Wenn das Gehirn nicht zur Ruhe kommt: Ursachen und Lösungen für Schlaflosigkeit

Gelegentliche Schlafstörungen sind weit verbreitet. Länger anhaltende Schlafprobleme können jedoch erhebliche Auswirkungen auf die Lebensqualität und die Gesundheit haben. Dieser Artikel beleuchtet die vielfältigen Ursachen von Schlafstörungen und bietet einen umfassenden Überblick über Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten.

Die Verbindung zwischen Gehirn und Schlaf

Schlafen und Wachen sind komplexe Prozesse, die durch das Zusammenspiel verschiedener Hirnstammkerne und neuronaler Netzwerke mit den Basalganglien und dem Frontalhirn gesteuert werden. Eine Vielzahl von Neurotransmittern, molekularen und genetischen Faktoren sowie Einflüsse von Umwelt und des psychischen und physischen Zustands beeinflussen den Schlaf-Wach-Rhythmus.

Ursachen von Schlafstörungen

Schlafstörungen, auch Insomnien genannt, können vielfältige Ursachen haben, die oft ineinandergreifen. Es ist wichtig zu verstehen, dass "Nachtprobleme" oft "Tagprobleme" sind, d.h. die Ursachen liegen oft in Faktoren, die tagsüber wirken.

Psychische Belastungen und Stress

Seelische Belastungen, Stress, Ängste und Sorgen sind häufige Auslöser für kurzfristige Schlafstörungen. Diese können sowohl negativer Natur sein (z.B. Arbeitsbelastung, persönliche Konflikte) als auch positiver Natur (z.B. Vorfreude auf eine Reise). Chronischer Stress kann jedoch zu anhaltenden Schlafproblemen führen.

Körperliche Erkrankungen

Eine Vielzahl organischer Erkrankungen kann Schlafstörungen verursachen, darunter:

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  • Chronische Nierenerkrankungen
  • Magen-Darm-Erkrankungen
  • Herzkrankheiten
  • Lungenerkrankungen
  • Obstruktive Schlafapnoe (OSA)
  • Endokrinologische Erkrankungen (z.B. Schilddrüsenfunktionsstörungen)
  • Maligne Erkrankungen
  • Chronischer Schmerz (z.B. bei rheumatischen Erkrankungen)
  • Kopfschmerzen
  • Epilepsien
  • Extrapyramidalmotorische Erkrankungen (z.B. Parkinson-Krankheit)
  • Polyneuropathien
  • Schlaganfall
  • Multiple Sklerose
  • Starker Juckreiz bei Hauterkrankungen

Hormonelle Veränderungen

Hormonelle Veränderungen, wie sie in den Wechseljahren oder bei Schilddrüsenfunktionsstörungen auftreten, können ebenfalls Schlafstörungen verursachen. Insbesondere der Rückgang von Östrogen und Progesteron in den Wechseljahren kann die Tiefschlafphasen und den erholsamen Schlaf beeinträchtigen. Auch in der Schwangerschaft sind Schlafstörungen häufig, bedingt durch hormonelle Veränderungen und körperliche Beschwerden.

Medikamente und Substanzen

Die Einnahme bestimmter Medikamente und Substanzen kann den Schlaf stören:

  • Alkohol und andere Rauschmittel
  • Antibiotika (z.B. Gyrasehemmer)
  • Antidementiva (z.B. Piracetam)
  • Antidepressiva (antriebssteigernd z.B. SSRIs)
  • Asthma-Medikamente (z.B. Theophyllin, Sympathomimetika)
  • Blutdrucksenker (z.B. Beta-Blocker)
  • Diuretika
  • Hormonpräparate (z.B. Thyroxin, Steroide)
  • Stimulierende Substanzen (Koffein und synthetische Substanzen)

Schlafbezogene Atmungsstörungen

Schlafbezogene Atmungsstörungen, wie die Schlafapnoe, sind weit verbreitet und können den Schlaf erheblich beeinträchtigen. Bei der Schlafapnoe kommt es zu Atemaussetzern im Schlaf, die oft mit Schnarchen und Tagesmüdigkeit einhergehen.

Schlafbezogene Bewegungsstörungen

Schlafbezogene Bewegungsstörungen, wie das Restless-Legs-Syndrom (RLS), können ebenfalls zu Schlafstörungen führen. RLS ist durch einen Bewegungsdrang der Beine oder Arme gekennzeichnet, der oft mit unangenehmen Missempfindungen einhergeht.

Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus

Störungen des circadianen Schlaf-Wach-Rhythmus, z.B. durch Schichtarbeit, Jetlag oder Blindheit, können ebenfalls zu Schlafstörungen führen.

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Neurodegenerative Erkrankungen

Schlafstörungen treten häufig bei neurodegenerativen Erkrankungen wie der Parkinson-Krankheit oder Demenz auf.

Diagnose von Schlafstörungen

Eine sorgfältige Anamnese ist der erste Schritt zur Diagnose von Schlafstörungen. Dabei werden der organische Gesundheitszustand, frühere und aktuelle körperliche Erkrankungen, die Einnahme von Medikamenten und Substanzen, psychologische Faktoren und soziale Beziehungen sowie das aktuelle Schlafverhalten erfasst.

Schlafanamnese

Eine gezielte Schlafanamnese umfasst:

  • Auslöser inklusive Traumata
  • Arbeitszeiten/circadiane Faktoren (Schicht- und Nachtarbeit)
  • Aktuelles Schlafverhalten
  • Vorgeschichte der Schlafstörung
  • Schlaftagebuch
  • Fremdanamnese (periodische Beinbewegungen/Atempausen)

Instrumente zur Erfassung von Schlafstörungen

Verschiedene Fragebögen und Protokolle können zur Erfassung von Schlafstörungen eingesetzt werden:

  • Pittsburgher Schlafqualitätsindex (PSQI)
  • Schlaffragebogen A (SF-A)
  • Abend- und Morgenprotokolle (Schlaftagebuch)
  • Insomnia Severity Index (ISI)

Polysomnographie im Schlaflabor

In unklaren Fällen oder bei Verdacht auf organische Ursachen kann eine Polysomnographie im Schlaflabor durchgeführt werden. Dabei werden verschiedene Körperfunktionen während des Schlafs aufgezeichnet, darunter Hirnströme (EEG), Augenbewegungen (EOG), Muskelspannung (EMG), Atmung, Puls, Sauerstoffgehalt im Blut (Pulsoxymetrie) und CO2-Gehalt (Kapnografie).

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Aktigraphie

Die Aktigraphie kann eingesetzt werden, um Bett- und Schlafenszeiten über den gesamten Tag zu erfassen.

Behandlung von Schlafstörungen

Die Behandlung von Schlafstörungen richtet sich nach der Ursache.

Verbesserung der Schlafhygiene

Eine zentrale Maßnahme bei Schlafstörungen ist die Verbesserung der Schlafhygiene:

  • Einen festen Schlaf-Wach-Rhythmus etablieren
  • Störende Einflüsse wie Lärm oder Licht vermeiden
  • Entspannende Rituale vor dem Schlafengehen einführen
  • Ab mittags keine koffeinhaltigen Getränke (Kaffee, Schwarztee, Cola) mehr trinken
  • Alkohol nicht als Einschlafhilfe einsetzen und möglichst selten konsumieren
  • Keine schweren Mahlzeiten am Abend
  • Regelmäßige körperliche Aktivität
  • Allmähliche Verringerung geistiger und körperlicher Anstrengung vor dem Zubettgehen
  • Eine angenehme, ruhige und abgedunkelte Atmosphäre im Schlafzimmer schaffen
  • In der Nacht nicht die Uhrzeit kontrollieren

Kognitive Verhaltenstherapie (KVT-I)

Die beste Behandlung bei chronischen Schlafstörungen ist laut der aktuellen ärztlichen Leitlinie eine spezielle Psychotherapie, die kognitive Verhaltenstherapie gegen Insomnien (KVT-I). Sie ist langfristig wirksamer als Medikamente. Die Patientinnen und Patienten erhalten wichtige Informationen über die Entstehung und Chronifizierung von Schlafstörungen, erlernen Entspannungsverfahren und Methoden gegen nächtliches Grübeln. Im Mittelpunkt stehen neue Denkmuster und Verhaltensweisen.

Medikamentöse Therapie

Wenn die KVT-I nicht ausreichend effektiv war oder nicht durchführbar ist, kann eine medikamentöse Therapie angeboten werden.

  • Benzodiazepine und Benzodiazepinrezeptoragonisten: Können kurzfristig (3-4 Wochen) zur Behandlung von Insomnien eingesetzt werden. Eine Langzeitbehandlung wird aufgrund der Datenlage und potenzieller Nebenwirkungen nicht empfohlen.
  • Sedierende Antidepressiva: Wenn Kontraindikationen ausgeschlossen wurden und während der Behandlung überprüft werden, können sedierende Antidepressiva kurzfristig in der Insomnietherapie angewendet werden.

Behandlung von Schlafapnoe

Schlafapnoe wird häufig mit einer Beatmungstherapie mithilfe eines CPAP-Geräts beziehungsweise einer CPAP-Maske behandelt (CPAP: Continuous Positive Airway Pressure). Weitere Behandlungsmöglichkeiten sind unter anderem feste Schienen, die den Unterkiefer nach vorne verlagern, um die Atemwege zu erweitern. Für Menschen, die nur in Rückenlage schnarchen, gibt es spezielle Westen oder Bandagen, die verhindern, dass sie in Rückenlage liegen. Ein relativ neuer Eingriff sind Zungengrund-Schrittmacher.

Behandlung von Restless-Legs-Syndrom

Die Behandlung des Restless-Legs-Syndroms (RLS) umfasst in erster Linie die Behandlung der zugrunde liegenden Ursache, falls vorhanden. Bei idiopathischem RLS können Dopaminagonisten, L-Dopa oder andere Medikamente eingesetzt werden, um die Symptome zu lindern.

"Omas Hausmittel"

"Omas Hausmittel" gegen Schlafstörungen sind seit Generationen bewährt. Sie basieren auf natürlichen, sanften Methoden, die Körper und Geist zur Ruhe bringen. Besonders beliebt sind Kräuterkissen, die mit Lavendel, Hopfen oder Melisse gefüllt sind. Deren ätherische Öle wirken beruhigend und fördern das Einschlafen. Sie sollen angstlösend wirken, das zentrale Nervensystem entspannen und einen erholsamen Schlaf fördern. Ätherische Öle, wie beispielsweise Lavendel- oder Jasminblütenöl, die als Spray verwendet oder auf die Handgelenke aufgetragen werden können für eine beruhigende Atmosphäre zum Einschlafen sorgen.

Schlafstörungen bei speziellen Patientengruppen

Schlafstörungen bei Kindern

Schlafwandeln im Kindesalter wird mittlerweile als gängige Erscheinung gewertet. Aus diesem Grund gibt es keine monosymptomatische Therapie, etwa mit Medikamenten.

Schlafstörungen bei älteren Menschen

Bei älteren Menschen können Schlafstörungen durch verschiedene Faktoren verursacht werden, darunter körperliche Erkrankungen, Medikamente und Veränderungen im Schlaf-Wach-Rhythmus. Eine englische Studie legt nahe, dass Magnesium als Nahrungsergänzung bei älteren Menschen positive Wirkung auf den Schlaf haben könnte.

Schlafstörungen in der Schwangerschaft

In der Schwangerschaft sind Schlafstörungen besonders häufig. Die Ursachen sind vielfältig: Einerseits verursachen hormonelle Veränderungen, vor allem der Anstieg von Progesteron, ein gesteigertes Müdigkeitsgefühl, andererseits führen sie aber häufig zu unruhigem Schlaf. Hinzu kommen körperliche Beschwerden wie ein wachsender Bauch, der das Finden einer bequemen Schlafposition erschwert, vermehrter Harndrang durch Druck auf die Blase, Rückenschmerzen, Wadenkrämpfe oder Sodbrennen. Auch das Restless-Legs-Syndrom tritt bei Schwangeren häufiger auf und kann den Schlaf zusätzlich stören.

Die Rolle des limbischen Systems bei Insomnie

Bei Menschen mit Schlafstörungen ist das limbische System auch im Schlaf aktiv. Das limbische System ist zusammen mit anderen Regionen im Gehirn unter anderem dafür zuständig, den Körper zu alarmieren, wenn eine Bedrohung wahrgenommen wird. Menschen mit Schlafstörungen neigen eher zu einer solchen Alarmhaltung. Nun wird vermutet, dass ihr Körper das Nicht-schlafen-Können oder die Erwartung dessen als Bedrohung wahrnimmt. Demnach könnten die zuständigen Bereiche im Gehirn hochaktiv sein, während die Großhirnrinde schläft.

Schlafstörungen und das erhöhte Risiko für andere Erkrankungen

Wer häufig schlecht schläft, hat ein bis zu 30 Prozent höheres Risiko, eine schwere Herz-Kreislauferkrankung wie Herzinfarkt, Herzschwäche oder Schlaganfall zu entwickeln. Schlaf ist lebenswichtig, weil er dem Körper und Geist essentielle Erholung und Regeneration ermöglicht. Bei Menschen, die schlecht schlafen, bleibt der Blutdruck nachts zu hoch. Bei Schlafmangel bleibt außerdem die Herzfrequenz bei rund 80 Schlägen pro Minute, statt auf 50 bis 60 zu sinken. Besonders gefährlich sind Atemaussetzer in der Nacht (Schlafapnoe). Die Erkrankung steigert den Blutdruck, was zu einer Arteriosklerose und schließlich auch zu einem Herzinfarkt oder Schlaganfall führen kann. Eine Studie des Universitätsklinikums Freiburg hat nachgewiesen, dass Schlaf für die kognitive Erholung des Gehirns unersetzlich ist und sich nicht durch bloße Ruhephasen ersetzen lässt. Forschende der University of California in Berkeley haben in einer Studie herausgefunden, dass Schlafmangel die Schmerzempfindlichkeit erhöht. Die Haut reagiert nach einer schlaflosen Nacht sensibler auf Temperaturen.

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