Die verheerenden Auswirkungen von Alkohol, Drogen und Tabak auf das Gehirn und den Körper

Der Konsum von Alkohol, Drogen und Tabak ist in der Gesellschaft weit verbreitet und hat tiefgreifende Auswirkungen auf die Gehirnfunktion und die allgemeine Gesundheit. Während einige Substanzen wie Alkohol und Nikotin legal sind, bergen alle ein erhebliches Suchtpotenzial und können schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben. Dieser Artikel beleuchtet die komplexen Mechanismen, durch die diese Substanzen das Gehirn beeinflussen, die Risiken, die mit ihrem Konsum verbunden sind, und die verfügbaren Wege zur Überwindung der Abhängigkeit.

Die Neurobiologie der Sucht

Sucht ist keine bloße Willensschwäche, sondern eine komplexe Erkrankung, die tiefgreifende Veränderungen im Gehirn verursacht. Substanzen wie Alkohol, Nikotin und Drogen aktivieren auf unterschiedliche Weise das Belohnungssystem des Gehirns, insbesondere durch die Freisetzung des Neurotransmitters Dopamin.

Das Belohnungssystem

Das Belohnungssystem ist ein neuronales Netzwerk, das eine entscheidende Rolle bei der Motivation und dem Verhalten spielt. Es wurde ursprünglich entwickelt, um uns zur Selbsterhaltung und Fortpflanzung zu motivieren, indem es Aktivitäten wie Nahrungsaufnahme und Sex mit positiven Gefühlen verbindet. Moderne Einflüsse können dieses System jedoch fehlleiten, was zu einem zwanghaften Verlangen nach bestimmten Substanzen oder Verhaltensweisen führt.

Dopamin und Sucht

Drogen und Suchtmittel wirken, indem sie das Belohnungssystem manipulieren und eine übermäßige Dopaminausschüttung auslösen. Amphetamine beispielsweise setzen bei Versuchstieren zehnmal mehr Dopamin frei als Nahrungsaufnahme oder Sex. Das Gehirn merkt sich diese intensiven Belohnungserlebnisse, was zu einem verstärkten Verlangen und letztendlich zur Abhängigkeit führt.

Veränderungen im Gehirn

Der wiederholte Konsum von Suchtmitteln führt zu komplexen neuronalen Anpassungsprozessen, die das Gehirn nachhaltig verändern. Die enge Interaktion von Reizverarbeitung, Kognition, Gedächtnis und Emotionen bedingt ein Suchtverhalten, das nach und nach erlernt wird und schließlich in ein nahezu automatisiertes Handlungsmuster mündet.

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Die Rolle des Glutamats

Glutamat ist ein wichtiger erregender Neurotransmitter im Gehirn, der eine wichtige Funktion für das Lernen und die Wahrnehmung übernimmt. Studien haben gezeigt, dass Glutamat auch bei der Entstehung einer Abhängigkeit eine Rolle spielt. Eine Schweizer Forschungsgruppe hat herausgefunden, dass Rauchen die Rezeptordichte für Glutamat im Gehirn stark verringert, was möglicherweise zu der hohen Rückfallrate bei Ex-Rauchern beiträgt.

Präfrontaler Cortex und kognitive Kontrolle

Der präfrontale Cortex, der für zielgerichtetes Handeln und kognitive Kontrolle verantwortlich ist, interagiert intensiv mit dem Belohnungssystem. Bei Personen, die zu Abhängigkeit neigen, kann der präfrontale Cortex von vornherein eine Dysfunktion aufweisen. Durch den anhaltenden Substanzkonsum wird dies noch verstärkt, wodurch die kognitive Kontrolle über impulsives Verhalten und Automatismen abnimmt.

Striatum und Habit-Bildung

Das Striatum, ein Kerngebiet im mesolimbischen System, spielt eine wichtige Rolle bei der Habit-Bildung. Im Verlauf einer Suchterkrankung wandert die Aktivierung vom ventralen Striatum (dem "Lustzentrum") in das dorsale Striatum. Dieser Shift könnte damit im Zusammenhang stehen, dass sich auch das Verhalten von Suchtkranken in Bezug auf Drogen im Verlauf ändert. Während die Abhängigen anfangs noch freiwillig und zum Vergnügen konsumieren, verlieren sie zunehmend die Kontrolle über ihr Verhalten und sehen sich immer stärker gezwungen, Drogen zu nehmen.

Die Auswirkungen von Alkohol

Alkohol ist eine der am weitesten verbreiteten legalen Drogen in Deutschland. Er wirkt als Zellgift, das schnell über die Blutbahn in den gesamten Körper gelangt und die Informationsübertragung im Gehirn verändert.

Körperliche Folgen

Dauerhaft hoher Alkoholkonsum hat verheerende körperliche Folgen. Alkohol ist an der Entstehung von mehr als 200 Krankheiten ursächlich beteiligt, insbesondere das Gehirn, das Herz und die Leber werden stark in Mitleidenschaft gezogen. Das Bundesministerium für Gesundheit geht anhand von Analysen von „jährlich etwa 74.000 Todesfällen durch Alkoholkonsum allein oder bedingt durch den Konsum von Tabak und Alkohol aus“.

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Psychische Folgen

Neben den körperlichen Schäden kann Alkoholkonsum auch zu psychischen Problemen wie Depressionen, Angstzuständen und Aggressivität führen.

Auswirkungen auf das Gehirn

Schon eine Flasche Bier am Tag lässt die graue sowie die weiße Substanz im Gehirn schrumpfen, wenn Sie über einen langen Zeitraum regelmäßig konsumieren. Die Veränderungen, die Alkohol in den Gehirnsubstanzen verursacht, sind jedoch nicht linear: Je mehr man trinkt, desto schneller schrumpft das Gehirn. Regelmäßiger Alkoholkonsum vermindert die kognitive Leistungsfähigkeit und erhöht das Demenzrisiko.

Die Auswirkungen von Nikotin

Nikotin ist ein Nervengift, das in Tabakprodukten enthalten ist und eine starke psychische Abhängigkeit verursacht.

Körperliche Folgen

Allein in Deutschland sterben jedes Jahr rund 120.000 Menschen an den Folgen von Nikotinkonsum. Zigarettenrauch enthält über 4800 Substanzen, von denen 250 giftig oder krebserzeugend sind. Nikotin bewirkt eine Verengung der Blutgefäße und gleichzeitig einen beschleunigten Herzschlag, was langfristig zu Bluthochdruck führen kann. Außerdem kann das Rauchen die Entstehung von Alzheimer begünstigen.

Psychische Folgen

Nikotin fördert die stimulierende Ausschüttung von Adrenalin, Dopamin und Serotonin und macht damit stark psychisch abhängig. Rauchen kann Gefühle von Stress, Angst, Unsicherheit und Müdigkeit abmildern, aber diese Effekte sind nur vorübergehend und tragen zur Aufrechterhaltung der Abhängigkeit bei.

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Auswirkungen auf das Gehirn

Starke Raucher weisen ähnliche Veränderungen im Gehirn auf wie Suchtkranke, die Kokain oder Heroin konsumieren. Nikotin setzt den Botenstoff Dopamin in einem Teil des Mittelhirns frei, was zu einer Rückbildung der Dopamin-Rezeptoren führen kann. Dieser Rezeptormangel kann es Rauchern erschweren, mit dem Rauchen aufzuhören.

Die Auswirkungen von Cannabis

Cannabis ist eine illegale Droge, die eine starke psychische Abhängigkeit verursachen kann.

Körperliche Folgen

Cannabis macht nicht körperlich abhängig wie Alkohol oder Heroin, aber es kann eine starke psychische Abhängigkeit entstehen. Studien zeigen, dass fünf bis zehn Prozent der Cannabis-Konsumenten die Kriterien von Abhängigkeit erfüllen.

Psychische Folgen

Cannabis-Konsum kann Angst, Panik und Psychosen auslösen. Insbesondere bei Jugendlichen kann Cannabis die Gehirnentwicklung schädigen und das Risiko für psychische Erkrankungen erhöhen.

Auswirkungen auf das Gehirn

Cannabis kann die Gehirnentwicklung schädigen und das Risiko für psychische Erkrankungen erhöhen.

Verhaltenssüchte

Neben der Abhängigkeit von Substanzen können auch bestimmte Verhaltensweisen süchtig machen. Dazu gehören beispielsweise:

  • Internetsucht (Computerspiele und andere Medien)
  • Essstörungen (Magersucht, Bulimie, Binge-Eating)
  • Sportsucht
  • Spielsucht (Glücksspiel, Sportwetten)
  • Kaufsucht
  • Sexsucht

Auch die sogenannten stoffungebundenen Suchtmittel können im Gehirn rauschähnliche Zustände auslösen, es kann zu exzessiven Verhaltensweisen und Kontrollverlust kommen.

Jugendliche und Sucht

Jugendliche gelten als Risikogruppe in Sachen Suchtgefährdung. Die Pubertät ist eine Phase, in der junge Menschen sich von der Familie abnabeln und eigenständigere Wege im Leben gehen. Dazu gehört es auch, Neues auszuprobieren und Risiken einzugehen. Gleichzeitig ist in diesem Alter die Fähigkeit, diese Risiken realistisch einschätzen zu können, noch nicht vollständig ausgeprägt.

Anzeichen einer Sucht

Die Übergänge von gelegentlichem zu regelmäßigem Konsum und dann Abhängigkeit und Sucht sind fließend. Das macht es so schwer, das Konsumverhalten richtig einzuordnen. Diese sechs Anzeichen können eine Sucht hindeuten:

  • Starkes Verlangen (Craving) nach einem Suchtmittel oder einer Verhaltensweise
  • Kontrollverlust, also Schwierigkeiten, das Konsumverhalten zu unterbrechen oder zu beenden
  • Toleranzbildung: Um den gewünschten Effekt zu erzielen, müssen immer größere Mengen einer Substanz oder einer Verhaltensweise konsumiert werden
  • Vernachlässigung des Soziallebens oder anderer Interessen und Aktivitäten zugunsten des Konsumverhaltens
  • Fortgesetzter Konsum trotz des Wissens, dass dieser schädlich ist und das eigene Leben (negativ) beeinträchtigt
  • Entzugserscheinungen: Psychische oder körperliche Symptome, die einsetzen, wenn das Suchtmittel oder die Verhaltensweise nicht verfügbar sind

Hilfe bei Sucht

Sucht ist eine behandelbare Erkrankung. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Hilfe zu suchen:

  • Bundesweite Sucht & Drogen Hotline: 01806/ 31 30 31
  • Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V.
  • Beratungstelefon der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) für Essstörungen: 0221/89 20 31
  • Fachverband Medienabhängigkeit e.V.

Als Freundin, Freund, Verwandte oder Verwandter kannst du keine professionelle Therapie ersetzen. Aber mit deiner Fürsorge kannst du einen wertvollen Beitrag zur Genesung der betroffenen Person leisten und die Motivation zur Bekämpfung der Sucht unterstützen.

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