Ayurveda und Gehirn: Vata, Pitta, Kapha im Einklang für die Gesundheit

Kopfschmerzen sind ein weit verbreitetes Problem, das viele Menschen betrifft. Nach Angaben der International Headache Society (IHS) gibt es 176 verschiedene Formen von Kopfschmerzen, die in der International Classification of Headache (ICH) klassifiziert sind. Die beiden häufigsten Formen sind Migräne und Spannungskopfschmerzen.

Das traditionelle indische Medizinsystem Ayurveda bietet einen ganzheitlichen Ansatz zur Behandlung von Kopfschmerzen, indem es diese in Unterformen klassifiziert und die zugrunde liegenden Ursachen angeht.

Ayurvedische Einordnung von Kopfschmerzen

Der Ayurveda klassifiziert Kopfschmerzen seit Jahrhunderten unverändert in Unterformen. In der klassischen ayurvedischen Literatur werden 11 Kopfschmerzerkrankungen unter dem Begriff „shiroroga“ beschrieben. Quellen dazu findet man z. B. in der Sushruta-Samhita und dem Madhava-Nidanam. „Schmerzerkrankungen des Kopfes werden durch Vata, Pitta, Kapha je einzeln oder durch ihre Kombination verursacht, durch Rakta, durch Dhatukshaya, Krimi und auch durch Erkrankungen wie Surya-Avarta, Anantavata, Ardhavabheda und Shankhaka“.

Ätiologie und Vorzeichen von Kopfschmerzen aus ayurvedischer Sicht

Sämtliche Einflussfaktoren, die die Doshas verändern, können auch Kopfschmerzen hervorrufen. Als vorrangige Auslöser werden Fehlernährung, Bewegungsmangel, Verdauungsstörungen wie Obstipation und Flatulenz, entzündliche Stadien anderer Erkrankungen, Entzündung der Nasennebenhöhlen, Störungen des Sehsinns, Hypertonus, Hirntumoren, Exposition des Kopfes gegenüber zu viel Hitze, Kälte oder Sonne, abrupte Klimaveränderungen, weite Reisen, Schlaflosigkeit, Grübeln, Angst, Ärger, Überarbeitung, Sinnesüberreizung, emotionale Überanstrengung und Erschöpfung beschrieben.

In den klassischen Texten sind auch schon Vorzeichen der Kopfschmerzen beschrieben: Als solche gelten Trockenheit, ein brennendes Gefühl, ein fixierter Blick, Jucken, Zittern, ein Schweregefühl oder Steifheit im Bereich des Nackens. Die Frühsymptome sind noch nicht krankheitstypisch, dennoch ermöglichen sie, eine Veränderung der Doshas frühzeitig zu diagnostizieren. Zum anderen kann der Patient lernen, vor Beginn der Erkrankung auf diese Vorzeichen zu reagieren und damit den Ausbruch der eigentlichen Kopfschmerzen zu verhindern.

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Die drei Doshas: Vata, Pitta, Kapha

Laut Ayurveda besteht jeder Mensch aus einer einzigartigen Kombination von drei Doshas: Vata, Pitta und Kapha. Diese Doshas repräsentieren die verschiedenen Elemente und Energien in unseren Körpern und bestimmen unsere physischen und geistigen Eigenschaften.

  • Vata (Luft & Äther): Vata repräsentiert die Prinzipien von Raum und Bewegung. Körperlich bezieht sich Vata auf Taktung, Impuls und Zirkulation, geistig-emotional wird er mit Begeisterung, Intuition und Schnelligkeit assoziiert. Menschen mit einem vorherrschenden Vata Dosha könnten unter Ängstlichkeit, Schlaflosigkeit und Ruhelosigkeit leiden. Vata ist das Dosha, das für alle Bewegungen im Körper und im Geist verantwortlich ist. Es steuert die Atmung, den Blutkreislauf, die Nervenimpulse, die Verdauung, die Ausscheidung und die geistige Aktivität. Menschen mit einem dominanten Vata-Typ sind meist schlank, leicht, schnell und flexibel. Sie haben eine hohe Kreativität, eine lebhafte Fantasie und eine gute Anpassungsfähigkeit. Sie sind oft begeistert, neugierig und offen für Neues. Vata kann aber auch zu Ungleichgewichten führen, wenn es zu stark oder zu schwach ist. Zu viel Vata kann zu Nervosität, Unruhe, Angst, Schlaflosigkeit, Trockenheit, Kältegefühl, Gewichtsverlust, Blähungen, Verstopfung und Gelenkschmerzen führen.
  • Pitta (Feuer & Wasser): Pitta steht für Energie. Es bildet die Grundlage für das Verdauungssystem und den gesamten Stoffwechsel. Zudem ist es verantwortlich für den Intellekt und kontrolliert die Emotionen. Charakteristische Merkmale sind Intelligenz, Präzision und schnelle Reizbarkeit. Pitta-Typen könnten mit Reizbarkeit, Wut und Entzündungen zu tun haben. Pitta ist das Dosha, das für alle Stoffwechselprozesse im Körper und im Geist verantwortlich ist. Es steuert die Verdauungskraft, die Körpertemperatur, den Hormonhaushalt, die Sehkraft, die Hautfarbe und die Intelligenz. Menschen mit einem dominanten Pitta-Typ sind meist mittelgroß bis groß, muskulös oder athletisch gebaut, haben eine helle oder rötliche Haut, scharfe Gesichtszüge, braune oder blonde Haare, grüne oder blaue Augen und einen starken Appetit. Sie haben eine hohe Leistungsfähigkeit, eine klare Logik, eine gute Organisation und eine starke Willenskraft. Sie sind oft ehrgeizig, zielstrebig und selbstbewusst. Pitta kann aber auch zu Ungleichgewichten führen, wenn es zu stark oder zu schwach ist. Zu viel Pitta kann zu Reizbarkeit, Wut, Eifersucht, Hass, Aggression, Entzündungen, Fieber, Sodbrennen, Durchfall, Hautausschlägen und Haarausfall führen.
  • Kapha (Erde & Wasser): Kapha ist das Prinzip der Kohäsion und Masse. Es ist verantwortlich für Kraft, Stabilität und Kühlung. Charakteristische Merkmale sind ein gutes Langzeitgedächtnis, Verständnis und Mut. Dominante Kapha-Typen könnten Trägheit, Depression oder Gewichtszunahme erleben. Kapha ist das Dosha, das für alle Strukturen und Funktionen im Körper und im Geist verantwortlich ist. Es steuert die Knochen, die Muskeln, die Gelenke, die Haut, die Haare, die Nägel, die Zähne, die Schleimhäute, die Lymphe, das Blutplasma und das Gehirn. Menschen mit einem dominanten Kapha-Typ sind meist groß, kräftig, rundlich oder mollig. Sie haben eine weiche, glatte oder ölige Haut, dunkle oder schwarze Haare, braune oder schwarze Augen und einen guten Schlaf. Sie haben eine hohe Ausdauer, ein gutes Gedächtnis, oft emotional und haben eine große Loyalität. Sie sind oft ruhig, geduldig, freundlich und mitfühlend.

Nach der ayurvedischen Lehre besitzt jeder Mensch von Geburt an ein dominierendes Dosha, das seinen Körper, seinen Geist und seine Psyche prägt. Die anderen beiden Doshas sind zwar schwächer, doch ebenfalls individuell ausgeprägt.

Die zentrale Idee des Ayurveda ist, dass sich die drei Doshas im naturgegebenen Gleichgewicht befinden müssen, damit der Mensch gesund bleibt. Verändert sich das individuelle Verhältnis der Doshas zueinander, entstehen Krankheiten.

Ayurvedische Klassifikation der Kopfschmerzformen

Der klassische Ayurveda unterscheidet 11 Kopfschmerzformen. Jede wird in ihrer Symptomatik, ihrem Verlauf sowie lindernden und aggravierenden Faktoren beschrieben.

  • Vataja-Kopfschmerzen: Diese Kopfschmerzen sind auf eine Störung des Dosha Vata zurückzuführen. Sie treten plötzlich auf, oft ohne ersichtlichen Grund. Die Schmerzqualität ist stechend, der Schmerz wird vom Patienten als stark empfunden und exazerbiert nachts. Begleitsymptome sind Obstipation und trockene Haut. Eine Tendenz zu Ängsten und Sorgen begleitet die körperliche Reaktion. Die Symptomatik lindert sich durch Wärme und feste Bandagen und verschlimmert sich durch Schlafmangel, unregelmäßige Ernährungsgewohnheiten, übermäßige körperliche Aktivität, mentale Überstimulation, Sorgen und Stress.
  • Pittaja-Kopfschmerzen: Ihre Ursache liegt in einer Störung des Dosha Pitta. Der Schmerz fühlt sich an, „als ob glühende Kohlen im Kopf wären“ oder „als ob Rauch aus Augen und Nase käme“. Besserung tritt nachts ein, lindernd wirken außerdem alle kühlenden Maßnahmen. Hitze, Ärger und Konkurrenzsituationen führen zu einer Verschlimmerung der Schmerzen. Typische Begleitsymptome sind ein gerötetes Gesicht, gerötete Augen, Lichtempfindlichkeit und evtl. Nasenbluten. Der Patient klagt oft über Reizbarkeit.
  • Kaphaja-Kopfschmerzen: Sie werden durch eine Störung des Dosha Kapha verursacht. Der Schmerzcharakter ist dumpf und schwer. Begleitend treten Schwellungen im Gesichtsbereich auf, vor allem um die Augen. Patienten beschreiben ein Gefühl von Fülle und Kälte im Kopf sowie Müdigkeit und Erschöpfung. Übelkeit, Schleimbildung, starker Speichelfluss oder Erbrechen können hinzukommen, evtl. kombiniert mit Lungenerkrankungen. Die Symptome vermindern sich durch Aktivität, Wärme und Nahrungskarenz bzw. Fasten. Nässe, Kälte, Tagesschlaf, Langeweile und Trägheit führen dagegen zur Symptomverstärkung.
  • Sannipataja-Kopfschmerzen: Bei Kopfschmerzen vom Sannipataja-Typ sind alle Doshas ursächlich beteiligt. Der Patient weist daher Symptome sämtlicher bisher beschriebener Kopfschmerzformen auf. Diese Form von Kopfschmerzen ist besonders heftig ausgeprägt.
  • Raktaja-Kopfschmerzen: Die Symptomatik wird durch die Reizung des Blutgewebes verursacht. Sie äußern sich primär wie Pittaja-Kopfschmerzen; dazu kommt jedoch noch eine starke Empfindlichkeit im Kopfbereich.
  • Kshayaja-Kopfschmerzen: Verliert ein Mensch viel Substanz, z. B. durch Unfälle, schwere Krankheiten oder Operationen, kann es zu Kopfschmerzen vom Kshayaja-Typ (=Gewebeverlust) kommen. Behandelt man diese durch Fehleinschätzung mit Ausleitungsverfahren wie Schwitzbehandlungen (Svedana), therapeutisches Abführen (Virecana), Behandlungen über die Nase (Nasya) oder Aderlass (Raktamokshana), so werden die Kopfschmerzen durch das Ausleiten weiterer Substanz noch verschlimmert.
  • Krimija-Kopfschmerzen: Bakterien, Viren und andere Mikroorganismen werden im Ayurveda unter dem Begriff „Krimi“ zusammengefasst. Auch sie können einen Kopfschmerz auslösen. Der Patient klagt dann über ständige stechende Schmerzen,„als ob der Kopf weggefressen werde“ oder „explodiere“. Blut, Eiter oder andere Sekrete können dann über die Nase ausgeschieden werden.
  • Surya-Avarta-Kopfschmerzen: Liegt die Erkrankung Surya-Avarta vor, beginnen die Kopfschmerzen bei Sonnenaufgang und nehmen im Laufe des Tages - entsprechend dem Lauf der Sonne - weiter zu. Der Patient klagt über dumpfe, in der Tiefe sitzende Schmerzen in Augen und Augenbrauen. Die Krankheit wird durch alle 3 Doshas verursacht und ist als sehr ernsthaft einzustufen. Erleichterung können erhitzende oder kühlende Therapien verschaffen.
  • Ananta-Vata-Kopfschmerzen: Auch im Falle der Erkrankung Ananta-Vata sind alle 3 Doshas betroffen: Vata, Pitta und Kapha sind gereizt und ziehen zum Nacken und zum Bereich der Schilddrüse. In der Folge treten sehr starke Schmerzen in Nase, Augenbrauen und Schläfenregion auf, begleitet von Augenschmerzen, Steifheit des Unterkiefers bis hin zur Kiefersperre und einem Gefühl des Reibens bzw. Pulsierens im Bereich der Wangen.
  • Ardhavabhedaka-Kopfschmerzen: Diese Kopfschmerzen äußern sich durch heftigen ziehenden und stechenden Schmerz einer Kopfhälfte, „wie durch das Schneiden mit einer Waffe“. Im weiteren Verlauf kann Ardhavabhedaka die Funktion von Augen oder Ohren zerstören. Der Kopfschmerz beginnt plötzlich nach einem Prodromalstadium von 10 bis 14 Tagen, in dem Schwindel und bohrende Schmerzen vorangehen. An der Krankheitsentstehung und -entwicklung sind alle 3 Doshas beteiligt.
  • Shankhaka-Kopfschmerzen: Hier handelt es sich um ausgeprägte Kopfschmerzen mit brennendem Gefühl, Rötung und Schwellung, begleitet von Steifheit des Kopfes und Obstruktion des Rachens. Ursache ist die Reizung von Rakta (Blutgewebe) und aller 3 Doshas. Dieser Zustand wird als unheilbar beschrieben. Er soll innerhalb von 3 Tagen zum Tod führen.

Ayurvedische Differenzialdiagnose

Die Differenzialdiagnose erfolgt durch Anamnese und körperliche Untersuchung. Anamnestisch werden die Geschehnisse im Vorfeld und Anfang der Erkrankung erfragt, sowie Schmerzverlauf und -charakter. Dann werden Puls, Zunge, Gewebe, Augen, Ausscheidungen und Sprache des Patienten nach Anzeichen der 3 Doshas untersucht. Auch der Allgemeinzustand des Patienten, seine Konstitution sowie seine Verdauungskraft werden beurteilt. Ist die Diagnose nicht eindeutig zu stellen, werden therapeutische Testverfahren eingesetzt, um die Differenzialdiagnose zu klären.

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Ayurvedische Therapie von Kopfschmerzen

Das Therapieziel besteht im Ayurveda darin, ein Ungleichgewicht der Doshas durch richtige Ernährung, Heilkräuter, Yoga, Meditation und Reinigungskuren wiederherzustellen.

Die ayurvedische Therapie umfasst: Vermeidung ätiologischer Faktoren, stoffwechselanregende Maßnahmen, Hirntonika, dosha-beruhigende Maßnahmen, ausleitende Verfahren und Pancakarma-Therapie.

Vermeidung ätiologischer Faktoren

Die ätiologischen Faktoren liegen aus ayurvedischer Sicht im Ernährungs-, Lebens- und Denkmuster des Patienten. Diese werden im Gespräch mit dem Patienten eruiert. Mit der Diagnosestellung erfolgt als Erstes eine gründliche Aufklärung des Patienten über die Wirkungen dieser Alltagsaspekte. Es folgt eine differenzierte, individuelle Ernährungs- und Lebensstilberatung, bei der alle ursächlichen Faktoren angesprochen werden. Es muss im Detail geklärt werden, wie die Ursachen für die Energie-Dysbalance im individuell vorliegenden Fall eliminiert oder zumindest minimiert werden können.

Yogatherapie

Yoga kann eingesetzt werden, um Verhaltens-, Denk- und Gefühlsmuster bewusst zu beeinflussen und die Energiebalance wiederherzustellen. Je nach Form der Kopfschmerzen wird stärker mit aktivierenden und kräftigenden Körper- und Atemübungen oder entspannenden, lösenden Techniken gearbeitet. Auch Entspannungsverfahren sowie meditative Ansätze sind nachgewiesenermaßen schmerzlindernd.

Stoffwechselanregende Maßnahmen

Jede Erkrankung belastet den Stoffwechsel des betroffenen Patienten. Ist der Stoffwechsel geschwächt, werden aus ayurvedischer Sicht auch die Aufnahme und Verwertung von Heilsubstanzen, der gesunde Aufbau der Gewebe und damit auch der Erhalt der Immunität behindert. Daher ist die Anregung des Stoffwechsels aus ayurvedischer Sicht unerlässlich, um therapeutisch voranzukommen. Auch die besten Heilsubstanzen bringen keinen Erfolg, wenn sie vom System nicht aufgenommen und verstoffwechselt werden. Dazu wird eine etwas reduzierte, warme, leichtverdauliche Kost empfohlen sowie stoffwechselanregende Kräuter wie Pippali oder Ingwer. Studien zu Ingwer bei Kopfschmerzen deuten darauf hin, dass der Einsatz von Ingwer schon therapeutische und prophylaktische Wirkung bei Migräne hat. Differenzialtherapeutisch sollten zu heiße Kräuter bei Pitta-, Blut- und Hitzebedingten Formen eher vermieden werden. Bei Kopfschmerzformen mit einer Dominanz in Vata, Kapha und mit Schwäche des Stoffwechsels sind stärker erwärmende Kräuter angezeigt.

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Hirntonika

Aus ayurvedischer Sicht belasten Kopfschmerzen das Gehirn. Daher ist es bei allen Formen von Kopfschmerzen zentral, das Gehirn wieder zu tonisieren. Dafür werden verschiedene Heilpflanzen eingesetzt, die zu der Gruppe der Medhya-Rasayana (Hirntonika) gehören, z. B. Brahmi (Bacopa monnieri), Ashvagandha (Withania somnifera), Vaca (Acorus calamus), Jyotishmati (Celastrus paniculatus) oder Shankhapushpi (Convolvulus pluricaulis). Zu all diesen Pflanzen gibt es aktuelle Studien, die deren analgetische Wirkung nachweisen und z. T. auch auf deren Effizienz bei neuropathischem Schmerz und die Modulation der Schmerzverarbeitung hinweisen.

Dosha-beruhigende Maßnahmen

Zur innerlichen Dosha-Beruhigung gibt es Tausende von Heilkräutern. Aus der umfassenden Materia Medica werden typischerweise mehrere Pflanzen ausgewählt: solche, die die Energetik richtig beeinflussen, solche, die ausgleichend wirken, und solche, die eine spezielle Affinität zu mer wünschten Wirkungsort aufweisen. Von vielen dieser klassisch beschriebenen Pflanzen und Kombinationspräparaten sind analgetische, antiphlogistische, neurostabilisierende und antidepressive Wirkungen inzwischen durch klinische und pharmazeutische Forschungen belegt. Dabei werden je nach Kopfschmerzform unterschiedliche Einzeldrogen oder phytopharmakologische Kombinationen empfohlen. Grundsätzlich werden bei eher hitzigen Kopfschmerzformen kühlende Heilmittel, bei eher kalten Kopfschmerzformen erwärmende Kräuterrezepturen gegeben.

Des Weiteren kommen äußerliche Therapieformen zum Einsatz: Wärme, gezielt eingesetzte Kräuterpräparate und Öle sind dabei integraler Bestandteil sämtlicher Anwendungen, die sich als besonders effektiv bei Vata- und Schwächezuständen erweisen. Über mehrere Tage oder auch Wochen hinweg sind Behandlungsserien durchzuführen, um die Energetik dauerhaft zu beeinflussen. Besonders wichtig bei Kopfschmerzen sind auch lokale Techniken wie Shirodhara (Stirnguss), Shirobasti (Kopfbad) und Shirolepa (Kräuterauflagen auf den Kopf). Eine Kombination mit der Behandlung über Marmani (Vitalpunkten) ist möglich. Je nach Kopfschmerzform werden die eingesetzten Heilkräuter kombiniert sowie die Flüssigkeiten eher ölig, milchig oder wässrig ausgewählt. Äußerliche Behandlungen sollten am besten über einen Zeitraum von 1-3 Wochen täglich durchgeführt werden, um einen bleibenden Therapieerfolg zu erreichen.

Ausleitende Verfahren und Pancakarma-Therapie

Bei großer Kraft der pathologischen Prozesse oder chronischem Geschehen ist eine Ausleitungstherapie indiziert. Je nach betroffenem Dosha kommen unterschiedliche Reinigungstechniken zum Einsatz. Bei Kaphaja-Kopfschmerzen wird beispielsweise das therapeutische Erbrechen (Vamana), bei Pittaja-Kopfschmerzen das therapeutische Abführen (Virecana) und bei Raktaja Kopfschmerzen der Aderlass (Raktamokshana) als zentrale Technik eingesetzt. Bei fast allen Kopfschmerztypen, insbesondere aber bei Vataja-Schmerzen, sind medizinische Einläufe (Basti) indiziert. Besonders effektiv im Kopfbereich sind zudem Therapien über die Nase (Nasya).

Die Wirkung der angewendeten Verfahren gilt als sehr stark und nachhaltig, gleichzeitig ist diese Therapieform für den Patienten aber auch anstrengend, sodass geschwächte und ausgezehrte Personen diese nicht durchführen sollten.

Bedeutung ayurvedischer Therapien in der modernen Kopfschmerztherapie

Auch wenn die Studienlage bislang dünn ist, gibt es Hinweise, dass die kombinierte ayurvedische Therapie auch bei schweren Kopfschmerzformen wie Migräne effektiv ist.

Neben der alleinigen Therapie von Kopfschmerzen mit ayurvedischen Methoden können ayurvedische Substanzen zur Verstärkung der Therapiewirkung und zum Abfangen von unerwünschten Wirkungen von schulmedizinischen Medikamenten eingesetzt werden.

Ayurveda im Alltag: Stressbewältigung und innere Balance

Stress ist ein untrennbarer Bestandteil unserer Existenz. Laut Ayurveda betrifft uns Stress, wenn unser Gemüt sich in einem unausgewogenen Zustand befindet. Der Geist wird als ausgewogen erachtet, wenn er fest und stark ist, um Falsches und Richtiges zu unterscheiden. Zusätzlich hat die Seele drei Gunas - Sattva (Wissen, Reinheit), Rajas (Aktivität, Leidenschaft) und Tamas (Trägheit, Unwissenheit). Psychische Störungen oder Ungleichgewichte entstehen, wenn die Sattva-Eigenschaften sinken und Rajas- und/oder Tamas-Eigenschaften ansteigen.

Um den Stress zu reduzieren, sollten Sie Lebensmittel wählen die die Sattva-Eigenschaften erhöhen, wie frisches Obst, Fruchtsäfte, Nüsse, getrocknete Früchte, Honig, Milch, Ghee (geklärte Butter), frische Butter, Buttermilch, usw. Versuchen Sie den Konsum an Tee, Kaffee, Weißmehl-Produkten, Schokolade, Produkte mit weißem Zucker, frittierte Lebensmittel und scharfe Gewürze zu vermeiden, da diese die Rajas-Eigenschaften erhöhen.

Bei der Meditation sind Ihre Gedanken für einen längeren Zeitraum auf eine Sache konzentriert. Unsere Atmung ist eng mit unserem Gehirn verbunden. Sobald wir unter Stress geraten, neigen wir zur kurzen und flachen Atmung mit einer schlechten Auswirkung auf unsere Atmungsorgane. Sobald Sie unter Stress geraten, sollten Sie bewusst versuchen, Ihre Atmung zu beobachten. Sitzen in einer entspannten Position und einige tiefe Atemzüge helfen Ihnen sicher, sich besser zu fühlen. Bei richtiger Atmung unterstützen wir die Prana-Energie (Lebensenergie Luft) innerhalb des Körpers.

Die fünf Elemente im Ayurveda

In der ayurvedischen Philosophie besteht unsere natürliche Welt aus den fünf großen Elementen (“Pancha Mahabhuta”). Diese fünf Elemente im Ayurveda spielen auch eine Rolle für die unterschiedlichen Ausprägungen des menschlichen Bewusstseins aufgrund ihrer ähnlichen klaren, subtilen, mystischen und allgegenwärtigen Eigenschaften. Die Beziehung zwischen den fünf Elementen gleicht einem Tanz miteinander. Es beginnt mit dem ersten Element, dem Äther (oder auch Raum genannt). Äther wird zu Luft, was Reibungen und Spannungen erzeugt und dadurch entsteht Feuer. Danach verdichtet sich dieses Element und wird zu Wasser. Dieses gerinnt dann und wird zu Erde. Daher sind alle fünf Elemente in der Erde enthalten. So wie die natürliche Welt eine Makroökologie bereitstellt, so erfährt jedes Individuum eine Mikroökologie, die sich in der Außenwelt widerspiegelt. Die ayurvedischen Prinzipien stellen Methoden bereit, um unsere innere und äußere Welt zu vereinen und Harmonie zu schaffen. Die Prinzipien zielen darauf ab, eine Balance zwischen den fünf ayurvedischen Elementen (Luft, Feuer, Wasser, Erde, Äther/Raum) sowohl im Inneren als auch im Äußeren herzustellen, um optimale mentale, körperliche, emotionale und spirituelle Gesundheit wiederherzustellen beziehungsweise hervorzubringen.

Die fünf Elemente im Detail

  • Akasha (Äther, Raum): Äther wird im Sanskrit “Akasha” genannt (“allumfassend, allgegenwärtig oder alles durchdringend”) und wird als das erste und feinste Element betrachtet. Es durchdringt den Kosmos und ist die allmächtige Kraft für das ganze Leben, für Klänge, Vibration und die Schöpfung. Es ist die kreative Lebensenergie, die den Antrieb und das Bewusstsein für die Existenz liefert. Alle Öffnungen, Bahnen und Bewegungen in unserem Körper korrespondieren mit Akasha. Es gibt Raum in unseren Ohren, damit wir Klänge hören können. Es gibt Platz in unserem Hals, damit wir schlucken können. Es gibt Raum zwischen unseren Gelenken, damit wir uns bewegen können. Es gibt Platz in unserem Herzen, damit das Blut hindurchfließen kann. Akasha bedeutet mehr als nur die Abwesenheit von Materie. Es ist die ursprüngliche Form der Existenz, nach der alles und jeder geformt wurde und wohin alles und jeder wieder zurückkehren wird.
  • Vayu (Luft): Luft, im Sanskrit “Vayu” genannt, steht nicht nur für Luftmischung, die aus Sauerstoff, Stickstoff, Kohlendioxid und anderen Gasen besteht, sondern auch auch für eine Dimension der Bewegung. Von all den fünf ayurvedischen Elementen ist Vayu das zugänglichste Element und am leichtesten beherrschbar. Die meisten Yogapraktiken beinhalten Atemübungen (“Pranayama”). Prana stammt aus dem Sanskrit und bedeutet Lebensenergie und sie steht den ganzen Tag über zur Verfügung. Ohne Luft können wir nicht atmen oder durchs Leben gehen. Der Effekt, den das Atmen hat, ist sofort spürbar. Viele Menschen kommen nicht länger als dreieinhalb bis fünf Minuten ohne Luft zu holen aus. Ansonsten würden Sie ersticken oder ernsthafte Schäden erleiden. Die Eigenschaften von Luft rufen Bewegung, Leichtigkeit, Gelassenheit und Schnelligkeit, aber auch Unberechenbarkeit und Sprunghaftigkeit hervor.
  • Tejas oder Agni (Feuer): Feuer, im Sanskrit “Agni” genannt, ist sehr wichtig für Ihre Gesundheit. Agni ist die intelligente Kraft, die jeder Zelle, jedem Gewebe und jedem System in Ihrem Körper innewohnt. Es feuert uns an und hält uns in Bewegung. Dieses Feuer steuert die Freisetzung von Hormonen durch das endokrine System und regelt die Verdauung und den Stoffwechsel. Feuer existiert auch an einem sehr subtilen Ort: unserem Gehirn. In unserem Gehirn schafft das Feuer Klarheit, Erleuchtung und Wahrheit. Dieser feine Aspekt von Feuer wird auch “Tejas” genannt und regelt alle geistigen, emotionalen und spirituellen Aktivitäten, einschließlich der wichtigen geistigen Handlungen: Urteilsvermögen und Disziplin. Feuer ist das Element, das für das Verbrennen, Reinigen, Transformieren und Erleuchten zuständig ist, aber auch für Zerstörung, Wut, Macht, Ungeduld und Leichtsinn.
  • Apas (Wasser): Wasser, im Sanskrit “Apas” genannt, entsteht aus Äther, Luft und Feuer, weil es alle Aspekte der anderen drei Elemente enthält. “Apas” repräsentiert flüssige Materie und stellt die Grundversorgung des Körpers dar. Außerdem bietet es Schutz vor Verfall, ermöglicht Bewegung und lindert Schmerzen und Entzündungen. Der menschliche Körper besteht zu 70-75% aus Wasser. Es ist das Element, das primär für den Schutz verantwortlich ist und die wichtigste Nahrungsquelle für unseren Körper darstellt. Die Eigenschaften von Wasser sind: Kühlung, Feuchtigkeit, Schwere, Sanftheit, Stagnation und Fluss. Es ist das Gegenmittel für die folgenden Symptome: große Sensibilität, emotionale Unausgewogenheit, Dehydrierung, Nervosität, niedriges Selbstbewusstsein oder ein verschlossenes Herz.
  • Prithvi (Erde): Erde, im Sanskrit “Prithvi” genannt, ist das Fünfte und Letzte der großen ayurvedischen Elemente. Es ist das letzte Element, weil es aus allen fünf Elementen hervorgeht und die Essenz aller Elemente beinhaltet. Erde repräsentiert die Verdichtung aller Materie bis sie fest wird. Die Eigenschaften von “Prithvi” sind: Stabilität, Schwere, Trockenheit, Dichte, Härte und Greifbarkeit. Wenn Sie nicht richtig geerdet sind, können Sie sich flatterhaft, chaotisch oder in Ihrem Geist gefangen fühlen.

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