Migräne: Ursachen, Behandlung und was Sie wissen sollten, wenn es nicht besser wird

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch starke Kopfschmerzen, Übelkeit und Lichtempfindlichkeit gekennzeichnet ist. Allein in Deutschland leiden rund 18 Millionen Menschen unter Migräne. Obwohl es keine Heilung gibt, können verschiedene Behandlungen und Änderungen des Lebensstils helfen, die Häufigkeit und Intensität der Attacken zu reduzieren.

Was ist Migräne?

Migräne ist mehr als nur Kopfschmerz. Es handelt sich um eine komplexe neurologische Erkrankung, die sich bei jedem Menschen anders äußert. Die Symptome müssen mindestens fünfmal aufgetreten sein, um als Migräne klassifiziert zu werden. Migräne kann das tägliche Leben erheblich beeinträchtigen, von gelegentlichen Attacken bis hin zu monatelangen Beeinträchtigungen.

Kopfschmerzen vs. Migräne

Experten unterscheiden zwischen etwa 300 verschiedenen Kopfschmerzarten, wobei Migräne eine davon ist. Im Gegensatz zu normalen Kopfschmerzen geht Migräne oft mit Übelkeit, Erbrechen und extremer Empfindlichkeit gegenüber Licht, Lärm und Gerüchen einher.

Ursachen und Auslöser von Migräne

Die genauen Ursachen der Migräne sind noch nicht vollständig geklärt, aber es wird angenommen, dass Fehlregulationen im Gehirn eine Rolle spielen. Eine Funktionsstörung in der Hirnhaut und den Blutgefäßen kann zu einer Überaktivität der Nervenzellen im Hirnstamm führen, was eine Kettenreaktion auslöst. Diese Überaktivität führt zur Ausschüttung von Schmerzsignalen und Botenstoffen, die die Blutgefäße erweitern und Entzündungen in bestimmten Hirnbereichen verursachen.

Genetische Faktoren

Migräne kann vererbt werden. Bei einer sehr seltenen Unterform, der hemiplegischen Migräne, konnten krankheitsverursachende Gene identifiziert werden.

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Triggerfaktoren

Es gibt verschiedene Faktoren, die eine Migräneattacke auslösen können. Diese Trigger sind von Person zu Person unterschiedlich und können Folgendes umfassen:

  • Stress: Emotionaler Stress, unregelmäßiger Tagesablauf oder Stress nach einer anstrengenden Zeit können Migräneanfälle auslösen.
  • Hormonelle Schwankungen: Bei Frauen können hormonelle Veränderungen während des Menstruationszyklus Migräne verursachen.
  • Schlafmangel: Zu wenig Schlaf oder ein unregelmäßiger Schlafrhythmus erhöhen das Risiko.
  • Ernährung: Bestimmte Lebensmittel wie Rotwein oder der Verzicht auf Mahlzeiten können Anfälle auslösen.
  • Äußere Reize: Wetteränderungen, Licht- und Lärmreize können ebenfalls Migräne triggern.
  • Flüssigkeitsmangel: Zu wenig trinken kann Migräneanfälle begünstigen.

Die Rolle der Botenstoffe

Botenstoffe wie Serotonin spielen eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Migräne. Der Serotoninspiegel kann durch den Menstruationszyklus beeinflusst werden, was erklärt, warum Frauen während bestimmter Zyklusphasen häufiger Migräne bekommen.

Symptome und Phasen einer Migräneattacke

Eine Migräneattacke kann in verschiedenen Phasen verlaufen, die unterschiedlich lange dauern und nicht zwingend alle auftreten müssen.

Prodromalphase (Vorbotenphase)

Etwa 30 Prozent der Patienten spüren vor einem Migräneanfall Anzeichen wie Gereiztheit, Müdigkeit, Heißhunger oder Lichtempfindlichkeit. Diese Phase kann Stunden oder Tage vor dem eigentlichen Kopfschmerz auftreten.

Auraphase

10 bis 15 Prozent der Betroffenen erleben eine Auraphase, die von Sehstörungen wie hellen Flecken, Lichtblitzen oder kurzzeitigem Sehverlust begleitet sein kann. Weitere Symptome sind Kribbeln, Gleichgewichtsstörungen und Sprachprobleme.

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Kopfschmerzphase

Diese Phase ist durch starke, pulsierende, stechende oder hämmernde Kopfschmerzen gekennzeichnet, die meist einseitig auftreten. Die Betroffenen sind oft licht- und geräuschempfindlich und leiden unter Übelkeit und Erbrechen.

Auflösungsphase

In dieser Phase lassen die Symptome allmählich nach. Die Kopfschmerzen sind nicht mehr pulsierend, sondern eher gleichbleibend.

Erholungsphase (Postdromalphase)

Die Patienten fühlen sich erschöpft und angeschlagen, ähnlich wie nach einem Kater. Die Symptome ähneln denen der Prodromalphase.

Diagnose von Migräne

Die Diagnose von Migräne basiert in erster Linie auf der Anamnese und der Beschreibung der Symptome durch den Patienten. Der Arzt wird nach der Häufigkeit, Dauer, Art und Stärke der Kopfschmerzen sowie nach Begleitsymptomen fragen. Ein Kopfschmerztagebuch kann helfen, diese Fragen zu beantworten. In einigen Fällen können bildgebende Untersuchungen oder weitere Tests erforderlich sein, um andere Ursachen auszuschließen.

Behandlung von Migräne

Obwohl Migräne nicht heilbar ist, gibt es verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, um die Symptome zu lindern und die Häufigkeit der Attacken zu reduzieren.

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Akuttherapie

Zur Linderung akuter Migräneanfälle können Schmerzmittel wie Ibuprofen, Paracetamol oder Acetylsalicylsäure sowie migränespezifische Medikamente wie Triptane eingesetzt werden. Gegen Übelkeit helfen Antiemetika wie Metoclopramid oder Domperidon.

Vorbeugende Maßnahmen (Prophylaxe)

Bei häufigen oder schweren Migräneattacken können vorbeugende Maßnahmen sinnvoll sein. Dazu gehören:

  • Regelmäßiger Sport: Ausdauersport kann helfen, die Häufigkeit von Migräneattacken zu reduzieren.
  • Entspannungsverfahren: Entspannungstechniken wie progressive Muskelrelaxation oder autogenes Training können Stress reduzieren und Migräne vorbeugen.
  • Regelmäßiger Schlaf- und Mahlzeitenrhythmus: Ein regelmäßiger Tagesablauf kann dazu beitragen, Triggerfaktoren zu vermeiden.
  • Medikamentöse Prophylaxe: Bei häufigen Attacken können Medikamente wie Betablocker, Antidepressiva oder Antiepileptika eingesetzt werden, um die Häufigkeit und Intensität der Migräneanfälle zu reduzieren.
  • Antikörpertherapie: Seit einigen Jahren gibt es eine spezielle Antikörpertherapie zur Vorbeugung von Attacken bei chronischer Migräne.
  • Remote Electrical Neuromodulation (REN): Diese Methode stimuliert Nervenfasern außerhalb der Migräneschmerzregion, um die Ausschüttung von Botenstoffen im Gehirn anzuregen und den Migränekopfschmerz zu unterdrücken.

Nicht-medikamentöse Behandlungen

  • Akupunktur: Obwohl die Daten zur Wirksamkeit von Akupunktur widersprüchlich sind, kann sie bei einigen Patienten helfen.
  • Verhaltenstherapie: Psychotherapeutische Verfahren können Betroffenen helfen, mit ihrer Migräne besser umzugehen und Stress zu reduzieren.
  • Biofeedback: Bei dieser Methode lernen Patienten, biologische Signale wie den Blutdruck bewusst zu beeinflussen, um Kopfschmerzen zu lindern.

Migräne-Apps

Migräne-Apps können helfen, Trigger zu identifizieren und Migräneattacken vorzubeugen.

Spezielle Migräneformen

Es gibt verschiedene Unterformen von Migräne, die spezifische Symptome und Behandlungen erfordern.

  • Menstruelle Migräne: Diese Form der Migräne tritt in direktem Zusammenhang mit dem Menstruationszyklus auf.
  • Vestibuläre Migräne: Schwindel und Gleichgewichtsstörungen sind die Hauptsymptome dieser Migräneform.
  • Hemiplegische Migräne: Eine seltene und schwere Form der Migräne, die vorübergehende Lähmungen auf einer Körperseite verursachen kann.
  • Migräne mit Hirnstammaura: Bei dieser Form treten Symptome wie Schwindel, Sprachstörungen und Bewusstseinsveränderungen auf.

Was tun, wenn die Migräne nicht besser wird?

Es ist wichtig, die auslösenden Faktoren zu kennen und diese bestmöglich zu vermeiden. Schlafmangel, Stress, Flüssigkeitsmangel, Menstruationsblutung, Alkohol oder Wetteränderungen können Auslöser sein. Ein Teil dieser Faktoren ist beeinflussbar, und eine Umstellung der Gewohnheiten kann Linderung verschaffen. Auch Ausdauersport und Entspannungsverfahren können helfen, Migräneanfälle zu vermeiden. Manche Betroffene profitieren zudem von Akupunktur. Wenn diese Maßnahmen nicht erfolgreich sind, sollte eine medikamentöse Prophylaxe in Erwägung gezogen werden. Für die Wahl des geeigneten Medikaments ist eine ausführliche ärztliche Beratung erforderlich.

Status migraenosus

Als Status migraenosus bezeichnet man Migräneattacken, die länger als 72 Stunden anhalten. Ein häufiger Auslöser sind hormonelle Veränderungen zum Zeitpunkt der Menstruation. Die Einnahme von Triptanen und/oder Schmerzmitteln im Status migraenosus kann mit jedem Tag weniger und kürzer wirksam sein und die Attacke verlängern. Daher gilt die generelle Empfehlung, ab dem vierten Tag einer Migräne auf Schmerzmittel und Triptane zu verzichten.

Behandlung des Status migraenosus

  • Medikamente gegen Übelkeit: Dimenhydrinat (Vomex® A) oder schwach wirksame Neuroleptika wie Promethazin oder Melperon können helfen.
  • Kortison: Prednisolon oder andere Kortison-Zubereitungen können die Entzündung an den Blutgefäßen der Hirnhäute blockieren.

Umgang mit Migräne im Alltag

Jeder Betroffene muss lernen, mit dieser Erkrankung zu leben. Dazu gehört, modifizierbare Auslöser für Attacken nach Möglichkeit zu reduzieren und sich einzugestehen, dass schwere Attacken zu einer reellen Minderung der Leistungsfähigkeit führen. Migräne ist keine psychische Erkrankung und sollte nicht mit einem banalen Spannungskopfschmerz verwechselt werden.

Tipps zur Selbsthilfe

  • Führen Sie ein Migränetagebuch: Notieren Sie Speisen, Getränke, Wetter, Schlaf und andere Faktoren, um mögliche Trigger zu identifizieren.
  • Passen Sie Ihre Lebensführung an: Weniger Stress, mehr Entspannung, eine ausgewogene Ernährung und ein regelmäßiger Tagesablauf können sich positiv auf Migräne auswirken.
  • Entspannen Sie Ihre Nackenmuskulatur: Eine entspannte Nackenmuskulatur und Halswirbelsäule können einer Migräne-Attacke vorbeugen.

Migräne bei Kindern und Jugendlichen

Auch Kinder und Jugendliche können von Migräne betroffen sein. Bei der kindlichen Migräne können neben Kopfschmerzen auch andere Symptome wie Bauchschmerzen auftreten. Die Behandlung von Migräne bei Kindern und Jugendlichen erfordert eine besondere Sorgfalt und sollte immer in Absprache mit einem Arzt erfolgen.

Migräne und Hormone

Hormonelle Schwankungen, insbesondere bei Frauen, können eine wichtige Rolle bei der Auslösung von Migräneattacken spielen. Die menstruelle Migräne ist eine spezielle Form, die in direktem Zusammenhang mit dem Menstruationszyklus steht.

Behandlung der menstruellen Migräne

  • Hormonelle Kontrazeption: Frauen, die hormonelle Kontrazeptiva einnehmen, können diese im Langzyklus anwenden, um den Hormonabfall zu vermeiden, der die Migräne auslösen kann.
  • Triptane oder Naproxen: Die vorbeugende Einnahme von langwirksamen Triptanen oder Naproxen über eine Woche kann helfen, die menstruelle Migräne zu verhindern.

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