NeuroNation Erfahrungen: Gehirnjogging für mehr geistige Fitness?

Die Frage, wie man sein Gehirn trainieren kann, um verschiedene Themen schneller und besser zu verstehen, beschäftigt viele Menschen. Besonders für Personen mit Asperger und ADS, die seit ihrer Kindheit Schwierigkeiten haben, Lerninhalte zu erfassen, ist dies ein wichtiges Anliegen. Häufig führt dies zu Frustration und dem Gefühl, intellektuell hinterherzuhängen, selbst im Studium.

Die Herausforderung: Langsames Verstehen und Selbststudium

Viele Betroffene berichten, dass sie sich Lerninhalte immer selbst beibringen mussten, da sie Erklärungen von Lehrern oder Kommilitonen nicht verstanden haben. Dies führt zu einem erheblichen Mehraufwand und dem Gefühl, "dumm" zu sein. Selbst im Studium bleibt dieses Problem bestehen, was die Studienzeit verlängern und die Freude am Lernen trüben kann. Der Wunsch, den eigenen Wissensdurst zu stillen, wird durch die gefühlte Langsamkeit des Gehirns stark beeinträchtigt.

Die Suche nach Lösungen: Kann man das Gehirn "intelligenter" machen?

Die Frage, ob es Methoden gibt, die das Gehirn "intelligenter" machen oder die Auffassungsgabe beschleunigen können, ist daher von großem Interesse. Hier kommt NeuroNation ins Spiel, ein Anbieter von Gehirntrainingsprogrammen. Doch was taugen diese Programme wirklich?

Was ist NeuroNation?

NeuroNation bietet eine App und eine Webanwendung für Gehirntraining an. Das Unternehmen wirbt damit, dass regelmäßiges Training die geistige Leistungsfähigkeit verbessern kann, insbesondere in Bereichen wie Gedächtnis, Aufmerksamkeit, logisches Denken und Geschwindigkeit. Die Übungen sind spielerisch gestaltet und passen sich dem individuellen Leistungsniveau des Nutzers an.

NeuroNation im Test: Erfahrungen von Nutzern

Um ein umfassendes Bild von NeuroNation zu erhalten, ist es wichtig, die Erfahrungen von Nutzern zu berücksichtigen. Diese sind vielfältig und reichen von großer Begeisterung bis hin zu deutlicher Kritik.

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Positive Aspekte laut Nutzerberichten:

  • Spaß und Motivation: Viele Nutzer empfinden die Übungen als unterhaltsam und motivierend. Die spielerische Gestaltung und das Fortschrittssystem (ähnlich wie bei Videospielen) tragen dazu bei, dass das Training Spaß macht und man am Ball bleibt.

  • Abwechslungsreiche Übungen: NeuroNation bietet eine Vielzahl von Übungen, die unterschiedliche kognitive Bereiche abdecken. Die Übungen sind vielfältig und durchdacht gestaltet, sodass keine Langeweile aufkommt.

  • Individuelle Anpassung: Die App passt sich dem Alter, den Stärken und Schwächen des Nutzers an. Auch Besonderheiten wie Farb- oder Rechenschwächen werden berücksichtigt.

  • Verbesserung im Alltag: Einige Nutzer berichten von spürbaren Verbesserungen im Alltag, wie z.B. besseres Gedächtnis, schnellere Auffassungsgabe, verbesserte Konzentration und strukturierteres Denken.

  • Wissenschaftliche Grundlage: NeuroNation arbeitet mit der FU Berlin zusammen und bezieht Forschungsergebnisse in die Entwicklung der Übungen ein. Die App wird zudem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.

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  • Einsatz in medizinischen Projekten: NeuroNation wird in medizinischen Projekten eingesetzt, beispielsweise als Gedächtnistraining für Senioren oder zur Rehabilitation von Schlaganfallpatienten.

Kritikpunkte laut Nutzerberichten:

  • Freischaltung der Übungen: Einige Nutzer bemängeln, dass man sich erst fast alle Übungen freischalten muss.

  • Technische Fehler: Es gibt Berichte über technische Fehler in der App, die das Training beeinträchtigen können.

  • Schwierigkeitsgrad für ältere Menschen: Einige Nutzer finden die Übungen für ältere Menschen zu schwer und überfordernd.

  • Mangelnde Transparenz: Die Bedingungen für Probeabonnements sind laut einigen Nutzern intransparent und führen zu ungewollten Abbuchungen.

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  • Probleme bei der Reaktivierung: Die Reaktivierung des Zugangs nach Ablauf eines Rezepts (für die Med-Version) kann problematisch sein.

  • Leistungstest: Einige Nutzer kritisieren den Leistungstest, der in regelmäßigen Abständen den Leistungsfortschritt überprüft. Sie bemängeln, dass die Aussagekraft des Tests aufgrund der geringen Anzahl an Tests pro Kategorie (jeweils nur einer) gering ist.

  • Wiederholende Übungen: Nach einiger Zeit können sich die Übungen wiederholen und langweilig werden.

  • Schlechter Support: Einige Nutzer berichten von schlechtem Support mit langen Antwortzeiten und ungelösten Problemen.

  • Google Tracking: Die Nutzung der Web-Version ist mit Google Trackern verbunden, was datenschutzrechtliche Bedenken hervorruft.

Negative Arbeitsbedingungen bei NeuroNation

Kununu Bewertungen zeigen, dass es bei NeuroNation zum Teil schlechte Arbeitsbedingungen gibt. Genannt werden eine schlechte Work-Life-Balance mit vielen Überstunden, eine niedrige Bezahlung und mangelnde Kommunikation zwischen den Teams. Einige Mitarbeiter konnten sich moralisch nicht mit dem Produkt identifizieren und kritisierten, dass die Entwicklung des Produkts ausschließlich auf Finanzierung ausgerichtet sei.

Studienlage zum Gehirnjogging: Was sagt die Wissenschaft?

Die wissenschaftliche Evidenz für die Wirksamkeit von Gehirnjogging ist umstritten. Während einige Studien positive Effekte zeigen, kommen andere zu dem Schluss, dass Gehirnjogging nur die Fähigkeiten verbessert, die man damit übt, aber nicht das generelle Denkvermögen steigert.

Kritik an älteren Studien:

Eine viel zitierte Studie des Medical Research Council der Universität Cambridge und des Fernsehsenders BBC zeigte keine deutlichen Verbesserungen der Gehirnleistung durch Gehirnjogging. Diese Studie wurde jedoch von Wissenschaftlern kritisiert, da die Trainingsdauer zu kurz war und die Probandengruppe nicht optimal ausgewählt wurde (keine älteren Menschen, die besonders von kognitivem Training profitieren könnten).

Positive Ergebnisse neuerer Studien:

Neuere Studien, wie die COGITO-Studie und die Dortmunder Altersstudie, zeigen positive Effekte von Gehirnjogging, insbesondere wenn das Training intensiv, regelmäßig und personalisiert ist. Die COGITO-Studie betonte die Bedeutung der Anpassung an die Fähigkeiten des Nutzers für den Erfolg. Die Dortmunder Altersstudie fand bei älteren Probanden nach ca. 24 Stunden Training eine deutliche Veränderung: Die Probanden wurden in nicht trainierten Tests ca. 15% schneller und machten 10% weniger Fehler.

Die Bedeutung personalisierten Trainings:

Die Wahl der Übungen und ihre Personalisierung sind entscheidend für den Erfolg von Gehirnjogging. Die Übungen sollten sich dem Niveau des Nutzers anpassen und ihn weder über- noch unterfordern.

Fazit: NeuroNation - Sinnvoll oder Zeitverschwendung?

NeuroNation kann eine sinnvolle Ergänzung sein, um die geistige Fitness zu trainieren und zu erhalten. Die App bietet unterhaltsame und abwechslungsreiche Übungen, die sich dem individuellen Leistungsniveau anpassen. Allerdings sollte man die Erwartungen nicht zu hoch schrauben und sich bewusst sein, dass Gehirnjogging allein nicht ausreicht, um die allgemeine Intelligenz zu steigern oder altersbedingte geistige Einbußen gänzlich zu verhindern.

Empfehlungen:

  • Realistische Erwartungen: Gehirnjogging ist kein Wundermittel, sondern eine Möglichkeit, bestimmte kognitive Fähigkeiten zu trainieren.

  • Regelmäßiges Training: Nur regelmäßiges Training führt zu spürbaren Verbesserungen.

  • Personalisiertes Training: Achten Sie darauf, dass die Übungen Ihrem Leistungsniveau entsprechen und Sie weder über- noch unterfordern.

  • Kombination mit anderen Aktivitäten: Kombinieren Sie Gehirnjogging mit anderen Aktivitäten, die den Geist fordern, wie z.B. Lesen, Lernen neuer Fähigkeiten, soziale Kontakte und körperliche Bewegung.

  • Kritische Auseinandersetzung: Hinterfragen Sie die Versprechungen der Anbieter kritisch und lassen Sie sich nicht von übertriebenen Werbeaussagen blenden.

Alternativen zu NeuroNation:

Neben NeuroNation gibt es noch andere Anbieter von Gehirntrainingsprogrammen, wie z.B. Lumosity. Es lohnt sich, verschiedene Angebote zu vergleichen und das Programm zu wählen, das am besten zu den eigenen Bedürfnissen und Vorlieben passt.

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