraining oder indem Sie beispielsweise geeignete Präparate wie Ginkgospezialextrakte einnehmen.
Wie erinnert sich unser Gehirn?
Über die Sinnesorgane wird das Gehirn pausenlos mit Eindrücken aus der Umwelt konfrontiert. Um eine Überlastung zu vermeiden, muss es die eingehenden Informationen sofort vor sortieren: Wichtiges wird in das Ultrakurzzeitgedächtnis aufgenommen und Unwichtiges gelöscht. Das Ultrakurzzeitgedächtnis wird auch sensorisches Gedächtnis genannt. Wie der Name vermuten lässt, speichert es Informationen nur circa 1-2 Sekunden. Es hilft uns dabei, den Faden in einem Gespräch nicht zu verlieren, die Handlung in einem Film mitzuverfolgen oder uns an die eben auf dem Verkehrsschild angekündigte Geschwindigkeitsbegrenzung erinnern zu können.
Nur wenn Informationen aus dem Ultrakurzzeitgedächtnis erneut abgerufen werden, werden diese für die Übernahme in das Kurzzeitgedächtnis aufbereitet. Andernfalls werden sie wieder gelöscht. Das Kurzzeitgedächtnis wird auch als Arbeitsgedächtnis bezeichnet und speichert Informationen für einige Minuten ab. Um Informationen langfristig im Langzeitgedächtnis abzuspeichern, müssen diese immer wieder abgerufen und Erlerntes immer wieder geübt werden. Dabei hilft es, wenn Erinnerungen mit Gefühlen verknüpft sind.
Brain Fog
Brain Fog, auch Gehirnnebel genannt, ist ein weitverbreitetes Phänomen, das dir jegliche Konzentration raubt und deinen Blick aufs Wesentliche „vernebelt". Du kannst nicht mehr klar denken, vergisst die einfachsten Sachen und fühlst dich wie in Watte gepackt. Es wird allgemein angenommen, dass kleine Entzündungen im Gehirn dieses diffuse Gefühl erzeugen, das dich einfach nicht klar denken lässt.
Häufige Ursachen für den Brain Fog:
- Ernährung: Eine unausgewogene oder gänzlich falsche Ernährung ist eine der Hauptursachen für den Brain Fog.
- Unverträglichkeiten und Allergien: Brain Fog kann ein Hinweis auf eine Unverträglichkeit oder gar Allergie gegenüber bestimmten Nahrungsmitteln sein.
- Flüssigkeitsmangel: Wassermangel verursacht die typischen Konzentrationsprobleme und kann schon bei einer geringen Unterversorgung große Folgen haben.
- Nährstoffmangel: Selbst bei der gesündesten Ernährung kann ein Nährstoffmangel auftreten, der dieses vernebelte Gefühl im Hirn hervorruft.
- Schlafmangel: Wenn das Gehirn nachts nicht abschalten und sich erholen kann, ist es am nächsten Tag nicht voll leistungsfähig.
- Stress: Bei zu hoher Dauerbelastung laufen sämtliche Körperfunktionen aus dem Ruder, die unter anderem dazu führen, dass dein Gehirn vernebelt wird und du keinen klaren Gedanken mehr fassen kannst.
- Kaffee-Entzug: Wenn man auf den täglichen Kaffee oder Schwarztee verzichtet, kann es sein, dass man unter Entzugserscheinungen leidet.
- Bewegungsmangel: Wenn das Gehirn bei zu wenig körperlicher Bewegung nicht ausreichend durchblutet wird, kann es schnell zu Brain Fog kommen.
- Umweltgifte: Der Körper kann mit einer Vielzahl an Umweltgiften in Kontakt kommen, die Brain Fog verursachen können.
Das Kurzzeitgedächtnis
Das Kurzzeitgedächtnis spielt eine zentrale Rolle im täglichen Leben, indem es Informationen kurzfristig speichert und verarbeitet, um alltägliche Aufgaben zu bewältigen. Verschiedene Gehirnareale, insbesondere der präfrontale Kortex, sind für die Funktion des Kurzzeitgedächtnisses zuständig. Mit fortschreitendem Alter nimmt die Leistungsfähigkeit des Kurzzeitgedächtnisses ab, kann jedoch durch gezieltes Gedächtnistraining verbessert und erhalten werden.
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Die Hauptfunktion des Kurzzeitgedächtnisses ist der Zwischenspeicher. Sehr häufig verweilen kurzzeitig gespeicherte Informationen nicht wesentlich länger als 30 Sekunden im Kurzzeitgedächtnis. Es gibt aber die Möglichkeit, die Informationen ins Langzeitgedächtnis zu übertragen und über Stunden, Tage oder Wochen hinweg abzurufen. Dies wird vor allem über Wiederholung erreicht, aber nicht nur: Auch die Relevanz der Information ist entscheidend. Informationen werden einfacher im Langzeitgedächtnis abgelegt, wenn sie einen direkten Nutzen für einen haben und daher oft auf sie zurückgegriffen wird.
Faktoren, die das Kurzzeitgedächtnis beeinträchtigen können
Es gibt viele Faktoren, die das Kurzzeitgedächtnis beeinflussen und zu Störungen oder Schwächungen führen können. Einige mögliche Ursachen sind:
- Alter: Das Kurzzeitgedächtnis nimmt im Laufe des Lebens ab.
- Stress: Bei viel Stress kann die Funktion des Kurzzeitgedächtnisses beeinträchtigt und die Fähigkeit, neue Informationen aufzunehmen und zu verarbeiten, verringert werden.
- Schlafmangel: Eine mangelhafte oder unzureichende Schlafqualität kann das Kurzzeitgedächtnis negativ beeinflussen und die Gedächtnisleistung verringern.
- Körperliche Erkrankungen: Manche körperliche Erkrankungen wie beispielsweise Diabetes, Bluthochdruck oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen können das Kurzzeitgedächtnis ebenfalls negativ beeinträchtigen.
- Psychische Erkrankungen: Auch psychische Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen oder Schizophrenie können das Kurzzeitgedächtnis negativ beeinflussen.
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