Ursachen von Ohrgeräuschen: Ein umfassender Überblick

Hören Sie auch dieses Pfeifen oder Piepen? Viele Menschen leiden unter Ohrgeräuschen, die von Außenstehenden nicht wahrgenommen werden. Der Begriff „Tinnitus“ stammt vom lateinischen Wort „tinnire“, was so viel wie Klingeln oder Klimpern bedeutet. Betroffene berichten aber auch von Summen, Rauschen, Klicken oder Klopfen. Die Ursachen dafür können sehr unterschiedlich sein. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die Ursachen von Ohrgeräuschen, die Rolle des Gehirns und die verfügbaren Behandlungen.

Tinnitus: Was ist das?

Tinnitus ist die Wahrnehmung von Geräuschen im Ohr oder Kopf, ohne dass eine externe Schallquelle vorhanden ist. Diese Geräusche können sich als Pfeifen, Klingeln, Summen, Rauschen, Klicken oder Klopfen äußern. Tinnitus kann vorübergehend oder dauerhaft sein und die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen.

Die Rolle des Gehirns bei Tinnitus

Eine Forschungsgruppe der Neurochirurgischen Klinik des Uniklinikums Erlangen untersucht, welche Prozesse im Gehirn dafür verantwortlich sind, dass akut auftretende Ohrgeräusche chronisch werden. Die Forschenden verfolgen verschiedene Ansätze, um Risikofaktoren für die Entwicklung von Tinnitus zu identifizieren und neurophysiologische Prozesse aufzudecken, die eine Chronifizierung von Ohrengeräuschen begünstigen. In den beiden Studien konzentrieren sie sich deshalb auf auditive und vor allem auch auf nichtauditive Abläufe, die die Klang- und Phantomwahrnehmung bei Tinnituspatientinnen und ‑patienten beeinflussen.

Die Forschenden untersuchen dann mittels Magnetenzephalografie (MEG), wie der akute Tinnitus im Gehirn während der Durchführung verschiedener Aufgaben verarbeitet wird. Mit einer MEG-Messung, die rein passiv und nicht schädlich ist, lassen sich magnetische Signale aufzeichnen, die durch die Aktivität von Nervenzellen im Gehirn entstehen. Darüber hinaus testen die Forschenden das Hörvermögen der Teilnehmenden und erfassen die spezielle Art des Tinnitus.

Ursachen von Ohrgeräuschen

Die Ursachen für Ohrgeräusche sind vielfältig. Zu den häufigsten Ursachen gehören:

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  • Lärmbelastung: Lärm ist eine der bekanntesten Ursachen für Tinnitus. Lärm kann die Sinneszellen der Hörschnecke im Innenohr schädigen. Dazu kann es zum Beispiel kommen, wenn man sich häufig in einer lauten Umgebung aufhält, ohne die Ohren zu schützen (z. B. Arbeiten mit lauten Geräten ohne Gehörschutz). Aber auch ein akustisches Trauma (sog. Knalltrauma) kann schuld an Ohrgeräuschen sein: Dazu kommt es, wenn das Gehör für einen kurzen Moment einer extremen Lautstärke ausgesetzt ist - zum Beispiel bei einer Explosion oder einem Schuss aus nächster Nähe.
  • Hörverlust: Schwerhörigkeit kann leise Geräusche zwar nicht verstehen, auf lautere jedoch sehr empfindlich reagieren.
  • Infektionen: Bestimmte Infektionen wie Enzephalitis und Meningitis können neben anderen Symptomen akustische Halluzinationen verursachen.
  • Medikamente: Einige Medikamente können Ohrgeräusche auslösen - in sehr hoher Dosierung zum Beispiel das Schmerzmittel Acetylsalicylsäure (ASS). Daher ist es wichtig, auf die richtige Dosierung von Medikamenten zu achten.
  • Stress: Dauerstress oder psychische Belastungen können die Intensität der Ohrgeräusche verstärken. Wer deshalb chronisch unter Ohrensausen leidet, sollte sich ärztlichen Rat holen.
  • Psychische Erkrankungen: Bei Vorliegen verschiedener seelischer Erkrankungen, wie Depressionen oder Angststörungen, kann ein höheres Risiko für die Entstehung eines Tinnitus bestehen. Psychische Erkrankungen können außerdem dazu führen, dass die Symptomatik eines Tinnitus, wie das Rauschen im Kopf, sich in der Ausprägung verstärkt.
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Tinnitus (pulsierend) aufgrund von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wie Bluthochdruck, Blutgefäßfehlbildungen oder Blutgefäßtumoren, Herzklappenfehler oder Funktionsstörungen der Ohrtrompete.
  • Neurologische Erkrankungen: Epilepsie: Wenn eine Krise den für die Verarbeitung von Hörreizen zuständigen Hirnbereich erfasst, können Ohrgeräusche oder Stimmen wahrgenommen werden.
  • Schilddrüsenerkrankungen: Ein Myxödem ist eine seltene Krankheit, bei der die Schilddrüse nicht genügend Hormone erzeugt und der Hormonspiegel in gefährlichem Ausmaß absinkt. Es handelt sich um eine potenziell tödliche Krankheit, die auch akustische Halluzinationen hervorrufen kann.
  • Alkohol und Drogen: Nach starkem Alkoholkonsum kann es vorkommen, Dinge zu sehen oder Geräusche zu hören, die nicht vorhanden sind. Dieses Phänomen kann sich nach jahrelangem Alkoholmissbrauch verstetigen.
  • Weitere Ursachen: Chronische Mittelohrentzündung, geplatztes Trommelfell, Verstopfung des Gehörgangs mit Ohrenschmalz, Probleme im Kieferbereich (z. B. Zähneknirschen, Verspannungen der Kiefermuskeln), Menière-Krankheit, Otosklerose.

Akustische Halluzinationen

Akustische Halluzinationen, auch als falsche akustische Wahrnehmung oder Parakusis bezeichnet, sind Hörstörungen, die einen psychotischen Ursprung haben können. Dabei werden Geräusche oder Stimmen wahrgenommen, obwohl kein innerer oder äußerer akustischer Reiz vorhanden ist. Es handelt sich, in anderen Worten, um die Wahrnehmung von Geräuschen, die es nicht gibt. Jedoch darf dieses Phänomen nicht mit einem Tinnitus verwechselt werden. Einigen Studien zufolge leidet eine von zwanzig Personen an akustischen Halluzinationen. Es handelt sich also um ein relativ häufiges Problem.

Die Ursachen für akustische Halluzinationen können vielfältig sein. In den meisten Fällen werden sie durch starken Alkoholkonsum, Drogen oder Giftstoffe ausgelöst. Geistige Erkrankungen wie Schizophrenie gehören zu den wichtigsten Auslösern, sowie auch bestimmte neurologische Krankheiten oder Störungen der Hörfähigkeit. Es handelt sich um ein sehr unangenehmes Phänomen, vor allem wenn Personen Stimmen hören, die ihnen zum Beispiel befehlen, bestimmte Dinge zu tun.

Hyperakusis: Überempfindlichkeit gegenüber Geräuschen

Hektik im Alltag, Stress in der Arbeit, ständiger Verkehrslärm - jeden Tag wirken die unterschiedlichsten Einflüsse auf unseren Organismus ein. Die zunehmende Geschwindigkeit in unserem Leben führt zu einer Mehrbelastung, die auch unsere Sinne unter Druck setzt. Oft kommt es zu einer Überreizung des Hörsystems und einer starken Geräuschempfindlichkeit, der Hyperakusis. Die Hyperakusis hat, ähnlich wie der Tinnitus, unterschiedliche Ursachen. Zu den organischen Ursachen gehören vor allem Innenohr-Schwerhörigkeiten. Auch bestimmte Epilepsie-Formen, Vorzeichen einer Migräne oder Medikamenten-Nebenwirkungen kommen in seltenen Fällen als Auslöser in Betracht.

Zu einer funktionierenden Hörverarbeitung gehört die Trennung von störendem und nützlichem Schall. Unser Gehör hat dazu bestimmte Filtermechanismen, die die jeweiligen akustischen Informationen entsprechend weiterleiten oder, falls nötig, hemmen. Bei der Hyperakusis kann sich die Aufmerksamkeit auch aufbestimmte Geräusche richten. Dabei werden spezielle, emotional negativ besetzte Geräusche als unangenehm empfunden - obwohl die Lautstärke nicht sehr hoch ist (Beispiel: quietschende Tür). Stress und psychische Belastungen können diese Empfindlichkeit noch verstärken. So wird ein Kreislauf aus Angst vor Geräuschen und negativer Verstärkung in Gang gesetzt. Die Geräuschempfindlichkeit führt mehr und mehr zum Rückzug aus sozialen Aktivitäten, da auch normale Lautstärken zunehmend als unerträglich empfunden werden. Die Stressbelastung für das Nervensystem nimmt zu. Die Betroffenen geraten in einen Teufelskreis, in dem sich die Empfindlichkeit quasi selbst verstärkt.

Die Hyperakusis ist eine ungewöhnliche Empfindlichkeit gegenüber normalen Umgebungsgeräuschen. Die Unbehaglichkeitsschwelle sinkt dabei auf einen Wert unter 80 dB ab. Schwerhörige können leise Geräusche zwar nicht verstehen, auf lautere jedoch sehr empfindlich reagieren. Laute Geräusche lösen oftmals eine Schreckreaktion mit Herzjagen, Schweißausbrüchen, Anstieg des Blutdrucks und trockenem Mund aus.

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Diagnose von Ohrgeräuschen

Zur Diagnose von Tinnitus fragt die Ärztin oder der Arzt zuerst nach den genauen Beschwerden: Wie hören sich die Ohrgeräusche an? Wann treten sie auf? Werden sie von anderen Symptomen wie Ohrenschmerzen oder einem Druckgefühl im Ohr begleitet? Werden Medikamente eingenommen und in welcher Dosis?

Bei einem idiopathischen Tinnitus - also einem Tinnitus ohne erkennbaren Auslöser - sind meistens beide Ohren betroffen. Wird der Tinnitus nur einseitig gehört und geht er mit anderen Beschwerden wie Ohrenschmerzen einher, gibt es vermutlich meistens eine behandelbare Ursache.

Zur Diagnose von Tinnitus werden meistens auch der Gehörgang untersucht und Hörtests durchgeführt. Darüber hinaus kann eine zahnärztliche Untersuchung sinnvoll sein, um Probleme im Kieferbereich auszuschließen.

Anhand der Untersuchungsergebnisse bestimmt die Ärztin oder der Arzt, um welche Art Tinnitus es sich handelt. Unterschieden wird zwischen folgenden Arten:

  • Subjektiver und objektiver Tinnitus: Ein subjektiver Tinnitus kann nur von den Betroffenen selbst wahrgenommen werden. Mögliche Ursachen sind Störungen des Hörapparats oder der zugehörigen Nerven. Bei einem sehr seltenen objektiven Tinnitus können zum Beispiel Pulsgeräusche aus einem verengten Blutgefäß die Ursache sein. Diese Geräusche kann dann die Ärztin oder der Arzt unter Umständen mit einem Stethoskop ebenfalls hören.
  • Primärer und sekundärer Tinnitus: Ein primärer oder idiopathischer Tinnitus liegt vor, wenn keine genaue Ursache festzustellen ist. Ein sekundärer Tinnitus hat eine eindeutige Ursache, etwa ein geplatztes Trommelfell oder eine Gefäßerkrankung.
  • Akuter und chronischer Tinnitus: Dauern die Ohrgeräusche mehr als 3 Monate an, handelt es sich um einen chronischen Tinnitus.

Behandlung von Ohrgeräuschen

Wie ein Tinnitus behandelt wird, hängt von der Ursache ab. Liegt eine bestimmte Erkrankung zugrunde, wird diese behandelt - zum Beispiel Bluthochdruck mit Medikamenten. Kann die auslösende Erkrankung erfolgreich behandelt werden, verschwindet meistens auch der Tinnitus wieder.

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Schwieriger ist die Behandlung, wenn sich die Ursache des Tinnitus nicht feststellen lässt. Die Maßnahmen zielen dann in erster Linie darauf ab, die Beschwerden zu lindern und Wege zu finden, die ein gutes Leben trotz Tinnitus ermöglichen. Geht ein Tinnitus mit Hörverlust einher, kommt auch ein Hörgerät infrage.

Zur Behandlung von Ohrgeräuschen werden zudem viele Mittel angeboten: neben pflanzlichen Präparaten und Nahrungsergänzungsmitteln auch Medikamente wie Kortison oder Carbamazepin. Für keines dieser Mittel ist nachgewiesen, dass es bei Tinnitus hilft. Einige davon haben aber Nebenwirkungen.

Am besten untersucht ist die kognitive Verhaltenstherapie, bei der die Betroffenen lernen, besser mit einem chronischen Tinnitus zurechtzukommen. Mit der Therapie verschwinden die Ohrgeräusche zwar nicht. Die Lebensqualität der Betroffenen kann sich jedoch verbessern.

Medikamentöse Behandlung

Das pflanzliche Arzneimittel Gingium® ist zur unterstützenden Behandlung bei Ohrgeräuschen** zugelassen. Die pflanzlichen Bestandteile des Ginkgo-biloba-Spezialextraktes können die Mikrozirkulation im Innenohr, also die Durchblutung in den kleinsten Blutgefäßen, verbessern. Auf diese Weise kann Gingium® den Regenerationsprozess des Hörorgans bei Tinnitus unterstützen. Bei Ohrgeräuschen infolge von Durchblutungsstörungen oder wenn altersbedingte Veränderungen im Innenohr als Ursache naheliegen, kann Gingium® die Tinnitus-Therapie unterstützen.

Der durchblutungsfördernde Effekt und die daraus resultierende Förderung der Versorgung des Innenohrs mit Sauerstoff und Nährstoffen kann bei rechtzeitiger Einnahme in der Akutphase dazu beitragen, dass die belastenden Ohrgeräusche sogar vollständig verschwinden.

Handelt es sich um einen chronischen Tinnitus, kann Gingium® den Umgang mit den Ohrgeräuschen erleichtern. Hier kommt die Anregung der Nervenzellen durch Ginkgo biloba zum Tragen. Die Bildung neuer Nervenverbindungen (Synapsen) kann die Informationsweiterleitung im Gehirn fördern. Erhöht sich so das Anpassungsvermögen des Gehirns, kann sich damit auch die Fähigkeit verbessern, bestimmte Geräusche auszublenden, was zu den entscheidenden Zielen einer Tinnitus-Therapie zählt. Die Ohrgeräusche treten stärker in den Hintergrund und werden als geringere Belastung empfunden.

Therapie bei pulsatilen Tinnitus

Eine der häufigsten Ursachen eines pulsatilen Tinnitus ist eine durale arteriovenöse Fistel (AV-Fistel). Dabei handelt es sich um eine Kurzschlussverbindung zwischen einer Arterie und einem venösen Sinus in der Dura mater, der äußersten Hirnhaut. Normalerweise fließt das Blut aus den Arterien in die Kapillaren und dann in die Venen. Bei einer AV-Fistel strömt es unter Umgehung der Kapillaren direkt aus einer Arterie in eine Vene. Unter hohem Druck fließt viel Blut aus der Arterie in den sogenannten Sinus. Dies erzeugt ein Strömungsrauschen. Liegt die Fistel in der Nachbarschaft des Felsenbeins, leitet dieser pyramidenförmige Knochen das Geräusch weiter ans Innenohr. Das kann für die betroffene Person irritierend und auf Dauer gar zermürbend sein.

Wie eine AV-Fistel behandelt werden kann, hängt vor allem von ihrer Größe und ihrer Lage ab. Grundsätzlich stehen drei Therapieverfahren zur Wahl: eine Operation, die Bestrahlungstherapie und die endovaskuläre Behandlung mittels Embolisation.

Ist die AV-Fistel anatomisch erreichbar, kann der Neurochirurg sie obliterieren und oft ein kuratives Ergebnis erzielen. Handelt es sich um eine kleine Fistelzone und eine Niedrigrisikokonstellation, kann diese auch der Radiotherapie zugeführt werden. Ein Vorteil dieser Technik besteht in der geringen Invasivität und der niedrigen Frühkomplikationsrate. Ihr Nachteil sind das verzögerte Ansprechen und die Langzeitfolgen der Bestrahlung. Es kann viele Monate dauern, bis es zu einer Obliteration der Gefäße kommt und die Durafistel sich verschließt.

Bei der endovaskulären Therapie wird die abnormale Verbindung zwischen der Arterie und der Vene verschlossen. Die Embolisation kann von arterieller oder von venöser Seite erfolgen.

Prävention von Ohrgeräuschen

Es ist für jeden Menschen wichtig, sich vor zu lauten Geräuschen und Lärm zu schützen: Sehr laute Orte sollten daher entweder gemieden oder nur geschützt - zum Beispiel mit Ohrstöpseln - aufgesucht werden. So sinkt das Risiko, einen Tinnitus zu bekommen. Mit solchen Maßnahmen ist es zudem weniger wahrscheinlich, dass ein schon bestehender Tinnitus chronisch wird.

Zusätzlich lassen sich allgemeine Empfehlungen für eine seelische und körperliche Gesundheit geben. Diese könnten beispielsweise folgende Verhaltensweisen umfassen: Ausreichend zu schlafen (mind. 6h pro Nacht im Erwachsenenalter), Ruhe- und Entspannungszeiten einzuplanen, Stress geringzuhalten, sich gesund und abwechslungsreich zu ernähren, regelmäßig zu bewegen oder sportlich aktiv sein, in soziale Kontakte zu gehen, Freizeitaktivitäten zu finden, Aufenthalte im (strahlungsarmen) Tageslicht, Zeit an frischer Luft (möglichst schadstoffarmer) zu verbringen, Vorsorgeuntersuchungen wahrzunehmen, Substanzen mit Abhängigkeitspotenzial zu meiden, Konflikte zeitnah zu klären und für sich selbst sinnerfüllenden Tätigkeiten nachzugehen.

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