Stammzellentherapie bei Parkinson: Hoffnung und Herausforderungen

Die Parkinson-Krankheit ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die durch den Verlust von Dopamin-produzierenden Nervenzellen im Gehirn gekennzeichnet ist. Dies führt zu motorischen Problemen wie Zittern, Steifheit und verlangsamten Bewegungen. Obwohl Medikamente die Symptome lindern können, verlieren sie mit der Zeit an Wirksamkeit und verursachen oft Nebenwirkungen. Stammzelltherapien bieten einen vielversprechenden neuen Ansatz zur Behandlung von Parkinson, indem sie versuchen, die verloren gegangenen Nervenzellen zu ersetzen.

Grundlagen der Stammzelltherapie

Die Stammzelltherapie basiert auf der einzigartigen Fähigkeit von Stammzellen, sich in verschiedene Zelltypen des Körpers zu entwickeln. Es gibt verschiedene Arten von Stammzellen, darunter embryonale Stammzellen (ES-Zellen) und induzierte pluripotente Stammzellen (iPS-Zellen).

  • Embryonale Stammzellen (ES-Zellen): Diese Zellen werden aus frühen Embryonen gewonnen und besitzen die Fähigkeit, sich in jeden Zelltyp des Körpers zu entwickeln. Aufgrund ethischer Bedenken im Zusammenhang mit der Zerstörung von Embryonen ist ihre Verwendung jedoch umstritten.
  • Induzierte pluripotente Stammzellen (iPS-Zellen): Diese Zellen werden aus adulten Zellen, beispielsweise Blutzellen, gewonnen. Im Labor werden diese Zellen in einen "Stammzell-Zustand" zurückversetzt und so zu iPS-Zellen. Aus ihnen können dann gezielt verschiedene Zelltypen hergestellt werden. Da für ihre Herstellung keine Embryonen benötigt werden, gelten sie als ethisch unbedenklicher.

Aktuelle Studien zur Stammzelltherapie bei Parkinson

In den letzten Jahren wurden mehrere klinische Studien durchgeführt, um die Sicherheit und Wirksamkeit der Stammzelltherapie bei Parkinson zu untersuchen. Zwei aktuelle Studien, die in der Fachzeitschrift "Nature" veröffentlicht wurden, haben vielversprechende Ergebnisse gezeigt:

Studie von Tabar et al. (USA)

Ein Forschungsteam unter der Leitung von Viviane Tabar testete in einer klinischen Phase-1-Studie eine Therapie mit aus Embryonen gewonnenen Stammzellen. Die Forschenden wandelten die Zellen im Labor gezielt in eine Vorstufe von Dopamin-produzierenden Nervenzellen um und transplantierten diese anschließend in das Gehirn von zwölf Parkinson-Patientinnen und -Patienten. Fünf Personen erhielten eine niedrigere und sieben eine höhere Dosis der Zellen.

Nach 18 Monaten waren keine schweren Nebenwirkungen zu beobachten, und es bildeten sich keine Tumore. Radiologische Untersuchungen zeigten, dass die Zellen überlebten und Dopamin produzierten. Die Beweglichkeit verbesserte sich vor allem in der Hochdosisgruppe. Noch im ersten Halbjahr 2025 soll eine zulassungsrelevante Phase-3-Studie starten.

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Studie von Sawamoto et al. (Japan)

Ein anderes Forschungsteam aus Japan um Ryosuke und Jun Takahashi setzte in einer Phase-2-Studie auf induzierte pluripotente Stammzellen (iPS-Zellen). Die Autorinnen und Autoren nutzten Blutzellen von einem gesunden Spender und versetzten diese im Labor in einen „Stammzell-Zustand“ zurück. Aus ihnen wurden anschließend ähnlich wie in der ersten Studie im Labor gezielt Vorläufer von Dopamin-produzierenden Nervenzellen hergestellt und insgesamt sechs Patientinnen und Patienten ins Gehirn transplantiert. Die Teilnehmenden wurden über zwei Jahre beobachtet. Auch hier zeigten sich positive Effekte.

Gemeinsame Erkenntnisse und Bewertung der Studien

Beide Studien deuten darauf hin, dass die Transplantation von im Labor gezüchteten Nervenzellen bei Parkinson-Patienten sicher ist und in einigen Fällen sogar messbare Verbesserungen bringen kann. Forschende bewerten die Ansätze als vielversprechend, wenngleich noch keine eindeutigen Rückschlüsse auf eine langfristige Wirksamkeit möglich seien.

Es ist wichtig zu beachten, dass beide Studien nicht auf eine Wirksamkeitsanalyse ausgelegt sind und ein offenes Studiendesign verwendeten, was das Risiko von Placeboeffekten erhöht. Zukünftige Studien mit größeren Teilnehmerzahlen und Kontrollgruppen sind erforderlich, um die tatsächliche Wirksamkeit der Stammzelltherapie bei Parkinson zu bestätigen.

Herausforderungen und ethische Aspekte

Trotz der vielversprechenden Ergebnisse gibt es bei der Stammzelltherapie bei Parkinson noch Herausforderungen und ethische Aspekte zu berücksichtigen:

  • Tumorrisiko: Pluripotente Stammzellen haben eine hohe Wachstumsfreude, was das Risiko birgt, dass sich Krebszellen bilden. Dieses Risiko ist bei iPS-Zellen vermutlich noch höher als bei embryonalen Stammzellen.
  • Immunsuppression: Da die transplantierten Zellen vom Körper als fremd erkannt werden können, ist eine immunsuppressive Therapie erforderlich, um Abstoßungsreaktionen zu verhindern. Diese Therapie kann jedoch Nebenwirkungen verursachen.
  • Ethische Bedenken: Die Verwendung von embryonalen Stammzellen ist ethisch umstritten, da sie die Zerstörung von Embryonen erfordert. iPS-Zellen stellen eine ethisch unbedenklichere Alternative dar, auch wenn hier ebenfalls Bedenken hinsichtlich genetischer Manipulation, Datenschutz und möglichem Missbrauch bestehen.
  • Kosten: Stammzelltherapien sind derzeit sehr teuer und nicht für alle Patienten zugänglich.

Alternative Behandlungen und unseriöse Angebote

Es ist wichtig zu betonen, dass die Stammzelltherapie bei Parkinson noch in einem frühen Stadium der Entwicklung ist und keine Heilung darstellt. Es gibt unseriöse Anbieter, die mit kaum erforschten Methoden an Patienten experimentieren und hohe Kosten für Behandlungen verlangen, deren Wirksamkeit nicht belegt ist. Ein Beispiel hierfür ist das XCell-Center, das Stammzelltherapien gegen hohe Gebühren anbietet, ohne dass die Therapieeffekte wissenschaftlich belegt sind und potenziell schwere Nebenwirkungen bekannt sind.

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Patienten sollten sich daher vor einer Stammzelltherapie bei Parkinson gründlich informieren und sich von einem qualifizierten Arzt beraten lassen. Es ist ratsam, sich an renommierten Forschungseinrichtungen und Kliniken zu wenden, die an klinischen Studien teilnehmen und über eine entsprechende Expertise verfügen.

Gentherapie als Alternative

Neben der Stammzelltherapie gibt es auch andere vielversprechende Ansätze zur Behandlung von Parkinson, wie beispielsweise die Gentherapie. Bei der Gentherapie wird ein Gen in bestimmte Zellen des Gehirns gebracht, um die Produktion und Freisetzung von Dopamin anzuregen. Eine aktuelle Meldung über den erfolgreichen Abschluss einer Phase-1b-Studie mit Parkinson-Patienten zeigt, dass die Gentherapie ein sicherer und vielversprechender Ansatz zur Behandlung von Parkinson sein könnte.

Zukunftsperspektiven

Die Stammzelltherapie und die Gentherapie bieten neue Hoffnung für Menschen mit Parkinson. Obwohl noch weitere Forschung erforderlich ist, um die Sicherheit und Wirksamkeit dieser Therapien zu bestätigen, könnten sie in Zukunft eine wichtige Rolle bei der Behandlung dieser fortschreitenden neurologischen Erkrankung spielen. Es ist wichtig, dass die Forschung in diesem Bereich weiter vorangetrieben wird und dass Patienten Zugang zu sicheren und wirksamen Therapien erhalten.

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