MRT des Gehirns: Gesundheitsrisiken und Sicherheitsaspekte

Die Magnetresonanztomographie (MRT) ist ein etabliertes Verfahren der modernen Diagnostik, das ohne Strahlung arbeitet und in der Regel gut verträglich ist. Sie nutzt Magnetfelder und Radiowellen, um detaillierte Bilder des Körperinneren zu erzeugen. Obwohl die MRT im Allgemeinen als sicher gilt, gibt es bestimmte gesundheitliche Risiken und Sicherheitsaspekte, die berücksichtigt werden sollten.

Funktionsweise der MRT

Im Gegensatz zu Röntgen- oder CT-Untersuchungen erzeugt ein MRT keine ionisierende Strahlung. Stattdessen nutzt es ein starkes, statisches Magnetfeld, um die Atomkerne im Körper auszurichten. Anschließend werden Radiowellen eingesetzt, um die Kerne anzuregen und Signale zu erzeugen, die von einem Computer in detaillierte Bilder umgewandelt werden.

Risiken und Nebenwirkungen

Ein MRT ohne Kontrastmittel ist für die meisten Menschen sehr gut verträglich. In einigen Fällen können jedoch leichte, vorübergehende Reaktionen auftreten. Diese sind in aller Regel harmlos und verschwinden schnell wieder.

Mögliche Reaktionen ohne Kontrastmittel

  • Geräusche und Enge: Die Klopfgeräusche und die Röhrenumgebung können von manchen Patienten als unangenehm empfunden werden. Es ist wichtig, mögliche Ängste sofort und direkt beim Personal vor Ort anzusprechen.
  • Wärmeempfinden: Das Magnetfeld kann eine leichte Erwärmung des Körpers erzeugen. Es erfolgt jedoch ein rascher, natürlicher Temperaturausgleich, sodass keine Gefahr für die Gesundheit besteht.
  • Lagerungsschmerzen: Längeres Liegen kann zu Verspannungen führen.

Kontrastmittelbedingte Risiken und Nebenwirkungen

Für bestimmte Fragestellungen wird ein Kontrastmittel verabreicht, meist ein gadoliniumhaltiger Wirkstoff. Dieser verbessert die Darstellung von Entzündungen, Tumoren oder Durchblutungsstörungen. Die Europäischen Zulassungsbehörde (EMA) hat beschlossen, die Zulassungen für mehrere lineare gadoliniumhaltige Kontrastmittel ruhen zu lassen. Aktuell werden Gadolinium-haltige Kontrastmittel nur dann eingesetzt, wenn die Vorteile der Kontrastmittelgabe eindeutig helfen, klinische Fragestellungen der Untersuchung zu beantworten.

Häufige, harmlose Nebenwirkungen von Kontrastmitteln

  • Kälte- oder Wärmeempfinden an der Einstichstelle
  • Metallischer Geschmack im Mund
  • Leichter Hautausschlag oder Juckreiz

Seltene, aber mögliche Nebenwirkungen von Kontrastmitteln

  • Leichte allergische Reaktionen (Hautausschlag, Übelkeit)
  • Bei eingeschränkter Nierenfunktion: Risiko einer sogenannten nephrogenen systemischen Fibrose (NSF)
  • Gadolinium-Ablagerungen im Gehirn nach wiederholter Gabe - bislang ohne nachgewiesene gesundheitliche Folgen

Gadolinium-Ablagerungen im Gehirn

Studien haben gezeigt, dass sich Spuren von Gadolinium im Gehirn von Patienten ablagern können, die MRT-Untersuchungen mit diesen Kontrastmitteln erhalten. Ob diese Ablagerungen gesundheitsschädlich sind, ist noch unklar. Freies Gadolinium ist hoch toxisch, aber in einem chemischen Komplex gebundenes Gadolinium, wie es in MRT-Kontrastmitteln eingesetzt wird, ist nach bisherigem Wissensstand gut verträglich. Es ist jedoch möglich, dass Gadolinium in kleinen Mengen aus dem Kontrastmittel freigesetzt wird, sich in freier Form im Gehirn ablagert und dort Strukturen schädigt. Bisher gibt es nach Aussagen des Bundesministeriums für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) zwar keine Hinweise darauf, dass im Gehirn abgelagertes Gadolinium tatsächlich zu Symptomen oder Nebenwirkungen führt. Trotzdem soll die Sicherheit von Gadolinium-Kontrastmitteln jetzt systematisch untersucht werden, um mögliche Risiken zu finden oder auszuschließen.

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Stillzeit und Kontrastmittel

Stillen ist bei modernen Kontrastmitteln in der Regel unbedenklich.

Besondere Personengruppen und Hinweise

Manche Personen sollten bestimmte Hinweise beachten oder mit dem Ärzteteam abklären, ob ein MRT sinnvoll ist:

  • Tattoo/Permanent-Make-up: Einige Farbpigmente enthalten Metall, was zu leichtem Brennen führen kann. Es ist wichtig, dem Personal offen zu sagen, ob und an welchen Körperstellen Tattoos vorhanden sind.
  • Schwangere: Im ersten Trimester nur bei medizinischer Notwendigkeit. Kontrastmittel wird vermieden.
  • Menschen mit Nierenschwäche: Risiko für NSF erhöht.
  • Patienten mit Implantaten: Viele moderne Implantate sind MRT-tauglich ("MR conditional"). Wichtig: Implantatpass mitbringen. Träger von Herzschrittmachern, Insulinpumpen, Neurostimulatoren oder Cochleaimplantaten können leider nicht (oder nur durch eine spezielle Freigabe des untersuchenden Arztes) mit einer Magnet­resonanz­tomo­graphie untersucht werden. Kritisch können auch Metallsplitter im Gesichtsbereich sein.

Tipps zur Minimierung von Risiken

  • Sagen Sie dem Team alles Wichtige: Allergien, Medikamente, Implantate.
  • Reden hilft: Bei Platzangst oder Nervosität sprechen Sie Ihre Sorgen offen an.
  • Viel trinken: Vor allem nach Kontrastmittelgabe hilft Wasser beim Abbau.
  • Keine koffeinhaltigen Getränke vor einem Herz-MRT. Das betrifft nur spezielle Herz-MRTs mit dem Medikament Adenosin.
  • Nach dem MRT auf den Körper hören: Bei Beschwerden ärztliche Hilfe aufsuchen.
  • Für bestimmte MRT-Bilder werden die Bilder klarer, je weniger sich im Körper befindet.

Alternativen zur MRT mit Kontrastmittel

In manchen Fällen kann auf ein MRT mit Kontrastmittel verzichtet werden. So zeigt eine Studie der Stanford-Universität, dass die Erkennung von Tumoren bei Kindern und Jugendlichen mit und ohne Kontrastmittel genauso gut funktioniert. Auch Nuklearmediziner raten dazu, es bei Kindern und Jugendlichen erst mal nicht anzuwenden. Zumindest so lange, bis man verstanden hat, was genau mit den Ablagerungen im Gehirn passiert. Um einen Bandscheibenvorfall oder Gelenkbeschwerden zu diagnostizieren, reicht auch ein einfaches MRT. Das Herz lässt sich statt durch MRT auch mit Ultraschall, Elektrokardiografie (EKG) oder Myokardszintigrafie untersuchen, bei der die Herzmuskeldurchblutung beurteilt wird.

MRT und Raumwahrnehmung

Die Untersuchung im Kernspintomographen stört die Raumwahrnehmung gesunder Personen, berichten Tübinger Hirnforschende. Das starke Magnetfeld des MRT-Scanners stimuliere ungewollt das Gleichgewichtsorgan und verzerre dadurch die Raumwahrnehmung bei gesunden Versuchspersonen. Werden sie wieder aus der Röhre geholt, normalisiert sich ihre Wahrnehmung. Die Erkenntnis ist bedeutsam für künftige Studien in den Neurowissenschaften. Diese müssen unbedingt die verfälschte räumliche Aufmerksamkeit im MRT-Scanner berücksichtigen, fordern die beiden Wissenschaftler.

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