Gehirn und Geist: Einblick in Studiengänge und Inhalte

Die Erforschung des Gehirns und des Geistes hat zu einer Vielzahl interdisziplinärer Studiengänge geführt. Diese Studiengänge kombinieren moderne Methoden aus Psychologie, Linguistik, Mathematik, Informatik und den Neurowissenschaften, um das interdisziplinäre Fachgebiet der Kognitionswissenschaft zu erschaffen. Sie vermitteln ein tiefes Verständnis der komplexen Beziehung zwischen Gehirn, Geist und Verhalten. Studierende erlernen Theorien mentaler Operationen und der Funktionsweise des Gehirns und nutzen diese, um menschliches Verhalten vorherzusagen. Die Basis stellen psychologische und psycholinguistische Experimente in der Verknüpfung mit Data Science, Informatik und Mathematik dar.

Kognitionswissenschaft: Das Studium im Detail

Ein Beispiel für einen solchen Studiengang ist der Bachelor of Science in Kognitionswissenschaft. Dieser Studiengang vermittelt theoretisches und methodisches Grundlagenwissen in der gesamten Breite der interdisziplinären Erforschung von Geist und Gehirn.

Studiengang auf einen Blick

  • Bezeichnung: Kognitionswissenschaft
  • Abschluss: Bachelor of Science
  • Regelstudienzeit: 6 Semester
  • Leistungspunkte: 180
  • Lehrsprache: Deutsch
  • Studienbeginn: Wintersemester
  • Campus: Golm
  • Zulassung: NC UP/kein NC
  • Gebühren & Beiträge: Semestergebühren und -beiträge: ja, Studiengebühren: nein

Inhalt des Studiums

Besonderes Gewicht hat die mathematische Ausrichtung der Modellierung menschlichen Verhaltens mittels computerbasierter Simulationsverfahren auf der Basis kognitions- und neurowissenschaftlicher Theorien und Modelle. Die Studierenden werden zum wissenschaftlichen Programmieren für die Gestaltung von kognitionswissenschaftlichen Experimenten und für die mathematische Modellierung befähigt und können das erworbene kognitionswissenschaftliche, psychologische und linguistische Fachwissen für Anwendungen in Data Science und Modellierung integrieren.

Studienziel und zukünftige Arbeitsfelder

Die Studienabsolvent*innen beherrschen Hintergrundwissen, Methoden und Arbeitsweisen für die Aufnahme einer beruflichen Tätigkeit oder zur Fortsetzung des Studiums in einem Masterstudiengang der Kognitions- und Neurowissenschaften und angrenzenden Gebieten. Anwendungsfelder befinden sich an der Schnittstelle der Naturwissenschaften mit den Kognitions- und Neurowissenschaften und reichen von der Gestaltung von Datenerfassungssystemen und menschlichen Benutzerschnittstellen über biomedizinische Technik bis hin zur Gestaltung von Online-Plattformen und den Datenwissenschaften.

Die Absolvent*innen haben die kritische Reflexion der eigenen Arbeitsprozesse erlernt und können Ziele selbstständig definieren und im Arbeitsprozess immer wieder neu bewerten. Sie können Ihr Fachwissen in Expertenteams konstruktiv einbringen und Ihre Beiträge zu komplexen Probleme gegenüber Fachleuten argumentativ vertreten.

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Aufgrund der grundlegenden mathematischen und informatiknahen Ausbildung sowie der erworbenen Kenntnisse kognitiv-psychologischer Prozesse bei Wahrnehmung und Sprachverarbeitung qualifizieren sich Absolvent*innen für eine breite Palette von Tätigkeiten. Mit dem ersten berufsqualifizierenden Abschluss Kognitionswissenschaft ergeben sich bereits mögliche Tätigkeitsfelder, vor allem in Berufsfeldern der Informatik, Softwareentwicklung, dem Wissens- und Informationsmanagement sowie Bildungs- und Kommunikationstechnologien.

Voraussetzungen und Aufbau des Studiums

Für das Bachelorstudium ist der Nachweis einer Hochschulzugangsberechtigung erforderlich. Der Bachelorstudiengang Kognitionswissenschaft ist als Ein-Fach-Bachelor konzipiert und modular aufgebaut. In jedem Modul sind eine festgelegte Anzahl von Leistungspunkten sowie bestimmte Studien- und Prüfungsleistungen zu erbringen.

Insgesamt hat Kognitionswissenschaft einen Umfang von 180 Leistungspunkten und umfasst die in der nachstehenden Übersicht dargestellten Inhalte.

Studieninhalte und Leistungsumfang

Der Studiengang Kognitionswissenschaft umfasst verschiedene Module, die sich in Pflicht- und Wahlpflichtbereiche unterteilen. Die Pflichtmodule decken ein breites Spektrum an Themen ab, von den Grundlagen der Psychologie und Neurowissenschaften bis hin zu mathematischer Modellierung und Programmierung. Der Wahlpflichtbereich ermöglicht es den Studierenden, sich auf bestimmte Interessengebiete zu spezialisieren.

Module und Leistungspunkte:

  • Pflichtmodule (150 LP):
    • I. Einführungsmodule:
      • Einführung in die Kognitionswissenschaft (12 LP)
      • Allgemeine Psychologie I (9 LP)
      • Allgemeine Psychologie II (9 LP)
      • Biologische Psychologie (9 LP)
      • Entwicklungspsychologie (9 LP)
      • Einführung in die Psycho- und Neurolinguistik (9 LP)
      • Philosophie für Kognitionswissenschaft (6 LP)
    • II. Vertiefungsmodule:
      • Kognitive und Biologische Psychologie (6 LP)
      • Vertiefung in Spracherwerb, Sprachverarbeitung und Neurolinguistik (9 LP)
      • Computerlinguistische Techniken (6 LP)
    • III. Aufbaumodul:
      • Einführung in die mathematische Modellierung kognitiver Prozesse (12 LP)
    • IV. Berufsfeldspezifische Kompetenzen:
      • Empirisch-experimentelles Praktikum (6 LP)
      • Statistik und empirische Methoden (6 LP)
      • Programmierung kognitionswissenschaftlicher Experimente (6 LP)
    • V. Mathematische Grundlagen:
      • Mathematik für Informatik I (6 LP)
      • Mathematik für Informatik II (6 LP)
      • Grundlagen der Stochastik (6 LP)
    • VI. Informatische Grundlagen:
      • Programmiersprache (6 LP)
      • Algorithmen und Datenstrukturen (6 LP)
      • Software Engineering I (6 LP)
  • VII. Wahlpflichtbereich (18 LP):
    • Die Studierenden belegen wahlpflichtobligatorisch 2 oder 3 Module mit insgesamt 18 LP.
    • Psycho- und Neurolinguistik (12 LP)
    • Theoretische Grundlagen: Effiziente Algorithmen (6 LP)
    • Intelligente Datenanalyse (6 LP)
    • Künstliche Intelligenz (6 LP)
    • Multimediatechnologie (6 LP)
    • Aufbaumodul Informatik I (6 LP)
  • Bachelorarbeit (12 LP)
  • Summe: 180 LP

Weiterführende Studien

Mit dem Bachelor of Science erwerben Sie einen ersten berufsqualifizierenden, akademischen Abschluss. Im Anschluss daran haben Sie die Möglichkeit, das Studium an der Universität Potsdam in den konsekutiven und forschungsorientierten Masterstudiengängen, z.B. Cognitive Science, Cognitive Systems, International Experimental and Clinical Linguistics und Linguistics: Theoretical and Empirical Foundations fortzuführen.

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Wenn Sie Interesse an der wissenschaftlichen Arbeit gefunden haben, können Sie auch die Entscheidung treffen, durch eine Promotion einen Doktortitel zu erwerben und eine weitergehende wissenschaftliche Laufbahn in Lehre und Forschung anzustreben.

Philosophie-Neurowissenschaften-Kognition (PNK)

Ein weiterer interessanter Studiengang ist der B.A. Philosophie-Neurowissenschaften-Kognition (PNK). Dieser interdisziplinäre Studiengang befasst sich mit Form, Struktur und Funktionsweise des Denkens, Wahrnehmens und Erlebens und letztlich den grundlegenden Fragen des Verhältnisses von Gehirn und Geist.

Inhalte und Schwerpunkte

Er umfasst ein vollwertiges Bachelorstudium in Philosophie mit einem besonderen Schwerpunkt in Theoretischer Philosophie, Philosophie des Geistes und Wissenschaftstheorie. Ergänzt wird die philosophische Ausbildung durch Grundlagen in den kognitiven Neurowissenschaften. Der BA-PNK ist forschungsorientiert.

Berufliche Perspektiven

Es besteht im Prinzip die Möglichkeit das Studium im Rahmen anderer Masterstudiengänge fortzuführen, z.B. in einem philosophischen Masterstudiengang. Außerdem besteht die Möglichkeit, die Aufnahme in einen neuro- oder kognitionswissenschaftlichen Masterstudiengang anzustreben. Der Bachelor PNK ermöglicht sowohl wissenschaftliche als auch außerwissenschaftliche Karrierewege, geistes- und naturwissenschaftliche Spezialisierungen, sowie neuartige Tätigkeiten, in denen zwischenmenschliche Fähigkeiten mit naturwissenschaftlichem Wissen und technischem Know-How kombiniert werden müssen. Die beruflichen Einsatzmöglichkeiten und Tätigkeitsfelder von PNK-Absolvent:innen sind daher vielfältig.

Neurowissenschaften in Marburg

Das Studium der Neurowissenschaften in Marburg verbindet ein breites Spektrum an natur- und geisteswissenschaftlichen Disziplinen, die sich mit dem Aufbau, der Funktionsweise, der Modellierung oder den krankhaften Veränderungen des Gehirns beschäftigen. Inhalte aus Medizin, Biologie, Physik, Informatik, Psychologie und Linguistik fließen in die Curricula ein. Dabei ist die umfassende Vermittlung neurowissenschaftlicher Grundlagen ein elementarer Bestandteil des Studiums und behandelt die gesamte neurowissenschaftliche Spannbreite von zellulären und molekularen bis hin zu behavioralen und kognitiven Themenfeldern.

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Ziel und Ausrichtung

Ziel des neurowissenschaftlichen Studiums in Marburg ist eine primär forschungsorientierte Ausbildung mit einem hohen Praxisanteil. Die multidisziplinäre Ausrichtung des Studiums bildet dabei den Rahmen für eine weitreichende und individuell angepasste Weiterbildung persönlicher Kompetenzen im Umgang mit neurowissenschaftlichen Techniken, molekular- und zellbiologischen Methoden, bildgebenden und elektrophysiologischen Verfahren.

Masterstudiengänge

Die Differenzierung der Masterstudiengänge "Molekulare und Zelluläre Neurowissenschaften" und "Kognitive und Integrative Systemneurowissenschaften" bietet den Studierenden die Möglichkeit, ihren Forschungsschwerpunkt auf molekularbiologische oder kognitive-systemische Aspekte und Methoden der Neurowissenschaften zu fokussieren. Die Anzahl im jeweiligen Master liegt bei etwa 15 Studenten bzw. Studentinnen pro Jahrgang, sodass eine engmaschige Betreuung gewährleistet werden kann.

Berufliche Felder

In Anlehnung an die forschungsorientierte Ausrichtung des Masters, stehen Berufsfelder mit einer Ausrichtung auf den Forschungsbereich im Fokus der Ausbildung. Die Befähigung zur eigenständigen wissenschaftlichen Arbeit ermöglicht es Ihnen zudem, auch in außeruniversitären Forschungsfeldern tätig zu werden. Beispielhaft sind hier die Erforschung von Mensch - Maschinen - Interaktionen, sprachgesteuerte Robotik, die Entwicklung intelligenter artifizieller Netzwerke mit ihrem weiten Anwendungsspektrum oder die Entwicklung zum autonomen Fahren zu nennen. Weitere Berufsfelder erschließen sich durch die fundierte Methodenausbildung in kognitiver (Neuro-)Wissenschaft sowie in kognitionspsychologischen und neurowissenschaftlichen Methoden im Bereich der Kognitiven Ergonomie, der Datenanalyse und Medizintechnik. Neben den genannten forschungsorientierten Berufsfeldern bieten sich Ihnen auch im Bereich der Beratung im Bildungssektor und in der Industrie weitere Aufgabenfelder. Der neuropsychologische Schwerpunkt in der Ausbildung und die angegliederte neuropsychologische Funktionsdiagnostik qualifizieren zudem zur nicht-heilkundlichen Weiterbildung zur klinischen Neuropsychologin / zum klinischen Neuropsychologen, die mit einem Zertifikat der Gesellschaft für Neuropsychologie e. V. (GNP) abgeschlossen wird und eine angestellte Tätigkeit in Kliniken oder Rehazentren ermöglicht.

Gehirn&Geist - Das Magazin für Psychologie und Hirnforschung

Für Studierende und Interessierte bietet das Magazin "Gehirn&Geist" eine wertvolle Ergänzung zum Studium. Es präsentiert fundierte Artikel zu Themen wie Neurologie, Neurobiologie, Verhaltensforschung, Psychologie sowie Philosophie und Religion.

Inhalte und Zielgruppe

Renommierte Wissenschaftler und Fachjournalisten erläutern komplexe Zusammenhänge verständlich und praxisnah. Beispielsweise werden Fragen zur klinischen Psychologie, wie Depressionen oder Burnout, ebenso behandelt wie kognitionspsychologische Themenfelder, etwa bildgebende Verfahren oder Neuro-Enhancement. Auch Tipps zu thematisch verbundenen Büchern und Webseiten sind in jeder Ausgabe enthalten.

"Gehirn&Geist" richtet sich an alle, die ein tiefgehendes Interesse an den Bereichen Psychologie, Hirnforschung und verwandten Disziplinen haben. Besonders geeignet ist die Zeitschrift für Fachleute aus den Bereichen Psychologie, Schule und Erziehung, aber auch interessierte Laien profitieren von den vielseitigen Inhalten.

Vorteile eines Abonnements

Mit einem Abonnement der Zeitschrift "Gehirn&Geist" erhältst du monatlich die neueste Ausgabe bequem nach Hause geliefert. So bleibst du stets auf dem Laufenden über aktuelle Entwicklungen und Forschungsergebnisse in den genannten Fachgebieten. Zudem bietet ein Abonnement den Vorteil, keine Ausgabe zu verpassen und kontinuierlich dein Wissen zu erweitern.

Für Studierende der Psychologie, Medizin, Neurologie und verwandter Studiengänge ist "Gehirn&Geist" eine wertvolle Ressource. Die Zeitschrift ermöglicht es dir, über den Tellerrand der Vorlesungen hinauszublicken und dich mit aktuellen Forschungsthemen vertraut zu machen. Dies kann nicht nur dein Studium bereichern, sondern auch bei der Vorbereitung auf Prüfungen und wissenschaftliche Arbeiten von Vorteil sein.

Kosten im Überblick

Ein Heft der "Gehirn&Geist" kostet in Deutschland, beispielsweise am Kiosk, aktuell 8,50 €. Bei 12 Ausgaben pro Jahr ergibt das einen Betrag von 102,00 € im Einzelverkauf. Mit einem Abonnement lassen sich jedoch Kosten sparen.

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