Die Lyme-Borreliose, oft einfach als Borreliose bezeichnet, ist eine bakterielle Infektionskrankheit, die durch Zeckenstiche übertragen wird. Sie kann sich durch eine Vielzahl von Symptomen äußern, von denen das Erythema migrans, eine ringförmige Rötung um die Einstichstelle, eines der charakteristischsten ist. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlung des Erythema migrans im Zusammenhang mit der Borreliose.
Was ist Borreliose?
Borreliose, auch bekannt als Lyme-Borreliose oder Lyme-Krankheit, ist eine Infektionskrankheit, die durch Bakterien der Gattung Borrelia verursacht wird. Diese Bakterien werden hauptsächlich durch Zeckenstiche auf den Menschen übertragen. Die Krankheit kann verschiedene Organe betreffen, darunter Haut, Nervensystem, Gelenke und Herz.
Ursachen des Erythema Migrans
Das Erythema migrans wird durch das Bakterium Borrelia burgdorferi (aus der Gattung der Borrelien) ausgelöst, das meist über Zeckenstiche und, in seltenen Fällen, durch andere blutsaugende Insekten auf den Menschen übertragen wird. Die Bakterien gelangen über den Saugrüssel der Zecke in die Haut und den Blutkreislauf, wo sie sich vermehren und verschiedene Organe befallen können. Nicht alle Zecken sind Träger von Borrelien, daher führt nicht jeder Zeckenstich automatisch zu einer Infektion. Das Risiko steigt allerdings mit jedem Zeckenstich und abhängig vom Alter der Tiere. Ausgewachsene (adulte) Zecken sind häufiger als junge Tiere Überträger der Borreliose.
Symptome der Borreliose und des Erythema Migrans
Die Symptome der Borreliose können je nach Erkrankungsstadium sowie individuell unterschiedlich ausfallen.
Wanderröte (Erythema Chronicum Migrans)
In der Mehrzahl der Erkrankungsfälle (etwa 90 Prozent) tritt innerhalb von drei bis 30 Tagen nach dem Zeckenstich die sogenannte „Wanderröte“ (Erythema chronicum migrans) auf. Dabei bildet sich eine Rötung um die Einstichstelle, die im Verlauf von der Mitte her verblasst und sich ringförmig ausbreitet. Sie kann auch an anderen Körperstellen, wie Kopf, Hals oder Beinen, auftreten und erreicht einen Durchmesser von mindestens fünf Zentimetern.
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Grippeähnliche Beschwerden
Muskel- und Gelenkschmerzen, Fieber, Müdigkeit oder Lymphknotenschwellungen sind häufige Symptome einer Borrelioseinfektion.
Weitere Symptome
- Knötchenartige Schwellungen oder chronische Entzündungen der Haut (Acrodermatitis chronica atrophicans)
- Nächtliche Schmerzen, Störungen oder Lähmungen, beispielsweise des Gesichtsnervs (Fazialisparese)
- Nichteitrige Hirnhautentzündung (Meningitis) mit starken Kopfschmerzen und hohem Fieber (insbesondere bei Kindern)
- Herzentzündung (Lyme-Karditis) mit Herzrhythmusstörungen (sehr selten)
- Brennende Nervenschmerzen oder Gesichtslähmungen (bei Befall des Nervensystems)
- Schubweise und wiederkehrend auftretende Entzündungen der Gelenke (Lyme-Arthritis)
Diagnose der Borreliose und des Erythema Migrans
Die Diagnose der Borreliose kann aufgrund der unspezifischen Symptome erschwert sein. Es ist wichtig, den Arzt über einen Zeckenstich oder die Möglichkeit eines solchen zu informieren.
Körperliche Untersuchung
Eine körperliche Untersuchung auf sichtbare Anzeichen für einen Zeckenstich, wie die Wanderröte, liefert weiteren Aufschluss.
Anamnese
Entscheidend sind die Anamnese (Risikoberufe, Aufenthalt in Risikogebieten, Gartenarbeit), Zeckenstich und das bestehende Erythema migrans.
Serologische Tests
Erregerspezifische Antikörper sind erst etwa 3 bis zu 8 Wochen nach der Infektion zu erwarten. Bei einem klassischen klinischen Bild kann daher auf eine serologische Diagnostik verzichtet und die Antibiotikatherapie sofort eingeleitet werden. Bei atypischem klinischen Befund ist die Untersuchung von Serum auf Antikörper gegen Borrelia burgdorferi zu empfehlen, wobei das diagnostische Fenster von ca. 2-4 Wochen zu beachten ist. Der neue Borrelien recomBead Test stellt dabei eine Alternative zum bisherigen Borrelien-Westernblot dar.
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PCR-Test
Wenn die den Biss verursachende Zecke zur Verfügung steht (auch abgetötet), kann mittels PCR zu einem frühen Zeitpunkt untersucht werden, ob die Zecke Borrelien-Erreger trägt. Bei einem negativen PCR-Ergebnis ist eine Borrelienübertragung auf den Patienten wenig wahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen.
Differentialdiagnosen
Es ist wichtig, andere Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen auszuschließen:
- Erysipel
- Lokale Reaktionen auf Zeckenstich bzw. Stich anderer Insekten
- Tinea corporis
- Arzneimittelreaktion, Kontaktdermatitis
- Granuloma anulare
- Urtikaria
- Erythema exsudativum multiforme
Therapie der Borreliose und des Erythema Migrans
Die Therapie erfolgt mit Antibiotika und ist in der Frühphase der Erkrankung am erfolgreichsten. Eine generelle vorsorgliche Antibiotikagabe nach einem Zeckenstich wird jedoch nicht empfohlen.
Antibiotika
Das Medikament, die Verabreichungsart (Infusion oder Tabletten), die Dosis und Dauer richten sich nach dem Stadium der Erkrankung, den Symptomen sowie dem Alter des Patienten bzw. dem Körpergewicht.
- Kinder bis zum 9. Lebensjahr werden bei einer Erythema migrans mit Amoxicillin oder Cefuroxim in Tablettenform, bei Unverträglichkeiten mit Azithromycin oder Clarithromycin behandelt.
- Ältere Kinder erhalten wie Erwachsene Doxycyclin.
- Bei einer Neuroborreliose, Gelenk- oder Herzbeschwerden werden Cephalosporine der III. Generation (z.B. Ceftriaxon) oder Penicillin G injiziert.
Therapiedauer
Die Therapiedauer beträgt in der Regel 21 Tage. Es sollte so lange behandelt werden, bis das Erythem abgeklungen ist, jedoch mindestens 21 Tage.
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Medikamente der Wahl
- Doxycyclin (ab 9. Lebensjahr): Erwachsene: 200 mg täglich; Kinder > 9 Jahre: 1 - 2 mg/kg auf zwei Einzeldosen, maximal 2x 100 mg
- Amoxicillin (insbesondere bei Kindern und Schwangeren): Erwachsene: 3x 750 mg täglich; Kinder: 50 mg/kg KG auf drei Einzeldosen, maximal 3x 750 mg
Alternative Medikamente
- Cefuroxim-Axetil: Erwachsene: 2x 500 mg täglich; Kinder: 30 mg/kg KG auf zwei Einzeldosen, max. 2 mal 500 mg
- Makrolide (wenn ß-Laktame und Doxycyclin nicht in Betracht kommen)
Prävention der Borreliose
Um Zecken fernzuhalten, tragen Sie bei Aufenthalten in risikoreichen Außenbereichen am besten lange, glatte und helle Kleidung sowie geschlossene Schuhe. Suchen Sie sich und Ihre Kinder danach gründlich auf Zecken ab und entfernen Sie diese umgehend. Anders als bei der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), die ebenfalls von Zecken übertragen wird, gibt es gegen Borreliose keine Schutzimpfung.
Zecken richtig entfernen
Zecken stechen häufig nicht sofort zu. Sie suchen sich zunächst eine bevorzugte Körperstelle, wie Achseln, Kniekehlen, Genitalbereich, Ohren oder Rumpf. Nach einem Aufenthalt im Wald, im Garten oder auf Wiesen sollten Sie sich und ihre Kinder daher immer nach Zecken absuchen. Solange diese sich noch nicht festgesaugt haben, lassen sie sich relativ leicht abnehmen. Selbst nach einem Zeckenstich dauert es üblicherweise einige Stunden, bis eventuell vorhandene Bakterien vom Magen-Darm-Trakt der Zecke über den Saugrüssel in die Haut gelangen können. Deshalb ist es essenziell, sie so schnell wie möglich zu entfernen, entweder mit einer speziellen Pinzette oder mit den Fingern. Wichtig ist es, die Zecke nicht zu quetschen, da sie dabei ihren Magen-Darm-Inhalt über den Saugrüssel in die Haut erbricht. Dies kann auch passieren, wenn Sie die Zecke mit Öl oder anderen Stoffen einreiben. Am besten greifen Sie die Zecke unbehandelt möglichst weit vorn am Kopf und ziehen sie ohne Drehbewegung ab. Sollte der Zeckenkopf in der Haut stecken bleiben, ist dies kein Problem und er fällt nach einiger Zeit von allein ab. Reinigen Sie die Einstichstelle nach Entfernung der Zecke mit einem Desinfektionsmittel, um eine Entzündung zu vermeiden.
Weitere Präventionsmaßnahmen
- Vermeiden Sie Aufenthalte in hohem Gras und Unterholz.
- Verwenden Sie Repellents (Zeckenabwehrmittel).
- Untersuchen Sie Haustiere regelmäßig auf Zecken.
Chronische Borreliose und Post-Lyme-Syndrom
Falls die Borrelien nicht spontan eliminiert werden oder durch eine unzureichende bzw. nicht erfolgte antibiotische Behandlung des Erythema migrans persistieren, kommt es zur Dissemination des Erregers, ausgehend von der lokalen Infektion an der Stichstelle. Bei 10 - 30% der Patienten mit einer frühen disseminierten Borreliose wurde kein Erythema migrans bemerkt.
Spätfolgen
Monate bis Jahre nach der Infektion können Spätfolgen auftreten:
- Lyme-Arthritis (chronische Gelenkentzündungen)
- Neuroborreliose (Befall des Nervensystems)
- Acrodermatitis chronica atrophicans (chronische Hautentzündung)
Post-Lyme-Syndrom
Es handelt sich um ein Syndrom, das nach z. T. mehrfach antibiotisch behandelter Borreliose persistiert. Pathogenetisch werden eine protrahierte (auto)immunologische Aktivierung und eine Borreliose-induzierte Vaskulitis diskutiert. Die häufigsten Symptome sind: Müdigkeit, Erschöpfung, kognitive Defizite und Schlafstörungen, Neuropathien, Schmerzsyndrome.
Alternative Behandlungsmethoden
Wenn die Antibiotikatherapie ausgereizt ist, gibt es alternative Behandlungsmethoden:
- Hyperthermie (Wärmetherapie)
- Ozontherapie
- Hämoperfusion (Blutwäsche)
- Laserblutbestrahlung