Untersuchungsmethoden bei Schädel-Hirn-Trauma (SHT)

Ein Schädel-Hirn-Trauma (SHT) ist eine Kopfverletzung, die zu einer Funktionsstörung oder Verletzung des Gehirns führt. Es wird meist durch äußere Gewalteinwirkung verursacht, z. B. als Folge von Verkehrs- oder Sportunfällen. Die Diagnose eines SHT erfordert eine umfassende Untersuchung, um das Ausmaß der Verletzung zu bestimmen und die geeignete Behandlung einzuleiten. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Untersuchungsmethoden, die bei Verdacht auf ein Schädel-Hirn-Trauma eingesetzt werden.

Was ist ein Schädel-Hirn-Trauma?

Bei einem Schädel-Hirn-Trauma (SHT) kommt es zu einer Verletzung des Schädels und des Gehirns. Das Gehirn ist eines der empfindlichsten Organe des menschlichen Körpers. Es ist Sitz des Bewusstseins, empfängt und verarbeitet nicht nur Sinneseindrücke, sondern reguliert auch zahlreiche lebenswichtige Organfunktionen, wie etwa die Atmung.

Kommt es durch äußere Gewalt - etwa einen Sturz oder Schlag auf den Kopf - zu einer kombinierten Verletzung der Schädelknochen und des Gehirns, spricht man von einem Schädel-Hirn-Trauma.

Das Schädel-Hirn-Trauma ist eine relativ häufige Verletzung. Schätzungen gehen von einer Inzidenz von 200 bis 350 Fällen pro 100.000 Einwohnern pro Jahr aus. Dabei unterscheiden Ärzte verschiedene Schweregrade sowie unterschiedliche Formen von Schädel-Hirn-Traumata.

Bei etwa fünf Prozent der Betroffenen ist das Schädel-Hirn-Trauma schwer. Es führt bei einem Teil der Verletzten zu einer dauerhaften Pflegebedürftigkeit oder gar zum Tod. Ein Beispiel für eine leichte Form des Schädel-Hirn-Traumas ist eine Gehirnerschütterung.

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Ärzte teilen ein Schädel-Hirn-Trauma (SHT) in drei Schweregrade ein. Außerdem unterscheiden sie ein geschlossenes SHT von einem offenen SHT. Bei einem geschlossenen Schädel-Hirn-Trauma sind der knöcherne Schädel und die darunterliegende harte Hirnhaut unverletzt.

Bei einem offenen SHT hingegen sind der Schädelknochen und die harte Hirnhaut verletzt. Ist die Schädelbasis betroffen, ist die Verletzung von außen nicht sichtbar. Trotzdem handelt es sich um ein offenes SHT, wenn eine Verbindung zum Beispiel über die Nasennebenhöhlen zur Außenwelt besteht.

Ursachen und Risikofaktoren

In den meisten Fällen ist ein Schädel-Hirn-Trauma die Folge eines Unfalls. Häufige Ursache sind Stürze beim Sport ohne Schutzhelm, etwa beim Fahrrad- oder Skifahren oder bei der Arbeit. Neben einer stumpfen Gewalteinwirkung (wie Schlag oder Aufprall) sind auch perforierende (durchbohrende) Verletzungen möglich.

Schätzungsweise ein Drittel der Schädel-Hirn-Verletzungen gehen auf das Konto von Verkehrsunfällen. Dabei weist jeder dritte Betroffene weitere Verletzungen auf - Mediziner sprechen dann von einem Polytrauma.

Ersteinschätzung am Unfallort

Bei einem vermuteten Schädel-Hirn-Trauma erstellt der Unfallarzt noch am Unfallort ein Protokoll. Der neurologische Status wird am Unfallort erfasst, die motorische Funktion aller Extremitäten und die anfängliche Bewusstseinslage werden nach dem Glasgow Coma Score (GCS) dokumentiert. Ein vollständiger Satz aller Einsatzprotokolle verbleibt beim Patienten.

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Untersuchung und Diagnose im Krankenhaus

Besteht der Verdacht auf ein Schädel-Hirn-Trauma, muss der Betroffene in ein Krankenhaus eingeliefert werden. Hier arbeiten Unfallchirurgen, Orthopäden und Neurologen bei der Diagnose meist Hand in Hand.

Anamnese und klinische Untersuchung

Oft weist bereits der Unfallhergang auf ein mögliches Schädel-Hirn-Trauma hin, etwa weil die betreffende Person auf den Kopf gestürzt ist. Oft liefern Zeugen oder Rettungskräfte dem Arzt wichtige Informationen, indem sie den Unfall beschreiben oder Angaben über die Dauer der Bewusstlosigkeit machen.

Im Rahmen einer neurologischen Untersuchung prüft der Arzt unter anderem, ob die betreffende Person ansprechbar und orientiert ist. Gleichzeitig achtet er darauf, ob äußerliche Verletzungen auf ein Schädel-Hirn-Trauma hinweisen. Bei bewusstlosen Patienten liefert unter anderem die Pupillenreaktion auf einen Lichtreiz (auch Lichtreaktion oder Pupillarreflex genannt) Hinweise auf das Ausmaß der Hirnverletzung.

Glasgow Coma Scale (GCS)

Die Schwere eines Schädel-Hirn-Traumas wird üblicherweise nach dem Punktwert in der Glasgow-Coma-Skala (GCS) eingeteilt. In dieser Skala erhält der Patient für bestimmte Reaktionen Punkte. Kriterien sind Augenöffnen, verbale Reaktion auf Ansprache und motorische Reaktion. Bereits bei der orientierenden Untersuchung am Unfallort werden Augenöffnen, Reaktion auf Schmerzreize und sprachliche Äußerungen des Unfallopfers erfasst. Aus den Beobachtungen ergibt sich ein Punktwert zwischen 3 und 15, wobei 15 die höchstmögliche Punktzahl der GCS darstellt. Die Einteilung erfolgt in:

  • Leichtes Schädel-Hirn-Trauma: GCS 13-15
  • Mittelschweres Schädel-Hirn-Trauma: GCS 9-12
  • Schweres Schädel-Hirn-Trauma: GCS 3-8

Der GCS sollte immer wieder neu erhoben werden, um ein Verlauf der Hirnfunktion zu dokumentieren. Es muss bedacht werden, dass Funktionseinschränkungen durch andere Faktoren (z. B.

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Bildgebende Verfahren

Mithilfe bildgebender Verfahren lassen sich Frakturen von Schädelknochen und Schädelbasis gut erkennen. Auch Verletzungen des Gehirns wie Prellungen, Quetschungen oder Blutungen werden dadurch sichtbar.

  • Röntgenuntersuchung: Eine Röntgenuntersuchung kann Frakturen des Schädels erkennen.
  • Computertomografie (CT): Die Computertomografie (CT) ist das Standardverfahren zur Beurteilung von Schädel-Hirn-Traumata. Sie ermöglicht eine schnelle und detaillierte Darstellung von Knochenstrukturen und Hirngewebe. Im CT lassen sich Frakturen, Blutungen, Prellungen und andere Verletzungen des Gehirns erkennen. Besonders wichtig ist eine Verlaufskontrolle bei einem extra- oder intraduralem Hämatom, das heißt bei einem Bluterguss außerhalb oder innerhalb der Dura.
  • Magnetresonanztomografie (MRT): Sind im CT trotz bestehender Beschwerden keine offensichtlichen Veränderungen zu erkennen, schließt sich meist eine Magnetresonanztomografie (MRT) an. Die MRT ist besonders geeignet, um Weichteilverletzungen des Gehirns, wie z.B. diffuse axonale Schäden, darzustellen. Die Magnetresonanztomographie (MRT) wird bei schweren Schädel-Hirnverletzungen zur Diagnose von Schädigungen (Läsionen), Quetschungen, Durchblutungsstörungen (Ischämien) des Gehirns oder der Harnwasserruhr (Diabetes insipidus) durchgeführt.
  • Schädel-Ultraschall: Bei Kindern und Jugendlichen bis 16 Jahre wird der Schädel per Ultraschall untersucht.
  • MR-Angiografie: Mit der MR-Angiografie können Verengung und Verletzungen von Blutgefäßen aufgespürt werden.
  • Transkranielle Dopplersonographie: Spezielle Ultraschalluntersuchungen (Neurosonografie, transkranielle Dopplersonographie) werden ebenfalls eingesetzt, um Störungen bei Blutgefäßen fest-stellen zu können.

Weitere Untersuchungsmethoden

Unter Umständen können weitere Untersuchungsmethoden nötig sein:

  • Evozierte Potentiale: Bei einem schweren SHT dienen evozierte Potentiale einer genaueren Einschätzung des Zustandes des Patienten.

Bluttest

Abbott hat einen Schnelltest entwickelt, der ein leichtes Schädel-Hirn-Trauma anhand von Proteinen im Blut diagnostiziert. Abbott hat die CE-Kennzeichnung für den i-STAT TBI-Plasma-Test erhalten. Dabei handelt es sich um den ersten tragbaren Schnelltest für Blutplasma bei traumatischen Hirnverletzungen. Er kann Klinikern bei der Beurteilung von Personen mit Verdacht auf ein leichtes Schädel-Hirn-Trauma (SHT) helfen. Für den Test wird eine Blutprobe aus dem Arm entnommen und zentrifugiert, um daraus Plasma oder Serum zu gewinnen. Der Alinity -i-TBI-Test misst zwei komplementäre Biomarker in Blutplasma und Serum - Ubiquitin-Carboxyl Terminal-Hydrolase L1 (UCH-L1) und Saures Gliafaserprotein (Glial Fibrillary Acidic Protein, GFAP). Erhöhte Konzentrationen beider Proteine sind eng mit einer Hirnverletzung korreliert. Ein negatives Testergebnis kann dazu beitragen, die Notwendigkeit einer CT-Untersuchung des Kopfes auszuschließen.

Klassifikation des Schädel-Hirn-Traumas

Es gibt verschiedene Klassifikationen für das Schädel-Hirn-Trauma (SHT). Es bietet sich an, zunächst eine grobe Einteilung anhand des Verletzungsausmaßes vorzunehmen. Hierzu unterscheidet man in:

  • Offenes Schädel-Hirn-Trauma: Eröffnung der Dura mater, ggf. Liquoraustritt aus Nase, Ohr (Liquorrhoe) und Mund bei basilaren Schädelfrakturen
  • Geschlossenes Schädel-Hirn-Trauma: intakte Dura mater

Durch eine Eröffnung der Dura mater ist das Infektionsrisiko stark erhöht.

Therapie

Die Therapie bei einem Schädel-Hirn-Trauma hängt vom Ausmaß der Verletzung ab. Leichtere Formen, etwa ein Schädel-Hirn-Trauma Grad I (eine sogenannte Gehirnerschütterung), erfordern meist keine umfassende Behandlung. Hier rät der Arzt zu einigen Tagen Bettruhe, manchmal bleibt der Patient (vor allem Kinder) für 24 Stunden zur Beobachtung im Krankenhaus.

Treten in dieser Zeit zunehmend Symptome eines Schädel-Hirn-Traumas auf, lassen sich Folgen, etwa eine Hirnblutung, schnell erkennen und behandeln. Gegen Beschwerden wie Kopfschmerzen kommen Schmerzmittel zum Einsatz, zum Beispiel Paracetamol. Gegen Übelkeit helfen Wirkstoffe wie Metoclopramid.

Liegt ein schwerwiegenderes Schädel-Hirn-Trauma vor, ist stets ein Klinikaufenthalt erforderlich. Ist der Patient bewusstlos, zielen die ersten Behandlungsmaßnahmen bereits am Unfallort darauf ab, die Vitalfunktionen (wie Kreislauf und Atmung) zu sichern.

Weitere Behandlungsschritte richten sich nach der Art der Verletzung. Ein offenes Schädel-Hirn-Trauma, teilweise aber auch gedeckte Schädelbrüche und Hirnblutungen, müssen in der Regel durch eine Operation versorgt werden.

Zur Weiterbehandlung schwerer Schädel-Hirnverletzungen ist eine Aufnahme in einer Spezialklinik oder einer Einrichtung für Früh-Rehabilitation sinnvoll. Hier steht ein spezialisiertes Team aus Fachärzten, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten und Logopäden zu Verfügung. Ziel ist, die körperlichen, geistigen und sprachlichen Fähigkeiten zu trainieren und wiederzuerlangen.

Klinische Versorgung

  • Operativ: Entlastungskraniektomie und Duraerweiterungsplastik bei Hirndruckzeichen. Zerebraler Perfusionsdruck (CCP) sollte zwischen 50 und 70 mmHg eingestellt werden (Normwert: ca. 90 mmHg); intrakranieller Druck (ICP) < 20 mmHg. Operative Versorgung von Begleitverletzungen und Schädelfrakturen durch die jeweilige Fachrichtung.
  • Nicht operative Therapie: Hyperventilation mit Hypokapnie bei transtentorieller Herniation. 30° Oberkörperhochlagerung bei ICP > 20 mmHg. Analgosedierung oder Narkose, um Hirndruckspitzen durch Schmerzen und Stress zu vermeiden. Tranexamsäure scheint positive Effekte auf das Patienten-Outcome zu haben, weitere Untersuchungen hierzu stehen aus. Osmodiuretika zur kurzfristigen ICP-Senkung, hyperosmolare Infusionen zeigten keinen positiven Effekt, in einer Studie konnten sogar negative Effekte beobachtet werden. Prophylaktische antikonvulsive Therapie in der ersten Woche. Therapeutische Hypothermie.

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