Ursachen für zu schnelle Gehirnströme beim Fötus: Ein umfassender Überblick

Die Entwicklung des fetalen Gehirns ist ein komplexer Prozess, der von zahlreichen Faktoren beeinflusst wird. Eine der besorgniserregenden Komplikationen ist eine übermäßige Aktivität der Gehirnströme, deren Ursachen vielfältig sein können. Dieser Artikel beleuchtet die potenziellen Ursachen für zu schnelle Gehirnströme beim Fötus und gibt einen Einblick in aktuelle Forschungsergebnisse.

Einführung

Die fetale Gehirnentwicklung ist ein hochsensibler Prozess, der anfällig für Störungen ist. Zu schnelle Gehirnströme können ein Zeichen für zugrunde liegende Probleme sein, die die neurologische Entwicklung des Kindes beeinträchtigen können. Es ist daher von entscheidender Bedeutung, die möglichen Ursachen zu verstehen, um Risikofaktoren zu identifizieren und präventive Maßnahmen zu ergreifen.

Mögliche Ursachen für beschleunigte Gehirnströme beim Fötus

Mütterliche Ernährungseinschränkungen

Eine Studie der Universität Jena untersuchte die Auswirkungen von Nährstoffmangel auf die fetale Gehirnentwicklung von Pavianen. Die Ergebnisse zeigten, dass eine Reduktion der Nährstoffzufuhr um 30 % während der Schwangerschaft die Entwicklung der Nervenzellen und deren Vernetzung beeinträchtigen kann. Dies deutet darauf hin, dass eine ausreichende Nährstoffversorgung der Mutter für eine gesunde Gehirnentwicklung des Fötus unerlässlich ist.

  • Verminderung von Wachstumsfaktoren: Laut Professor Schwab ist die Ursache für die Defizite in der Gehirnentwicklung eine Verminderung von Wachstumsfaktoren. Der Körper der Mutter kann einen Nahrungsmangel möglicherweise nicht so gut kompensieren wie bisher angenommen. Der neuronale Wachstums- und Entwicklungsprozess ist besonders betroffen, da er die Hälfte der Energie verbraucht, die der Fötus benötigt.
  • Häufigkeit von Mangelernährung: Moderate Mangelernährung in der Schwangerschaft tritt sowohl in Entwicklungs- als auch in Industrieländern häufig auf. Ursachen sind neben niedrigem Einkommen auch das heutige Schlankheitsideal der Frauen oder plazentare Versorgungsprobleme der Babys bei Teenager-Schwangerschaften und bei älteren Müttern.
  • Langzeitfolgen: Epidemiologische Studien zeigen, dass ein niedriges Geburtsgewicht im späteren Leben häufig mit verminderten kognitiven Leistungen assoziiert ist. Die Jenaer Wissenschaftlerin Iwa Antonow-Schlorke vermutet, dass die Defizite in der strukturellen Hirnentwicklung, die aus einer Minderernährung der Mütter während der Schwangerschaft resultieren, die Hirnfunktion zeitlebens beeinflussen.

Virale Infektionen

Virale Infektionen während der Schwangerschaft können schwerwiegende Folgen für den Fötus haben, einschließlich neurologischer Schäden.

  • Zika-Virus: Die Zika-Epidemie hat eine Forschungsoffensive in Gang gebracht, da das Virus im Zusammenhang mit Mikrozephalie bei Neugeborenen steht. Seit kurzem ist bekannt, dass Zika meist dann Mikrozephalie verursacht, wenn sich eine Frau im ersten Drittel der Schwangerschaft ansteckt. Das Virus befällt in den Embryonen die neuronalen Stammzellen, aus denen sich normalerweise Nerven und Gehirn entwickeln. Sie sterben ab.
  • Plazenta-Passage: Das Zika-Virus kann die Plazenta passieren und den Embryo infizieren. Erste Versuche mit Plazentazellen in der Petrischale und an Mäusen deuten an, wie das Zika-Virus die Schranke überwindet. Dies ist im ersten Trimester der Schwangerschaft besonders verheerend, denn in der Zeit wächst das Gehirn besonders schnell.
  • Andere Viren: Auch andere Viren wie Röteln und Zytomegalie können die Plazenta passieren und den Embryo schädigen. Herpes oder das Influenza-Grippevirus etwa scheitern zwar an der Plazenta, aber sie können eine Entzündung im Fötus erzeugen.
  • Spätfolgen: Es gibt Indizien für Spätfolgen von Virusinfektionen bis hin zu Autismus. Eine Infektion kann einen immunologischen Prozess auslösen, der Bereiche im Hirn schädigt, die sich dann erst entwickeln und sehr empfindlich sind. Dies könnte zum Beispiel die Häufung von Fällen von Schizophrenie nach Grippe-Pandemien oder Autismus erklären, von dem wir überhaupt nicht wissen, woher er kommt.

Störungen des mütterlichen Immunsystems

Störungen im mütterlichen Immunsystem, die während der Schwangerschaft auftreten, könnten beim ungeborenen Kind möglicherweise zu einer Beeinträchtigung der Hirnentwicklung führen.

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  • Autoantikörper: Während der Schwangerschaft gelangen ständig Antikörper aus dem mütterlichen Blut über die Nabelschnur in den embryonalen Kreislauf, um das sich entwickelnde Kind vor Infektionen zu schützen. Doch nicht alle mütterlichen Antikörper richten sich gegen Fremdstoffe und dienen der Abwehr von Krankheitserregern. Einige Antikörper - die sogenannten Autoantikörper - binden körpereigenes Gewebe und können so Schäden verursachen, die sich beispielsweise als Autoimmunerkrankungen zeigen.
  • NMDA-Rezeptor-Antikörper: Eine Studie der Charité - Universitätsmedizin Berlin und des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) konzentrierte sich auf einen Autoantikörper, der sich gegen ein bestimmtes Eiweiß auf der Oberfläche von Hirnzellen richtet. Dieses Molekül mit der Bezeichnung NMDA-Rezeptor ist für die Verschaltung von Nervenzellen und eine normale Hirnentwicklung notwendig. Gelangt dieser Autoantikörper ins Gehirn, können schwerwiegende Entzündungen entstehen.
  • Auswirkungen auf die Hirnentwicklung: In der Tat zeigte sich bei Mäusen, dass die mütterlichen Autoantikörper in hohem Maße das Gehirn des Embryos erreichten. In der Folge kam es zum Abbau von NMDA-Rezeptoren, veränderten physiologischen Funktionen und einer gestörten neuronalen Entwicklung. Die Nachkommen zeigten Verhaltensauffälligkeiten und manche Hirnbereiche waren im Vergleich zu gesunden Tieren kleiner ausgebildet.
  • Zusammenhang mit psychiatrischen Erkrankungen: Erste Analysen von Daten aus einer Gruppe von 225 Müttern legen nahe, dass diese Autoantikörper tatsächlich gehäuft bei Frauen vorkommen, die ein Kind mit einer neurobiologischen Entwicklungsstörung oder psychiatrischen Erkrankung haben.

Frühgeburtlichkeit

Frühgeborene sind besonders anfällig für neurologische Probleme, da ihr Gehirn noch nicht vollständig entwickelt ist.

  • Erhöhtes Risiko für Zerebralparese: So erleiden 1 bis 2 Prozent der termingerecht geborenen Kinder eine Zerebralparese, 9 Prozent sind es bei Geburt vor der 32. Woche und 18 Prozent bei Geburt in der 26. Woche.
  • Kognitive Störungen und Verhaltensprobleme: Aus den Daten einiger Langzeitstudien wurde ein erhöhtes Risiko für kognitive Störungen und Verhaltensprobleme bei Frühgeburt abgeleitet - in manchen Studien sogar bei jedem zweiten Kind.
  • Ursachen: In einem noch nicht ausgereiften Gehirn müssen fragile Blutgefäße das Gewebe mit genügend Sauerstoff versorgen, der für eine normale Entwicklung benötigt wird. Platzt eines der Gefäße, werden wichtige Bereiche der weißen Substanz zerstört, und es kann zu Lähmungen, der Zerebralparese, kommen.
  • Auswirkungen der Umwelt: Findet ein wesentlicher Teil der Gehirnentwicklung außerhalb der warmen, feuchten Gebärmutter statt, wird laut Wissenschaftlern die Vernetzung der Neurone negativ beeinflusst. Das nicht ausgereifte Gehirn erhält Eindrücke - visuelle Signale und Einflüsse der Schwerkraft -, die es noch gar nicht verarbeiten kann.

Hydrocephalus

Der Hydrocephalus ist kein einheitliches Krankheitsbild, sondern kann sich infolge vieler Ursachen und Ereignisse entwickeln.

  • Definition: Mit Hydrocephalus meint man in der Regel einen Zustand, bei dem es zu einer Erweiterung der inneren Gehirnkammern (Ventrikel) gekommen ist und sich somit relativ mehr Wasser innerhalb des Kopfraumes findet als üblich.
  • Angeborener Hydrocephalus: Eine angeborene Erweiterung der Hirnkammern kann bedingt sein durch einen Verschluss/Verengung der natürlichen inneren Hirnwasserwege oder durch eine Blutung in die Hirnkammern während der Schwangerschaft, die nachfolgend zur Verklebung der Hirnwasserwege führt.
  • Erworbener Hydrocephalus: Eine sehr häufige früh nach der Geburt erworbene Form des Hydrocephalus ist eine Einblutung in die Hirnkammern, die insbesondere bei Frühgeburtlichkeit auftritt. Andere erworbene Ursachen sind jegliche Formen von Neubildungen (Tumore, Zysten), die zu einer Verlegung der natürlichen Hirnwasserwege führen.
  • Auswirkungen: Die krankhafte Ansammlung von „Gehirnwasser“ (Liquor) geht häufig mit einer schädigenden Steigerung des Druckes im Kopf (Hirndruck = intrakranieller Druck = ICP) einher.

Sauerstoffmangel

Sauerstoffmangel im Gehirn kann zu schweren, dauerhaften Schädigungen führen.

  • Ursachen: Verschiedenste Ursachen können einen Sauerstoffmangel im Gehirn auslösen. Vor und während der Geburt können Komplikationen auftreten, die zu Hirnschäden durch Sauerstoffmangel führen können. Dazu gehören unter anderem eine Sauerstoff-Mangelversorgung, eine vorzeitige Plazentalösung oder eine eingeklemmte Nabelschnur.
  • Auswirkungen: Wird das Gehirn nicht ausreichend mit Sauerstoff oder Blut versorgt, sterben Hirnzellen ab. Oft bleiben daher nach solchen kritischen Ereignissen, etwa nach einer Reanimation, schwere, dauerhafte Schädigungen zurück. Häufig gelingt es jedoch dem Gehirn, neue Verbindungen entstehen zu lassen und so die Funktion von geschädigten Zellen zu ersetzen.
  • Symptome: Ist die Dauer des Sauerstoffmangels relativ kurz gewesen, können schon bald erste Reaktionen auftreten. Erwacht die Patientin oder der Patient, können sich unter anderem Koordinations-, Wahrnehmungs- und Gedächtnisstörungen zeigen. Bei einem schweren hypoxischen Hirnschaden fallen die Betroffenen in ein Koma.

West-Syndrom

Das West-Syndrom ist eine seltene, aber schwerwiegende Form der Epilepsie im Säuglingsalter, die meist in den ersten Lebensmonaten auftritt.

  • Ursachen: In etwa der Hälfte aller Fälle entsteht das West-Syndrom durch Veränderungen oder Schädigungen im Gehirn. Diese können angeboren sein oder sich nach der Geburt entwickeln. Dazu gehören zum Beispiel Fehlbildungen der Großhirnrinde, eine ungewöhnlich kleine Kopfgröße (Mikrozephalie), eine Rückbildung von Gehirngewebe (Hirnatrophie), bestimmte Erkrankungen, bei denen Haut und Nervensystem gemeinsam betroffen sind, oder ein Sauerstoffmangel des Gehirns rund um die Geburt. In über 40 % der Fälle liegt eine genetische Ursache zugrunde - also eine Veränderung im Erbgut. Seltener wird das West-Syndrom durch Infektionen oder durch Stoffwechselstörungen ausgelöst
  • Anzeichen und Ablauf: Die Anfälle beim West-Syndrom können sehr unterschiedlich aussehen. Manchmal sind sie so leicht, dass sie auf den ersten Blick kaum auffallen - etwa durch ein kurzes Kopfnicken oder kleine Bewegungen der Augen oder des Kinns. In stärker ausgeprägten Fällen ist ein charakteristischer Ablauf erkennbar: Blitzkrampf, Nickkrampf, Salaamkrampf.
  • Diagnosestellung: Im Mittelpunkt steht zunächst die Anamnese, bei der Eltern zu Häufigkeit, Dauer und Ablauf der Anfälle sowie zu Schwangerschafts- und Geburtsverlauf befragt werden. Anschließend erfolgt eine körperliche und neurologische Untersuchung des Kindes. Eine entscheidende Rolle spielt die EEG-Untersuchung, die elektrische Aktivität des Gehirns misst. Typisch für das West-Syndrom ist dabei ein sogenanntes Hypsarrhythmie-Muster, ein unregelmäßiges, chaotischen Bild der Hirnströme.

Neuralrohrdefekte

Das Neuralrohr ist der Vorläufer des Gehirns und Rückenmarks beim Embryo. Es entsteht aus der Neuralplatte, die sich im Verlauf der embryonalen Entwicklung zusammenrollt.

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  • Definition: Es handelt sich um eine Entwicklungsstörung von Gehirn und Rückenmark. Grund ist die gestörte Reifung der Hirnanlage in der 3.-4. Schwangerschaftswoche.
  • Ursachen: In 70 % der Fälle sind die Gene verantwortlich. Vermutlich handelt es sich um eine Kombination aus genetischer Veranlagung und Umweltfaktoren. Vitaminmangel und andere Umweltfaktoren wie Folsäuremangel, Vitamin-B12-Mangel der Mutter während der Schwangerschaft, Medikamente, krankhaftes Übergewicht der Mutter, Alkohol, Tabak, Arsen, Pestizide und Luftverschmutzung können ebenfalls eine Rolle spielen.
  • Symptome: Die Symptome hängen von der Ausprägung der Fehlbildung ab. Geschlossene Spina bifida verursacht oft keine oder nur geringe Beschwerden. Ein offener Neuralrohrdefekt ist bei der Geburt offensichtlich. Fehlt die Hautbedeckung, dann zeigt sich eine Meningozele oder Myelomeningozele. Ein angeborener Hydrozephalus äußert sich einen großen Kopfumfang und eine Vorwölbung zwischen den Knochenplatten der Stirn (vorgewölbte Fontanelle).

Prävention und Behandlung

Die Prävention von Ursachen für zu schnelle Gehirnströme beim Fötus umfasst eine umfassende Schwangerschaftsvorsorge, einschließlich einer ausgewogenen Ernährung, dem Vermeiden von schädlichen Substanzen und dem Schutz vor Infektionen. Frühzeitige Diagnose und Behandlung von mütterlichen Erkrankungen können ebenfalls das Risiko für den Fötus verringern.

Die Behandlung von neurologischen Problemen beim Fötus oder Neugeborenen hängt von der zugrunde liegenden Ursache und dem Schweregrad der Erkrankung ab. Sie kann Medikamente, Operationen oder andere therapeutische Interventionen umfassen.

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