Die dunkle Triade der Persönlichkeit, bestehend aus Narzissmus, Machiavellismus und Psychopathie, fasziniert und beunruhigt zugleich. Diese Eigenschaften, die in unterschiedlicher Ausprägung in jedem von uns schlummern, können im beruflichen und privaten Umfeld erhebliche Auswirkungen haben. Der Artikel beleuchtet den Zusammenhang zwischen der dunklen Triade, Gehirn und Geist, untersucht die neurobiologischen Grundlagen und diskutiert, wie man mit Menschen umgeht, bei denen diese Eigenschaften besonders stark ausgeprägt sind.
Die dunkle Triade: Eine Einführung
Die dunkle Triade der Persönlichkeit umfasst drei miteinander verwandte, aber dennoch unterschiedliche Persönlichkeitsmerkmale:
- Narzissmus: Gekennzeichnet durch ein übersteigertes Gefühl der eigenen Wichtigkeit, ein Bedürfnis nach Bewunderung und mangelndes Einfühlungsvermögen. Narzissten sehen die Welt als ihr Publikum und andere als Mittel zur eigenen Bewunderung.
- Machiavellismus: Beschreibt eine manipulative und ausbeuterische Haltung, bei der der Zweck die Mittel heiligt. Machiavellisten sind machthungrig, kalt und skrupellos und setzen jedes Mittel ein, um ihre Ziele zu erreichen.
- Psychopathie: Geht mit Charme, Skrupellosigkeit und einem Mangel an Empathie einher. Psychopathen sind oft charismatisch und gewinnen schnell das Vertrauen anderer, um ihre Macht zu demonstrieren und sich damit zu stimulieren.
Neurobiologische Grundlagen der dunklen Triade
Die Forschung hat begonnen, die neurobiologischen Grundlagen der dunklen Triade zu ergründen. Untersuchungen zeigen, dass bei Psychopathen bestimmte Teile des Frontalhirns, die für rationales Denken zuständig sind, weniger aktiv sind. Zudem können erhöhte Dopamin- und reduzierte Serotoninwerte sowie ein niedrigeres Stresshormon Cortisolspiegel eine Rolle spielen.
Schlaf und die dunkle Triade
Eine aktuelle Studie zeigt, dass Schlafmangel negative Eigenschaften verstärken kann. Wer kurz oder schlecht geschlafen hatte, konnte weniger gut mit unangenehmen Situationen umgehen und zeigte eher Anzeichen für Narzissmus, Machiavellismus und Psychopathie, beispielsweise ein gesteigertes Bedürfnis nach Bewunderung, manipulatives Verhalten und Gewissenlosigkeit. Bereits kleine Schwankungen in der Schlafdauer und Schlafqualität schlugen sich am nächsten Tag im Verhalten nieder.
Die dunkle Triade im Management
Präsidenten und hochrangige Manager von Unternehmen zeigen diesbezüglich signifikant höhere Ausprägungen als die Normalbevölkerung. Narzissmus kann Energien freisetzen, die man braucht um Verhandlungen zu führen oder um Machtkämpfe zu bestreiten. Narzissten verbreiten dabei oft besonders viel Esprit; es sind die Sonnyboys unter den Machtmenschen. Leicht können sie sich in Machtpositionen aufschwingen, dank ihres Charmes andere um den Finger wickeln. Charisma und Visionen können sie einfacher verbreiten als ein Mensch, der abwägt und sich oft um andere Gedanken macht. Was „normale“ Menschen hart lernen müssen, ist bei ihnen schon angelegt. Beim Narzissmus existieren zwei Formen: Der Grandiositäts-Narzissmus steht mit höherer Extraversion in Beziehung, ein verdeckter Narzissmus korreliert mit Hypersensitivität. Manche unterscheiden auch Männer- und Frauen-Narzissmus. Eindeutig ist es jedoch eher der Grandiositäts-Narzissmus der ins Top-Management führt. Diese Leute sind oft besonders kommunikativ, denn ihr Ziel ist es, Bewunderung zu ernten. Sie haben Charisma, weshalb sie es in der Führung weit bringen, gilt Charisma doch weltweit als wichtige Führungsdimension. Wenn sie von anderen keine Anerkennung bekommen, lassen sie diese fallen. Die Gefahr: Sie sind deshalb nicht in der Lage zu erkennen, wessen Ideen einem Unternehmen wirklich nützen würden, da sie dies unter dem Schleier der Selbstliebe gar nicht beurteilen können.
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Psychopathen finden sich nicht nur häufig in Gefängnissen, sondern auch in hoher Position. Wo sie landen, hängt im wesentlichen mit ihrer familiären Sozialisation zusammen. Sie sind von der Außenwelt meist leicht erkennbar, da ihr risikoaffines Verhalten den anderen auffällt; sie selbst merken es nicht.
Machiavellisten, die dritte Kategorie der dunklen Fürsten, tun alles, um ihre Ziele zu erreichen; Unehrlichkeit und strategisches Lügen gehören für sie dazu. Sie können andere ebenso manipulieren, denn ihnen ist jedes Mittel recht. Doch anders als Psychopathen meiden sie das Risiko, sofern dies den eigenen Zielen gefährlich werden könnte.
Umgang mit Menschen der dunklen Triade
Der Umgang mit Menschen, bei denen die dunkle Triade stark ausgeprägt ist, kann eine Herausforderung darstellen. Es gibt drei grundlegende Möglichkeiten, mit solchen Personen umzugehen:
- Grenzen setzen: Dies ist besonders wichtig, da Menschen der dunklen Triade oft dazu neigen, Grenzen zu überschreiten. Es ist wichtig, klare Grenzen zu definieren und diese konsequent durchzusetzen.
- Grenzüberschreitung einschränken: Werde zum Selbstverwirklichungs-Killer auf deine Kosten. undSuche dir Allianzen, beste Freunde, die du einweihst, sie können dir als \“Zeugen\“ zur Seite stehen. Wenn es sich um Vorgesetzte oder Lehrer handelt, dann hole dir den Chef/Rektor ins Boot und schildere ihm in \“Ich-Botschaften\“ deine Situation und vermeide das \“klärende Gespräch\“ mit dem Auslöser zunächst. Wir machen uns nicht zur Zielscheibe des Toxikers. Hier besteht die Gefahr der Verstrickung und indirekten Mitwirkung am Werk des Toxikers, sei vorsichtig und bleib integer! Du bist schneller der Sündenbock, als du denken kannst.
- Abschied: In manchen Fällen ist es notwendig, sich von einer Person der dunklen Triade zu distanzieren, um sich selbst zu schützen. Dies ist ein schmerzhafter, aber manchmal notwendiger Schritt.
Spezifische Strategien für den Umgang mit Narzissten, Machiavellisten und Psychopathen
- Narzissten: Soweit es möglich ist, gib ihm Anerkennung, die dich nichts kostet, wenn es sein muss auch regelmäßig in kleinen Portionen. Das verschafft Ruhe und du kannst dir einen Plan überlegen. Offensichtliche Verweigerung der Bewunderung erzeugt Widerstand, so versucht der Narzisst dich noch mehr von seinem Können zu überzeugen und es entsteht ein Teufelskreis. Deine Abgrenzung durch räumliche Distanz ist gefragt und ausnahmsweise deine Kreativität im Ausreden erfinden. Du kannst dich auch so klein machen, dass der Narzisst sein Interesse in dir verliert. Das könnte jedoch ein Schuss ins Knie werden.
- Machiavellisten: Brust raus, Selbstbewusstes Auftreten ist gefragt. Überlege dir, wo dein Wirkungsbereich beginnt und klopfe dem Machiavellisten auf die Finger, sobald er die Grenze übertritt, gerne auch schriftlich. Lass dir von deinen Lehrern oder Vorgesetzten erklären, wo die Grenzen im Miteinander sind, idealerweise ganz allgemein formuliert und so das der Machiavellist ganz zufällig mithören kann. Mach ihm deutlich, dass du keine Konkurrenz für höhere Ziele bist, dass du jedoch \“beißen\“ kannst, wenn er dein Territorium betritt. Dein Joker ist, dass der Machiavellist \“Angst\“ davor hat, negativ aufzufallen, nutze seine Fähnchen im Wind-Strategie und merke dir, wann er welche Stellung bezieht.
- Psychopathen: Werde möglichst keine Bedrohung für ihn und sein Streben nach Macht und Einfluss, denn ansonsten wirst du zur Zielscheibe und er wird dich bekämpfen. Lasse ihn nicht aus den Augen und sei dir klar, dass der Moment ein \“fragiler\“ Frieden ist. Leiste keinen naiven Widerstand, das fordert ihn nur heraus, Drohgebärden verpuffen und sind heiße Luft oder sie locken sogar sein Interesse. Überlege dir einen \“Escape-Plan\“ und sehe zu, dass du räumlichen und emotionalen Abstand bekommst. Trete möglichst nur mit Freunden oder Familie auf und zeige damit, dass hinter dir noch ein \“Support-Team\“ steckt.
Empathie und die dunkle Triade
Menschen, deren Persönlichkeit von der »Dunklen Triade« dominiert wird, sind genauso wie alle anderen in der Lage, sich in ihre Mitmenschen hineinzuversetzen. Sie haben nur keine besondere Neigung dazu. Menschen mit hohen Anteilen der Dunklen Triade haben diese Bereitschaft nicht. Menschen mit »dunkler« Persönlichkeit durchaus die Fähigkeit zur Empathie haben und sie auch nutzen - jedoch zum eigenen Vorteil.
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